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Der Sabbath · 1908-06-01 · 6 u. 7 (Juni-Juli 1908) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
8 (1908)
Issue
6 u. 7 (Juni-Juli 1908)
Date
1908-06-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Sabbath 41 nicbt publiciert, sondern mit Briefen beantwor-!tet, in denen man sich zum mindesten im Ton r'echt häufig vergriff. Gaiiz und ear verkehrt finden wir auch die ironische Art und Weise, in der Herr Sokolow׳ die Angelegenheit in unserem offiziellen Blatt, der ,Welt“ behandelt.' Indem er mit religiönsgesetzlichen Begriffen, die fiir ihn hochstens noch ein historisches Kuriositätsinteresse haben, uns aber hei- I i g sind, in spitzfindig ironischer Weise operierte, wagte er es, unsere Proteste als unberechtigt, uns selbst aber als Spione und Ketzerriecher hinzustellen. Das hebräische offizielle Parteiblatt ,Haoiam“ aber, das fortgesetzt unsere Empfindungen durch seine Artikel verletzt, schoss den Vogel ab. Wie sehr nämlich ,,diese Kreise ihr Unrecht empfinden, ersieht man daraus, dass der ,Haolam“ durch die Hand seines Redakteurs Hermoni die bedauerlichen Vorkommnisse i einfach ableugnet! — Eine ausserordentliche Beruhigung gewährt uns die formelle Zusicherung unseres verehrten Präsidenten Wolffsohn, dass derartige Vorkommnisse sich nicht wiederholen würden. Bei allem Respekt und aller Verehrung, die wir unserem Führer entgegenbringen, müssen wir jedoch im Hinblick auf den demokratischen Charakter unserer Bewegung danach streben, dass dauernde Garantien für die Integrität des jüdischen Gesetzes gegeben werden. Ich hoffe darum, dass meine Interpellation, die nur der Form wegen an die deutschen Mitglieder des A. in Wirklichkeit aber an Sie alle gerichtet ist, in zustimmendem Sinne beantwortet werJen wird. Zum Schlüsse wiederhole ich: Wir sind wahrlich keine Ketzerriecher — wir treiben aber auch keine Vogel-Strausspolitik: für uns strenggläubige Zionisten, die wir unerschütterlich fest auf dem Boden des altüberlieferten Gesetzes stehen, sind diese Fragen Lebensfragen, mit denen wir stehen und fallen“. Auf diese Interpellation erwiderte Dr. Friedemann- Berlin im eigenen und dem Namen zweier deutschen Mit- -glieder des Aktions-Komites, dass es ausserordentlich bedauerlich sei, dass entgegen früher abgegebenen Versicherungen in den Kölner Bureaus am Sabbath gearbeitet worden sei. Man sei sich ganz einig darüber, dass .es sich hier um durchaus nicht leicht zu liehinende Vorkommnisse handle, jpas jüdische Gesetz bilde die vornehmste Grundlage des jüdischen Volkstums, und es dürfe von den offiziellen Stellen keineswegs übertreten werden. Der Redner und seine zwei Kollegen •erklärten sich bereit, im Sinne der Interpellation Struck im Plenum des Aktions-Komitees vorstellig zu werden. Hantke-Berlin als viertes anwesendes Mitglied des Aktions-Komitees ist iin Prinzip der gleichen Ansicht, dass eine Arbeit am Sabbath innerhalb des Bureaus durchaus unstatthaft sei, will sich jedoch nicht verpflichtcn, für die Aufnahme eines entsprechenden Passus in das Organisationsstatut einzutreten, da eine besondere Formulierung einer an und für sich selbstverständlichen Forderung, wie es die Sabbathruhe sei, gradezu grotesk und der zionistischen Bewegung unwürdig wirken müsse. Auch Bodenheimer-Köln äussert sich im gleichen Sinne, nachdem auch er seinem lebhaften Bedauern über die Kölner Vorkommnisse Ausdruck gegeben. