Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- 10-11 (Okt.-Nov. 1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 51 segnende Hand über die Häupter der Lieben a jsbreiten sollen. Wie musste er da von den himmlischen Friedensfeistem sich umschwebt fühlen, denen er laut ״Seid begrüsst, Ihr Engel des Friedens, Bc Höchsten“! Wie mochte es ihn drängen, im I^onnegefühl seines häuslichen Glückes auszurufen: ,Ein Weib, wer findet es? Sie ist seltener als Perlen“! Und ehe er sich mit den Seinigen dem Genüsse des Sabbath- Mahles bingiebt, vergegenwärtigt er ihnen die Bedeutung des Buhetages, lobt Gott, der den Sabbath geheiligt, Wein und Brod schaffet und von der weihenden Grundlage getragen, sind Speis’ und Trank von heiligfroher!Sabbath- Stimmung gewürzt, und der von Weib und Kind, Armen und Gesinde umkränzte Tisch ein Gottes - Altar, von welchem die heiligen Flammen des religiös durcfaglüliten Gemüts aufschlagcn, und in lieblichen Sabbath-Gesängen Opfer des Dankes, der Liebe und Freude dargebracht werden zur Wonne und Befriedigung der tiefen Seele, zur Heiligung des Sabbaths, zur inneren Erhebung des Familienlebens, zum Segen und Frieden und Wohlgefallen vor dem Ewigen. So ward schon der Anfang des Sabbaths durch die Weihe und Feier des Freitagabends ein wahrer *Segensquell“ für das Judentum. Aus ihm strömte dem in der heissen Jagd nach Ernährung seiner Familie sechs Tage lang abgehetzten und abgeschwächten Körper frische Erquickung, Erholung und Kraft zu für die Anstrengungen der kommenden Woche. Aus ihm schöpfte der Israelit allwöchentlich keinen kleinen Teil seiner religiösen Seelenruhe inmitten des Lebenskampfes, seines unversieglichen Vertrauens auf den Gott Israels in den schweren Prüfungszeiten seines Volkes. Und wenn in Israel der Tag der Buhe und des Vergnügens die Jugend weniger zu sittlicher Ausschreitung führte, weil er mit der reinen gottvollen Lust am Familientisch seine Feier beginnend, dem ganzen Sabbathieben einen höhern, sittlichen Geist einbauchte; wenn das Licht der religiös - gemütlichen Freitagabend-Feier das Herz des Kindes so himmlisch beseligte, dass selbst Mancher, der beute für die alten Sitten und Gebräuche kalt und gleichgültig geworden, noch mit warmer Pietät jener seligen Sabbath-Abende seiner Kindheit gedenkt und durch ihren unverlöseblichen Einfluss unbewusst noch eine innige Anhänglichkeit an Glauben und Judentum in sich trägt: so wollen Wir uns bestreben, dass zur Zeit des Freitag - Abends ״allen Kindern Israels in ihren Wohnungen“ und Familien wieder solches Licht weihevoller Sabbath-Freude erstrahle ״und zur Abendzeit soll es Licht werden“. arccrE | * | Was kündet uns der Sabbatpsalm an den Jomim naurbim? Zwei Betrachtungen | ן .Majestät" des liaturstaffes״ I. Oie לראש השנה יום אי. מ־־. גדלו מעשיך ד׳ מאד עמקו מחשבותיך. ^ש בער לא ידע יבסיל לא יבין את חות. בסרח רשעים כמז עשב ייציצו כל ©ועלי אק להשמדש עדי עד. ואתה מרום לעולם ד׳. .Wie groea sifid Deine Werke, Ewiger; wie so lief Deine Gedanken! ■io Unwissender wird nicht zur Erkenntnis kommen; I ein Leichtsinniger wird dies nicht durchschauent Wein aufspriessen Frevler wie Kraut und zur Blüte gelangen alle Missetäter. — zu ihrem Untergang in der Ewigkeit l Du bist Erhabenheit für immer. Ewiger!* ר*ה und יזדב, jedes der Feste begeht seit Jahrtau- ■enden die jüdische Welt als יום הדין, als ,,Tag der Entzuruft•: ten des biederes Scheidung.