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Der Sabbath · 1909-09-01 · 9 (9.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
9 (1909)
Issue
9 (9.1909)
Date
1909-09-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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46 Der Sabbath. große Nachfrage um Arbeit ia allen [Berufszweigen. In dem ron ua Steitzenggasse 29, mitten [in der!Altstadt, gemieteten [Banse, beschäftigen wir an Ser dem [festangestellten Verwalter![ beständig zwei zaverläßige Männer ftir das Abholen, ferner einen Schnhmacher und .einen Schneider. Anßer der Beschäftigung von Arbeitslosen mit den rerschiäenstefr Gelegenheitsarbeiten war es nns möglich, einer größeren Anzahl Handwerker, wie Schreiner, Anstreicher, Tapezierer etc. vorübergehend kleinere und größere Arbeiten zn geben.“ Bei diesen Handwerkera^irjfbten wir insbesondere unser Augenmerk darauf, die Peah zur Öurchgangs-Station für das Begründen einer Selbsrändigkeit werden zu lassen, indem wir versuchen, tüchtige und wttrdige Handwerker in den weitesten Kreisen zu empfehlen. Auch für das KWbtan von Stühlen haben wir mehrere Leute zur Verfügung' Diefet.&jJk der Tätigkeit scheint sich recht gut zu entwickeln.. De8fVkMBR1 werden unsere Arbeiter zu Gelegenheitsarbeiten wie Keller^indj Speicher-Reinigung, Umzügen etc. häufig in Anspruch genommen. , Wir stellen hierzu auch Wagen zur Verfügung; die Verrechnung jjit den Auftraggebern geschieht seitens der Peah. Eine neue Arbeitsgelegenheit gedenken wir dadnrch zu schaffen, daß wir Botengänge übernehmen, d. h. durch unsere Angestellte Pakete etc. innerhalb des Stadtkreises befördern lassen. — Was die Brocken- Sammlung anbetrifft, so dürfen wir auch mit dieser Einrichturg recht zufrieden sein. Aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung Cölns finden wir in liebenswürdiger Weise Unterstützung durch Zuwendung von Gegenständen. Diese werden ■ach vorhergehender Desinfection durch die Städtische Desinfektions-Anstalt gereinigt — die Stadt läßt die Sachen in dankenswerter Weise ohne jedes Entgelt durch ihre Angestellten abholen nnd anderen Tages wieder zustellen — und nachdem die notwendigen Reparaturen vorgenommen sind, von [Damen der besten Gesellschaft ehrenamtlich Dienstag und Donnerstag Nachmittag!zusehr billigen Preisen wieder an arme Leute verkauft. Eine gute -ArBeitsdelegenhrit bildet das Abholen und Sortieren von im Haushalt und in den Geschäften angesammelten Papier- und Stoff- Abfällen. Zugleich ist der Verkauf derselben eine gute Einnahmequelle für die Peah. Wir heffen unsere Organisation auf diesem Gebiete weiter ausznbauen. Der bisherige Stand der finanziellen Verhältnisse läßt die Erwartung zu, daß sich unsere Peah aus sich selbst erhalten wird. Alles in Allem dürfen wir dank dem allseitigen regen Interesse für unser Unternehmen und der 'tatkräftigen und opferwilligen Unterstützung sämtlicher Kreise unserer jüdischen Mitbürger, mit den bisherigen Erfolgen sehr zufrieden sein. Manche Not konnten wir mildern, manche Träne trocknen. In erster Linie sind wir unseren Damen zu tanz besonderem Dank verpflichtet, die durchs ihre Propaganda vieks leisten und in dem Bestreben, werktätige Nächstenliebe auszunben, wetteifern. Möge das beglückende Bewußtsein, an einem edlen Werke mitzuwirken, allen Mitarbeitern der schönste Lohn für ihre Mühe sein. Hamburg, 25. Juli.J Die hiesige ,Peah‘, die unter Mithilfe des geschäftsführenden Ausschusses vor 5 Monaten ins Leben getreten ist, hat schon in der kurzen Zeit ihres Bestehens viele Gönner in der hiesigen Gemeinde־ gefunden. Die Anforderungen, die an das junge Werk betreffs Abholung gestellt wurden, waren gleich so groß, daß sie schwer zu erfüllen waren. Abholungen erfolgten im März 260 April 150, Mai 120. Bald nach Eröffnnng richteten wir auch Verkauf8tage ein und zwar am Montag und־Donnerstag von 4—6, deren Resultat aus folgenden Angaben zu ersehen ist: Die Einnahmen betrugen im März 407, 30 Mk.; April 1684, 20 Mk.; Mai 486, 30 Mk.; davon kommt auf Papierverkäufe März 88, 10 Mk.; April 164, 95 Mk.; Mai 72, 92 Mk. Demgegenüber Ausgaben: März 482, 44 Mk.; April?97, 9g Mk.; Mai_276, 45. Mk.; und zwar Schuppen Mk. 156,50; In Mrate Mk. 50,20;’ Diverses Mk. 90,50; Geschäfsführer 6 Wochen. Mk. 181,50;!;Vorarbeiter 15 Wochen Mk. 375.