Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 3 (3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 19 worden. Viele Aalgaben harren noch der Erledigung, es sei daher die Mitarbeit vieler Glaubensgenossen erforderlich and er bitte alle Anwesenden in unsere Reihen einzutreten. — Wohlverdienter Beifall lohnte den trefflichen Vortrag. Der Vorsitzende sprach demselben den verbindlichen Dank der hiesigen Ortsgruppe aus. — An der darauffolgenden Discussion nahmen die Herren Bankier Moses C a h n und Rechtsanwalt Dr. Kassewitz teil, worauf der Herr Referent erwiderte. Mit dem Apell an die anwesenden Damen, ihr Interesse für ideale Bestrebungen auch auf unsere so wichtigen religiüsen Verbands-Ideen auszudehnen, wurde die in allen Teilen glänzend verlaufene Versammlung geschlossen. Lingolsheim, 6. Febr. Hier wurde gestern Abend eine Ortsgruppe des Verbandes der äabbathfreunde gegründet. Herr Kahn, Mitglied der Ortsgruppe Frankfurt, hielt im Schulsaale, der bis auf den letzten Platz von Damen und Herren dicht besetzt war, einen Vortrag über die Bedeutung des Sabbath, zu dem Herr Lehrer Metzger eingeladcn hatie. Herr Kahn sprach in klarer, lichtvoller Weise über die hohe Bedeutung des Sabbath, dieses kostbaren Guts, das die Völker immer mehr vermissen, sodass die Regierungen sich dazu verstehen müssen, die Sonntagsruhe, den einen freien Wochentag, einzuführen — eine Einrichtung, die das jüdische' Gesetz schon seit mehr als 3100 Jahren kennt. So gehen allmählich den Völkern die Augen auf über die Gebote, die das göttliche Gesetz uns von vornherein zu unserm eigenen Vorteile gegeben hat. Nun ist der Sabbath das Grundgesetz des Judentums, mit dem das Judentum steht und fällt. Es ist leider nicht zu leugnen, das gerade der Sabbath in den letzten Zeiten durch den Gang der Gesetzgebung und den Gang der Geschäfte vielfach gestört worden ist. 11a tritt nun der Verband der Sabbathfreunde ein, der in dieser Beziehung schon viel Gutes bewirkt hat, trotz seines kurzen Bestehens. So! hat es der Verband der Sabbathfreunde durchgesetzt, dass in drei Städten unter ganz verschiedenen Umständen, nämlich in München, in Posen und in Cöln, für diejenigen Geschäfte, welche am Samstag geschlossen halten, die Vergünstigung eingeführt worden ist, am Sonntag einen Teil des Tages zu arbeiten. Dadurch haben die Prinzipale keinen zu grossen Verlust, und die Angestellten keineu unnötigen doppelten Ruhetag, der ihnen selbst lästig fällt. Für diejenigen jungen Leute, die einmal nach auswäits kommen wollen, die aus kleinen Plätzen in die Stadt oder in grössere Städte ziehen wollen, wie nach Frankfurt, Berlin, München usw., bietet der Verband der Sabbathfreunde die Stellenvermittlung, sodass sie sich nur an j den Verein zu wenden haben und sofort eine geeignete Stelle, die ihnen den Sabbath frei gibt, erhalten. Den Prinzipalen gewährt : der Verband der Sabbathfreunde den Vorteil eines Kreditinstitutes, das ihnen Gelder zur Neubegründung bezw. zur Yergrösserung ihres ן Geschäftes oder Unternehmens gegen geringe Sicherheit vorstreckt. Ferner wirkt der Verband durch sein Organ ,Der Sabbath“, das neben einer Fülle von interessantem Lesestoff viel Anregung und Belehrung bietet und die beste Ergänzung zu einer guten, jüdisehen Lokalzeitung bildet. Weiter ist der Verband bestrebt, an allen! Orten, wo kein .Lernen“ besteht, ein solches einzurichten, geeignete Redner kostenlos zur Verfügung zu stellen, und so den jüdischen Bewohnern interessante Abende zu