Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 4 (4.1908)
- Date
- 1908-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4874912-5428452-5428545--322-4875200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Sabbath. 23 unter 1500 M. haben. Prüft man nun die Einkommen• Verhältnisse der 1250000 Gewerbetreibenden mit über 1500 M. Einkommen, so findet sich, dass von den 615595 preussischen Gewerbesteuerzahlenden 495824, also 7 5 Proz., zur 4. Gewerbesteaerklasse mit einem Durchschnittseinkommen von 1750 M. gehören. Von der gesamten Zahl der 1250000 Gewerbetreibenden in Deutschland mit einem Einkommen über 1500 M. würden also auch .75 Proz., gleich 769000 zur 4. Gewerbesteuerklasse gehören. Die gesamte Ziffer der 2800000 Selbständigen in Handel und Gewerbe zerfällt also in 1 775000 mit einem Einkommen unter 1500 M., 769000 mit einem Durchschnittseinkommen von 1750 M., in Summe rund 2540000. Die Reichsregierung hat bei den Ermittlungen für die Versicherung der Privatbeamten festgestellt, dass deren Durchschnittsgehalt in Handel und Verkehr 2010 M. beträgt. Wie wir aber eben festgestellt haben, haben 25400Ö0 Selbständige in Handel und Gewerbe ein geringeres Einkommen als die privatbeamten. Ein solcher hat im Durchschnitt ein Einkommen von 2010 M., während von den 2540000 selbständigen Existenzen 70 Proz. nur pin Einkommen unter 1500 M. und 30 Proz. nur ein Durchschnittseinkommen von 1750 haben. Von den im Jahre 1895 gezählten 635209 Handelsbetrieben waren 52 Proz. (gleich 398 994) Alleinbetriebe, die lediglich vom Besitzer selbst ohne jede fremde Hilfe betrieben wurden. Tn 214 000 Betrieben waren ausser dem Inhaber noch 1 bis 4 Personen beschäftigt, dazu zählen auch Lehrlinge, Laufburschen, Hausdiener, Arbeiter und Kutscher, das sind also 33 Proz. aller Handelsbetriebe. In nur 5 Proz. gleich 32000 Betrieben wurden mehr als 4 Personen beschäftigt; hieraus ist zu ersehen, dass der Prozentsatz der kleinsten und kleinen Einkommen im Handel noch ungünstiger ist als in der Industrie und im Handwerk. Die Regierung kann also ersehen, dass auch im Handelsgewerbe der bei weitem grösste Teil der Selbständigen ein geringeres Einkommen hat als die Unselbständigen. Der wirtschaftlich schwache gewerbtätige Selbständige ist heutzutage also bedeutend schlechter daran als der wirtschaftlich schwache gew־erbtätige Unselbständige. Es wäre deshalb wohl angebracht, wenn die Regierung die Verhältnisse einer eingehenden Prüfung unterzöge und sie denjenigen ihre Unterstützung zuteil werden Hesse, die es am nötigsten haben, anstatt ihnen mit allen möglichen Einschränkungen die Erwerbsgelegenheit und damit das Dasein zu erschweren“. Der Detaillistenverein zu Mühlheim hatte eine öffentliehe Versammlung einberufen, um den Entwurf des Reichskanzlers betreffend Beschränkung der Sonntagsarbeit im Handelsgewerbe einer genauen Besprechung zu unterziehen und eventuell in einer Resolution Stellung dazu zu nehmen. Der Referent führte u. a. aus: Aus anderer Leute Leder ist gut Riemen schneiden. Dies Sprichwort trifft besonders hier zu, wo die Regierung uns eine völlige Sonntagsruhe aufzwingen will. Sie handele zwar nicht lediglich aus eigener Initiative, sondern konnte den Gehilfenorganisationen keinen dauernden Widerstand entgegensetzen. Dies bilde einigermassen einen EntschuldigUDgsgrund. Zuerst frage es sich, ob der Entwurf allen Interessenten gerecht werde. Die Handlungsgehilfen gäben vor, durch die Sonntagsarbeit sei ihr Gesundheitszustand gefährdet. Dieselben könnten indes mit den Zugeständnissen, die ihnen in den letzten Jahren gemacht seien, wohl zufrieden sein, so zum Beispiel der schon an mehreren Urten zur Einführung gelangte 8 Uhr- Ladenschluss. Die Detaillisten müssten gegen weitere Belästigungen, von