Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- 10-11 (Okt.-Nov. 1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ו>5 Der Sabbath Zyir Freitagabend-Feier*), Von Dr. Herxheimer. i; - 1• Wäfydie Wurzel des mosaischen Sabbath-Gebotes unterdelTmflegenden Hand des Rabbinismus die Feier des Freitagabends zu einer, das Seelen- und Familienleben in Israer erquickenden Blüte eraportrieb; auf welche Weise die frühere Zeit mit dem heiligen Salböl des religiösen Gefühls den Freitag zum heiligen Rüsttag des Sabbatjis, den Freitagabend zu einem heiligen, schönen Abend wwpte, der, ein echter Edelstein der herrlichen ״SabbathJR^bne* ist, wie der hellglänzende Abendstern am Himmel des Judentums leuchtet; darüber nachzudenken, dürfte fürldiejenigen, in deren Gemütern noch nicht unter dem Gifthäuche des religiösen IndifFerentismus die teuren Erinnerungen an die herzerhebenden Freitagabende im elterlichen Hause erloschen sind, nicht ohne Interesse sein. Jenes Material des alten Gebäudes möchte auch wohl noch vieles enthalten, was zum Neubau innigen Religions- und Familienlebens anregend nützt, und welcher vernünftige Baumeister sucht nicht, alle noch guten Steine des eingep&nen alten Hauses zu dem neuen, das er auf dessen Stelle aulführen will, sorgfältig zu verwenden? — Schon auf seiner Wanderung durch die Wüste ward dem israelitischen Volke der Vorzug geboten, am sechsten Tage ein doppeltes Mass ,Man“ zu sammeln und heute schön den ganzen Nahrungsbedarf zu backen und zu kochen fiyden morgenden Tag der Ruhe (2. B. Mos 16,22 23,29). 'So mussten auch in den Zeiten des Tempels die Schaubrode, welche jeden Sabbath auf dem goldenen Tische im Heiligtum frisch aufgelegt wurden, schon am Freitag ״ebacken werden. Bei diesen vorbereitenden, auf den Sabbath selbst nicht zu verschieben gestatteten Arbeiten, musste also schon den Tag vorher die Heiligkeit desselben lebhafter im Gedanken hervortreten; die 2;ur Auszeichnung des Sabbats geschäftige Zubereitung und Anschaffung köstlicherer Speisen musste die frommen S1bbalh-*£mpfi!jdungen zum Voraus fühlen lassen, uud so die ganze. T0jÄeit und Rüstung zum Sabbath am Freitag selbst ari$p Weihe des heiligen Ruhetages einleitend beteiligen. Rj| Und?ehait zur Sabbath-Weihe nicht allein die leibliehe Ruhe. saRdern auch eine innerlich heitere, sorgen-, freie* י Rmütsmiebung zu Gott, so ward auch diese am Freitag. » hol» angebahnt und dem Frommen zu Teil, indem er sich^urch Gottes Segen im Stande sah, Sabbat- Mahle .bereiuifi zu können; gleichwie das am sechsten Tag doppelt gewonnene Man in der Wüste die Zuversicht in. Gottes Fürsorge stärken, und jene für die künftige Woche im Tempel ausgelegten Schaubrote es sinnbildlich veranschaulichend, dass Gottes Güte die Bedürfnisse senden und nimmer uns verlassen werde, das ruhige Vertrauen auf ׳®ott kräftigen mochten. Gewählt und gehoben ward solche frohe Sabbath- Stimmung schon am Freitag noch durch mancherlei Anor!nung' n der Rabbinern Sie untersagten z. B. am Freitag-Nachmittag Trauer-Gebete, empfahlen dagegen festliche Kleidung. Erleuchtung der Wohnung vor Antritt des Sabbaths; was alles zur äussern Ehre und innem Erhebung für den Sabbath würdig vorbereitet, so dass, ^alldem schon vom Anfang der Woche alle Tage durch Beziehung ihrer Namen auf den Sabbath Herz und Gedanken dem heiligen Tage entgegen führten, die nächsten Stunden vor seinem Erscheinen vollends das Gemüt zu seinem Empfang mit erhöhten religiös heitern Empfindungen erfüllen. *) Aus ״Der Freitagabend, eine Familienschrift“ 1859. Auch bestand ehemals, als die Israeliten