Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- 10-11 (Okt.-Nov. 1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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56 Der Sabbath. -|— ---י׳-:-— in seinem reicLen Leben in unserer Stadt und darüber hinaus angc regt und geschaffen hat, war, dass in ihnen uneingeschränkte Humanität ,waltete, ohne Rücksicht auf konfessionelle Verschiedenheit. Dankbar erinnern wir Juden auch daran,; dass er iä der Frage der Dispensation der jüdischen Sc h ff 1 e | T0!Ad en manuellen Arbeiten am Samstag; in seiner Eigenschaft als Mitglied der Zentral-; schulpfleg^e für unsere Interessen eintrat, za seinem , eigenen Bedauern erfolglos. Er schrieb darüber am 2!). October 189<l •' | ״Es tut mir leid, .Ihnen mitteilen zu müssen, dass die Zentralschulpflege heute mit grosser Mehrheit beschlossen hat (in Bestätigung eines schon 1893 gefassten Entscheides), den israelitischen Schulhindern keine Dispensation vom Zeichnen uni Rechnen am• Sabbattage zu geben, obwohl ich mein Möglichstes tat, um dnreh 4Ile die Gründe, .welche angeführt werden können, diese Dispensation für dieselben zu erwirken. Ich bedaure diesen Beschluss lebhaft, weil ich der Ansicht bin, dass die Zentralschulpflege damit nicht den höheren Standpunkt einnahm, welcher der obersten Stadjtbehörde einer Stadt, Zürich ist, würdig wäre. Die Ansichten;der Mit- I glieder hatten sich vor den Verhandlungen schon gebildet Und alles I Reden nützte nichts. .,Keine Ausnahmen und Vorrechte unter den \ Kindern eines Volkes“, war die Parole. Wir wollen hoffen, dass - unsere Jiundesbehiirden freisinniger und to'eranter entscheiden werden, wenn die Frage an sie gelangt“. Amsterdam, 19. September. Es hat nicht ▼iel gefehlt, dass es im Lager ▼on Harscamp (Gelderland) aus religiösen Gründen zu schwerent.Cguflicten gekommen wäre. Unter den daselbst zn militänscbejLp®>angen eingezogenen Truppen befanden sich etwa 350 I s r a ed&f'e n , fast durchweg aus Amsterdam. Gewöhnlich wird Aen{ israelitischen Soldaten für Neujahr und Versöhnon MvtA g ein Urlaub gewährt, nach dessen Ablauf sie wieder in daKLager zurückzukehren haben. Diese Erlaubnis wurde aber dieses4 ׳al verweigert, weil einige Tage vorher in Amsterdam ein Fall aisiMjscber Cholera mit tödlichem Ausgang festgestellt worden war und die Stadt offiziell als verseucht erklärt wurde. Darob - herrschte unter den jüdischen Soldaten grosse Unzufriedenheit, sie verlangten von dem Regimentskommandeur ״grossen Urlaub“, d. h. sie sollt« nach Amsterdam gehen können, ohne wieder in das Lager zurückkenrey zu müssen. Dies wurde abgeschlagen, und auf ein an den Kriegsminister gerichtes Telegramm folgte derselbe Bescheid. Da es infolgedessen bedenklich gärte, wandte sich der Regimentskommandeur an einen jüdischen, im Lager anwesenden Militärarzt, der dann *Uch an die Unzufriedenen eine Ansprache hielt, worin er seinen Glaubensgenossen die Notwendigkeit der Urlaubs Verweigerung d»rzulegen suchte. Dies half, und die Gemüter beruhigten sich, als bekannt geworden war, dass der Oberrabbiner von Gelderland, an den sich der Oberst gewendet hatte, bereits die nötigen rituellen Gegenstände aus Ambern abgeschickt hätte. So konnten denn die jüdischen Soldaten in der während der L'ebungen im Laser erziehteten jüdischen Kantine in der vorgeschriebenen Weise das Neujahr feiern. lUebj|Auä characteristisch ist die Art, wie die ,Voss. Ztg.“, der wir di^sc Mitteilung entnehmen, den Vorgang zu glossiren sich gestattet. 