Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 8 (8.1908)
- Date
- 1908-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Der Sabbath. 49 uucli passendeu Stellen in der Bibel, die ihm Erlösung aus der Seelenpein bringen. Er brauest ja nicht?0 lange zu soeben, da stösst er auf das ־־?1בנכם ונוrs : .־?1א תידרו ״Ihr sollt den Verstand mit dem Herzen nicht durchgehen lassen“! Bald leuchtet ihm das .׳•אהבת את *נוי entgegen, er erinnert sich auch an die Erkliiung der Weisen: אפילו נוט?},ן ממך את נפשך! M. H.! Lassen wir vorläufig unseren Jüngling noch andere Stellen suchen, und gestatten Sie mir eine kleine Abschweifung, welche wie ich glaube, für die Fortspinnung unseres Gedankens gedeihlich sein wird. Ich möchte hier nämlich die sehr plausible Erklärung eines grossen גאון einflechten. Es erscheint auf den ersten Blick etwas befremdend, dass wir am יום כפור zum Schluss des 1ה?•'•;- Gebetes noch einmal das שמע, das די הוא ונו׳ wiederholen. Haben wir den ganzen langen Gebettag über dasselbe nicht vielmals wiederholt? Haben wir denn nicht so und so viel mal אמרו לאלק׳ gebetet? Wozu dieses nochmals wiederholen, wenn wir so müde und hungrig sind, dass wir das שופר samt der sehnsüchtig erwarteten תקיעת verschlingen könnten? Dafür giebt der genannte Gelehrte folgende sehr hübsche Erklärung. Es war zur Zeit der spanischen Inquisition. Viele im Herzen treuergebene יהודים waren damals, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe in ihrem äusseren Wesen Scheinchristen, אנושים, geworden, um dadurch den Fangarmen der Hyäne— Inquisition — zu entgehen. Sie pflegten daher ihre Zusammenknnfte in unterirdischen Höhlen zu veranstalten, wo sie weitab von Menschenwohnungen, sicher von Spähern und Häschern waren. An den hohen Festtagen hielten sie daselbst ihre insbrünstigen Gebete ab. Wenn sie nun am Jom Kippurabend für längere Zeit auseinander gingen, gaben sie sich gegenseitig eine Parole gleichsam, damit sie fest und treu blieben, wenn auch jemand unter ihnen gefangen, zur Folter und Scheiterhaufen geschleppt zu werden das Unglück haben sollte. Diese Parole bestand in den Hauptglaubensartikeln der jüdischen Lehre, dem Scbma u. s. w. Zum Andenken an jene Leidenszeit wurde daher dieselbe auch später' beibehalten.! Kehren wir nun zu unserem Jüngling wieder, der ebenso nach Parole für den Seelenkampf sucht! Er findet auch das שמע auf seiner Suche und, da er früher so viel gelernt, erinnert er sich dabei an den Martertod deä einen der Märtyrer der römischen Gewaltherrschaft — עש־ד, הרוני מלבות. Ich meine nämlich רבי עקיבא! Dieser wurde, weil er, entgegen dem Verbote jüdische Lehren öffentlich verkündete, zusammen mit einem gemeinen Verbrechen zu j Tode verurteilt. Man schleppte ihn zur Ricbtstätte. Da | heisst es: ״ וכשסרקו את בשרו במם־קות של ברזל ובו׳Als man j mit eisernen Zangen ihm das Fleisch vom lebendigen Leibe riss, da kam kein Klagelaut über seine Lippen: j geduldig ertrüge die schrecklichen Martern, ihdem er das . שמע betete. Und als die Leiden unerträglich wurden, da hauchte er seinen reinen Geist mit dem Worte אתר aus. j ויצתה בת קול. Und da erscholl eine Stimme von oben her: ן wohl dir Akiba, dass die נשמה beim Worte אחד entfloh!! Das war also der Heldentod des Rabbi Akiba, sagt sieb nun unser Jüngling! Wer war denn dieser Grosse? Ein! Mann, der durch seinen Scharfsinn es vom Hirtenknabe; רועה צאן zum gewaltigen Lehrer in Israel gebracht, dessen j Namen מסוף העולם ועד סופו ging, und zu dessen Füssen; achtundvierzigtausend Schüler sassen, um seinen Worten zu lauschen! Ein Mann von dem es heisst! עוקר הדים ״ וטוחנן זה בזהDer Berge durch seine Weisheit versetzt and sie gegenseitig in nichts zermalmen konnte. ,So fruchtbar war sein Geist, dass er על בל קוץ שבתודה ודלי תילים של הלנות anknüpfen konnte .