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Der Sabbath · 1909-07-01 · 7 u. 8 (Juli-August 1909) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
9 (1909)
Issue
7 u. 8 (Juli-August 1909)
Date
1909-07-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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-£ 1er Sabbath. 39 auch Nacht wird! Samstag vormittag nach dem Gottesdie st wiid von denen, die nicht öftentlich ihren Geschäften nachgehen, in der Wirtschaft Frühschoppen getriinken, wobei die Geschälte der verflossenen Woche kritisiert werden, und es ist dabei auch nicht ausgeschlossen!, daß bei dieser Gelegenheit neue Geschäfte eingeleitet und auch schon gemacht werden. — Die Jugend vertreibt sich die Zeit mit Scat, Kegelspiel u. s. w. Nachmittags, wo Gelegenheit geboten ist, folgt ein Ausflug mjt der Eisenbahn. Abends beeilt mau sich dann den Schjabbos ״auszumachen*, wenn auch noch nicht Nacht geworden ist. Das ist der Scbabbos auf vielen kleinen Plätzen, deren Bewohner für fromm gelten. Muß sieb da nicht ein Jeder fragen: Kann man dies’ Sabb&thheiiigiing nennen?! W.e konnten sich solch trostlose Zustände auf dem Lande entwickeln, wo doch die Sabbatbheiligung keine großen ״materiellen“ Opfer erfordert? Ich gebe zur Hauptsache an diesen Zuständen dem mangelhaften Religionsunterricht der Jugend schuld. — In den meisten Landgemeinden köni.eu für den Lehrer nur geringe Aufwendungen gemacht werden und genau so ist denn auch das Resultat des Unterrichts. Bei kleiner Bezahlung können an die Lehrkräfte auch keine großen Anforderungen gestellt werden. Daher kommt es, daß es knapp erreicht wird, wenn die Jugend einigermaßen etwas lesen kann, um die Gebete zu vei richten; zum Uebersetzen derselben kommt es licht. Kii der, welche aus der Schule entlassen wurden, wußten nicht warum Pesacb gefeiert wird, obwohl deren Eltern streng religiös leben. Daher kommt es, daß die heutige Generation, ich habe nur diejenigen vor Augen, d e als gesetze>treue Juden leben, von unserer schönen Religion fast nicht mehr soviel wissen, wie umumgänglich nötig ist, um zu wissen, was geboten und verboten ist. Wie kann man aber gesetzestreu leben, wenn man die Gesetze nicht kennt? Wäre für den Verband der Sabbathfreunde hier nicht auch ein weites und fruchtbares Fety, auf dem Lorbeeren zu erringen wären? Es wird soviel für alles Mögliche gestiftet, sollte es nicht Mittel und (Wege geben, um auch der Jugend auf dem Lande einenjsorgfälligen Religionsunterricht zu Teil werden lassen zu können? Wenn dies erreicht werden könnte, so glaube ich ganz bestimmt, daß unter Beihülfe der F&milty eine glaubensfeste und starke Jugend berangebildet «!erden könnte, die von dem heiligen Geiste der Religion iurchsättigt und mit Lust und Liebe Alles daran setät, um das richtige Judentum zu erhalten und fortzupflanzpn. (Nachschrift der Redaktion: Die Frage der; qualitativ und quantitativ besseren religiösen Unterweisung I der jüdischen Jugend auf dem Land ist, darin stimmen! wir dem Herrn Einsender völlig bei, eine Lebensfrage j des glaubenstreuen Judentums in Deutschland. (Denn ן nicht nur für das Land und die Kleinstädte selbst Inacht sich einerseits der Fluch eines ungenügenden, andrerseits der Segen eines ausreich&nden Religionsunterrichts geltend,, sondern grossenteils davon hängt auch für die Gross- Städte, wohin ja leider mehr und mehr die jungenjLeute aus der Provinz abströmen, Alles davon ab,ob dieser^ufluss aus sittlich und religiös gefesteten oder verdorbeneh Eiementen besteht. Leider wird diese Wahrheit immer noch nicht genug von der Allgemeinheit erkannt, um sie ihre Kräfte vor Allem für diesen Zweck sammeln und verwenden zu lassen! Die Mittel über die der ״Verband der Sabbathfreunde“ verfügt, sind verschwindend! klein im Verhältnis zu der Grösse der Anforderungep, die'dieser Notstand erhebt. Aber soweit es in seinen Kräften steht, wird er jederzeit bereit sein, wo er angerufen wirjd, sein Scherflein auch für diesen so hohen und wichtigen!Zweck beizutragen, wie er auch schon bisher durch Förderung von Schiurim, Errichtung von Bibliotheken, Subvention!