“ Tage sind sie, an denen dio KutScheidung fällt über des künftigen Jahres Leid und Freude, über des beginnenden Jahres Enttäuschung und Befriedigung, über Erkrankung und Erstarkung. Ja. mein• noch bringen die Tage der Entscheidung. Sie geben Antwort auf die Frage: Wer von uns, wer von den Ulisrigen wird den künftigen ,דד noch auf Erden erleben? Je kraftvoller das Bewusstsein von der Folgenschweie der Ent- Scheidung uns erfasst, desto dichter uinranken unser Herz Blätter der Erinnerung. Sie tüistern leise von altem und jungem Schmerz, von alter und junger Freude. Spannung und Erinnerung geleiten also die Seele zu dem göttlichen Throne, und sie betet, betet voll banger Sorge zu dem Weltenkönige התותך ה״ם לבל זד, der des Lebens Anteil zumisst jedem Lebendigen, auf dessen'Wage Leben und Tod ruhen. הנה יום הדין Sehet, es ist ein Tag der Entscheidung für die Zukunft, aber nieht nur für die Zukunft, es ist auch ein Tag der Entscheidung für die Vergangenheit. Entscheidung in doppeltem Sinne; über das Schicksal im künftigen Jahre und über das Verhalten im.vergangenen Jahre. Die Zukunft vernimmt die Frage: מי יחיה ומי ימות wer soll leben und wer sterben? Die Vergangenheit horcht auf die Frage: מי צדיק מי פושע wer "war ,ein Frommer, jwer ein Gleichgültiger? Für jene*”erklingt die Frage: מי ישפל למי ירום wer soll sinken, wer emporkommen? Diese aber hört — מין פ־ק עול ומי האמין wer war treulos, wer treu dem Gottesworte?;מי ינוח ומי ינוע wer soll ein ruhiges Leben führen, wer'ejin bewegtes? מ* ננש את יצרו ומי לא כבש wer hat seiner Leidenschaft Einhalt geboten, wer nicht? Ach. ■wie vielgestaltig kann das Menschenscliicksal sein! Wie viele darum der Fragen! Wehe! Wie vielgestaltig kann das sittliche Verhalten sein. Wie zahlreich darum die Fragen! 0, dass es nur Spannung und Sorge wären, die' uns‘ vor dem Himmelsthron erfassen! Nein, Schrecken und Schauder ergreifen uns, wenn wir der Wechselwirkung dieser Fragengruppen uns bewusst werdeu. Und doch, m. Fr.! Glückselig dürfte man den Juden preisen, der am יום הדין, erschrocken, erschaudernd,■ erschüttert vor Gott steht. Denn so gar leicht :st diese Glückseligkeit des, Schreckens nicht gewonnen. Nur in wessen Brust die Ueberzeugung wohlgeborgen ruht von dem lebendigen Gotte der 'תורה' und der Natur, von demselben lebendigen Gotte, der die Welt in sechs Tagen ins Leben gerufen und auf dem Sinai das Thoragesetz verkündet hat, nur ein solcher Mensch ist fähig jenes Glückes, fähig jenes Schreckens. Sagt an: Ist einer unter Euch, der nicht zu sagen wüsste von einem Attentat auf diese Ueberzpugung seiner Seele? Sind es nicht weltbezwingen le Mäcliie in unserer Zeit, deren Zerstörungsgeist geradedieser unserer Ueberzeugung die Fehde ־ erklärt? Zw|ei Gewalten von königlichem Ansehen und mit königlicher Gefolgschaft habqn ihr den Krieg entboten: die Majestät des Naturstoffes und die Majestät des Erfolges. Lasst uns sie nicht aus Augen lassen באלה ימי הדין in diesen Tagen der Entscheidung. Doch dem Könige des Erfolges soll nicht der heutige Tag, soll der ל נד־יr־Abend erst ins Antlitz leuchten. בם־ה רשעים במו עשב der Menschen, verwirrenden, Menschen berückenden ״Majestät“ des Erfolges werde s. G. w. in der heiligen :'•T-Nacht unser Urteil gesprochen. Heute mag, da wir vor Gottes Thrpn treten sollen, zuvor vor unseren-Bichterstuhl treten di e ״Majestät“ des Naturstoffes. Uns ist er kein Kön-ig, keine’Majestät. Ent-, rüstet verweigern wir ihm der Huldigung leisesten Hauch. Denn nicht Huldigung der "Natur hat d;r Psalmisten Leyer uns gelehrt. Nein! מ ־ גדלו מעשיך ד׳