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Der Sabbath · 1908-03-01 · 3 (3.1908) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
8 (1908)
Issue
3 (3.1908)
Date
1908-03-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Der Sabbath. für eine völlige Sonntagsruhe, wie wir sie hier g l'Ü c k l{Ct,h er weise haben, eingetreten sei, über es : handle ״sich*,um Leute, die nach ihren Glaubensansichten '24 Stunden ן hindurch nipht arbeiten und ihrem Personale auch diese Ruhezeit gewährten; sie möchten einige Stunden arbeiten, um nicht abermals 24 Ständen feiern zu müssen. Es entspräche dem Billi״ keits- und Gerechtigkeitsgefühle, einer Anzahl ehrenwerter Leute zn gestatten, dass sie uuh Erschlag der Handels- und Oewerbekammer an den Sonntage• g'Sfnäillen das jüdische Personal, das am Samstag feierte, : bei ▼erschlossenen Türen beschäftigen dürfen Redner schliesst mit der dringenden Bijte, auswärts Erhebungen za pflegen und dann erst einen weiteren Efijd&luss za fassen. Herr MR. Heim (Jude!) rerteidigt den BerifWerstatter; er habe in keiner Weise die Sache aufs konfessionelle Gdbfnt hinäbergespielt. Ein .Minorität müsse sich aUerorten Ui dis Gifcze einfügen! Redner beantragt die Ablehnung des’ Gesuchs mit Racksicht auf die Arbeitnehmer! Herr MR. Bing erinnert daran, dass es sich Tor kurzer Zeit um die Beratung über die Sonntagsruhe gehandelt und er (Redner) mit aller Entschiedenheit damals betont1 habe, dass man Rücksicht auf die Arbeitnehmer nehmen müsse, Herr MR. Heim diesen Standpunkt durchaus nicht habe teilen wolleu; Herr MR. Heim erwidert: ,Ich habe mich eben . belehren lassen!* Mit allen gegen f> Stimmen wird beschlossen, von Erhebungen Eingang za nehmen und das Gesuch abzulehnen. Badetest, 28. Januar. Montag, vormittags 11 Uhr begab sich eine Deputation jüdisch-orthodoxer Kaufleute zum Handelsminister Franz •'•®־ö 8 8 u t h und zum Staatssekretär Josef Szterüoy, um in Angelegenheit der Schaffung des Sonntagsruhegesetzes ein Memorundum zu überreichen. An der Deputation nahmen teil: Der Redüktenr der ,Allgemeinen jüdischen Zeitung* Leopold Grossb e r g , die Kaufleute Ignaz Jun greis, Lörincz, Ignaz Kalis ch, Galanta, Jacob Brück. Ronhäd, Jacob Stern, O.-äzerdahely, Hermann Steiner, Neutra. Sigmund Gestettner, Csorna, ׳ Josef G o I d s t e i n , Nagysorakut, Ignaz Schulmann. Ungvär, Bela Reitter, Szatmär, Bernhard Rosenberg, Gälssöcs, Emil : Barkitoy, Eperjes., Adi Ar je, Abauj-Szäntö, Jacob M a j ro vi c 3 1 Deös, Abraham Herzl, Pressburg, Salotnou Freudeutbal: Prcssburg, Eduard Schlänger, Pressburg, ferner ans Budapest, Berthold Schlang'er und Emil Weiss. Als Sprecher der Deputation.fungierte der Redakteur Grossberg, der in seiner An- . spracb^aifülirte, dass die strenggläubigen jüdischen Raufl-ute, die allwöchdwich von Freitag Abend bis Samstag Abend ihre Ge.-chäfte 1 geschlossn halten und überdies an einer t.'eihe von jüdischen Feiertagen ihfe Lokale nicht öffnen, schon durch das bisher in Geltung händliche Sountagsruhegesetz gegenüber den andersgläubigen Kauflenten stark im Nachteile sind. Da nun gegenwärtig au der definitiven Regeluqg der Sonntagsruhe gearbeitet wird, ja sogar eine Vcrschärfnng der gegenwärtigen Vorschriften bevorsteht, so stehen die strenggläubigen jüdischen Kaufleute vor dem Dilemma, entweder materiell zu Grunde zu gehen oder aber das strenge Gebot der jüdischen Religion, den Sabbath zu halten, übertreten zu müssen. Da . nun der ‘grösste Teil der orthodoxen Kauflente das Erstere wählen : *wirdj^wäre der Staat der Tatsache gegenühergestellt, Tausende von StetdKablern zu verlieren. Die Deputation bittet daher im Namen ibren^hlandanten,' der Minister möge mit ihnen keine Ausnahme ׳ machen, sondern im nen zn schaffenden Gesetze den vor einigen Jahren bestandenen Zustand wiederheTstellen, dass speziell in der Provinz allen Kauflenten ohne Unterschied der Konfession das Offenhalten der Geschäfte an Sonntagen bis 12 übr mittags gestattet werde. Handel sminister Kossuth nahm das vom Sprecher der Deputation überreiebie Memorandum in liebenswürdigster Webe entgegen und erwiderte Folgendes: ,Werte Deputation! Geehrter Herr Redner! Sie weiden es begreiflich finden, dass ich jetzt nach