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Der Sabbath · 1908-10-01 · 10-11 (Okt.-Nov. 1908) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
8 (1908)
Issue
10-11 (Okt.-Nov. 1908)
Date
1908-10-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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V Der Sabbath. 71! schließen 8011, und machte sogar Miene zur Befürwortung der vollständigen Sonntagsruhe, sodaß der Antragsteller sich gezwungen sah, seinen im Interesse der sabbathaltenden Kaufleute eingebrachtcn Antrag auf die 12־ Uhr-Sperre zarückzuziehen, wodurch er wenigstens die Stellungnahme des Ausschusses für die 10 Uhr-Sperre ermöglichte, wenn auch dies bloß mit der traurigen Majorität von 4 Stimmen erfolgte! Den Zusatzantrag zu § 10, wonach es den sabbathaltenden Bureausnnd Werkstättenbesitzern samt ihrem am Samstag ruhenden jüdischen Personal gestattet werden soll, am Sonntag hinter geschlossenen Türen zu arbeiten, bat die woblcdlc, größtenteils aus der Elite der neologen Kaufmannswelt bestehende Versammlung mit allen gegen 6 Stimmen verworfen. Präsident der Versammlung und zugleich auqh einer der Hauptopponenten gegen die zum Schutz der sabbathaltenden Kaufleute eiugebrucüteu Anträge war der Reichstagabgeordnete der Leopoldstadt in Budapest, des Sitzes der jüdischen Hochfinanz und Oroßkaufmannschaft, nämlich Paul Sander I So sehen wir, wie der einzige Anker der .gesetzestreuen, sab bathaltenden Kaufleute und Gewerbetreibende die Hoffuung ist, daß die kompetenten nichtjüdischen Kegierungskreisc sich rücksichu• voller gegenüber den gefährdeten vitalsten Lxisteuzbedingungen ihrer gesetzestreuen jüdischen Mitbürger benehmen werden, als deren eigene, der Neologie huldigenden, unjüdischen Ötamiuesgeuosseu. Der alte religiöse Grundsatz aber, wonach selbst den traurigsten, bedauernswertesten Erscheinungen immer noch etwas Erfreuliches abzugewinnen ist, bewahrheitet sich auch bei diesem schwarzen Verrate der dem väterlichen Heiligtume treulos gewordenen neologen Bruder, die ihre prinzipielle Sabbatschändung und äountugsheiligung nunmehr auch damit krönten, daß sie — im Gegensatz zum ministeriellen Entwürfe, der mit Rücksicht auf die geselzesircucn kautlcute die 12 Uhr-Sperre konzedieren will — willige Hand den dieser ministeri. eilen Konzession feindlichen demagogischen und klerikalen Kreisen geboten haben. Und dieses Erfreuliche ist, daß es an der Hund dieser sonst bejammernswerten Erscheinung doen nicht allzuschw'er zu beweisen ist, daß die von den Neologen so eilug bestrittene Behauptung von zweierlei ״•Judentümern“ aoen inenr als ein bloß s Hirngespinnst sein mußt Da auf einer seile Jie zum schütz u,r Sabbathruhe als der ewigen .Grundlage des Judentums mit Aufbittung aller Energie kämpfende Schar der Ücsci/tsircucu, uua auf der anderen Seite der lärmende Troß der uer-.-aboaiüiustiiunon feindlich gesinnten neologen Hochfinanz und G1ußkauima1.uswe1t, nie der schon von der elementarsten Humanität gebotenen Rücksicht aut ihre gesetzestreuen Brüder derb ins Gesicht schlagen! Pressburg, 16. N'ov. Eine ausserordentlich zahlreiche Zuhörer- , Schaft folgte am vergangenen Sountag einer Einladung des hiesigen ,!שבי •-»:®-Vereins zu einem Vortrag des Herru Moritz A. Loeb aus! Frankfurt a. M. über den ,,Verband der Subbathlreunde, seine Ziele und Leistungen!‘ Der grösste Saal, der unserer Oememde zur Ver-! fügung steht, war lange vor Beginn des Vortrages bis auf den j letzten Platz besetzt, insbesondere waren die Lachurim stark vertreten. Galt es doch einmal einen Deutschen zu huren, und besonders Herrn Loeb, dem der Ruf eines vorzüglichen Redners vorausgiug. Nach einer knrzen Ansprache des Präsidenten des hier erst kürzlich gegründeten שבח •■®»-Vereines, des Herrn Frey, begann Herr Loeb mit seinen interessanten Ausführungen. Er gab tu seinem Vortrag ein anschauliches Bild von der Gründung des Frankfurter-Vereins שבח•-®» vor ca. 11 Jahren ins Leben gerufen wurde, wie der Verein anfangs mit grossen Schwierigkeiten zn kämpfen hatte, wie aber der ge. rechten Sache doch der Sieg blieb. Er erzählte von guten Erfolgen der Stellenvermittlung, von der Wirksamkeit der V ersi. lierung jüdischer gesetzestreuer Geschäftsangestellten gegen Siel i.iu-igkeit, von der Gründung des ״Verbandes der Sabbathlreunde,׳‘ oct- Errichtung von Brockenhäusern in grösseren Städten DeutschiULü.