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Der Sabbath · 1909-05-01 · 5 u. 6 (Mai-Juni 1909) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
9 (1909)
Issue
5 u. 6 (Mai-Juni 1909)
Date
1909-05-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Sabbath. 29 ----־־'־t—-! Mit Recht bemerkt hierzu die Redaktion des ״Israelit“: ״Wir können auf Grand dieser Zuschrift mir konstatieren, daß die llittcilangen unseres Mitarbeiters, soweit sie tatsächlicher Naturwaren, Tollinhaltliche Bestätigung gefunden haben. Es ist danach Folgendes als festgestcllt zu betrachten : 1. Die Simon-Stiftung hat einen kaum der £|chule cntwachsenen, also überaus erziehungsbedürftigen jungen Menschen bei einem christlichen jungen Schmiedemeister und Landwirt zur Erlernung der Landwirtschaft in die Lehre gegeben, lädt ihn hier rerbotenc Kost genießen und den Sabbath entweihen, trotzdem rituelle Kost am Orte zur Verfügung gestellt war und trotzdem der Lehrherr, wie er unserem Gewährsmann ausdrücklich versichert hat, ihn sehr gern von der Sabbath-Arbeit befreit haben würde. 2. Die Simon-Stiftung hat durch ihr Vorgehen in diesem Falle «inen noch bildungsfähigen jungen Menschen nicht nur dem religiösen Nihilismus und nach unserer religiösen Auffassung der völligen Entfremdung vom Judentum überliefert, sondern sic hat: auch, was in den Augen unserer neologen Brüder vielleicht noch schwerer wiegt, in einem kleinen Orte wie H. einen grandiosen Ghillul haschem verursacht. Es ist widerspruchslos festgestellt, daß der christliche()rts־ 1Geistliche seiner Entrüstung darüber Ausdrück gegeben hat, daß «ine ״jüdische“ Stiftung das Judentum in solcher Weise öffentlich blossteilt. Wenn die ״Simon-Stiftung* ihr Vorgehen damit Zu rechtfertigen sucht, daß sie ihren Arbeitsnachweis für ,.neutral* erklärt, so würde -eine selche auf dem Boden des überlieferten Judentums unbekannte Neutralität den gesetzestreaen Kreisen selbst dann die JUitarbeit nicht gestatten, wenn es sich dabei um erwachsene Personen handelte, die nach freiem Ermessen darüber verfügen ,können, ob sic das Religionsgesetz verletzen wollen oder niebt. Halbwüchsigen Jungen gegenüber jedoch diese Art von ״Neutralität* betätigen, bedeutet nach Lage der Dinge eine sehr nachdrückliche Propaganda für den Abfall. Es ist bedauerlich, daß der Syndikus jer Stiftung sich dieser Tatsache nicht bewußt zu sein;scheint, und es wäre wünschenswert, daß die doch einigermaßen mitverantwortlichen Mitglieder der Verwaltung sich überlegten, ob sie eine solche Art von ״Neutralität“ gegenüber den kostbarsten idealen Gütern der .jüdischen Gesamtheit für zulässig erachten. j Zu der Angelegenheit ist uns ferner eine Zuschrift des Herrn Dr. Arthur Kahn in Charlottenburg zugegangen, die sich mit dem "Verhältnis des Bodenkultur-Vereins zur Simon-Stiftung befaßt. Das Schreiben lautet: ln dem in Nr. 15 dieser Zeitschrift erschienenen Artikel: ״Jüdischer Antisemitismus“ von Dr. W. in R. ist a^ch meiner Anrede in der ״Kommission für ländliche Wohlfahrt“, gelegentlich der Tagung der Freien Vereinigung in Frankfurt a. 11.'in einer Weise gedacht, die mir geeignet erscheint, über meine Stellung zu den anliebsamen Vorkommnissen, die in beregtem Artikel besprochen wurden, Mißdeutungen zu veranlassen. < Zunächst habe ich za bemerken, daß ich nicht als ״Generalsekretär“ des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter ■den Juden Deutschlands erschienen bin und das Wort ergriffen habe. Vielmehr kam ich als Mitglied der Freien Vereinigung and als Delegierter der hiesigen Ortsgruppe des Verbandes der Sabbathfreunde. Es ist doch nur ganz natürlich, daß ich 'in einer Angelegenheit, für die ich schon vor mehr als 25 l Jahren eingetreten bin und für deren Entwickelung ich nicht nur als Schriftführer des Bodenkulturvereins mich aufs Lebhafteste interessiere, sondern weit mehr noch als Verfechter der Sabbathheiligung, bei Jeder Gelegenheit eintrete, wo ich glaube, der Siche zu dienen. Als die ״Landflucht“ in den siebziger Jahren einsetzte und, besonders in meiner engeren rheinischen Heimat, den Bestand der kleinen Dorfgemeinden aufs Aeußerste gefährdete, erblickte ich in dieser Erscheinung eine Gefahr für