׳ Und dieser .Mann zögerte nicht, unter den grössten Qualen sein kostbares , Leben für die Lehre hinzugeben. Da sollte, so spricht unser Jüngling, ich, armer Wurm, תולעת 'לא איש, ich Epigone eines grossen Geschlechts, noch einen Augenblick Bedenken tragen, treu zu bleiben? An diesem Helden' ranke ich mich empor— und bleibe fest, indem ich auf alle vermeintlichen Ehren verzichte! Und ist es vielleicht eine , kleinere Ehre im Geiste sich quasi als College des Habbi Akiba להבדיל zu denken? Auch ich will, — wenn auch nicht mein Leben, — so doch meinen Ehrgeiz opfern und standhaft bleiben. Rabbi Akiba wo bist du? Dein Geist umschwebt den Jüngling. Bist nicht umsonst den \ Märtyrertod gestorben, hast die Jugend gerettet! Triumph, Triumph! המים ן ׳־מתל Statt der früheren Erbitterung, erfasst Selbstbefriedigung unsern Jüngling, er ist nicht wenig stolz auf sein Opfer; die Selbstüberwindung macht ihm das Leben süss. וישתו כל העדה, Viele nehmen sich ein leuchtendes Beispiel an ihm, treu und fest zu'bleiben! Denn was sind schliesslich die vermeintlichen Ehren, *die ehr— geizigen Träume gegenüber dem Erhabenen, Ewigen? Nichts! Wie schnell ist das flüchtige Erdenleben verronnen! Und dann? Wie sagte doch einmal ein Weiser? (Tr. Sabbath p. 153): ״ ארים בהשפי־א רדתם קא־מנאhalte mir einen warmen Nachruf, denn dort stehe ich“. Das bedarf doch der Erklärung. Was kümmert den Weisen die Trauerrede nach seinem Tode? Auch konnte er gewiss dessen sicher sein, dass es an solcher nicht fehlen w würde. Dann fällt ja der Ausdruck: ״dort stehe ich“ auf; man hätte doch ״dort bin ich anwesend“ erwartet. Ich glaube aber, dass der Sinn folgender ist: Suche die Anwesenden dadurch zu rühren, iDdem du darauf hinweist, dass hier erst mein fester Ruhepunkt nach der Lebenswanderung ist. Der Mensch irrt, so lange er Iel>t, ob Weiser oder Tor. Das kleine Häuflein Erde ist ihm aber zur ewigen Ruhestätte nach der Wanderung bestimmt! Lohnt sich denn Ueberzeugung und Glauben zu opfern wegen des flüchtigen Lebens Augenblickes, nachdem es schliesslich doch mit dem Psalmisten heisst: כ־ הכל לא במותו• Und wer hat denn wirklich gelebt für alle Zeiten? Nur wer der ■Wahrheit, dem Grossen, gelebt! Daher, heisst es: דוד מלך יש־אל הי וקים, obgleich ־ sein Leib schon längst vermodert. Denn die Psalmen bleiben in ihrer Grossartigkeit für alle Zeiten als unsterbliches Denkmal, dauernder als Erz und Stein. Von יעקב אבינו heisst es, לא מת, dass er nicht gestorben, denn er lebt für alle Zeiten als Vater und Erhalter Israels. Ueberhaupt bedeutet ja das Wort חיים nicht den physiologischen Vorgang des Lebens, sondern das Leben für das Höhere, für das Geistige. Ich möchte Ihnfen bei ־ dieser Gelegenheit das Gebet von שבת מביכים erklären: יחדשהו ובו׳ לחיים ולשלוש, לששון ולשמהה, לישועה״ולנהמה. Zuerst erscheint es ja befremdend, dass wirn u r um das Materielle (Leben und Frieden), bitten ■und nicht, wie im vorhergehenden יהי רצון auch י ־ א ת שמים erwähnen! Sodann die Synonyma ששון ושמחה etc., die ja doch alle( nur Freude und Wohlergehen bedeuten. Nachdem, was ich über den Begriff חיים auseinandergesetzt, lässt es sich ja leicht erklären, חיים schliesst ja schon in sich das Leben für das Höhere, für תירח ומצוות , während שלום das leibliche Wohlergehen bedeutet. ששון ist die Freude am Geistigen, Erhabenen, so wie es שוש אשיש בה׳ heisst, .nnorstellt die Freude am materiellen Genuss dar, אין ישועה ,שמחה אלא בבשר bedeutet Hilfe gegen denFeind, ׳ der von aussen eindringt:נחמה׳ heisst Trost für den \ erlust aus unserer eigenen Mitte durch Abfall: נחמו נחמו