Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- 1 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. Punkt 4 der Tagesordnung: Jüdische Brockensammlungen. Dr. Biberfeld übernimmt wieder den Vorsitz. Neuberge r- Berlin giebt die folgenden statistischen Daten über die Entwicklung der „Peah* in Berlin: (Aus Posen und Breslau, wo ebensolche Institute bestehen, liegt statistisches Material nicht vor.) In den Monaten Januar/November 1908 wurden vereinnahmt M. 13697.48. Zur Verausgabung gelangten: für Arbeitslöhne und Gehälter M. 10186 55 für Regiespesen „ 3510.93 M. 13697.48 ferner Materialien an Arme im Wert von „ 1150.— insgesamt M. 1484 7.48 Das Lager repräsentiert einen Wert von M. 5000.—, dem M. 82.35 Schulden an Verband der Sabbatlifreunde gegenüberstehen. Das Durchschnittsergebnis siud M. 1250.— monatl. Einnahmen, M. 1000.— monatl. Ausgaben für Arbeitslöhne. Es wurden durchschnittlich 10-*-15 ungelernte Arbeiter beschäftigt, sowie auch 1 lnsfiector, 1 Verkäufer, 1 Buchhalter, 1 Tischler, 1 Klempner, 1 Tapezier, 1 Schneider und 1 Schpeiderin. Diese Zahlen beweisen besser als jede Schilderung die Lebensfähigkeit, des Unternehmens, das sich aus kleinsten Anfängen und aus eigner Kraft zur Blüte entwickelt hat. Es ist daher für alle Großstädte eine Nachahmung dieses Beispiels nur zu empfehlen, jedoch dürfen die Schwierigkeiten bei der Begründung, um Enttäuschungen zu vermeiden, nicht zu gering veranschlagt werdeu. P e 1 s-Hamburg berichtet, dass auch in Hamburg unter Unterstützung der Loge, die Gründung einer Peah bevorstehe. — L o e b-Frankfurt giebt eine ausführliche Darstellung über die von der Ortsgruppe Frankfurt a. M. gemeinsam mit dem Jüdischen Frauenverein ins Leben gerufene Peali. Als Vorbild diente die Breslauer Anstalt, in der die organisatorischen Arbeiten von Ehrendamen geleistet werden. — W e r t h e i m-Fulda regt an in kleinen Städten im Umkreis einer Großstadt Filialen zu errichten. — Rechtsanwalt P o 11 a c k-Breslau giebt ein anschauliches Bild der in der Breslauer Peah geleisteten Arbeit, die Dank der eifrigen Tätigkeit des Damenkomites eine sehr ersprießliche sei. Es sei beabsichtigt unter Leitung der Stadtverwaltung nach ihrem Muiter eine nichtjüdische Brockensaminlung zu errichten, derMagistratsreferent habe sich über alle Einzelheiten an Ort und Stelle orientiert. — Dr. Biber fei d. Der ideale Wert der Peah kann nicht hoch genug angeschlagen werden. Nur muss man sich vor Augen halten, dass es keine Schablonen- Vorbilder dafür giebt. Wo die Gründung einer Peah unternommen wird, ist man an jedem Ort darauf angewiesen eigene Erfahrungen zu sammeln. Wenn die Erfolge auch in der ersten Zeit nicht ermutigend sind, so darf das doch nicht abschrecken, es dauert eine geraume Zeit bis alles klappt. — Kuh n-Wiesbaden wünscht Aufschluß über die Taktik vor der Gründung. — Dr. Auerbach- Cöln giebt zu bedenken, ob das Institut nicht in manchen Städten eine Schädigung derjenigen Glaubensgenossen mit sich bringe, die sich als Altbändler ernähren, da ihnen doch eine Konkurrenz erwachse. — Dr. B i b e r f e 1 d. Unter den Vorwürfen, die den Juden von den Historikern, auch nicbtjudenfeindlichen, gemacht werden, stehe der obenan, dass sie statt den Großhandel den Trödelhandel bevorzugen. Es sei also keineswegs wünschenswert, dass dieser Uebelstand, den man historisch begreifen und entschuldigen, aber keineswegs als erwünscht ansehen könne, nun noch künstlich durch Schutzmaßregeln, welche besseren, socialen