Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 5 (5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 32 über;jrestB|fc|ich mir die Frage aufzuwerfen, ob nicht etwa ^uclf em Nutzen von dem zu erwartenden Gesetze für Juden und Judentum zu erhoffen ist, und ob nicht dieser Nutzen am Ende den Schaden aufwiegen könnte? Mein unverwüstlicher jüdischer Optimismus zwingt micfuiny allen Lagen des menschlichen Lebens anzuerkennen: £ ^4נש :1־ לשובן“, dass jedes Ding auch seine gute Seite hat. •’(לו דקוש Durchführung des שאץ אץ ל־). Sollte die strenge Sonntagsruhegesetzes und die damit zusammenhängende Verschiebung in der Geschäftspraxis nicht m vorzüglicher Weise geeignet sein, der Juden- Wanderung vom Land zur Stadt und der dadurch herbeigeführten Auflösung der ländlichen Gemeinden ein Jlalt! zuzurufen? Was das für unser Judentum bedeuten Wür le,Jftß .brauche ich angesichts der immer deutlicher ZutagefjH^etenden Schäden am Körper des städtischen Jüdentumk, angesichts der öden Verflachung, derMassen- Austritte und Massentaufen nicht zu erörtern. Man ist vielfach der Meinung, die Ursache der .Tndenwanderung vom Land zur Stadt sei in erster Linie die Bildungsfrage. Gewiss setzen jüdische Eltern alles daran, ihren Kindern die bestmögliche Ausbildung zu ,gejien^ und gewiss treibt die Mode- und Tagesmeinung, dass bessere Bildungsgelegenheiten eben nur in den Städte» jfu finden sind, viele jüdische Familien vom Land zur SfcM Ob nun diese Meinung berechtigt ist, das ist wiedenylpe andere Frage, deren Beantwortung davon •abhängt,- wie man sich zu dem Begriff ,.Bildung‘• stellt, ob msm, dabei nicht lediglich nur die intellektuelle Bildüng Auge hat. Die Lösung dieser Frage soll uns aber hier nicht weiter beschäftigen. Ich behalte mir vor, in einem späteren Artikel auf diese Frage zurückzukomm«!. Und nun, nach dieser Abschweifung zurück zu unserem Thema! Die Bildungsfrage ist nicht die einzige, ja nicht die wichtigste Ursache der vielbeklagten Juden Wanderung. Nach meinen langjährigen Beobachtungen und Erfahrungen entspringt diese in allererster Linie ökonomischen Verhälthissen und Gründen. Das national-ökonomische Prinzip der Zentralisation, das unser ganzes Verkehrs-und Wirt- >rhäft*Ieben beherrscht, führt die jüdischen Geschäftsleute der Stadt, dem Brennpunkte des Geschäftslebens zu. In der Stadt sucht und findet der Bauer und Arbeite!^ begunstigt von den sich immer weiterausbreftenden Schienensträngen, hach den Anstrengungen der Werktage, Sonntags nicht nur Vergnügen und Genuss, sondern auch günstige Einkaufsgelegenheiten für alle seine Bedürfnisse. Lus Bg&Ärluis nach städtischem Vergnügem führt Sonntags jjf. *■first er Linie die Landbewohner der Stadt zu, die lunkautpf^ärerden dort nur gelegenheitshalber gemacht. Abfer ifctfWIändlictlen Geschäfte kamen dadurch zurück. Mir siJljP ländliche Geschäftshäuser bekannt, die früher vorzüglich »blühten und zahlreiche jüdische Angestellte beschäftigten, die aber in neuerer Zeit in die Grossstadt verlegt Werden müssten, weil die Kunden an Sonn- und Feiertagen, den Hauptverkaufstagen, dorthin abwanderten. Wenn nuij au Sonn- und Feiertagen die Läden in den Städten geschlossen bleiben, dann müssen sich die Land- Inwohner wieder daran gewöhnen, auf dem Lande, eben am Platze, die nötigen Einkäufe zu machen, weil sie in den seltensten Fällen Zeit haben, an Werktagen Städte zu besuchen. Es wird sich dann wieder eine Dezentralisation des Geschäfts anbahnen, die auch den jüdischen Kaufmann wieder aufs Land führen wird, wo das Geschäft gemütlicher betrieben wird, wo der Konkurrenzkämpf .weniger heftig entbrennt, weil weniger Geschäfte gleicher Branche nebeneinander bestehen. Auf dem flachen .Lande muss sich deshalb auch der Kunde mehr dem Kaufmann anpassen. Da kann dann der jüdische Kaufmann ganz gut neben dem Sonntag seinen שבת halten. Es ist unbestreitbar, dass das Sonntagsruhegesetz eine dezentralisierende Wirkung auf das Geschäftsleben ausüben wird, und damit in den Rahmen der Bestrebungen passt, welche gegen die grosskapitalistische Entwicklung^- phase in unserem Geschäftsleben, gegen die Vernichtung der Selbständigkeit und der Selbstbestimmung des Individiums, gegen die Uniformierung und Schabionisierung Front machen. Und von dieser Umkehr zur Dezentralisation erwarte ich die Gesundung unseres