bieten, die sie bekannt machen; mit den grossartigen Geistesschätzen unseres Judentums. Nachdem j noch Herr Lehrer Metzger in geistreicher Weise dargelegt hatte, I wie wohltätig ein derartiger Verein gerade für Lingolsheim wirken! könnte, wnrde sogleich eine Ortsgruppe gegründet, der von der Gemeinde Lingolsheim, die nur?5 Familien zählt, sogleich 22 Herren beitraten. Als praktische Folge ergab sich die Gründung eines ן Schulcban Aruch-Lernens, das allwöchentlich in Lingolsheim abge- ׳ halten und den Teilnehmern Gelegenhit bieten wird, das, was sie in I ihrem Glauben ausführen, auch zu verstehen. Da der Verband der 1 Sabbathfreunde nur 2 Mk. Jahresbeitrag erhebt, gibt er einem jeden! Gelegenheit, an dem reichen Segen, den er bringt, teilzunehmen. Vermischte Nachrichten. Frankfurt a. M., 30. Januar. Gestern Abend fand hier eine Plenarsitzung des hiesigen Kanfmannegeriebtes statt, in der ein Gutachten über den vom Reicksamt des Innern vorgescblagenen Entwurf zur Neuregelung der Sonntagsiuhe beschlossen werden sollte. Vonseiten der Beisitzer Max Bauer, Louis Feist und Moritz A. Loeb wurde hierzu folgende Reeolntitn beantragt: ,Das Kaufmannsgericbt empfiehlt: Den jüdischen Kaufleuten, die ihre Betriebe am Sabbath nnd an den jüdischen Festtagen geschlossen halten, eoll es gestattet sein, ihr jüdisches Personal am Sonntag einige Stunden ״<=< geschlossenen Türen — also unter Aus- Schluss jeder Verkaufstätigkeit — zu beschäftigen 1* Der Antrag rief eine lebhafte Debatte fiervor. Als Haupt- : gegner sprach Herr Cohen (!), der von seinem sozialdemokratischen I Standpunkte aus eine Durchbrechung der Sonntagsiuhe befürchtete.; Ihm schlossen sich die deutsch-nationalen (antisemitischen) Gehilfen an, die unter den dem Gremium angebörenden Gehilfen sehr zahlreich vertreten sind. Dagegen traten zwei christliche Prinzipalsbeisitzer, die Herren Carl und Simonis, sehr warm fUr die Annahme der Resolution ein. Die Abstimmung, die getrennt nach Kanflcuten und Gehilfen erfolgte, ergab bei den Gehilfen eine Ablehnung der Resolution, während sie von den' Kaufleuten mit allen gegen zwei Stimmen angenommen wurde. München, 2:1. Januar. Zu dein in der letzten GeneraIversammlung der hiesigen Alt- und Jungmetzgerjnnnng gefassten Beschlüsse, wonach künftig auf Ansuchen der Gehilfen die Metzgerläden am Oster- und Pfingstsonntag, sowie am ersten Weihnachtsfei°rtag vollständig geschlossen sein sollen, hat die k- Regierung von Oherhavern an die Innung .die Anfrage gerichtet, oh in dieser vollständigen Arbeitsruhe nur der Handelsbetrieb oder auch der Handwerksbetrieb 1 inbegriffen sei, und ob es mit Rücksicht darauf, dass io München auch i der h ronleichnamstag zu den höchsten Feiertaeen des Jahres zählt,! nicht zweckdienlich erscheine, auch diesen Tag in die Arbeitsruhe mit •i einznbeziehen. In einer kürzlich stattgefundenen Mitgliederversammlung wnrde die Innungsvorstandschaft beanftragt, die Frage dahin zu beantworten, es liege wohl in der Natur des Gewerbes, dass, wenn j die Verkaufenden gänzlich geschlossen sind, auch Vorbereitungsarbeiten überflüssig werden, demnach der ganze Betrieb ruht. Der an die Vorstandscbaft gestellte Antrag, in diese vollständige Arbeitsruhe auch den Fronleicbnamstag mit einznbeziehen. wurde mit allen gegen eine stimme angenommen. Auch gelangte ein Schreiben der Verwaltung der hiesigen israelitischen Knltnsgemeinde an den Magistrat zur Besprechung, worin dieselbe erklärt, dass in Fällen, wo die bezüglichen israelitischen hohen