Einrichtungen im Wege stehen, erhalten und grossgezogen werde. Allerdings könnten die Elemente, die nun einmal von dieser Art Handel lebten, verlangen.! dass die Entwickelung über sic mit möglichster Schonung: hinweggehe; das geschehe aber gerade durch die Peah, da ja die Peah die angesamtnelten Vorräte an die (ländler zu liilligen Preisen absetze. Entgegengearbeitet werde nur dem „Anreißertum“ des Publikums und das' könnte wohl nur mit Freude begnisst werden. — Plessner- Posen. Die seit 1 Jahre bestehende Peah in Posen hat jetzt die Kinderkrankheiten hinter sich und wird unter Leitung eines tüchtigen Inspektors jetzt gute Fortschritte1 jachen. — Dr. Mannes. Da cs sich bei der Peah darum, handelt aus einem Nichts. Werte z« schatten, muss überall in den Ortsgruppen auf deren .Gründung hingewirkt werden, ja man sollte, wenn nötig einen Instruktor an die einzelnen Plätze schicken. Nach kurzen Bemerkungen der. Herren K a u f m a irn- Stuttgart und Loch-Frankfurt a. M. wird dieser Punkt verlassen und zur Behandlung von Punkt 5 der Tagesordnung : Anträge geschritten. Aut Vorschlag des Vorsitzenden wird (Dr Antrag Frankfurt a. M. (vgl. Protokoll des II. Delegiertentages' Abänderung des £ 7 des Statuts zuerst zur Debatte gestellt. Hierzu hat die Ortsgruppe Hamburg folgenden Al>- änderungsantrag eingebracht : .Der Geschäftsführende Ausschuss wird um 0 Pe*r- „sonen verstärkt, von denen 2 in Berlin wohnhaft „sind und je 1 den Vorständen der 4 grössten' Orts-j .gruppen außerhalb Berlins angehört. Dieser vergrößerte Ausschuß, (demnach 11 Mitglieder) muss „m i n d c s t e n s 3 mal jährlich zusammentreten. .Bei inzwischen vorkommenden Angelegenheiten „kann schriftliche Umfrage stattfinden.4* Loeb-Fkft. a. M. begründet den Antrag Frankfurt a M. Die Erhöhung der Mandatsziffer istr heute durch die Ausbreitung des Verbandes bedingt, damit nicht hei einer Machtprobe die kleineren Ortsgruppen, die in unserem Verbände sehr zahlreich sind, von den grossen erdrückt werden können. Bei der Errichtung des Centralcomites von 7 Mitgliedern handelt es sich nicht um eine persönliche Frage, jede Beeinträchtigung des Gesell. Aussch. liegt den Antragstellern fern. Die Statuten sind aber ein Kleid, das dem Verband zu eng geworden ist. Die rasche Zunahme und Entwicklung des Verbands verlangt andere Organe, als im Anfangsstadium vorausgesehen werden konnten. Der Gesell. Aussch. ist mit Kleinarbeiten überlastet, der Delegiertentag ist nur wenige Stunden beisammen und kann nur Kritik üben und Anregung geben. Einen dauernden Einfluß auf die Geschäfte hat er nicht. Das Centralcomitö soll die Organisation in großem Maße pflegen und dem Gesch. Aussch. bei grösseren Momenten zur Seite stehen. Bei der Wahl der Mitglieder für das Centralcomitö wäre es ratsam, die betreffenden Ortsgruppen zu bestimmen und diese sollen dann ihre Vertreter wählen. Dr. B i b e r f e 1 d. Der hier vorliegende Antrag hat uns schon im vorigen Jahre beschäftigt. Der G. A. hat Gelegenheit gehabt zu ihm Stellung zu nehmen und ich habe Ihnen zu erklären, dass wir mit ihm einverstanden sind, dagegen die Abänderung Hamburg zurückweisen müssen. Diese würde die Maschine unserer Tätigkeit so hemmen, dass kein Gesch. Aussch, solche Statuten als praktikabel annehmen kann. Bei steter Rücksichtnahme auf die beiden auswärtigen Mitglieder könnte der' G. A.~ nicht arbeitsfähig„bleiben. ” Es liegt ferner ein Antrag der Ortsgruppe Posen zu diesem § vor: „Ortsgruppen mit 200 Mitglieder entsenden