Wirtschaftslebens, wie diejenige unseres Judentums. Schullehrer Spatz-Rexingen. Die Sabbath-Bewegung in Amerika. New-York. Am 1. März hielt die jüdische Sabbath-Association ihren Jahreskonvent ab. Es fanden zwei Sitzungen, den topographischen Verhältnissen der Riesenstadt New-York gemäss, statt, eine am Nachmittag in der oberen Stadt in der neaen Synagoge der ungarischen Gemeinde א-הבי *דק and eine am Abend in der Synagoge der K ilvarier- Gemeinde. Bei def ersten Sitzung, die von den Delegierten von elf Gemeinden nebst anderen Mitgliedern besucht war, verlas der Präsident, Ribbiner Dr. Bernard Drachmana, seinen Jahresbericht. Derselbe erzählte die Einzelheiten der nützlichen uni fruebtbireu Tätigkeit des Vereins, während des verflossenen Jahres. Die Zahl der Bäckereibesitzer, die sich verpflichtet haben, nicht am Sabbat zu backen, ist von vier auf zwölf gestiegen, eine Anzahl anderer Ladenbesitzer, deren Z ibl sich aber nicht genau ermitteln lässt, ist durch die Agitation des Vereins zur Schliessung am Sabbat veranlasst worden und die erfreuliche Zahl von 318 Personen hat durch die Bemühungen der Stellenvermittlungs-Abteilung des Vereins in verschiedenen BeruÜsaweigen Arbeit ohne Sabbatentweihnng erhalten. Der Präsident kündigte gleichzeitig an, dass anf Veranlassung des Vereins eine Gesetzes-Vorlage in der Legislatur durch Assembly-Mitglied'Straus« eingebracht worden sei, laut welcher Leute, die den siebenten Tag als Sabbat feiern, ihre Geschäfte am Sonntag betreiben dürfen, und dass din Verhör darüber vor dem Legislatar-Komitee statttindeu würde, bei welchem der Verein vertreten zu sein gedenke. Der Bericht rief grossen Enthusiasmus hervor. Bsi der Abendsitzung waren die Delegaten von vierzig Gemeinden und eine enorme Masse des Publikums erschienen. Ausser den formalen Geschäften wurden begeisterte Ansprachen durch die Herren Rabbiner Dr. Drachmann, Philipp Klein, Israel Klein, Mende Morais und von den Assembly- Mitgliedern Glück, Graubart, Stern und Stranss gehalten. Ein Direktorium von 25 wohlbekannten und geachteten gesetzestreuen Herren wurde fur das kommende Jahr gewählt, und der Konvent schloss unter allgemeiner Begeisterang. Am 11. März fand das Verhör vor dem Legislatur-Komitee in Aibany, der Hauptstadt des Staates New-York, statt. Nach hiesigem parlamentarischem Usus hat dieses Komitee darüber za entseneiden, ob eine vorgeschlagene Bill oder Gesetzes-Vorlage ftbterhanpt der Legislatur vorgelegt werden soll, und der Zweck der Verhöre ist, den Bürgern, sowohl den Gegnern wie den Befürwortern, Gelegenheit zu geben, durch Vertreter ihre Ausicht bekannt za geben. Das Verhör gestaltete sich za einer imposanten Demonstration für die Sache des Sabbat. Etwa 33) j ü lisch i Delegaten, darunter an *23 Ribbinen, waren aas allen Teilen des Staates nach Albany zar Unterstützung der Strauss'schea Vorlage gekommen. Grossen Eiudrack machte das Erscheinen zweier Christliehen Geistlichen, der Reverends Levis und Elwards, als Vertreter der den siebenten Tag als Sabbat feiernden Sekten der Baptisten and der Adventisten, die mit grosser Wärme für die Annahme der Bill 'eintraten. Reverend Elwards erzählte, dass im Staate New-York 120־ Advenisten-Gemeinden vorhanden seien mit einer Mitgliedschaft von -1003 Familien, die alle den Sabbat streng feiern. Die jüdischen Befürworter der Bill waren, ausser Herrn Stranss, die Rjfbbinen Dr. Drachmann, Mendes und Silvermann, Dr Frielenwald and die Herren Friedenberg, Barnett und Behar. Alle betonten, dass es eia hirnmslschreiendes, eines zivilisierten, freiheitlichen Staates uawu diges Unrecht sei, Menschen, die durah ihr Gewissen gebauten seien, den Sabbat zu feiern, einen anderen durch Staatsgewalt anfzazwingen. Die Opposition war nur darch zwei Redner vertreten, Reverend Hubbell und Ez-Seuator Brusch. Sie batten fast kein anderes Argament, als dass die Minorität sich in allen Dingen der Majorität z» fügen habe. Was das Ergebnis der Verhandlung sein wird, ist natürlich vorläaflg unbekannt. Za optimistisch können wir nicht sein. In Fragen, die das Jadentam betreffen, ist leider die Kraft der ererbten Vorurteile nur zu häa&g grösser als die der Gerechtigkeit. Jedenfalls ist das Jadentam in unserem Staate noch nie so wdrdevoll aafgetreten aal wir hoffen davon die besten Resultate. (tira-lit.)