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Der Sabbath · 1909-07-01 · 7 u. 8 (Juli-August 1909) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
9 (1909)
Issue
7 u. 8 (Juli-August 1909)
Date
1909-07-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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40 Der Sabbath. ■׳ r 1 , ״Was willst Di!, Kerl?“ rief er mit allen Zeichen des Widerwillens. ״Dränge Dich׳ nicht so an uns, schmutziger Hund!“ ״Euer Gnaden wollt ich blos gehorsamst bitten," sagte lener gebeugt, ״mir zb, erlauben, dass ich auch hinein in die Altstadt gehen darf. niMAein machen sie ’s Tor doch nicht auf. Ich bin ein Virfttyäfafler und komme von der Reise zurück." ״,Wie hjj»*t:U4 ־r‘• fragte Czemin, sich wendend. ״Marcus,* J’nadC'er Herr. Ich bin des Rabbi Spira Sohn von der Alt-Neu-Schule.“' ״Ach, des gelehrten Simon?“ rief Kinskv m:t gnädigerem Lächeln. ״So stammst Du von dem leidlichsten Manne ab, den Deine verdammte Brut aufzuweisen hat. Ich kann, glaub' ich für. ihn stehen, General," wendete er sich zu Coflore.do, ״Spira, der Rabbinof ist ein achtbarer Mann, so weit es ein Jude eben sein kann, uöd hat Geld genug, um den Sohn vom Strick loszukaufen, falls es mit dem jungen Kerl nicht richtig ist “ ,.Du bist ein Viehhändler,“ sagte Czemin, ״der Sohn eines Gelehrten? PfuWjioch!‘־ ״Abräharfu, und Jacob, uns ,re Väter sind auch Viehhirten gewesen, gnädiger Herr,“ entgegncte Markus leise. ,.Feist lind stark, wie'n Ochse selber sieht er aus,“ lachte Colloredo. ״Er passt für sein Gewerbe! ... Du magst mitkommer, Jude, aber Du. wirst uns im Tor über deine Reise Rede stehen müssen, ehe Du ins warme Nest kriechst!“ Damit trat der General in die kleine geöffnete Pforte und die Übrigen folgten ihm. Die innere Torhalle war mit Reisigen, Milizen und Spiessbürgern gefüllt, welche die Torsperre übten. ״Bei Euch ist nähere Botschaft von den Schweden nicht eingelaufen?״ wendete sich Colloredo zu dem Anführer. ״Meines Wissebs nicht, Herr Statthalter. Jeder behauptet ’was Anderes, Niemand aber weiss Sicheres. Von den Türmen ward noch Nichts gesehen.“ ״Schliesst die Brückenpforte und öffnet sie niemand, wer es auch sei,, bis die Sitzung auf dem Rathhause vorbei ist, es wäre denn, ein Bote käme von Kaiserlicher Majestät! — Tritt in die Wachstube^ Jude! Sage mir, von wo kommst du und was hast du erhandelt*JJ1 —tdamit traten sie alle in die Thorhalle. ״Rirjjfcd|i^H£, Hammel, gnädiger Herr, bei die achthundert Stück.* ״Wozu aber?!“ . ״Wozu? Soll ein gescheuter Mann nicht seinem Vorteil nachgehen? Gott soll schützen, gnädiger Herr, als es das Frühjahr gewiss ist gewesen, aus dem Frieden wird doch wieder nichts und die Schweden kämen noch einmal ins böhmische Land, hab' ich gedacht, es ist doch besser, du kaufst den Bauern das Vieh ab, als dass• es ihnen dpäp^hweden wegtreiben oder totschlagen. Da hab' ich mich dannNÄrflemacht und habe zusammengekauft, was ich habe kaufen gekörnt. Ich meine, wir werden das Vieh hier wohl brauchen, wenn <■? Schweden kommen; kommen aber werden sie eher, als wir's u!®jversehen.“ ״Wo hast A'denn das viele Vieh nur her, Schuft? Nach aller Wüsterei im Lan^rasollte man glauben, in ganz Böhmen seien nicht halb so viel Klat/qa aufzutreiben.“ ״Es ist ab«( Hoch so, gnädigster Herr Statthalter. Ich bin eben nicht dahir|;gegangen, wo es noch still ist und die Menschen noch keine rechte Furcht haben, also auch nichts gerne hergeben. Ich bin lieber in* clje bedrohte Gegend gegangen, wo die Leute vor den Schweden nicht mehr sicher sind und Angst haben. Die haben mir gleich ihr-Vieh gegeben. — Warum? den Dukaten kann : man vergraben, die Ochsen und die Hammel aber nicht! Warum hab' ich sie aber gekauft?“ Marcus lächelte pfiffig. ״Nun, wenn! die Schweden die bukaten bei den Bauern finden, könnet! sie sie; nicht essen, unsjjpber wird das Vieh doch schmecken?“ I und habe die Paar aufm Lande den Schweden gelassen, damit ein- Schwein frisst das andre! Mögen sie Alle krank davon werden!