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Der Sabbath · 1909-05-01 · 5 u. 6 (Mai-Juni 1909) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
9 (1909)
Issue
5 u. 6 (Mai-Juni 1909)
Date
1909-05-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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30 Der Sabbath. einen Zuwachs toh 13 Mitgliedern zu verzeichnen, deren Zahl sich jetzt auf 60 beläuft. Tn Anlehnung an die Ortsgruppe ist ferner ein ״Juaendbund* gegründet worden, der im Sinne des Verbandes speciell W ^en Kreisen der jüngeren Generation zn wirken sacht. Wien im März. Wie in dem zionistischen Parteiorgan, der ,Jüdischen dtötung“ zu lesen war, ״veranstaltet die jüdisch akadedemische Verbindung .״Unitas* in diesem Winter ans Anlaß ihres dreißigscmesirigen Fenders sm Freitag, den 26. .Ftbiaar, 6 Uhr aterds auf der ״Ltdt“ einen Festkcnr.mers. Tags darauf, am Samstag, voimittags um halb 10 Fbr, versammeln sich die Festteiluehmer sunt Frühschoppen in der Altpilsenetzer Bierhalle, worauf gemeinsame Auffahrt — am Samstag — zur Universität nnd Technik tattludet.“ > Eine Deputation dieser Studentenverbindung, bestehend aus j den' derzeitigen Führern, erschien im Bureau des Kultusgemeimle- : Präsidenten, Bern Dr. Alfred Stern, überbrachte ihm personlieh die Einladung zum Festkommers and unterbreitete ihm d.e Bitte, sämtlichen Vorstandsmitgliedern der isr. Kultnsgemeinde von dieser Einladung Kenntnis zu .geben. Herr Dr. Alfred Stern erteilte aber den jungen Lernen eine sehr nachdrückliche Lektion. Abeeseben davon, daß er an diesem Tage Jabizeit hat nnd hält, kotiger persönlich-, das Vorgehen der ״l'nitas“ nur höchst bedaneiiich linden. Das private Verhalten des einzelnen Studenten für sich unterliege Bicht seiner Kontrolle, und wenn jüdische Studenten als Mitglieder einer interkonfessionellen Verbindung oder eines interkonfession^ellen Vereines an einer festlichen Veranstaltung am Freitag abend oder Samstag׳ morgen teilnehmen, so würde er sich nicht für beri chtig{ erachten, dies einer Kritik zu unterziehen. Allein, wenn eine offiziell jüdische Verbinduog oder ein offiziell jüdischer Verein für eine solche Veranstaltung gerade den Freitagabend sich anssucht nnd offiziell Samstag vormittag eine gemeinsame Auffahrt zur Universität aut das Programm stellt, so muß er die Einladung picht bloß für seine Person abiebreD, er muß es auch entschieden verweigern, von dieser Einladung dem Vorstande der Kultusgemeinde Kenntnis zu geben. Er kann die Beteiligung von Vorstandsmitgliedern aB dieser sö'sonderlaT arrangierten Verarstalturg nicht 1!ur־üicbt empfehlen, er müßte es entschieden mißbilligen. — Der hiesige Verband der Salbathfreunde hat Herrn Dr. {Stern für dieses •energische Auftreten gegen die ostentative Verletzung und Verleugnung des •Sabbatbs in einem tffiziellen Schreiben seinen Dank votirt. Wien. 11. Mai. Im Festsaale des Hötel 1 entral sprach gestern Abend vor einer vielbundertköpfigen Menge auf Einladung der Sai!- batbfreunde Herr Mo ritz A. Loeb aus Frankfurt a. M. über die Bewegung zur Erhaltnng der Sabbathrube. Herr Loeb fesselte durch ' l1/! Stunden sein Publikum, das den Ausführungen des Bedners mit lebhaftem Interesse folgte. Nach einer Darlegung der. sozialen und hygienischen Wichtigkeit eines wöchentlichen Bnberages, der Schildeiurtg des hoben sittlichen Einflusses, der speciell dem jüdischen Sabbath mit seiner gelange*' Kräftigung innewobnt, kenuzeichnete der Bedcer die im modernen V^rkehrsleben unüberwindlich scheinen- ’den Hirdernisse, die sich der Sabbathruhe cntgegenstellcn, nnd sein ans dem Herzen kommender Appell, sich durch diese Schwierigkeiten nicht abhalten zu lassen, dieses herrliche Kleinod des Judentums, das in seiner Anlage und Stimmung durch einen anderen Ruhetag!geht ersetzt werden kann, zn wahren, fand offene Herzen. Herr Loeb gab .alsdann einen Rückblick auf die Entwicklung der reichsdeutschen Vereine, der großem Interesse begegnete nnd in allen Anwesenden den lebhaften Wunsch rege machte, auch bei uns größt, mögliche Ausdehnung der Vereinstätigkeit zu erzielen. Mit gedier geuen Ratschlägen über die Art. wie man es machen muß, schloß der Vörtrag, der für die Propagierung der Sabbathheiligung von unschätzbarem Werte ist. — An der hierauf folgenden Diskussion nahmen teil! Herr' Lehrer Plohu, die Herren Rabbiner Dr. Feucht, wang, Dr. David. Reich-Wien V, Reich-Baden. Der Vorsitzende, Herr Moritz Felseubnrg, dankte dim Vortragenden für den Genuß, den er unseren Gästen geboten. In gehobener Stimmung ■ad in dem tröstlichen Bewußtsein, daß