'Sie schreibt: ,Bezeichnend ist dieser Vorfall, der früher ■jicbcr unmöglich gewesen wäre, aber doch. Diesen israelitischen Soldaten war es natürlich nicht unbekannt, welcher Wini im Augenblick in den oberen Regionen weht, man hat ja eine ״christliche“ Regierung, von deren Tisch auch einige Brosamen für die strengen Jaden abfallen, und diese wussten recht gut, dass man nur die Saite der Wahrnehmung der religiösen Pflichten anzaschlagen habe, um selbst eineg Eingriff in die militärische Disziplin straflos wagen za dürfen.“ Wech ir^fftwvo ein Dissident mit Strafe belegt wird, weil er sein Kind . dem/ReligiÄsunterrich't entzogen hat, dann ist die liberale Presse, nicht zuledm die ״Voss. Ztg.“, sofort auf dem Plan, um die Sache der ,,geknechteten Gewissensfreiheit“ zur ihrigen za machen und za verfechten. A Wenn aber jüdische Soldaten einen lediglich aus Schematisch-formaren Gründen erlassenen Corpsbefehl — zudem es sich nicht un den Ernstfall der Vaterlandsverteiiigang, sondern um eine Kriegsspielübung handelt — nicht für sacrosanct genug halten, um ihm die Feier ׳ ihrer heiligsten Ruhetage widerspracblos zum Opfer zu bringen, so ist dasReroltc und Untergrabung der staatlichen Autorität r Und das Ganze nennt sich liberale, aasgleichende Gerechtigkeit 1 Vielleicht beantwortet uns die ״Voss. Ztg.“ auch die Frage, wieso es kommt, dass sie, die die Phrase vom christlichen Staat doch so energisch abweist, es zwar für geboten erachtet, dass die Christliehen Soldaten an den Ruhetagen ihrer Religion vom Dienst befreit, den jüdischen aber schon der Versuch an ihren hohen Feiertagen einen Urlaub zu erlangen, als schweres Verbrechen angekreidet wird : Zwei scharfsinnige Erklärungen. Mitgeteilt von Dr. med. Ratner-Wiesbade«. T. Es giebt einen מד־ש פליאה, in dem es heisst: ד־ענך וי־עיבך מכאן לנשים שמדל־קין נ־ור. נ ע ־ב שבת. Der Zusammenhang erscheint unverständlich. Nun heisst es in : ואתהנן ויאכילך את המן. Es drängt sich die Frage auf, warum nennt die Thora nicht an dieser Stelle auch, dass Gott den Kindern Israel Wasser aus dem Felsen gelockt, damit sie Dicht verdursten. Das ist doch vielleicht wichtiger! Der grosse Rabbi Abraham Braude זיל macht folgende Combination : Die erste Frage lässt sich dabin beantworten, dass ■שתייה ככלל אכילה ist; daher braucht er nicht das Wasser zu nennen, weil es in ויאכילך mit einbegriffen! In נכא בה־א findet sich auch die Meinung, dass der' עין הדעת ein נפן war. Da es aber nur ממנו לא תאכל heisst, muss man sagen, dass .הוד wegen שתייה בכלל אכילה bestraft worden! Nun heisst es wieder in זדא כבתה נרו של ,שבת אדם לפיכך תדליק נ־ בע־ב שבת. Also: חוה, welche dies angerichtet, ist bestraft worden wegen שתייה, weil sie בבלל אכילה ist. Bei ויענך וי־עיבך muss man dies ebenfalls annehmen, weil sonst auch die Versorgung mit Wasser erwähnt worden wäre. (Jnd da beim עין הדעת die Strafe des בבתה נ־ו של אדם erfolgte, so empfingen ihre Geschlechts, genossinen zur Sühne die Pflicht שמדליקין נ־ות בע ש. II. Vom מן heisst es: וטעמו כצפיהית בדבש. Unsere Weisen erklären, dass man den Geschmack jeder Speise, welche man sich beim Essen des מן dachte, geniessen konnte ,מעם בשר עופות usw. Weshalb beklagten sich also die Israeliten und wollten extra Fleisch haben? Die Antwort darauf aber ist: weil sie die Speisen nicht sahen, und man keinen ri chtigen עונג dabei hat, ebenso wie unsere Weisen im Tr. יומא von סומא sagen. (Das stimmt ja auch mit den bahnbrechenden Untersuchungen Pawlow’s überein, welcher experimentell nachwies, dass der Anblick der Speisen die Magensaftsecretion auslöst! Daher auch der Sprachgebrauch: den Mund wässrig machen; es läuft einem das Wasser im Munde zusammen!) Nun dient aber הדלקת נר am ע־ב שבת auch dem עונג, damit man am hell erleuchteten Tische speisen *und beim Sehen der! Speisen den vollen Genuss empfinden. Daher .מכאן לנשים שמדליקין נדות בע־ש .. Diese Erklärung rührt von R. Ch. D. j Azulai זיל, dem bekannten Verfasser der שם הגדולים her! I i ־w^־