Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 12 (12.1908)
- Date
- 1908-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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74 Der Sabbath. I 'Rückblick. geleistet)!׳ tutionen geistigen. Die ersten[ Jahre der Arbeiten unseres Verbandes waren erfüllt' von der Sorge um das Zustandekommen und die Ausbreitung dieser Schöpfung, die ohne Vorbild, rein witer'dem. £wange der äusseren Verhältnisse ins Lebcnrgetreten war. Dementsprechend kam die Arbeitsmöglichkeit des Geschäftsführenden Ausschusses und der Ortsgruppenvorstände oft nur tastenden Versuchen gleich. Seit dem letzten Delegiertentag ist die Lage der Dinge jedoch eine andere geworden. Der Verband ist innerlich und äusserlich erstarkt; nunmehr lässt sich die Verwirklichufig der grossen Pläne und Absichten der Begründer für das Wohl der sabbathtreuen Judenheit Deutschlands näher ins^^jge fassen. Werft®׳ Arbeiten der Verband im abgelaufenen Jahre er sich, wie sich die angegliederten Insti- [wickelt haben, was er auf dem Kampfplatz Ingens an Erwartungen gehegt, an Erfolgen erzielt, wasfer zur Stärkung des Gedankens der unverbrüchlichen .Heilighaltung des Sabbath gewirkt, welche Ausbreitung* er genommen und welcher Mittel er sich zur FoiTent^-icklung bedient, — Fragen die mit Fug und Hecht vor dem nahenden III. Delegirtentag von unseren! Freunden gestellt werden —, das soll im folgenden kurz dargelegt werden. A. Der Kampf gegen die Sabbatheiligung beeinträchtigende Einwirkungen. Im Mittelpunkte der Arbeiten des II. Delegirteutages stand die. Beratung über die zu erwartende reichsgesetzliche Regelung der Sonntagsruhegesetzgebung. Es ist unleugbar, daß seit der gesetzlichen Einführung des GeschäftscJdusses am Sonntag ein großer Teil Wankelmütiger von der Fahne abgefallen ist und die Sabbathruhe durch OÜenhalten der bis dahin geschlossenen Geschäfte entweiht hat. Seitdem ist im Wirtschaftsleben schon fast ein ganzes Geschlecht herangewachsen, das im Daseinskampfe mit den Erschwerungen rechnen muß, die ihm durch das Arbeitsverbot an Sonntagen bereitet werden. Diese Einschränkung trifft selbständige Gewerbetreibende und Angestellte in gleichem Maße, denn sie ist geeignet in vielen Fällen die freie Beweglichkeit des geschäftlichen Lebens zu unterbinden und damit den Unternehmungsgeist zu dämpfen. Da nuä erwiesenermaßen der größte Teil der nach dem Thoragesetz lebenden Juden im Kaufmannsgewerbe tätig ist, so läßt sich ermessen, von welcher Bedeutung fffr die Sache der Sabbathheiligung solche zurückdrängeuden Maßnahmen sein müssen. Nun hat man in Regierungskreisen gar den Plan ins ׳Auge gefaßt, bei einer einheitlichen reichsgesetzlichen Neurose! ung der Sonntagsruhegesetzgebung die vollständige ScfiTreßung der Geschäftsbetriebe als die Norm aufzustellerxuHid nur in Ausnahmefällen und auch dann nur für ein Zgitmiuimum das Arbeiten an Sonntagen als zuläßig zugerklären. Das Inkrafttreten eines solchen Gesetzfs nfci®, das läßt sich ohne Weiteres Voraussagen, viele Existrfften gefährden, die bisher wenigstens notdürftig anr־%OTutag dem Erwerb obliegen konnten. Der II. DelegirttÄjtag, der sich mit diesen Erwägungen eingeltend beschäftigte, gelangte denn auch zu dem Ergehnis' ־daß frühzeitig seitens der geeigneten Körperschaften alle» geschehen müsse, um die Regierung über die Gefahr eines solchen Gesetzes für zahlreiche Existenzen, die unter schweren peküniären Opfern den Sabbath heiligen, aufmerksam zu machen. In Ausführung des damals