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Der Sabbath · 1909-10-01 · 10-11 (Okt.-Nov. 1909) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
9 (1909)
Issue
10-11 (Okt.-Nov. 1909)
Date
1909-10-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Der Sabbath. t big 11 Uhr ausgedehnt werden sollte. Gleichzeitig legt 'der Kieler Detaillisten-Verein mit dem Rabatt-Sparverein ״Kilia“ zusammen den städtischen Kollegien eine Sammlung von Unterschriften solcher Gewerbetreibenden vor, die aus geschäftlichen Gründen bitten, von der Einführung der völligen Sonntagsruhe Abstand zu nshmen. Den gleichen Standpunkt nehmen auch, wie au anderer Stelle mit• geteilt, die Berliner Gewerbetreibenden ein. j Rogasen, im October. Am 24. d. M. fand hier eine!Yersammlung zwecks Gründung einer Ortsgruppe des Verbandes deir Sabbathfreunde durch die Posencr Ortsgruppe statt. Die Verunstaltung war sehr zahlreich besucht, der grosse Saal von Kaubes Hotel war bis auf den letzten Platz gefüllt. Herr Lehrer Brock leitete die Versammlung. Er wies in einer kurzen und wirkungsvollen Anspräche auf die Wichtigkeit des Sabbaths als Grundlage des Judentums hin, der zahlreiche Besuch der Versammlung sei ein erfreuliches Zeichen dafür, dass auch in hiesiger Stadt die Zahl' der Sabbathfreutde eine grosse sei. Er begrüsste hierauf Herrn f i d k u s Plessner aus Posen und erteilte ihm zu seinem Vortrag, ״W a s will der V erband der Sabbathfreund das Wort. Der Redner schilderte die Ursachen, die zur Gründung des Verbandes geführt haben, und die Erfolge, die er bisher erzielte. Er beleuch tetc zunächst die Entwickelung der Stellen-Vereine, die Versicherung gegen Stellenlosigkeit, welche letztere bei kleineren Beiträgen einen jedeu .שב־ haltenden Handlungsgehilfen, sobald er ohne Stellung ist, von der äussersten Not beschützt. Der Redner kam dann auf das Credit• Institut zu• sprechen, und schilderte die Einrichtungen der jüd. Brockensammlung ״Peah“, die sich in einigen Städten sehr gut bewährt hat und nicht nur den armen Glaubensgenossen Arbeitsgelegenheit gäbe, sondern ihnen auch für minimale Beträge Kleidung»- stücke und sonstige Gebraucbsgegenstände überlasse. Herr Plessner teilte noch die Erfolge mit, die der Verband in der Sonntagsruhe und Dispensationen von jüd. Schülern errungen habe. Nach diesen Einrichtungen des Verbandes kam der Redner anf die idealen Seiten des Sabbaths zu sprechen, derselbe sfi nicht nur ein körperlicher Ruhetag, sondern vor allen eine Erholung des Geistes, es sei ein Tag, an dem man sich mit Tborastudium etc., beschäftigen soll. Insbesondere habe der Freitag-Abend die Kraft, das innige Familienband zu befestigen, das dnreb die grössten Schätze der Welt nicht zu ersetzen sei. Zum Schluss forderte er zum Beitritt auf und wies noch darauf hin, dass man für den Betrag ausser der Förderung 4er heiligen Sache noch das monatlich erscheinende Blatt ״Der Sabbath“ und ״Volksschriftcn“ gratis bekommt. Die Rede des Herrn Plessner wurde mit lebhafter Begeisterung aufgenommen nnd reicher Beifall folgte seinen Ausführungen. Der Erfolg war ein sehr guter; es traten sofort 35 Mitglieder dem Verbände bei. Ganz besonders Herrn Lehrer Brock gebührt Dank; er hat sich um das Zustandekommen dieser glänzend verlaufenen Versammlung in erster Reihe verdient gemacht. Wien, 10. September. Folgender, kaum glaublicher Vorgang wird in einem Eingesandt der ״Oest. Wochenschrift“ berichtet: Heute war ich beim k. k. Bezirksgerichte Fünfhaus Zeuge, wie gleichgültig sich viele Juden selbst der Rechtswohltat begeben, an den hohen jüdischen Feiertagen vor Gericht nicht •in Streitsachen erscheinen zu müssen. Der christliche Bezirksrichter schlug für die Erstreckungs-Tagfahrt den 17. d. Mts. vor, bemerkte aber sofort, wenn es den Kläger, der Jude ist, geniert, so kann die Tagfahrt am 20. d. Mts. sein, ebenso bemerkte der Bezirksrichter zum jüdischen ' Advokaten gewendet; indess-,beide Herren erklärten, es genierte sie nicht) Nun musste aber ein Zeuge geladen werden, der auch Jude ist, und trotzdem von dem Beklagten eingewendet wurde, dieser Zeuge werde sich auch nichts daraus machen] an einem jüdischen Feiertage vor Gericht zu erscheinen, beschlos s -der feinfühlende Bezirksrichter die Tagfahrt nicht für den 17., sondern für den 2 0. anzuordnen, da es, seiner Ansicht nach, nicht recht sei, einen Juden an seinem Feiertage als Zeugen Tor Gericht zu laden. Die zwei beteiligten Juden hörten diesen Be- .;Schluss des christlichen *Bezirksrichters und sie erröteten jb i c h t!