׳ rung von Jünglingsheimen u. A. an seinen Teil dazu beigetragen hat, Kenntnis vom Judentum und seiner ILalire zu verbreiten und die Jugend für den Glauben der'Vilter zu erhalten und zu retten!). v. Der. שבת auf dem Lande. | Es ist bekannt, welch‘ liebliches Idyll ir der Vor- Stellung vieler der ט ק• in Verbindung mit iändliche־ Stille bildet. Das ״gesetzte Essen“, das schon unsere Vojfahr-en entzückte, ist demv auch heute noch! für uns ein Teil dieses Idylls. Das liebe NiVchniittagsschläfchen ühl dann nach Mincha das Souper mit Weil! und Kind im Biergarten sind ebenfalls noch ein Teil des ländlichen Scnabbos.' Ueber diesen sinnlichen Genüssen will ich allerdings auch nicht vergessen zu bemerken, dass auch der Besuch der Synagogen am שנת nichts zu wünschen übrig lässt. Aber in vielen Punkten ist eben der heutige länd liehe Sabbath von dem früheren unterschieden und hat, ebenso wie der :ד viel von seinem ehemaligen Idyll eingebüsst. In erster Linie fehlt das ״Lernen!“. Ich meine nicht den Vortrag im ש־עד־, der besteht j|a noch in den meisten Gemeinden. Aber das eigene Studium der Thora und ihrer Commentare ist fast ganz verschw unden. Und über wie viele Dinge, die uns unverständlich sind, oder an die sich der Geist des Zweifels heranwagt, giebt doch ״r so siche!*־ und klar Auskunft und Gewissheit. Es ist leider feststehend, wenn auch die äussere Form der Sabbathfeier geblieben ist, das geistige Niveau desselben ist sehr gesunken. Noch in einem andern Punkt hat die rer- und ירט Idylle bei uns auf dem Laude schwer gelitten. Die jungen Leute, die aus der Fremde nach llause kommen, komme! mit -Bahn und wo keine solche ist, mit Fuhrwerk an ע״ט und שנת an. Sie reisen an diesen Tagen ab und statt einer väterlichen Ermahnung, doch!jeher den Besuch zi unterlassen, habe ich schon oft gesehen, wie sogar ortho■ doxe Juden ihre Söhne an Sabbath und Feiertagen zur Bahn begleiten. Mögen diese Zeilen wenigstens den Erfolg haben, den letzteren Mißstand aufz!!heben. Mögen siel die Eltern doch bewusst sein, dass sie ihre eigene Sab• bathruhe sich schädigen, wenn ihr K nd an einem solchen Tag zu Besuch eintrifft. Aber auch Alie Andersgläubigen auf dem Lande, die so oft ihre Aölitung vor den gel setzestreuen Juden und der Schönheit ihres Sabbathes äussern, werden, w׳enn die. Sache so weitergeht, diese Anschauung ändern. Auf den ersten Mißstand aber möchte ich die Herren Rabbiner und Lehrer hinweisen. — Ihre Pflicht ist es, däs geistige Niveau des ländlichen Sabbaths zu heben und hier genügt ein einfacher Vortrag von der Kanzel oder im Schiur nicht. — Es ist dies ein dankbares Feld, das eine sorgfältige Bearbeitung seitens der dazu Berufenen verdient uiid jeder auch noch so kleine Erfolg wird ihnen reichliche Belohnung sein. Max Stern. ־ Simon Spira und sein Sohn.-• Historische Eizählung. Von Alb- Em• Brachvogel. 1 Fortsetzung) Dieser Mann beschleunigte sofort seine Schritte, als die Edelleute vor dem Altstädter Turm anlangten, wie wenn ihm an ihrer Nähe liege. Während Graf Colloredo an der Turmpfortf rasselte, wurde der Hebräer zuerst von Hartik bemerkt. I

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