Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- 5 u. 6 (Mai-Juni 1909)
- Date
- 1909-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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i. Der Sabbath.. die über die Stimmung im Ministerium und in den juum.i-Krcisen orientiert sind, unterstützt. Fast alle Mitglieder äußern ihre Mei־ nung in dieser für den Fortbestand des Judentums so!eminent wichtigen Frage, worauf einstimmig der Beschluß gefaßt Wird, das Ministerium zu ersuchen, einen von den Babbinern präzisierten Antrag betreffs der Erhaltung der Sabbathruhe für die jüdischen Burger Rußlands der Dama-Kommission zu überweisen, damit hei der Beratung des Sonntagsruhegesetzes im Plenum auch der jabbathantr.ig der Rabbinerversammlung erledigt wirden könne. Ferner wurde hinsichtlich des Schulbesuchs der Kinder in den Elementarschulen l> .׳schlossen, es sei anzustreben, da!i, •die jüdischen Schüler an Sabbathuni Feiertagen vom Schulbesuche befreit werden. Diese Ansicht gewann auch entgegen ijiuem anderen Vorschläge, die Kinder nur vom Schreiben am Sabbat!) zu befreien,, die Oberhani, uni ein |dihingeheu ler Antrag wurde ן nach einem •diesbezüglichen Referate des ll-jrrn Getz raitJStiramsnijichrheit zum Beschlüsse erhoben. ’! Warschau. 6 Mai. .Vach Unterzeichnung des l’j-otokolls des!letzthin hier abgelnltenen Rabbiner-Congresses begaien sich die Rabbiner aus Radom, Staszow und Lnkow am Mittwoch zu dem Warschauer Oberpolizeimeister, dem sie das ganze Protokoll mitsamt ' •den Beschlußfassungen des .'Kongresses zwecks l'eberitittelung des Materials an den Generalgouvernenr überreichten. l)3h Obcrpdizeimeister empfing die Kommission sehr freundlich. Das P otokoll weist 11. A. auf die Notwendigkeit hin, den jüdischen Sold 1 en die Mdglichkeit zu gehen, die religiösen Vorschriften zu befolget und schlägt ־vor: 1. daß zur Friedenszeit die Juden an Sonn ibenden von der Arbeit befreit werden, dagegen sollen sie an JSonntage 1 beschäftigt werden, 2. für die jüdischen Soldaten eine Koscherküchei einzurichten oder ihnen anstatt Speisen Geld zu gebeu. U?ber die (Beschlulifassungen betreffs der Sabbathruhe beißt es im Kongreßprotokoll: ״Da- Sabbathgebot ist die Grundlage der jüdischen. Religion. Ungeachtet dessen, daß sich die Lebensbcdiugungen der Juden im Laufe der Zeit änderten, verblieb die Sabbathfeie,r doch, wie frilheg, die Hauptgrundlage der jüdischen Religion. Und da der Glaube an und für sieb die Grundlage der Moralität ist, so wird die Nichtbeachtung •des Sabbaths von den Jndeu als moralisches Vergehen erachtet. Aus diesem Grunde findet der Kongreß, daß für die Judejn solche Bedingungen za sichern seien, die ihnen die Sabhathheili^uug ermiig- Richen, und hält es der Kongreß für seine Pflicht, auf einzeln? Gesetze . hinzaweisen, welche den Jaden zur Nichtachtung des Saihbaths zwiu-;gen. Die Forderung, an christlichen Feiertagen nicht zu arbeiten lind nicht zn handeln, ist durchaus normal im Verhältnis zu den *Christen, jedoch die Julen zwingt das zur Nichtachtung des Sabbaths •oder zur Vernachlässigung ihrer Interessen, di sie mit den ■Christen nicht konkurrieren können. Wenn die ökonomischen Anforderungen •aberwiegeu, so kann die jüdische Bevölkerung, da sie den religiös- 1moralischen Boden verliert, tatsächlich zn einem schädlichen Elemeut! ־werden, umgekehrt aber, falls die geistigen Anforderungen die ökono- I ,mischen überwiegen, werden die jüdischen Massen noch mehr ver-! .:armen. Dies in Erwägung ziehend, ist der Kongreß bemüht, die •5Juden, welche den Sabbath innehalten, von dem Schließen der Läden an christlichen Feiertagen zu befreien, mit Ausnahme der Stunden,!in welchen der Gottesdienst in den Kirchen abgchalten wird.“ Chicaco im März. Auch hier schreitet die Sabbathbewegung weiter fort. Ein Zweigverein der ״Jewish Sabbath Association* wurde hier neulieh mit mehreren hundert Mitgliedern gegründet, die sich verpflichteten, nur solche Geschäfte zu unterstützen, die am Sabbath geschlossen sind. St. Louis. Die letzten Gemeindewahlen in St. Louis, welche am Sabbath anberaumt waren, haben mit dem Siege der demokratisehen Kandidaten geendet. Dieser Ausgang ist dadurch herbeige• führt, daß die 30000 jüdischen Wähler der Stadt, die nahezu samtlieh der republikanischen Partei angehüren, sich aus religiösen Redenken nicht an der Wahlhandlung beteiligen durften. In den Vereinigten Staaten von Amerika dürfen keine gedruckten Stimmzettel Verwendung finden; sondern jeder Wähler maß den Namen seines Kandidaten im Wahllokal handschriftlich eintraigen. Diese Handlung wäre ein Verstoß gegen die Vorschriften üb3r die Heiligung des Sabbaths gewesen. I Simon Spira und sein Sohn Historische ErzüJilmu:-. Von Alb. Ern. Brachvogel. 