“ פס Wien, im October. Die Zustellung bescheinigter Postsendungen an israelitische Empfänger an Samstagen und sonstigen Tagen mit religiösem Schreibverbote wurde zufolge Erlasses des k. k. Handelsministeriums vom 10. September L J. nunmehr einheitlich in folgender Weisd geregelt: Bescheinigte Sendungen mit Ausnahme von Expresssendungen, Gerichtsbriefen und allenfalls von Sendungen mit leicht verderblichem Inhalte für israelitische Empfänger, an welch e die Aushändigung an Samstagen und sonstigen Tagen mit religiösem Schreibverbote erfahrungsgemäsi nicht erfolgen kann (z. B. weil die . strjkte Einhaltung des religiösen Schreibverbots durch solche Personen, die Nichterötfnüng ihrer Geschäfte postbek&nnt ist),?ind vorläufig nur in besondere Vormerke, zu denen Formulare der Bcstellkarten (für Pakete und Geldbricfc), beziehungsweise ci-s Abgabebuches (für rekommandierte Sendungen) za verwenden sind, cinzatragen and als ״Bestand“ zu behandeln. Am nächsten Tage ohne religiöses Schreibverbot, eventuell noch am betreffenden Tage nach Ablauf des Schreib- Verbots, sind solche Sendungen, soweit sie nicht etwa noch vor Antritt der Bestellgänge im Postamte behoben werden, welche Behebnug in bezng auf die Entrichtung der Bestell- und Avisogebubren dem Ausnabmswcisen Abholung?Vorbehalt gleichzuhalten ist, der Za- Stellung oder Avisierung zuzuführen, bezw. in die wirklichen Bestellkurten oder. Abgabebilchcr cinzatragen. In der gleichen Weise ist bei der Zustellung und Avisierung bescheinigter Sendungen an solche israelitische Empfänger vorzugehen, welche sich in formloser Weise beim Postamte mit diesem Vorgänge, allenfalls nach über postamtliehe Aufforderung einverstanden erklären. Wien. Auf Eingabe des Vorstandes der Israelitischen Kaltnsgemeinde Wien hatte das k. u. k. Militär-Stationskommando verfügt,־ dass an den Tagen des Roschhaschonoh-Festes und am Jom Kippur die jüddischon Soldaten nach Zulässigkeit des Dienstes dienstfrei belassen, und dass die Einjährig-Freiwilligen am Jom Kippur tunlichst von jedem Dienste befreit werden. Die Einjäbrig-Freiwilligen-Abteilung des hier garnisonierenden Train-Regiments, in welcher 30—40 jüdische Freiwillige dienen, sollte am Jom Kippur um 6 Ohr früh za einer Debang in das Brücker Läger abrücken. Mehrere־yäter von Freiwilligen wandten sich an die israelitische Kultus ge mände und diese intervenierte am Vortage des Versöhuangsf^teT mit Erfolg beim k. u. k. II. Korpskommando. Es wurde auf kurzem Wege dem Kommando des Train-Regimentes aafgetragen, die Israeliten von der Uebung zu befreien. Rakonitz. Die hiesigen jüdischen KaafTeute reichten einige Wochen vor Roschhaschonoh ein Gemch um Verlegung des Jahrmarktes, der auf den ersten Tag des Festes fallen sollte, der Bürgermeisterei ein. Sonderbarerweise — es hat den Anschein, ah ob es absichtlich geschehen wäre —*übergab das Bürgermeisteramt ihr Gesuch mittels der Bezirkshanptmannschaft der Statthalterei ganz unmotiviert, was zur Folge hatte, dass es abgewiesen wurde. Anf diesen Bescheid hin, der nota bene erst einige Tage vor Roschhaschonoh bekannt wurde, eilte eine Deputation der hiesige■ jüdischen Kaufmannschaft nach Prag, um bei der hohen Statthalterei nach dem Grunde der Abweisung za fragen nnd um Verlegung des Jahrmarktes nochmals anzasachen. Sie wandte sich an den, durch sein gntes, echt jüdisches Herz allgemein bekannten and beliebte■ Advokaten, Herrn Dr. Ludwig Bendiner, der sich der Sache sofort wärmstens annahm. Doch es musste von neuem ein gereicht werden nnd, obwohl das Gesuch noch zwei Tage brauchte, bevor es in Prag angekommen war, warde es sofort in günstigem Sinne erledigt Das Hauptverdienst am diese glückliche Wendung hatte selbstverständlich Herr Dr. Bendiner, der, obwohl selbst vom Arbeit überhäuft, weder Zeit noch Mühe scheute, die Bewilligung und rasche Erledigang des Gesuches bei der hohen Statthalterei zu erwirken. Es sei ihm anf diesem Wege nochmals der herzlichste Dank der hiesigen, jüdischen Kaafleute für sein wackeres Auftrete■ zam Ausdrucke gebracht, denn durch seine Hilfe wurden sie davor bewahrt, entweder einen hohen Feiertag za entweihen oder eine gTosse; vielleicht unberechenbare, materielle Einbusse zu erleiden. ן Zürich, im October. Altpfarrer B i 0 n ist hier gestorben. j Das Kennzeichnende aller <^er vielen philanthropischen Werke, die er

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