Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- 9 (9.1909)
- Date
- 1909-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4874912-5428456-5428569--481-4875347- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
9. Jahr«. No. 9. September )909 fDonafsblatf <;— ־j * ׳«. zur Förderung der Sabbathheiligung 1m iocialen und wirtlcbaftlicben Geben der Gegenwart. Offan des Verbandes der Sabbathireunde, des Vereins zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit Frankfurt a. 1L, des Vereins für Stellenvermittlung, Berlin, des Stellenvermittlungsvereins jüdischer Kaufleute, Breslau und des I8r. Stellenvermittlungsvereins, Hamburg. Vertag: 1 Redactlon: ” Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit, Frankfurt a. M. I Dr. Cd. Biberfeld, Berlin. Centralbureaa des Verbandes der Sabbathfreunde: Berlin C., Helderentergasse 4. Die Mitglieder des Verbandes und der Stellenvermittlungs vereine zu Berlin, Breslau, Frankfurt und»Hamburg erhalten dat Moi.^'sblatt — ,Der Sabbath“ unentgeltlicb. Bezugspreis für Nichtmitglieder Mk. 3.— jährlich. — Anzeigen 30 Pfennig die viergespaltene 1 cüty>iu■. bei Jahresaufträgen Rabatt. — Correspondenzen für die Bedaction an Dr. F.d. Biberfeld, Berlin C., Beidereuterga88e 4, alle sonstiges Mitteilungen geschäftlicher Art an die Geschäftes teile des .Der Sabbath“, Frankfurt a. M., Neue Zeit 03. Naehdruok der Artikel mit Quellenangabe erwünscht- VEBEINHBUBEiri: Uf'lin C- Keidereutermse 4. B r es lau: Freiburferstr. 42. Hsmburf )3-: Jtutschbahn )7. Frankfurt a. Jtt.: Schütienstr. ׳« Was hat in der neuen Zeit den Niedergang des religiösen Geistes bei den Juden herbeigeführt? Von Dr. L. Münz *) früher Rabbiner in Kempen (Posen). In der neueren Zeit erfuhren unsere Kulturverhält׳ nisse eine Wandlung, und die neue GeistesrichtuDg mit ihren noch nicht geklärten Gedanken und Bestrebungen beirrte unsere religiöse Anschauung, entrückte unserem Blicke das höhere Ziel, das uns Israeliten, als Trägern des Gottesgedankens gesteckt ist. Doch auch dieNahrungs- und Erwerbsverhältnisse haben in der neueren Zeit eine Umgestaltung erfahren, und aus der geschaffenen Lage der Dinge ergaben sich fürurns Israeliten harte Prüttingen, Versuchungen, die den religiösen Willen verleiteten. Die Schrift hat uns das Gebet eines Weisen aus uralter Zeit aufbewahrt. ״Gib mir weder Armut noch Reichtum“ (Spr. 30,8), betet jener Weise. Er fleht zum Herrn, dass er ihn vor der Sorglosigkeit bewahre, die mit dem Reichturne verbunden ist, und vor dein schweren Kampf um das Dasein, der durch die Dürftigkeit herbeigeführt wird. In beiden, in der ungebundenen Freiheit, welche die Fülle irdischer Glücksgüter gewährt, und in dem Drang und Zwang, den das nach Befriedigung ringende Bedürfnis ausübt, erblickt nämlich der Weise schwere Versuchungen. Aber diese Versuchungen sind in der jetzigen Zeit viel schärfer an das Judentum herangetreten, als in der .frühem. Sind doch nun einerseits, wie in der Mitte der anderen Nationen, so auch in der Mitte des jüdischen Volkes so manche, die vom Glücke begünstigt wurden, in reichem Masse zum Besitz irdischer Güter gelangt; andererseits aber haben sich die Nahrungs- und Erwerbsverhältnisse so gestaltet, dass der Jude manches *) Wir entnehmen diesen Artikel dem schönen Buch des Herrn Rabb■ Dr. L. Münz, das unter dem Titel ״Religiöse Zeitfragen“ soeben in zweiter revidierter Auflage im Verlage von Lonis Lamm, (Berlin, 190!). X u. 117 S. Preis klk. 2.—) erschien. Dem Herrn Verfisser, wie dem Herrn Verleger sagen wir an dieser Stelle für die uneigennützige Geuebmgung des Abdrucks besten Dank und wünschen dem Buche weite Verbreitnng. Red. Opfer an Halt und Gut zu bringen und. um־־ die Mittel seiner Existenz schwer׳ zu kämpfen hat, wenn er seinen religiösen Pflichten nachkommen und die Gebote seiner Lehre beobachten will. Die Versuchung, welcher die mit Glücksgütern Reichgesegneten ausgesetzt sind, und an« h die, welche der Mangel und die Not mit sielt bringt, machte sich also in unserer Zeit in einem hühereifGrade geltend als ehemals. Aber wie wurde die eine und «1 ie andebe bestanden?. ״Dem Reichen.“ sagt die h. Schrift, ״ist sein Vermögen eine feste Burg“ (Spr. 10,15); der Besitz der Glücksgüter, der ihn aller Sorgen um den Lebensunterhalt enthebt, gilt ihm ein Gefühl der Sicherheit, und er glaubt sich vor allen Gefahren geschützt und geborgen. Das Bewusstsein, dass er von einer höheren Macht abhängt, dass er mit Leib und Gut, dass er mit allem, was er ist und was er bat, in der Gewalt eines höheren Wesens steht,'tritt zurück in den Hintergrund seiner Seele; esdiinkt ihm, als wiire er selbst der Schöpfer und Bildner seines Glückes״.;־n eine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir' dieses Vermögen n woiben“ (5. M. 8. 17). Ist aber dieses stolze Gefühl in der Seele ei wacht, dann ist das eingetreten, was die Schrift befürchtet, wovor sie uns . warnt mit den Worten: ״wenn sich das Silber und Gold dir mehret und alles, was du hast, dir mehret, so könnte sich dein Herz erheben, dass du des Ewigen, deines Gotte!- vergisst st“ (5. M. 13, 14). Und vergisset man denn . des Herrn und seines Woites nur dann, wenn sicli das Herz gegen Gott erhebt? Geschieht das nicht auch dann, wenn es sich auch nur über den Mitmenschen, über den Mitbruder in Stolz und Hocl mut erhebt? Wie lautet die Mahnung, welche die Thma an die Hochgestellten in Israel ergehen lässt? .Dass sich sein Herz ja nicht über seiie Brüder erhebe, auf dass er nicht abweiche vqii dem 0!״ setze rechts oder links“ (5 M. 17,20). Der Ildchgestellte, der Reiche und Vornehme braucht nur auf seine auf seine dann sind schon vorhanden, darin Glaubensgenossen mit Stolz herabzublicken die Gebote Gottes nicht mehr setzt er sich schon hinweg über •Brilfler, für ihn diu