—; 72 Tage & Mk 2,50 sonstige Arbeiter Mk. 197,25. In den ersten Monaten war Herr Löbens t%i־d sehr bemüht, die Arbeiten zu leiten und sind wir ihm zu großem Dask verpflichtet. — 8eit dem 24. Apiil ist Herr Pless- »er als Geschäftsführer engagiert nnd bewährt sich sehr gut. Vermischte Nachrichten. Schweinfurf, 16. JunL In der gestrigen Sitzung des hiesigen Stadtmagistrats teilte der Vorsitzende, Hofrat Söldner mit, daß den Beschlüssen der städtischen Kollegien auf Einfügung einer Sonderbestimmung für rein jüdische Geschäfte in das nene Ortsstatut über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe regierungsseitig Genehmigung erteilt wurde.־ Wien, 20. Juni. Aus der gaiizischen Stadt Cbrzanow kommt uns, so schreibt die ״Oest Wochenschrift“, ein Bericht zu, der ein neaes Illustrationsfaktum zu dem berühmten Kapitel ״Galizische Justiz“ liefert. Die jüdischen Mietwagenbesitzer von Chrzanow haben nämlich von dem dortigen Bezirkshauptmann sehr viel zu leiden. Seine neueste Tortur besteht darin, daß er die Mietwagenbesitzer, die am Sabbath nicht ansfahren lassen, sehr empfindlich bestraft. Einer von ihnen wurde jüngst sogar zu zehn Tagen Arrest verurteilt, weil er sich nicht dazu entschließen konnte, den Sabbath zu entweihen. Die jüdischen Mietwagenbesitzer würden sich schon ent. schließen, nm dieser. Forderung nachzukommen, christliche Kutscher anfzunebmen, doch finden sich keine geeigneten christlichen Bewerber, da der Verdienst in diesem Gewerbe ein äußerst geringer ist. London, 24. August. Vorige Woche legte der englische Minister des Innern, Mr. Gladstone dem Parlamente einen Gesetzentwurf über die Arbeitszeit in Geschäften voj, welcher auch für die Juden Englands wichtige Bestimmungen enthält. Das Gesetz verfügt auch für die Sonntagsruhe und bestimmt, daß diejenigen Juden, welche nachweislich ihTe Geschäfte am Sabbath geschlossen halten und von der Arbeit ruhen, das Recht haben, am Sonntag das Geschäft bis2Uhr nachmittags offen zu hal'ten und zu arbeiten. Interessant ist nun, daß diese Specialbestimmung nur in den notorischen Stadtvierteln, die in dem Gesetze angeführt werden sollen, ihre Giltigkeit haben soll, während in anderen Gegenden und Stadtteilen die allgemeinen Bestimmungen über die Sonntagsrube ausnahmslos auch für die Juden gelten. Dieser Gesetzentwurf 8011 erst in der nächsten Session zur parlamentarischen Bebandlnng gelangen. In jüdischen Kreisen Englands wird dieser GesetzentwuTf mit geteilter Stimmung aufgenommen. Obwohl man den liberalen Zug, der sich im Gesetzentwurf geltend zu machen sucht ohne Weiteres zugibt, verhehlt man sich anderseits nicht, daß es gerechter wäre, denjenigen Juden, die den Sabbath halten, den Sountag ganz freizugeben. Hingegen erblickt mau in der Beschränkung der Begünstigung für sabbathhaltende Juden bloß auf das Ghetto das Bestreben, die gesetzestreuen luden in ein künstliches Ghetto zu zwingen. Wie verlautet, wird Lord Swaythling gegen diese Einschränkung eine ausgedehnte Aktion in Angriff nehmen. # Allerlei. ln einem Feuilleton der »Dtsch. Tagesztg“, betitelt: ״Der August und seine G^ben*, lesen wir: ״Ist die Kochkiste heutzutage den außer dem Hause beschäftigten Frauen eine Notwendigkeit, so war sie dies stets für den jüdischen Haushalt, um das am Freitag abgekochte Essen bis zum Sabbath warm zu halten. Den Römern war diese Eigentümlichkeit der Juden so auffallend, daß römische Dichter die )uden als die ״Leute mit der Kochkiste‘ bezeichneten. Juvenal erwähnt an zwei Stellen die; Kochkiste der luden, die mit Heu ausgefüllt ist, das die Speisen warm hält. Im Talmud kommt sie natürlich auch vor. Der griechisch-lateinische Ausdruck dafür ist cophlnus, das in dem englischen coffin und französischen coffre und dem deutschen Koffer fortlebt Die von juvenal genannten, mit Heu gefüllten Kisten fehlten vor 1800 fahren ebensowenig in einem jüdischen Haushalt wie heutzutage ähnlich, da das jüdische Gesetz jede Anwendung des Feuers am Samstag verbot ln den Scholien zu den Juvenalstellen ist die jüdische Kochkiste ,cophinus et fenum“ mehrmal*

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