auch im Großstadtgetriebe noch Sinnffür echtes Judentum zu finden ist,— wurde die imposante Versammlung^geschlossen, der im Herbst oder Winter mehrere Vorträge folgen werden. Paris,12. Mai. Hiesige Blätter berichten: Die Durchführung־־ des Gesetzes über die Sonntagsruhe in Algier, mit der vorigen Sonntag dort begonnen wurde, macht den dortigen Juden einige, wenn auch Dicht unüberwindliche Schwierigkeiten. Der weitaus größte Teil der jüdischen Bevölkerung schließt die Läden am Samstag nnd hält sie am Sonntag offen. Ha Artikel 2 des Gesetzes den Sonntag als Schließangstag bezeichnet, zog eine Gruppe von nichtjüdischen Angestellten nnd Kaufleute durch die Straßen und zwangen diejenigen, weiche ihre Geschäfte offen hatten, d. h. die Jaden nnd einige Euro• päer, wie Friseure und Konfektionshändler, ihre Geschäfte zu schließen. Die meisten haben nachgegeben. Ernstere Zwischenfälle haben sieb nicht ereignet. Die Frage des Geschäftsschlusses der Juden au Sonntagen ist der Administrationsbehörde überwiesen worden. Tatsächlich stand die Sache bislang so, daß die Araber am Freitag, die Juden am Samstag nnd die Christen am Sonntag feierten. Der Friede war dadurch am besten gewahrt; ihn empfindlich zu stören, blieb den französischen Antisemiten Vorbehalten. Petersburg. 28. Febr. Die Duma-Kommission für Arbeiter- und AngesteUten-Augelegenheiten hat sich vor kurzem mit der Buhetagsfrage eingehend befaßt. Das von der Regierung vorgelegte Gesetzesprojekt bestimmt eine Maximal-Arbeitszeit von 5 Stunden am Sonntag für alle öffentlichen Geschäftshäuser, überläßt aber den Lokalverwaltungen die Gewährung der Erlaubnis für die einzelnen. Orte innerhalb dieser Frist. Die extreme Rechte möchte nun am! liebsten das Off'enhalten von Geschäften an Sonntagen gänzlich verbieten, um dadurch die am Sabbath ruhenden Juden zu schädigen r andererseits wjll sie aber den ihr auch nicht gerade sympathischen Arbeitern und Angestellten keine 24stündige Ruhepause gewähren. Sie akzeptierte daher getn den Regieiungsvorschlag in. der begrün• deten Erwartung, daß die örtlichen Administrationen es schon ,,richtig“ machen werden : im jüdischen Bayon werden sie die strenge- Sonntagsruhe durchführen und in den anderen Gouvernements die fünfstündige Arbeitszeit am Sonntag festsetzen. Die Oktobristen» sind in der Frage nicht einig. Die Opposition, zu der auch die Mohammedaner und die jüdischen Abgeordneten gehören, fordert mit aller Entschiedenheit, daß es den Nichtrnssen gestattet sei, ihren religiösen Ruhetag, und nur diesen innezuhalten. Ein Vorschlag, daß dies nur inhezug auf die Mohamcdaner bestimmt werde, wurde von diesen zurückgewiesen; sie forderten das gleiche Recht auch für die anderen nichtrussischen Völker. Die Angelegenheit befindet sich noch im Beratungsstadium. Die Entscheidüng für die Juden hängt zum großen Teil davon ab, ob die mohant medanischen Abgeordneten nicht schließlich doch ״Umfallen“ werden. Wilna, ö. Mai. ^Vorgestern tagte hier die Conferenz russischer! Rabbiner, an der die!׳angesehensten Autoritäten aus allen Teilen Bußlands teilnahmen.^__Auf dem Arbeitsprogramm Stand u. A. auch eine Beratung über ״die Sabbathruhe hinsichtlich des neuen Sountagsruhegesetzes* Zujr Beratung dieses Punktes wurden auch meh• rere Lpien, zumeist Kiutieute, als Sachverständige zugezogen. Herr L ip pitz-l’etersbnrg referiert eigehend über den ״Stand der Sonntagsruhe iu der Duma“, worauf mehrere Kaufleute über manche Gegenstände Auskunft erteilen und praktische Vorschläge machen. Die Vertreter aus Petersburg halten eine sofortige Intervention bei der Duma-Kommission für unumgänglich notwendig, da ein Abwarten bis za Einberufung der Babbinerkommissiou große Schäden znr Folge lJaben könne. Mit Rücksicht auf die Gefahr die aas einer zweitägigen Ruhezeit der jüdischen Kauflente dem ganzen wirtschaftlichen Leben des Landes drohe, halten sie das größtmöglichste Entgegenkommen der Regierung in dieser Beziehung für sehr wahrscheinlich. Herr Getz-Wilua meint dagegen, daß die Versammlung aus formellen Gründen und durch die ihr von der Regierung gezogenen Kompetenz-Grenzen keine direkten Vorschläge au die Duma-Kommission machen könne. Es sei denn, daß die Rabbiner nicht als Mitglieder der Versammlung, sondern im Kamen ihrer Gemeinden die nötigen Schritte unternehmen wollten. Er hält es für empfehlenswert, durch eine Deputation auf die Führer der Verschiedenen Fraktionen der Duma in dieser Beziehung aufklärend einzuwirken. Der Antrag wird von den Vertretern aus Petersburg,

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