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Der Sabbath · 1909-09-01 · 9 (9.1909) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
9 (1909)
Issue
9 (9.1909)
Date
1909-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Der Sabbath. 42 Satzung det^ Lehre. Er wird doch nicht dieselben Bräuche un<P*Zeremonien üben, wie die armen Juden; er wird sich (doch nicht an die Vorschriften binden, an־ die siebte gewöhnlichen, alltäglichen Juden halten. Genug,. genug Ehre für die jüdische Nation, genug Verdienst um.y&ött und die Religion, dass er, ein Mann von solcher Vornehmheit, sich zum Namen ,Jude* bekennt, sich des jüdischen Namens nicht schämt. Der Reichtum, zu bedeutenden Schätzen angewachsen, birgt in sich die Crefahr, ein Gefühl der Sicherheit, ein Gefühl der Unabhängigkeit auch vom Lenker der Geschicke, oder ein Gefühl des Stolzes gegen die eigenen Glaubensbrüder zu erwecken, und so auf die eine oder andere Weise, den - Sinn von der Lehre Gottes abzuwenden Und können wir sairen,!Lass die Grossen und Reichen unserer Zeit dieser GefalP entgangen' sind? Können wir behaupten, dass die Millionäre und die grossen Finanzmänner, die unserem Volke angehören, gewöhnlich und in der Regel — von Ausnahmen sprechen wir nicht — schlicht und einfach in Denujt gegen Gott und frei vo.1 Stolz gegen ihre Mitbrüder nach den Vorschriften der h. Lehre wandeln? ״Jeschuruu ward feist und es wurde übermütig‘"‘ I (5 M. 32, 151 ־Das ist ja schon eine alte Klage. Die . Prüfung, die aus dem Schosse des Glückes hervorgeht, | die mit-dem Besitze reicher Güter verbunden ist, haben die. JudÄ^leider nur selten gut bestanden. Aber diese Prüfunft&Mn den jetzigen Zeiten in einem viel ausge-; dehirtefÄtajpsse und in einem weit schärferen Grade als - in den «jmeren an die Söhne unseres Volkes herange- ן ' treten. Ifid sie haben sich ihr gegenüber nicht bewährt. Ln die Versucnung der entgegengesetzten Art, wie wa|ie Miese bestanden?. Wie sich die Verhältnisse 1 in ■1er neueren Zeit gestaltet haben, hat der Bekenner des Judentums bei dem Erwerb seiner Nahrung eine schwere/Probe zu bestehen. Wir sind eingetreten in den grossen Geschäftsverkehr der Völker, hinausgetretenז auf den Weltmarkt: aber das grosse Getriebe des Wrelt- Verkehrs nimmt auf unsere religiösen Bedürfnisse keine; Rücksicht Da gilt es zu Gunsten der Religion auf Vorteile j Verzicht zu leisten, manchen Verlust an Hab und Gut sich ge- , fallen zu lassen, manchen Beschwerden sich willig zu unterziehen. Aber wie haben sich viele Söhne des jüdischenVolkes zu dieser Aufgabe gestellt? Höret ein Wort, das unsere Weisen gesprochen: ״Warum־‘ bemerken unsere W7eisen, ״werden in der h Schrift die Götzen ״andere Götter“ genannt?®■ Weil man sie mit jedem Tage neu und anders macht: Der Heide hat einen Götzen von Gold, nun braucht; -er aber dieses Gold, und siehe, er macht sich seinen Götzen aus $rlber; Silber, dünkt ihm. sei genug gut für einen Gott. Bald aber kommt die Zeit, wo er auch dieses Silfiers bedarf: nun, er bedeDkt sich nicht lange, er ▼erwen- 'det das Silber zu seinen Zwecken, und seinen Gott macht er sich'aus Kupfer, aus einem Metall, das er eben jetzt picht benötigt. Kommt aber eine. Zeit, wo ihm auch ein ׳ \SCück von diesem gemeinen Metalle einen nicht ganz un-; **erheblichen Dienst leisten könnte, so muss sich sein.Gott; mit einem »och geringeren Metalle zufrieden geben und; endlich' gar mit dem wertlosen Holze“ (Tanch. Par. Jitro). Und was »rblicket ihr in dem satirischen Bilde? Ist es nicht die treue Zeichnung einer Gesinnung, der wir heut-; zutage-so oft begegnen? Die Religion, mau hält sie heif . Jig: freilich lässt sich alles nicht so genau beobachten. ■ ' Mit einem Abendgebet, mit so einem kleinen Dinge von ‘ geringem Belange kann man es nicht immer so genau . nehmenj^ind wenn man nicht gut Zeit hat, muss man ׳auch fltfwrMorgengebet samt Tallis und Thephillia bleiheu - lässenffer