“ ״Du hättest dich unter die Schweden gewagt, Jude?“ rief Graf Colloredo. ■^-׳ ״Ich sag’s ja," lachte Kinsky von Wischinitz. ״Spira’s Sohn ist von mannhafterem Schlage als das übrige Judengesindel." ״Erzähle: wa; hast du gesehen? Wo stehen die!Schweden Marcus!•‘ rief Graf Czernin. ״Nu gnädige Herren“ entgegncte dieser, ״zwischen die Schwcden mitten hinein gerade gewagt hab’ ich mich nicht. Aber gehört und gesehen von ihnen hab' ich genug. Carl Gustav steht noch über der Elbe i.m Aussig, Culm, Teplitz und Dux herum, wahrscheinlich wegen der Bayern. Dahin gekommen bin ich aber nicht, ich habe es nur in Laun gehört von jüdischen Leuten, die die Schweden da oben herum gesehen haben.“ ״Wo bist du denn gewesen, verdammter Mauschel?!“ rief Colleredo ungeduldig. ״Denkst du, wir wollen hier den ganzen Morgen deinetwegen stehen? ,Haben Sie Geduld mit mir, grossmächtiger Herr Statthalter! Wenn ich soll genau Bericht geben, muss ich doch reden auf meine Weise. Es ist besser, die Herren wissen Alles genau, ehe sie aufs Rathaus gehen. Ich habe zu mir gesagt: Marcus, der Königmark in Eger hat es auf Prag abgesehen. Carl Gustav wird sich nicht rühren, wenn er nicht muss, der Königsmark kann aber über Kaaden und Pesteiberg oben herum nicht anmarschieren, denn von der Eger wie der Elbe sind alle Brücken abgeschmissen. Von Süden her über Pilsen und Beraun über die Beraunka und die Elbe, um auf unsere Ostseite zu kommen, das können die Schweden aber^auch nicht, denn da ist überall kein Steg mehr, keine Brücke? wenn sie uns überfallen wollen, müssen sie’s aber doch rasch und heimlich tun. Das werden sie, gnädige Herren, passen Sie nur auf! — Hab ich mir also gedacht, wenn die Schweden Prag überrumpeln wollen, brauchen sie von Eger über Laubentz und Horosedtz nur die gerade Strasse auf Kladno loszugehen, dann haben sie uns, wie sie uns haben wollen. Deshalb hab’ ich die Bauern auf der ganzen Strecke von Eger bis Prag in den Wäldern aufgesucht und ihr Vieh gekauft, dass die Schweden nichts finden, und die Bauern haben’s vor Angst gern gegeben. Die hohen Herren sahen mit Erstaunen auf den jüdischen Viehhändler. ״Du kennst das Land und seine Straßen merkwürdig genau, Schlingel!“ sagte Colloredo. ״Sprichst da von der Schweden Kriegsoperationen, als verständest du etwas davon “ Der Jude lächelte. ״Wenn man immer im Lande herum handelt, kennt man zuletzt jeden Winkel. Es ist auch noch nicht recht lange her, daß mich mein Vater geschickt hat zu Verwandten nach Spanien; auf’n Rückweg aber haben mich die Schweden gepackt und ich habe müssen dienen zwei Jahr unter ihnen als Knecht, wenn ich nicht wollte gehängt werden. Drum weiß ich mit 'n Marschiren und mit den Schweden ganz gut Bescheid.“ ,Teufel auch, Jude! Zum Kriegsknecht haben sie dich gepreßt?* fuhr Czernin auf, ,.freilich, die Schweden nehmen Heiden״ Juden und Zigeuner unter die Fahne, da sie doch nur in Teufels Namen fechten. Du hältst Dich versichert, daß sie westlich, also auf der Hradschinseite anrücken werden?“ ״Ich denke, sie werden es tun,“ erwiderte Marcus, ״denn: von der Kleinseite können sie am besten jetzt heran. Alleweile stehen sie um Buchau her, was sie geplündert und verbrannt haben; das wenige Landvolk, was noch da ist, macht überall, daß es Hals über Kopf wegkommt!“ ״Bei Buchau hast Du die Schweden selbst gesehen?!“ fuhr Colloredo auf. ״Aber Schweine hast du doch auch gekauft, Judenhund!“ i lachte Clam-Martinitz. ״Du passt zu ihnen .’" ״Gnädiger Herr,“ erwiderte er den von den Uebrigen mit schallenden Gelächter aufgenommenen, etwas verbrauchten Witz, ״ich habe geglaubt, dass es schon Schweine genug giebt in Prag i ״Mit eigenen Augen, nahe genug, gnädigster Herr.“ ״Weshalb sollten sie es gerade auf Hradschin und Klein- Seite abgesehen haben, die am verteidigungsfähigsten sind, nicht auf Alt- und Neustadt, in welche sie schon im vorigen Jahr eindrangen?“ (Fortsetzung folgt.)

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