׳}, von den vielen grossen nnd kleinen Errungenschaften, die dem Verbände der Sabbathfreunde,“ hinter welchen nunmehr 4000 gesetzestri 11c demsehe Juden stehen, zu verdanken sind. Dann führte er banpuücblich jenen grossangelegten Plan ans, die Gründung einer Kredit« esellcb&ft, welche kleine Kapitalien an gesetzetdreue Juden ansleihen soll, zur Gründung von Geschäften, die ain .*שב geschlossen bleiben* Das alles war in einer so klaren und leichtverstiindlicken Sprächet, vorgetragen, dass reicher und lebhafter Beifall den Redner—lohnfcJ .Mögen die begeisterten Worte des Redners auf fruchtbaren Hoden gefallen sein und auch der hiesige .-שב •■®»-Verein, eine segensreiche Tätigkeit entfalten. ”,י New-York, un Oktober. V^Der Verband der orthodoxen Gemeinden in Amerika und Kanada hat sich mittels, seines Sekretariats an ilie verschiedenen amerikanischen Beh >rden mit dem Ersuchen gewendet, den jüdischen Soldaten, sowieden jüdischen Staatsbeamten die drei hohen Feiertage dienstfrei zu geben. *Das Kriegsministeriutd antwortete, daß cs dem Ersuchen stattgegeben und allen ihm unter ׳ stehenden Kommandos telegraphisch die Weisung erteilt hule, den Wunsche der orthodoxen Gemeinden Rechnung zu tragen. •BcsonV deres Interesse verdient das Antwortschreiben der New-Yorker Bost• direktion. Indem die Direktion sich bereit erklärt, dem Wünscht! der Petenten zu entsprechen, teilt sie gleichzeitig mit, daß sic fol ■ gemlc Kundmachung veröffentlicht habe: ״Mit Rücksicht auf dii! große Zahl, von Glückwunschkarten und Briefen, welche aus Aulal der jüdischen heiligen Festtage, die diesmal auf den 26. und 27־. September und den 5. Oktober fallen, zur Aufgabe zu gelange* pflegen, wird an die Parteien das Ersuchen gestellt, die fraglich׳! Post nach Tunlichkeit bis spätestens den ■24. oder 2ö. Scptemlier bezw. fl. Oktober aufzugeben. Viele unserer Beamten sind Juden und wünschen diese Tage zu feiern. Es wird nun gebeten, in der oben bezoiebneten Weise hierzu beizutragen, damit der Wunsch de:•- jüdischen Beamten erfüllt werden könne, ohne hierdurch eine Stauung: des Postmaterials herbeizuführen. Edward M. Morgan, Postmeister Kurirt. Kine Sabbathgeschichte von Jiulaeus. in. Aber es war nicht viel Zeit diesen Gefühlen nachzuhängen, denn schon hatte er mit Jankel dessen Wohnung erreicht und trat nun unter die überraschte Familie. War das ein freudiges Wiedersehen! Zumal laut getroffener Verabredung die Familie heute Abend noch nichts von dem Tode der Frau Seelenfreund erfahren! sollte, um eben die gegenseitige Freude durch keinen Schatten zu' trüben. Feiwel war mehrere Stunden da geblieben und versprach׳ bald wieder zu kommen Der Besuch hatte Feiwel besonders inj seiner jetztigen, gedrückten Seelenstimmung doppelt wohl getan.! Er wiederholte ihn oft und der Verkehr schien besonders für die: Familie Goldberger ungemein vorteilhaft. Denn bei ihr begann nun ein neues Leben, in welches sie Niemand ' besser und rascher als eben Feiwel einführen konnte. Letzterer war aber in seine unjüdische ausgeartete Lebensweise so tief versunken, dass die guten Regungen und Vorsätze zu einem besseren Lebenswandel bald wie. der verflogen Er hielt es im Gegenteil, für eine rettende Tat, die reiche, aber ungebildete Familie ihres neuen Lebens recht froh werden zu lassen■ Die letztere hatte keine Ahnung davon, dass Feiwel im Herzen und durch die Tat längst mit ■dem judentum und seinen Lebensvorschriften gebrochen hatte; sie vertrauten sich daher blindlings der Leitung des alten, neuen Freundes an. Mendel und Schmul hiessen jetzt bald Manfred und Siegmund und Feiwel sorgte auch dafür, dass die Kinder im Religionsunter* rieht unterteiltet wurden, eine Disziplin, von der (ankel sowohl als Gitel so wenig eine Ahnung hatten, als von dem, was eine Conditorei ist. Aber sie Messen Feiwel gewähren, und dieser führte die Knaben einem jungen Doktor zu, der leichtes Spiel hatte, aus dfn herrlichen Knaben' moderne luden im schlimmsten Sinne des Wortes zu machen. Auch sich selbst vergass Feiwel nicht. Sein alter Onkel war | ein unberechenbarer Mann, der an dem,Neffen und seiner Führung | wenig Gefallen hatte. So tüchtig derselbe auch im Geschäfte war, | so entschuldigte dies der Onkel doch nicht für den sonstigen lockeren ׳ Lebenswandel des Neffen. Dieser suchte daheT sein Lebensglück aut kürzerem Wege zu machen. Er war der Familie Goldbergef durch seinen Rat und gefälliges Entgegenkommen so unentbehrlich geworden, dass er keinen Augenblick daran zweifelte, er brauche nur um die älteste Tochter Malko anzuhalten, um Schwiegersohn

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