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wird die folgende Resolution Struck-Friedmann zur Diskussion und Abstimmung gebracht: 1. Der deutsche Delegiertentag bedauert aufs lebhafteste, dass in den offiziellen zionistischen Bureaus zu Köln am Sabbat gearbeitet wurde, und begrüsst mit Genugtuung die Erklärung des Präsidenten, dass Vorsorge getroffen worden ist, die Wiederholung solcher Vorkommnisse auszuscbliessen. 2. Der deutsche Delegiertentag steht auf dem Boden der Erklärong Herzls: ,Der Zionismus unternimmt nichts,' was gegen das Beligion8gesetz des Judentums verstösst“. 8. Der deutsche Delegiertentag ersucht die deutschen Mitglieder des Aktionskomitees, darauf hinzuwirkeii,׳ d;j>s die offizielle zionistische Presse sich religiösen Fragen gegenüber neutral verhält. Die beiden ersten Absätze dieser Resolutien wur- den einstimmig angenommen. Ueber den dritten Absatz wurde nicht abgestimmt, da der Präsident Dr. Bodenheimer, zugleich namens der anderen deutschen Mitglieder des Aktionskomitees die Erklärung abgab, das$־es lür selbstverständlich gehalten würde, in der von der Resolution gewünschten Richtung zu wirken. Israelitischer Stellenvermittlungs-Verein zu Hamburg. Hamburg, I. Juni. Am Mittwoch, den 27. Mai fand die diesjährige 17. Generalversammlung des Israelit. Stellenvermittlungs- Vereins in den Räumen des Logenheim statt; dieselbe war leider nur spärlich besucht. Der Vorsitzende erstattete zunächst den Bericht über die Stellenvermittlung des verflossenen Geschäftsjahres, die .genaueren Zahlen be-1 linden sich endstehend. Die etwas geringere Besetzung! im Vergleich zu den Vorjahren ist wohl in der Hauptsache auf den fortwährenden Mangel an tüchtigen Bewerberu, d. h. solchen mit Brauche- Waren- Sprachkenntnis etc. zurückzuführen. Es kann daher nicht oft genug an unsere jungen Leute die Auf- Forderung: gerichtet werden, •sich Kenntnisse aller Art zu erwerben, besonders j Sprachen und Buchführung, das ist die beste Sicherheit! gegen Stellenlosigkeit. Auch an tüchtigen Reisenden ist der Bedarf nicht zu befriedigen. — Die bereits im vorjährigen Bericht in Aussicht gestellte Gründung einer Ortsgruppe des ״Verbandes der Sabbatbfreunde“ hat inzwischen, angeregt durch den Vorstand unseres Vereins, stattgefuriden. Ein Vortrag des Herrn J. Rosenheim, der im Juni vorigen Jahres gehalten wurde, bewirkte einen Beitritt von ca. 250 Mitgliedern. Ein Hand in Handarbeiten der Ortsgruppe mit unserem Verein bleibt dadurch gesichert, dass in die Statuten der Ortsgruppe die Bestimmung aufgenommen wurde, 3 Vorstandsmitglieder müssten aus dein Vorstande des Israel. Stellenvermittlungs-Vereins genommen werden. Die beiden Vereine waren auch sofort gemeinsam tätig in der Sache der Sonntagsruhe, als durch den vom Reichsamt des Innern vorgelegten Entwurf einer vollständigen Sonntagsruhe für Engrosgeschäfte eine erhebliche Schädigung der von uns vertretenen Interessen einzutreten drohte. Eine* Anzahl Eingaben an die berufenen Stellen wurden gemeinsam, auch mit dem Oberrabbinat und dem Vorstand des Synagogenverbands veranlasst. Die Gefahr scheint G. s. D. vorläufig geschwunden, da der Gesetzentwurf wie verlautet einstweilen zurückgezogen ist. Auch die speciell für Hamburg in Aussicht gestandene Erweiterung der Sonntagsruhe, welche unser Verein schon seit 1906, in verschiedenen Eingaben an die Bürgerschaftscommission bekämpfte, ist aus allgemeinen Gründen abgelehnt worden. Unsere Eingabe hat leider dabei keine Beachtung gefunden; man wies speciell auf juristische Bedenken hin, welche unseren Wünschenr dass, die am Schabbos geschlossenen Geschäfte bei Erweiterung der Sonntagsruhe nach wie vor 5 Stunden tätig sein dürften; entgegenstehen sollten. Es wird an anderer Stelle noch Gelegenheit sein, darauf zurückzukommen. —

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