Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 6 u. 7 (Juni-Juli 1908)
- Date
- 1908-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. ג 4 London, 12. April. In der Sonntagsruhe-Kommission des Oberh&uses kam 8m 26. März das Amendement Swaythling, das den Sabbath feiernden Geschäftsleuten die Sonntagsarbeit gestattet, zur Verhandlung. Lord Avebury widersetzte sich der Annahme, 1 weil es nicht angehe, der kleinen Zahl jüdischer Geschäfte Gelegenheit zu geben, den ganzen Sonntags-Verkauf auszuniitzen. Er habe sich in anderer Weise bemüht, den Bedürfnissen der Jaden Becbnung zu tragen. Diese Anspielung des Lord bezieht sich darauf, dass er in seiner Bill lokale Behörden ermächtigt, in besonderen Fällen die Bestimmungen der Sonntagsruhe zu erleichtern, wenn sie sich für Gruppen Ton Gewerbetreibenden besonders drückend erweisen sollten. Hit diesem Kautschukparagraphen ist indessen nicht das geringste; anzufangeD, und der Vertreter der Regierung, Earl Beauchamp hatte vollkommen Recht, wenn er erwiderte, es scheine ihm nicht, dass cs Lord Avebury gelungen sei, der Opposition der Juden durch seinen Vorschlag den Boden zu entziehen. Im Verlauf der Debatte bemerkte Lord Swaythling, dass sich vielleicht noch Gelegenheit zu einem Kompromiss linden werde, und zog, wohl im Hinblick darauf, sein Amendement zurück. Von praktischer Bedeutung ist die Verhandlung nicht, da die Regierung, wie bereits gemeldet, cs ablehnt, in dieser Session der Materie überhaupt näher zu treten. Inzwischen regen sich die Freunde des wöchentlichen Ruhetages auch im Unterhause, mit dein erfreulichen Unterschiede jedoch, dass die Antragsteller, Mr. I’rice Strauss und Genossen die religiösen Interessen der Juden von vornherein in weitgehendster Weise bei ihrem Anträge mit berücksichtigt haben. Die Bill schreibt prinzipiell. volle 24־stündigc Sonntagsruhe vor. Sie gestattet allerdings Ausnahmen in solchen Fällen, in denen die besondere Eigenart eines Betriebes eine vollständige Unterbrechung unmöglich macht. In solchen Fällen muss den am Sonntag beschäftigten Angestellten ein anderer ununterbrochener 24-stiindiger Ruhetag gewährt werden. Der Paragraph, der sich auf die Juden bezieht, hat folgenden | Wortlaut: | ״Die Akte soll keine Anwendung finden auf jeden Arbeit-; geber oder Angestellten, der gewissenhaft und regelmässig den 7. j Wochentag als Sabbat beobachtet und sich in der Tat an diesem : Tage des Werkes und der Arbeit (Work and labour) enthält. , Solche Personen sind keiner Verfolgung auf Grund dieses Sonntagsruhgesetzes oder irgend einer anderen Sonntgsruhe-Akto aus- : gesetzt, welche in Grossbritannien und Irland wegen der Ausübung; oder Veranlassung von Sonntags-Arbeit in Betracht kommt, vor- | ausgesetzt, dass die Arbeit nicht in unzulässiger Weise (unreasonably) andere Personen in der Beobachtung der Sonntagsruhe stört oder belästigt,* Natürlich hat auch dieser Antrag keine Aussicht, in dieser Session erledigt zu sein. Der neue Ilandelsminister, Mr. Churchill gab auf eine Eingabe des Board of Deputies die hiklärung ab, dass in betreff der Sonntagsruhe die Regierung keiner Bill zustiwmen würde, welche den Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung nicht vollständig gerecht werde. Paris, 28. Mai. Ein interessanter Streitfall hat sich vor einigen Tagen zwischen dem Grand Rabbin und der Pariser Muuizipalbehördc ergeben. -Am vorigen Freitag verstarb ein jüdisches Kfnd an einer nfektiösen Krankheit und die Munizipalbehördc hatte angeordnet, dass die Leiche am darauffolgenden Tage begrabeu werden müsse. Der Grand Rabbin intervenierte und machte Vorstellungen gegen diese Anordnung, da nach den Satzungen der jüdischen Religion eine Leichenbestattung am Sabbath verboten sei. Die Behörde antwortete hierauf, dass in einem Staate, in welchem die Trennung von der Kirche vollzogen sei, und der alle Religionen in gleicher Weise ignoriere, die religiösen Traditionen der einen oder anderen Konfession nicht berücksichtigt werden können, und dass in diesem Falle die öffentlichen Sanitätsrücksichten es nicht gestatten, dass die Bestattung der Leiche bis Sonntag verschoben werde. Unter dieser gesetzlichen Zwangslage und damit die Eltern sich nicht veranlasst sehen, das Kind ohne synagogalcn Beistand zu beerdigen, gestattete der Grand Rabbin