gefaßten Beschlusses beriefen wir auf den 15. Januar 1908 I eine Conferenz aus Delegirten aller in Betracht kom- ׳ menden Corporationen ein. Es war beabsichtigt die ßichtungslinien für eine einheitliche Taktik hinsichtlich der Aktionen bei der Reichsregierung in gemeinsamer Beratung aufzustellen. Zu dieser Conferenz waren von folgenden Corporationen Delegirte entsandt worden: ״ Allgemeiner deutscher Rabbiner verband *, * Freie V ereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums", ,Verband der deutschen Juden“, ,Verband der Sabbathfreunde", ״Verband orthodoxer Rabbiner Deutschlands“, ,Vereinigungtraditioneller'gesetzestreuerRabbiner“, Stellenvermittlungs-Vereine Frankfurt a. M. und Hamburg“. Die Zusammenkunft trug einen rein informatorischen Charakter, da siofe sämtliche Anwesende für die vertretenen Corporationen etwaige Entschließungen vorbehielten. Uebereinstimmung herrschte aber darüber, daß möglichst vermieden werden sollte, durch Intervention und Tätigkeit von Einzelpersonen bei einflußreichen Stellen die Gesamtheit auf Forderungen festzulegen, welche als nicht realisirbar erscheinen müßten und dem Erreichbaren nur entgegenzuarbeiten geeignet wären. In diesem Sinne hat der geschäftsführende Ausschuß denn auch seine Ortsgrupp'envorstände instruirt. Für die weitere Aktion ver- , banden wir uns mit der ״Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums“ zu gemeinsamen Vorgehen. Unsere dem Reichsamt des Innern eingereichten Petitionen berührten sich im Kernpunkte, wenngleich wir es für gut fanden, von unserem Standpunkte aus, die Regierung mit besonderer Deutlichkeit auf die Gefahr hinzuweisen, die bei Einführung der vollen Sonntagsruhe :. einem großen Teil unserer Verbandsmitglieder, nämlich denjenigen, die in!kleinen oder Mittelstädten offene Verkaufsstellen unterhalten, erwachsen müsse. Wir hatten die Genugtuung zju sehen, daß uns regierungsseitig für : unsere Wünsche!volles Verständnis entgegengebracht wurde. Wie wir! noch stets erfahren haben, daß das . überzeugte Eintreten für die Heiligung des Sabbath bei! den Behörden fast überall vollauf respektiert wird, so haben auch in diesjem Falle die in Betracht kommenden Instanzen mit ihrfer Anerkennung des Opfermutes der sabbathtreuen Kaufleute nicht zurückgehalten. Gegenüber den eifrigen Agitationsarbeiten der Hand- ן lungsgehülfenverbände für das Inkrafttreten des neuen | Gesetzes galt es außerdem, den kompetenten Kreisen der Kaufmannschaft, die Gefahren eines solchen Gesetzes vor Augen zu führen. Unterstützt wurde dieses Beginnen durch die allenthalben im Lande aus den Kreisen nichtjüdischer Kaufleute sich regenden Gegenstimmen, die wir zum großen Teile gesammelt im ״Sabbath“ veröffentlich haben. So hatten wir die Genugtuung zu sehen, daß zahlreiche Handelskammern auf die Anfrage der 1 Regierung, oh das Gesetz ohne Schädigung des wirtschaftlichen Lebeujs durchführbar sei, einen ablehnenden Bescheid erteilten.! Bis zur Vorlegung dieses Gesetzentwurfs in den gesetzgebenden Körpern, die anscheinend noch in' der Ferne liegt, kann von der Einwirkung auf die lokalen Behörden, wo es! notwendig erscheint, nicht abgesehen werden.! B. Stärkung des Sabbäthgedankens. Je weiter die! Wogen des Erwerbslebens bis hinein m den Kreis des ׳jüdischen Hauses rollen, umso nach• drückficher erscheint es geboten, den Damm der die Uosrigen vor dem verderblichen Einflüsse dieser Strömungen schützen soll — den Sabbath — zu festigen und zu stützen. Z wei Gesichtspunkte ergeben sich aus