Festtage 4ft® christlichen! Oster- und Ptingstfeste,. wie dies hener der Fall ist, knapp vorangehen, den Angehörigen dieser Konfessionen vier. bzw. fünf Tage die Gelegenheit cmzogen wäre, sich mit rituellem frischem Fleische za versorgen, und den Antrag stellte, es möge den israelitischen Metzgern am Oster- und Pfingstsonntage gestattet werden, ihre Verkaufsläden von 6 bis 8 Uhr früh unter der Bedingnng geöffnet zu halten, dass sie an diesen Tagen nur Personal israelitischer Konfession beschattigen und Fleisch nur an israelitische Kundschaft verabfolgen dürfeu. Mainz, im Jannar. Am 19. Jannar fand in! .Scblarafiasaal“ der Liedertafel die erste Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe des .V. d. S * sratt mit vorangehendem Vortrag des Herrn Morif* < A. Locb aus Frankfurt a. M. über das Thema: .Der Sabbat im Kulturleben der. Gegenwart*. Der Redner verstand es, in meisterbafter Weise die Bedeutung des Sahhaths für das Leben der Gegenwart darznlegen, sowie die Zuhörer mit zündenden Worten fiir die Ziele und Aufgaben des Verbandes zn begeistern. Nachdem Herr Alfred Sommer über die bisherige Tätigkeit des vorbereitenden Komitees Bericht erstattet hatte, wurde die Wahl des Vorstandes vollzogen, der sich aus den Herren Arnold Kahn, Dr. Gustav Scblessinger nnd Alfred Sommer znsammensetzt. Die hiesige Ortsgrnppe zählt bereits 78 Mitglieder.” _ Nürnberg, fi. Februar. Etwa 2t) Inhaber von am Sabbath geschlossenen Geschäften batten an den hiesigen Stadtmagistrat eine Eingabe gerichtet, ihnen zu gestatten, dass hinter verschlossenen Türen das jüdische Personal, das an den Samstagen nidht beschäftigt werde, an den Sonntagen 3 Stunden vormittags, wie dies in München gestattet ist, beschäftigt werde. Dieser Gegenstand kam in. der heutigen Sitzung des Magistrats zur Verhandlung. Als Herr Rechtsrat Häublein, als Berichterstatter-seinen Vortrag über die Eingäbe beginnen will, wird von Herrn Rechtsrat W a g n-e r die Frage aufgeworfen, weshalb denn heute im Magistratskollegium die Sache beraten werden solle, nachdem der Polizeisenat bereits in seiner letzten Sitzung sich mit der Sache befasst habe. Herr Rechtsrat Häublein erwidert, es bandle sich um AenderuDg eines Ortstatuts, wozu nur der Magistrat zuständig sei, während der Polizeisenat, lediglich sich gutachtlich äussern kann. Dpr Berichterstatter beantragt unter ergehender Darlegung die Ablehnung des Gesuches unter Zustimmung zum Gutachten des Polizeisenat. Herr MR. B i n g will sich im Gegensätze zum Berichterstatter kurz fassen und nicht wie er das konfessionelle Gebiet berühren, da die Frage der Sonntagsruhe eine rein soziale sei. Redner vertritt wiederum den Standpunkt; der Handelskammer, welche will, dass es den israelitischen , Geschäftsleuten zu gestatten sei, ihr jüdisches Personal, das am ganzen Sopnabepd gefeiert habe, an den Sonntagen von 10 bis 12 Uhr vormittags hinter verschlossenen Türen arbeiten zu lassen. In München hätten , die gemeindlichen Kollegien nach langen Beratungen diese Erlaubnis erteilt und somit dargelegt, dass die Genehmigung nicht ungesetzlich sei. Redner erwähnt, dass er in der Polizeisenat- Sitzung beantragt habe, in anderen Städten, namentlich auch in Frankfurt, woselbst man doch sonst so gern von hier aus Erhebungen pflege, sich zu erkundigen. Der Antrag sei, nachdem Herr MR. Friedrich durch den Antrag schon eine Schmälerung der Sonntagsruhe befürchtet habe, abgelehnt worden. Redner bemerkt, dass e r dem orthodoxen Jndentum fernstehe und stets-