die Bestattung der Leiche nach jüdischem Ritus. London, 26. Mai. ' In der letzten Sitzung der ״Federation of Synagogucs“ hi lt der Vorsitzende Lord Swaythling (Montague) eine bemerkenswerte Rede. Betreffend das Gesetz über die Sonntagsruhe berichtet der Lord über die Annahme des Aveburyschen Anträge: im englischen Oberhausc, gegen welchen er mit ■aller Energie eingc• treten sei. Seine Verteidigung des Rechtes der Juden auf die Hei ligung des Sabbaths an Stelle des Sonntags habe die Sympathiei zahlreicher Bischöfe, unter ihnen auch des Bischofs von Canterbury gefunden. Er erhielt von Seite der Regierung die Versicherung, -das: imlaufenden Jahre in dieser Angelegenheit nichts werde unternommen werden und im kommenden Jahre sein Amendement, ״dass Juden welche ihre Geschäfte von Freitag vor Sonnenuntergang bis Samstag nach Sonnenuntergang geschlossen halten, berechtigt seien, am Sonntag ihre Geschäfte bis 4 l'hr nachmittags offen zu halten“, eine* neuerlichen Beratung unterzogen werden würde. Newyork, 4. Juni. Die jüdische Sabbat Association fährt fort, Tüchtiges für die Sache des Sabbat zu leisten. Die beim jüngste! 1־ Jahresconvent in den Vorstand neugewählten Mitglieder sind anscheinend von wirklichem Eifer für die heilige Sache erfüllt uni streben zielbewusst und energisch, das Ziel, das sie sich gesetzt haben, die allgemeine Beobachtung des Sabbat innerhalb der jüdischen Distrikte und, so weit möglich ausserhalb"■"derselben, zu erreichen. Auch die Zweigvereine, der Frauen- und Jünglings verein, ■entwickeln rege Tätigkeit in derselben Richtung. Eine planmässige Agitation in grossem Stile wie sie Newyork zu gunsten einer jüdischen_B(- wegung noch nicht gesehen hat, wird schon seit Monaten entwickel:.. Massenversammlungen werden unaufhörlich gehalten (im Monat M:.i nicht weniger als sieben) und auch in der Presse uml auf privaten Wege wird tapfer gearbeitet. Die. Folgen dieser regen, Tätigkeit lassen sich auch schon deutlich wahrnehmen. Man hört beständig von neuen Geschäften, die am Sabbat schliessen, und auch diejenige 1 Ladenbesitzer, die noch am heiligen Tage ihre Geschäfte offen halten, fangen an, mit der Frage des Schliosscns sich ernstlich zu befassen. Dies ist den Bemühungen der Association, das jüdische Publikum, zu beeinflussen, am Sabbat nicht zukaufen, zu verdanken Der Besitzer eines der grössten Kleidergeschäfte im jüdischen Distrikl bekannte unlängst einem Vertreter der Sabbat-Association gegenüber dass seitdem die Agitation der letzteren begonnen habe, das Samstag-: Geschäft stark zurückgegangen sei. Die Hoffnung ist also nicht ,und' berechtigt, dass wenn die Agitation der Sabbat-Association in der• selben energischen Weise wie bisher fortgesetzt wird, wir s. G. w binnen einiger Jahre eine wesentliche Besserung der gegenwärtigen Verhältnisse bezüglich der Sabbat-Ruhe in den jüdischen Distrikten erleben werden. .ם• יד;!היד : (Israelit) Tripolis, 11. Juni. Unsere (ilaubensgenossen in Tripolis wissen sich doch vielfach besser zu helfen und entschlossener zu handeln, als selbst die vielgcrühmten jüdischen Kreise des europäischen Kontinc: Dem von Europas übert!achter Kultur nach dem afrikanischen Nordrand hierher importierten Antisemitismus haben sie in einen Spezialfalle soeben in einer Weise den Garaus gemacht, dass dies« Art anderswo als nachahmenswertes Beispiel betrachtet werden sollte Die hier domizilierende Banca de Roma beschäftigte mehrere Juden die sich bislang der Sabbathfrciheit erfreuten. Nun trat vor kurzen, ein neuer Dircctor an die Spitze des Instituts, d׳-r die ״europäischen' Sitten kannte und sich das Vergnügen bereitete, seine jüdischen A: gestellten vor die Alternative zu stellen, auf die Sabbathfrciheit od׳ ihre Stellen zu verzichten. Die Bankangestellten folgten ihrem reitgiösen Empfinden und gaben lieber die Stellen auf. Die . jüdisc Bevölkerung Tripolis beschloss aber darauf einstimmig, den auf ih Glaubensbrüdcr ausgeübtea Gewissenszwang mit einer vollständig! Boykottierung der Bank zu beantworten und alle geschäftlichen B Ziehungen zu derselben cinzustellen. Da besann sich die hohe Dircctien ciucs besseren und gab den jüdischen Beamten ihre unverkiirz jjabbathruhe wieder, wodurch nunmehr auch der Handelsverkehr nfit den Juden anders. wieder hergestellt wurde. Anderswo tut I ill