31 l!r>u׳s Kapitel. So interessante alte Städte auch Mitteleuropa besitze^ mag, ich kenne doch keine, die sich so.vohl in historischen Erinnerungen, eigenartiger Lage, Altertümlichkeit der Bauart und Mannigfaltigkcit seiner Bewohner mit Prag, der alten Hauptstadt Böhmens, messen könnte. Nirgends springen die Gegensätze des ä&terreichischen Mischlingsvolkes stärker in die Augen, seine Rassen zeigen sich nirgends so ausgeprägt als hier. Überall in Prag findet man die Spuren der Jahrhunderte langen Kämpfe, welche diese Gegensätze hervorgerufen haben, und die noch in alter Stärke unvermittelt und unversöhnt neben einander bestehen. In Prag, standen stets zwei Rassen־, die Deutschen und die Slaven. in politischer wie sozialer Nebenbuhlerschaft einander gegenüber und werden das so lange, bis das schwächere, an Kultur niedriger stehende Volkselement von der höheren, geistigeren Kraft des anderen a'ufgelöst werden wird. In derselben Stadt blüht heute das Jesuitentum, in, welcher Huss lehrte, Ziska’s Trommel klang und die Fahnen der Kelchei■ wehten! Hier residirte der Winterkönig mit der schönen lochtet lacob's I! Hier feierte der Friedländer die höchsten Triumphe seines Ehrgeizes! Hier in der gastlichen Halle seines riesigen Palastes verführte er seine halbtrunkenen Generäle zum Treubruch gegen den Kaiser. An der Mariensäule ward der Wut Wallensteins, bei Lützen geschlagen worden zu sein, das Blut kaiserlicher Offiziere geopfert. Draussen am weissen Berge verlor der Hort des Protestantismus, Friedrich der Palatin, in einer Stunde, die ihm von Böhmens Ständen jubelnd dargebotene Krone, und jener dreissigjährige, scheusslichste jaller Kriege nahm von hier aus seinen Weg, in welchem Habsburgische Hauspolitik und das Unabhängigkeitsgelüst deutscher Fürkten, Rassenhass,׳ Fanatismus, wie politischer Ehrgeiz die Erde mit Blut, den Himmel mit dem Qualm brennender Städte erfüllten. Was. dieser Krieg gewesen ist, und wie er in’seinen Folgen ohne Beispiel in der Geschichte gesitteter, christlicher Nationen dasteht, beweist ein Faktum! Als er 1618 begann, zählte Deutschland 23 Millionen Seelen, als er 1,6iS endete, nur noch 4,530030 lebendige Menschen, also noch nicht den fünften Teil! Von Prag aber sing jener Würgengel aus, der die deutsche Erde entvölkerte Fund die deutsche Nation um mehr denn hundert Jahre in 'der Kultur zurückwarf.! Jeder Schritt durch Prags vielgewuncLene Gassen, jeder Blick belehrt uns, welche wechselreichen'Ereignisse! den Dingen und Menschen ihren unverkennbaren Stempel aufgedrückt haben. Drüben am Hradschin klimmen die Paläste des stolzen böhmischen Feudal- und Kriegadels, die Sitze der Czechen-Hüupter in dichten Terrassen zur Königsburg empor, ob derselben zum Schutze, ob ihr zum Trutze - das ist höchst fraglich I Dort hausen heute noch. die Wallensteine, Fürstenberg. Hartick, Kinsky, Colloredo, Lichtenstein, Lobkowitz, Kolowrad, Schwarzenberg, Thun, Morzin und Martinitz, Deutsche und Czechen, stolze Geschlechter, die einst für, wie gegen den Kaiser, für, wie gegen Rom im ״Felde standen. Während der Eine ihrer Ahnherrn väelleichf das goldene Vlies errang, stürzte den Andern sein Ehrgeiz in .blutigen Tod. Hradschin und Kleinscite, das ganze westliche Prag, ist die Domäne der Aristokraten, diesseits der Brücke hingegen, der Nord und . Ost der Czechenstadt gehört dem Volke. Zwar hatten in der Alt- Stadt die Clam-Gallas, Kinsky, Colloredo und Mansfelds auch Stammsitze, in der Neustadt die ßeraun, Inhalsky, Nostiz u. Werby sie sind deshalb auch populär, aber dennoch ist auf, der rechten Moldauseite das Adelselement nur dünn verteilt und verschwindet in dem Geräusche bürgerlichen Lebens״^ Die Altstadt, welche den nordöstlichen Teil der Residenz־ bildet und an dem fast rechtwinkeligen Haken liegt, welchen die Moldau von Süden nach Osten beschreibt, ehe sie an dem Dorfe Bubna vorüberflicsst, ist auch der älteste, wohl ursprünglichste Teil Prags; Hradschin, Kleinseite und Neustadt entstanden viel später. Wahrscheinlich waren alle diese Stadtteile ehedem!völlig getrennte, für sich bestehende Orte, welche erst die steigende Kultur und Zahlreiche Einwanderer verschmolzen haben. Dies geht aus der Thatsache hervor, dass Kleinseite, Altu Neuktadt; ja sogar das ludenviertel ihr besonder ejs Rathaus und getrennte Gemeindeverwaltung noch heute haben, was sogar bei der jetzigen Einwohnerzahl, welche 200030 Seelen nicht übersteigt, ziemlich wenig gerechtfertigt erscheint. Ist die Sage keine Lüge, dass Libussa Prag A110 700 n. Cnr. gründete, so kann damit, weil die Bergfeste Wischgwrad schon bestand, allein die Altstadt gerne.nt sein Dass danals bereits Ansiedelungen itn nordwestlichen MoJdau Winkel vorhanden waren, gerade jene Stelle als die־ geeignetste für Gewerbe, Handel, Schifferei und Fischfang sien herausgestellt haben mjtss, beweist