das Judentum. Die Städte, insbesondere die Großstädte zehren das Judentum auf und die vielen dort von jüdischer Seite ins Leben gerufenen Institutionen und Wohlfahrtseinrichtungen wie auch Vereine,;erscheinen mir nur als der Ausfluß eines die Gefahren ahnenden Giefühls, die man I abzuwenden wähnt, wenn man eben recht viele Einrichtungen trifft, die den Großstadtjuden ständig an sein Judentum erinnern' sollen, das er sonst nur allzuleicht hier vergießt und aufgiebL Aach vom rolkshvgicnischen Standpunkt aus erscheint mir im Interesse der bedrohten physischen Existenz die Erhaltung der Landgemeinden ungemein wichtig und ich erbhekte in deren Rückgang resp. Auflösung ein großes nationales Unglück. Alle Volkskraft wurzelt im Bauernstand, dessen wir nicht entraten können[ wenn wir nicht numerisch nud physisch reduziert werden sollen. Und auch aus spezial-politischen Gründen müssen wir mit allen!unszu Gebote stehenden Mitteln versuchen, die jüdischen Dorfgemeinden möglichst zu erhalten. Auf dem Dorfe kann der Jude gesetzestreu leben und bleiben, ohne iu Schwierigkeiten wie in der Stadt zu geraten, ohne Konflikt der materiellen und religiösen Interessen?־ Die ganz gleichen' Erwägungen haben vor etwa 9 Jahren einsichtige jüdische. .Männer bewogen, den Bodenkultujvere in zu gründen. Es war daher auch nur folgerichtig{ und selbstverstündlich, daß bei Grüniung dieses Vereins bestimmt wurde, die Heranbildung von jungen jüdischen Bauern oder Landwirten müsse in jüdischem Geiste geleitet werden. Und so außerordentlich verschieden auch die religiösen Ansichten der einzelnen Mitglieder des Vorstandes waren, soweit sie in ihrer Lebensführung hierin auch von einander abwichen, darin, daß die Lehrlinge auf dem jüdischen Lehrgute nicht nur rituell verpflegt, sondern auch zur ’ Innehaltung des Sabbaths gehalten sein sollen, waren ־Sie : samtlieh ein«s Sinnes. Der verstorbene Herr Oberhsntmanni0 ohn, der doch nichts weniger als ein streng konservativer Jude war, hielt mit größter Strenge darauf, daß in das einmal festigel egte Prinzip keine andere Deutung hineingetegt wurde. In gleichem Sinne sprach sich auch der inzwischen ebenfalls verstorbenle stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Herr Gustav Tuch, ials ich ihn während der Unterhandlung mit Hannover in Hamburg aufsuchte, aus. Daß der derzeitige Vorsitzende, Herr tfrof. Walrburg nicht anders in. diesem Punkte denkt und auch [die übrigen inzwischen hinzugcwählten Vorstandsmitglieder hierin voll und ganz übereinstimmen, braucht sicherlich nicht bezweifelt zu werden. Und daß der Bodenkulturverein von diesen sfeinen {Grundprinzipien keines, irgend einer Allianz zuliebe, opfern wird,‘ kann Ich mit aller Bestimmtheit schon jetzt aussprechen. Charlottenburg, ‘26. April 1909. j 1 Dr. Arthur Kahn״ Uns scheint an diesen Ausführungen am bedeatangs] vollsten der Schlußsatz, in dem ziemlich deutlich zum Ausdruck kompit, daß auch der Bodenkultur-Verein das Verhalten der Simön-Stiftuäg mißbilligt. Eine offizielle Erklärung in dieser Hinsicht wäre1 immerhin sehr erwünscht. . j. Was endlich das von der Simon Stiftung anjjekaufte L ehrgut betrifft,־ so soll hier festgestellt werden, daß bisher für die religiöse Erziehung der auf diesem Lehrgate zu_beschäifügenden jungen Leute nicht die geringsten Garantien geboten worden sind. Es muß nachdrücklich davor gewarnt werden, junge Leute nach Steinhorst zu geben oder das Unternehmen finanziell zu unterstützen, so lange die Verwaltung auf die in loyaler •Weise von berufener Seite an sie gerichteten Anregungen und Vorschläge in dieser Beziehung nicht ausreichende Auskunft erteiltl־ Vermischte Nachrichten.; r ׳ Karlsruhe i. B. im Mai. Mit Anerkennung ist das Vorgehen : des hiesigen Direktors des Reformgymnasiums, Herrn Prof.!Heim-; burger hervorznheben, der auf Veranlassuug des an diesem Gymi nasium angestellten Prof. Schell anordnete, daß ein auf Samstag!’geplanter Schulausltug. mit Rücksicht auf die jüdischen Schüler auf [ Mittwoch verlegt wurde. ' Mühlhausen i. E. im Mai. Dank der regen Tätigkeit des Vor-; Standes hat die hiesige Ortsgruppe des Verbandes der Sabbathfreunde

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