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Der Sabbath · 1909-09-01 · 9 (9.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
9 (1909)
Issue
9 (9.1909)
Date
1909-09-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Sabbath. 4I seinen Geist und seine Gedanken heiligt, den Sabbath nicht -durch unheilige Reden, sündhaftes Geschwätz und profane Handlungen entwürdigt, — dem hat der Ewige am Ausgang des Sabbaths wahrhaft prophetischen Geist verliehen! Das ist der innere Zusammenhang des Sabbaths mit der praktischen K&bhalah, die sich auf die Lehren einer mündlichen CJeberlieferung gründet, die seit den ältesten Zeiten neben dem geschriebenen Gesetz einhergebt! Es will ja auch die praktische Kabbalah ihren JHinger durch gewisse Zeremonien und Berechnungen einen BK^k in die nächste und fernere Zukunft tun lassen, um ihn dadurch vor Unheil zu bewahren und materiell zu fördern, und es ist ein offenes Geheimnis, dass mancher jüdischer Bankier seine erfolgreichen Gescbäftsspekulationea kabbalistischen Berechnungen zu verdanken bat (? Red.) So sind denn auch die heiligen Schriften der Juden und besonders der Sohar, eine der wichtigsten Quellen der Kabbalah, voll von Hinweisen auf die Bedeutung des Sabbaths und seiner Heiligung für den gläubigen Juden und für sqjn geistiges und materielles Wohl. Es ist z. B. die bekannte Bihelstelle in der Schöpfungsgescbichte: ״venahar joze meeden lehaschkot es bag&n“, d. h.: ,Und ein Fluss geht heraus (diese Gegenwart ,geht* ist besonders bedeutungsvoll) aus dem Eden, zu tränken den Garten*, nach dem heiliges Buche Sohar dahin aufzufassen, dass die Sabbathslube des ■gläubigen Juden an jedem Sabbath einem Eden gleicht, worin sich ,die Königin Sabbath* als vom Schöpfer gesendeter Gast einfindet. Sie verweilt daselbst bis zum Sabbath-Ausgang und verwandelt sich dann in den paradiesischen Fluss, der dann den Garten der folgenden sechs Wochentage mit seinem göttlichen Segen tränkt. Jeder gläubige -Jude hat mithin in der ,Königin Sabbath״ sozusagen eine geistige Gattin, die dem Jenseits entstammt und sich pünktlich jeden Freitag Abend wieder bei ihm einfindet. Auch die Worte des Königs Salomo im Heiligen Hohen Lied: ,acbosi, rajosi, jonali, tamosi‘, d. h.: ,Meine Schwester, meine Geliebte, meine Taube, mein Orakel“, sind auf die ,Königin Sabbath* anwendbar. Freitag nachmittag, wo der Jude noch von unbeiligen -Geschäftsgedanken erfüllt ist, gleicht die Sabbathkönigin nur einer Schwester; mit Sabbath-Früh, wo sich mittlerweile bei dem gläubigen, frommen Juden schon mehr Heiligkeit, (keduschah) angesammelt hat, gleicht sie bereits einer Geliebten, am Sabbath-Nachmittag, zur Zeit der vorgeschriebenen dritten Mahlzeit, bereits einer Taube, mit der er vermählt ist, um schliesslich am Sabbathausgang als eine Art Orakel ihn mit prophetischem Geist zu erfüllen und ihn dann zu verlassen. Es ergibt aber auch in dem Spruche des fünften Buches Moses: ,Den Ewigen, Deinen Gott sollst Du ehrfärchten“, das letzte Wort, ״tira(h)“ (ehrfürchten) rückwärts gelesen, nach kabbalistischer Methode, wie sie im heiligen Buche Sohar darauf angewendet wird, die Anfangsbuchstaben der obigen vier Wörter des hohen Liedes: ״acbosi, rajosi, jonati, tamosi“. Während aber der gläubige Jude am heiligen Jom- Kippur (dem Versöhnungstage) dem Ewigen nur! durch Fasten und Kasteien näher kommen kann, ist am Sabbath gerade das Gegenteil der Fall. Denn am Sabbath kaun der fromme Israelit nur durch Einhalten der vorgeschriebenen drei Mahlzeiten, durch das festliche Decken seines