der blossen Anhörung Ihrer Bitte Ihnen keine definitive Antwort geben kann/ Ith muss ja die Frage, um welche es sich bei Ihrem Verlangen hantftdV vorerst zun! Gegenstand des Studiums machen, auch muss die Angelegenheit mit Berücksichtigung der Interessen der übrigen Bevölkerung des Landes gelöst werden. Der Regelung der Sonntagsmhe-Vorschriften wird wahrscheinlich eine Enquete vorangehen nnd da werde ich einigen Mitgliedern aus Ihrer Mitte Gelegenheit geben, Ihre Wünsche daselbst ausführlich zu begründen, oder aber, falls keine Enquete stattfinden sollte, werden die interessierten Kreise auf-, gefordert werden, ihre Ansichten schriftlich darzalegen, und so wird eine bezügliche Aufforderung auch an Sie ergehen. Aber Sie mögen vollauf versichert sein, dass ich Ihr Verlangen einer ernsten Erwägung unterziehen werde, nnd seien Sie überzeugt, dass mich hierbei mein bestes Wohlwollen leiten wird*. Nach der mit lebhaften Eljenrufen aufgenommmen Rede verliess die Deputation das Ministerin■!. Sa bbathtag. Grosser, heil’gcr Sabbathtag Bist du wieder nun gekommen? Hast des Arbeitsjoches Plag’ Von uns jetzund fohgenommen? Können doch mit unserm Herrn ' Wieder jetzt im Geist vsrkehren! Können das Gesetz fein lern’n! Ihn verherrlichen, ihn ehren! Grosser, heil'ger Sabbathtag ’ t Kommst zu segnen, zu beglücken, Und bei fröhlichem Gelag Unsere Seelen zu erquicken!- O, du schöne Ruhezeit, Gehest du nun schon von dannen; Sieh! Der Wonne, der Glückseligkeit Stunden, ach, so schnell verrannen! joseph Blankensee- Sabbatherinnerung VOU Arthur Kahn Herrn Rabbiner Dr. Eschelbachcr in Berlin freundschaftlich gewidmet. Der Tag ging zu Ende, die Nacht brach herein. Ich sass mit dem Alten im Zimmer allein ״Ich will“, so begann er, ״aus meinem Leben, Das Schönste heut’ Ihnen zu Besten geben Früh zog ich als jüngling zum Kampfe hinaus Und focht mit dem Schicksal gar manch harten Strauss, Da ward mir gar vieles vom Schicksal genommen," Doch hab ich auch Schönes vom Leben bekommen. Hab schwer zwar oft mit dem Dasein gerungen, Doch endlich das launische Glück auch bezwungen. Und trotz auch gar vieler und bitterer Lehren Bracht’s endlich ich dennoch zu Reichtum und Ehren. Und habe mich jetzt in den alten Tagen• Nicht ferner zu sorgen und weiter zu plagen. Sonst ging mir's wie manchem andern auch, Gab auf Zetemonien und manch alten Brauch. Doch ein's noch möcht’ ich zurück mir erwerben Bevor ich die Augen muss schliessen zum Stürben: Im Elternhaus noch einmal die Sabbathnacht Mit ihrer stillen und heiligen Pracht" Hier schwieg der Hann, der also sprach, Und sann den entschwundenen Zeiten nach. Ich mochte den Greis nicht unterbrechen So hob er von Neuem denn an zu sprechen: ״Und trat dann der Vater zur Stube herein, So dünkt’s uns, als träte ein Engel jetzt ein, Noch hör’ ich der Stimme so innigen Klang Wenn er das Lied vom Biederweib sang, Da blickte sein Auge zur Hutter voll Glück Und sie gab voll Liebe den Blick ihm zurück. Er sang dann: Ihr Boten des Friedens kehrt ein, Und möget am Sabbath zu Gast bei mir sein■ Den Becher dann hoch in der Rechten erhoben, Begann er jetzt laut seinen Schöpfer zu loben. ״Gepriesen seist du o Herr, der du gegeben Dem Henschen den Wein von der Frucht der Reben, Und Brod gibst ihm aus der Erde Schoss In deiner Güte, die ewig und gross“. Dann wenn wir gemeinsam Psalmen gesungen, Wie lieblich, wie friedlich das alles geklungen. Das alles kommt häufig mir in den Sinn Und doch ist das Alles, ach, längst schon dahin■ Und wenn am Sabbath die Kerzen leis knistern, Dann hör’ ich die Stimme des Vaters noch flüstern: Dem Ephraim und dem Menasche gleich Erschlösse dir Gott seiner Freuden Reich Mir ist dann, als ob noch sein Odem Wie einst mich so leise geküsst, Und dennoch! ach! ist’s schon so lange, Dass er mir gestorben ist ■ Hier brach der Greis die Erzählung jäh ab Die Stimme sank langsam zum Flüstern herab. Mir aber wprd bang und so weh ums Herz, Ich fühlt’ rr|it dem Fremden den eigenen Schmerz. Auch ich hab verloren das Eifernhaus Auch mich trieb es einst in die Fremde hinaus Nun sass ich gegenüber dem sinnenden Mann Dieweil uns die Dämmerung allmählig umspann.

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