weleher Seite sie auch ausgingen, energisch Front machen, dazu nötige sie schon der Trieb der Selbsterhaltung. Im Prinzip sei der heue Entwurf gleichzustellen mit der völligen Sonntagsruhe. Was er für den bedeute, der zum grossen Teil mit Landkundschaft zu rechnen hat, das ist jedem bekannt. In England, worauf man mit Vorliebe hinzuweisen pflege, liege die Sache völlig anders; dort werden am Samstag Nachmittag sämtliche Fabriken geschlossen und der Arbeiter hat Zeit und Müsse, bis abends 12 Uhr seine Einkäufe für den Sonntag zu machen. Auch Hesse sich hier ein Fabrik- : Schluss am Samstag Mittag schlecht möglich machen, da dadurch dem -Arbeiter ein Verlust von einem Zwölftel seines Wochenlohnes entstehe. Auf den! Lande würde , bei Einführung der Sonntagsruhe ein schwunghafter j Hausierhandel entstehen, was einen grossen Nachteil für die Bevölkerung mit sich bringe. Auch ,für Kreise, die annehmen, nicht-geschädigt zu werden, gäbe es Gründe genug, nicht von Beschlüssen der Gemeindevertretung abhängig zu sein. Es heisse jetzt für alle: Getrennt marschieren, vereint schlagen! Er mache daher den : Vorschlag, folgende Resolution' einstimmig anzunehmen: ,Die zahlreich besuchte öffentliche Versammlung hiesiger Detaillisten spricht sich einstimmig gegen jede weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe und Verkürzung der Arbeitszeit aus. Sie hält die jetzigen Bestimmungen für ausreichend, aber auch für uibedingt notwendig.1‘ Herr Stadtverordneter Feinhals äasserte sich sodann wie folgt: Alle seien sich einig über die Gefahr, welche wir laufen. Im Anfänge vorigen Jahres habe es aller Anstrengungen bedurft, um den Detaillisten die Verkaufsstunden am Sonntage von 11 bis 2 Uhr zu erhalten. Des- I halb düife man es nicht unterlassen, gegen die jetzige Bewegung energisch Front zu machen. Im übrigen könne er nur die eingebraehte Resolution zur Annahme empfehlen.! Dieselbe wird in obiger Form' einstimmig ange- | n 0 m men. Herr Freund glaubt, man tue gut, die Reso- ן lution dem Reichstagsabgeordneten des hiesigen Wahll kreises zuzustellen. Herr Heymann rät, um .einer äugen- . 1 blicklich herrschenden Strömung gegen die Interessen; der Detaillisten stand zu halten, dem Detailliste 11verein h e i z 111 r e t e n. Zu diesem Zwecke werden Jahresberichte unter die Anwesenden verteilt. * * * In der Handels- und Gewerbekammer der Oberpfalz und von Regensburg erstattete Herr J. Rothdauscber (Regensburg) über die genannte Materie folgendes Referat: An den Rockschössen des Gesetzes für die Sonntagsruhe hängen zwei Schmarotzer, die heissen Hausierhandel und Detailreisen. Bevor eine Gesundung dieses Schmerzenskindes, d. h. eine Radikalkur vorgenommen werden kann, müssen die vorbezeichneten Mitesser ausgemerzt sein. E s wä re ja geradezu ein Hohn auf alle ' die Eingaben und Petitionen, die wegen dieser Schädlinge ' gemacht vurden, wenn der beabsichtigte!Ladenschluss an Sonn- und Feiertagen jauch für das platte L a 11 d zum Gesetz \ w ii r d e und es in dem Belieben der höheren Verwaltungsj behördr gelegen wäre, die Verkaufsstunden zu bestimmen, zu beschränken oder vollständig aufzuheben, während andererseits der Gewerbebetrieb im Uinherzieben nach wie vor bestehen bliebe. Dies wäre eine Verge waltigung der Landkrämer, welchen, auch das noch genommen , werden soll, auf was sie die ganze Woche hindurch warten, nämlich die ergiebige Sonnlagslosung, eine Ungereehtigkeit. gegen Provinzstädte, die auf den Zuzug des Landvolkes angewiesen sind. Es muss schon ,jedes Verständnis und jede Einsicht in die tatsächlichen Verhältnisse des Detailhandels abhanden gekom-: n׳ e 11 sein, wenn in a n i in m e r die s c hon h u n d e r t in a 1 widerlegten B e 11 a u p - tungen nuuerdines aufstcllt,!lass am