Tisches, der nach dem Propheten Hbsekiel den Altar ersetzt, dessen der Jude in der Jetztzeit beraubt ist, durch Singen heiliger Psalmen und durch Gespräche über Thora-Gelehrsamkeit sich mit seinem Schöpfer in Verbindung setzen. Deshalb warnt auch das heilige Buch Sohar davor, die Zahl der vorgeschriebareu drei .Mahl-, , Zeiten zu vermindern, d. h. statt drei etwa ,nur zwei! oder gar nur eine zu halten. (An den kurzen- Wintertagen, wo viele Menschen länger schlafan, oder bei ärmeren Leuten ist aus Sp trsimkeitsrü^ksichtsn die Ahsicht, von der Zahl der vorgoschriebenen Mahlzeiten abzugehen, naheliegend ) Dabei verweist der Sohar auf einen Vers des Königs Salomo im Kohelet: ״Ein dreifach geknoteter Baden, der den Juden mit Gott verbindet, wird so leicht nicht zerreissen,“ d. h. nach der Deutung des Sohars, ilie segensreichen Folgen der genau eingehaltepei Sabbath- Vorschriften, auch bezüglich der drei Mahlzeiten, müssen sich bis zur Wiederkehr des nächsten Sabbaths geltend machen. Wie sehr die heilige Schrift geistiges und materielles Wohl für den Juden von der Heiligung des Sabbaths abhängig macht, und dass daher auch heute noch der Jude sein, einziges Heil in der Beobachtung dieser Vorschriften erblicken sollte, ergibt sich unter anderem auch aus den Psalmen König Davids (Kap. 34,12 ff.) wo es heisst: ״Kommt her, Söhne, die Furcht Gottes will ich euch lehren: ״(yirath hasebem, im kabbalistischen Zahlenwort gleich 702, also identisch mit ״Sabbath“), bedeutet also: die Gottesfürchtigkeit kommt vor allem in der Sabbatheiligung zum Ausdruck). ״Jeder unter euch, der das Leben liebt, der jedesmal an den (sechs Wochentagen) nur Gutes zu erleben wünscht, der muss (besonders am Sabbath) seine Zunge vor Bösem bewahren (vor Verleumdungen und unheiligen Reden) und seine- Lippen vor trügerischen Reden, der weiche vom Bö>en, studiere die Thora, tue Gutes, suche den Frieden und jage ihm nach!“ Aus dieser auf der Kabbalah, besonders aber auf dem kabbalistischen Buch Sohar beruhenden Auslegung der heiligen Schrift, die man noch durch zahllose andere Stellen stützen könnte, ergibt sich wohl zur O«- nüge, dass gerade ein verständnisvolles Studium der Kabbalah, .des Sohars, ge — eignet ist, das Leben der Israeliten zu vergeistigen undsie.mit einer Heiligkeit zu erfüllen und ihnen so reichen geistigen und materiellen Segen zu bescheren, dass sie wieder eine allgemein geachtete Stellung unter den Kulturvölkern der Erde einnehmen. Auf Grund eines solchen Studiums wird man zu der Ueberzeugung kommen, dass alle die wunderbaren Erlebnisse, die reiche Fülle des Segens, die So‘ viele Sabbathgäste der sogenannten ״Wunder-Rabbiner“ Galiziens und Polens als eine Folge ihrer Teilnahme an der Sabbathfeier eines solchen Rabbiners bezeichnen, eben dieser Sabbatheiligung im Kreise frommer Männer zuzuschreiben sind. Verbands-Nachrichten. q Cöln, 2:1. Juli. Es durfte für die Leser Ihrer geschätztem Zeitung von Interesse sein, Einiges über die hier vor einigen Monaten von der Ortsgruppe des Verbands der Sabbathfreunde begründete ״Jüdische Arbeitsstätte und Brockensammlung P e & h“ zu erfahren. — Wie schon der Name sagt, haben wir dem Wunsck weiter Kreise dahin Rechnung getragen, daß wir unser Bestreben in erster Linie darauf richteten, den sabbathhaltenden armen Glaubensgenossen Arbeitsgelegenheit zu verschaffen. Dieses Moment ließen wir auch bei der Kirmierung unseres Institntes in die Erscheinnng treten. Wie berechtigt unsere Auffassung war, zeigt die

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