ja, wenn das Geschäft es durchaus erheischt, ¬ו denjenigen, bei welchen es irgend einer änssern Nötigung g4ripcht bedurf, am Vorschriften der Religion unbeachtet zu ' ' '■ 1* dann kann man auch dem Sabbath nicht so in allen Stücken Rechnung tragen. Und so geht es weiter. Nach Bedürfnis und nach Bequemlichkeit zwackt man ab von der Religion ein Stück nach dem andern; das, was übrig bleibt, sei noch gut genug, immer noch genug gut für Religion, immer noch ausreichend für den lieben Gott. — Doch lassen wir den Spott! Denn wahrlich, es gibt unter der in Rede stehenden Klasse auch solche, die unser aufrichtiges Mitleid verdienen. Es sind das solche Leute, die nur mit schwerem Herzen dem Drange der Verhältnisse nachgeben und die Vorschriften der Religion ausser Acht lassen. Sie sind der harten Prüfung, die an sie herangetreten, nicht gewachsen; denn es fehlt ibuen au Entschiedenheit, an Willensstärke. Sie haben wohl einen guten Willen, aber die Kraft ihres Willens reicht nicht aas, um auch in einem so heissen Kampfe, wie er jetzt entbrannt ist, sich zu behaupten. — So sind in der neuen Zeit viele unserer Ölaubensbrüder, wie einerseits durch den vermehrten Reichtum und seine erhöhte Versuchung, so anderseits durch die gesteigerte Not und die ver• schärfte Prüfung des Lebens vom Pfade der Religion abgelenkt worden. Nicht nur die Kulturverhältnisse, sondern auch die Erwerbsverhält 11 isse haben in der neuern Zeit eine Wandlung erfahren, und jene haben unsere religiöse Anschauung beirrt und verwirrt, diese unseren Willen von den liöhern idealen Zielen abgelenkt. Das sind die Ursachen, die jenen Verfall hervorgerufen, der jetzt von allen Bessergesinnten tief empfunden und mit dem Schmerzensrufe ,fürwahr, wir haben uns verschuldet* aufrichtig beklagt wird. Doch sollen wir aus diesem Verfalle uns nicht erheben? Sollen wir uns nicht wieder aufraffen und ermanneD und ^emporschwingen zu dem hohen und erhabenen Standpunkte, den wir als Volk Gottes von jeher eingenommen, za jener heiligen Sendung, die wir als Israeliten vom Schöpfer der Welt erhalten P Und was wir hierbei zu tun haben, wie wir die Quellen verstopfen können, denen das Unheil entsprungen, das wissen wir ja nun. Lasset uns die Stellung, die wir als Träger des Gottesgedankens im geistigen Getriebe der Welt einzunehmen haben, mit scharfem, klarem Blicke erfassen, auf dass wir den moralischen Wert unserer Väter zu würdi• geu verstehen und wissen und eingedenk bleiben, worin wir unsere Bedeutung als Israeliten zu setzen haben: nicht in das Schöne und Nützliche, sondern in das Gute und Heilige. Lasset uns über das profane, weltliche Wissen die religiöse Heranbildung und Erziehung unserer Kinder nicht verabsäumen und vernachlässigen, auf dass keine materialistische Gesinnung, keine irreligiöse Denkungsart in ihnen aufkomme oder bei ihnen Eingang finde; lasset es uns tief und innig beherzigen, dass wir nicht durch Preisgebung, sondern durch Hochhaltung unserer Heiligtümer die Achtung der Welt uns erwerben können: so werden wir aus unserer Mitte jene falschen Meinungen bannen, die den denkenden Geist in uns irre leiten und die religiösen Gesichtspunkte unserem Auge entrücken. Doch, wir haben auch jene Einflüsse zu überwinden, welche den Willen, der uns beherrschte, den praktisch tätigen Willen auf falsche Pfade lenken, haben den Verlockungen und Prüfungen des Lebens gegenüber unsere lassen-, ist hier zu sprechen nicht der Ort. Der Gegenstand dieser Abhandlung ist es ja, nachzuweisen, durch welche Ursachen beim Eintritt der neuern Zeit der Rückgang des religiösen Sinnes hervorgerufen wurde (siehe oben). Hier handelt es sich also um Erörterung der Gründe, die den Verfall des religiösen Lehens und Strebens verursachten, nicht aber, am Schilderung der betrübenden Erscheinungen, in welchen dieser Verfall in der Gegenwart zu Tage tritt.

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