noch in . Palästina lebten, die Einrichtung, beim Herannahen des i Sabbats durch sechsmaliges Blasen mit dem Schofar | die Ankunft desselben zu signalisieren und das Volk an! die Einstellung aller Arbeit, sewie an die Einweihung 1 des Sabbaths zu erinnern. Der nun angekommene Sabbath brachte dem frommen; Israeliten gleichsam eine ,neue Seele* mit. Ein freudig! frisches Bewusstsein seiner höheren Würde und Be- Stimmung entfesselte sein Inneres von den Banden niedrigen Ringens, Trachtens uud Sorgens. Gedanken und Empfindungen von dem, Geist und Gemüt absorbierenden, 1 materiellen Alltagsleben emancipirend, die Last und Knechtschaft mühevoller Arbeit von sich werfend, die Geschäfts- und Lebenssorgen entfernend, schwang sich die freie Seele auf zum Herrn, erfreute sich ihres Daseins, ihres Gottes und seiner Werke, wie Adam im Paradiese, als er neugeschaffen die eben vollendete Gotteswelt vor sich sehend, glückselig ausrufen mochte: ,Siehe, Alles was der Herr gemacht, ist sehr gut. Dieses Seelenfest fand seinen Ausdruck und wiederum seine Anregung zuerst im öffentlichen Gottesdienst» und dann im Kreise der Familie. Es eilt der Fromme vor allem ins erleuchtete Gotteshaus, um in feierlicher Versammlung den Sabbath zu empfangen, entzückt diesen Tag zu begrüssen, der seiner Seele allwöchentlich Ruhe und Frieden bringt, der vom Urbeginn an von Gott ״gesegnet und g e h e i 1 i g t“, Heil und Segen über Israel und die Menschheit ergiesset. Da hebt sich seine Seele empor zum Lobpsalm, des Herrn Werke und Taten preisend (Ps. 92), und dank- und andachtsvoll anbetend den Schöpfer, der den Sabbath eingesetzt hat zum ewigen Bekenntnis und Zeichen der Verehrung des einigen Gottes des Himmels und der Erde, zum ewigen Bundeszeichen zwischen ihm und Israel. Hatte solchergestalt des Israeliten Seele zum Höheren sich frei und freudig erhoben, so musste es ihr auch Bedürfnis sein, den gedrückten und betrübten Nebenmenschen, dem er im Gotteshause begegnet, zu erfreuen. Es war daher früher allgemein Sitte, die durchreisenden Armen nach beendigtem Gottesdienste neben der Synagoge zu speisen und deshalb eigens ihretwegen der Segen über den Wein eingeführt. Ist diese, fromme und menschenfreundliche Sitte wieder erloschen, so ist es dem einzelnen, von dem heiligen und humanen Sabbath-Geist durchdrungenen Israeliten umsomehr als angenehme Pflicht erschienen, den fremden Armen einzuladen, dass er an seinem Tische sich labe und an dem Tage, der der Erinnerung an den Allscfcüpfer und Erlöser aus Aegypten geweihet ist, sich auch einmal als ein fröhliches Gotteskind, als ein von Not und Mangel Erlöster fühle und der Sabbath-Freude teilhaftig werde. Sabbath-Freude und Sabbath-Friede musste aber mit aller Kraft und Innigkeit des Frommen Brust erfüllen, wenn er aus dem Hause der Andacht heimgekehrt war in seines Hauses feiernden Kreis, wo in Schmucke der Sabbath-Kleidung seine Lieben allesamt, die Sabbathgebete verrichtend, andächtig vor Gott stehen, der Tisch mit zweifachen Sabbath-Brod und Wein, den Gaben Gottes zur Erhaltung und Erheiterung des Lebens, ausgerüstet und die Wohnung hellerleuchtet ist von der Sabbath- Leuchte, die das Gott und dem Gatten treue Weib dem 8abbath zu Ehren angeziindet, und von dem Antlitze des Biederweibes Tugend, Liebe und fromme Heiterkeit ihm entgegenstrahlen, und im Lichte des mütterlichen Beispieles fromm und gut emporblühende Kinder ihm entgegeneilen, um sich vom geliebten Vater segnen zu lassen. Wie hätte er da beim Eintritt in seines Hauses Heiligtum, nicht vor allem, gleich dem Priester im Tempel, di»