Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 3 (3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Der Sabbath. t8׳_ - ־*; XXIV.! Der^j Lahdesausschuss des Verbandes wür'tem- , bergischer Gewerbevereine sprach sich in seiner am j Montag in ßtattgart abgehaltenen Sitzung einstimmig gegen den Gesetzentwurf betreffend die Erweiterung der Sonnlagsrphe' im Handelsgewerbe, insbesondere dagegen , aus, daW f$i- Städte mit mehr als 20000 Einwohner : dfe Sonntagsruhe in der vorgeschlagenen Weise ausgedehnt werden soll. XXV. ״• Der Verband der Ladenbesitzer Barmens hat zur; geplanten Abänderung der Bestimmungen über die Sonn-; tagsruhe ,*auf Grund der Verhandlungen in der letzten j Generalversammlung an die Polizeiverwaltung ein Gut- I achten erstattet, in dem es heisst: 1. ״Die Mitglieder : sprechen sich entschieden gegen ein grundsätzliches; Verbot des sonntäglichen Verkaufes aus, und zwar aus! folgenden Gründen : Die Inhaber der hiesigen Detailge- I schäfte nehmen für sich den Buhm in Anspruch, in bezug! auf •soziale Fürsorge gegenüber den Angestellten stets 1 mit in den vordersten Beiben gestanden zu haben Hierbei־wird auf den Achtuhr-Ladenschluss verwiesen, den Barmen als erste unter den deutschen Städten einführte, j ferner auf die freiwillige Aufgabe der Verkaufsstunden | d£s. Sonntags vormittags von 7—9 Uhr. auf die Ein-; scbrä^ujjg der Ausnahmetage, an denen abends ein ver-; längerter V'ejiauf zugelassen, deren Zahl jetzt auf acht! heruntergesetzt ist. Ausserdem befindet sich Barmen durch den Einuhr-Ladenschluss an Sonntagen im Nach!eil : gegenüber den kleineren Xachbarorten, die bis 2 Uhr nachmittags offen halten können Zwar steht es nach! dem-Wortlau e des Entwurfs den Kommunalverbänden ' bzw. den Gemeinden frei, Ausnahmen zuzulassen, wir geben uns indessen darüber keiner Täuschung hin, dass in absehbarer Zeit auch diese Ausnahmen als überflüssig angesehen und zurückgezogen werden dürften, eine Massnähme, der wir namentlich auch im Interesse der kleinerefo Geweibetreibenden, denen das Verbot des sonntäglichen V erkauls einen Teil ihrer Einnahmen rauben würde־, Vorbeugen wollen'. 2. Wir sprechen uns gegen die geplante Ve. nrigerung der vier bis jetzt freigegegebeten Sorntege vor Weihnachten auf zwei aus, da diese vier freien bonntage nicht zu entbehren und angegichts des im Wuppertale besonders lebhaften Weihnachts- Geschäfts, auf das mancher Detaillist bei ungünstigen W itterungsveihäitnissen oft seine letzte Hoffnung setzt; gegen eigg^iüheren Schluss auf 8 Uhr abends — statt wie bish«BgW1r — würden wir uns indessen nicht auflehnen. j|P7PBser den vier Sonntagen vor Weihnachten müssen Such/die bisherigen freigegebenen Sonntage vor Ostern |1np Pfingsten bestehen bleiben, doch würden wir uns insoweit mit dem Entwuif einverstanden erklären, ajls u^r Geschäftsverkehr an diesen Tagen nicht über 4 Uhr nachmittags hinaus dauern darf“. XXVI. Unter den Detaillisten des Annaberger Bezirkes ist ebenfalls eine Bewegung, im Gange gegen die von der Beiehsregierung geplante Reform des Gesetzes über dje bonntägsiuhe. Man betrachtet den Gesetzentwurf als jeine 11t ue Fessel für den Detaillistenstand. So ist man in Bärenstein bereits dabei, Petitionen an die Handels- und Gewerbekamn.er zu Chemnitz, sowie an den zuständigen Beichstagsabgeordneten Dr. Stresemann abgeien zu lassen und auch die Gewerbevereine des Beznks für die Sache zu interessieren. Auf die Tagesordnung der nächsten Sitzungen fast aller Detaillisten-Vereinigungen Deutschlands ist der neue Sonntagsruhe-Entwurf — wohl die für die Detaillisten wichtigste Gesetzesvorlage des letzten Jahres — gesetzt worden und allenthalben wird das Resultat der Besprechungen dasselbe sein : Unannehmbar! (Confektionär No. 5.) XXVII. Die Aelteslten der Kaufmannschaft von Berlin nahmen in ihrer Sitzung vom 10. d. M! Stellung zu der von der Reichsregierung geplanten Neuordnung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Nach Anhörung des Kbrporationsausschusses für Handel und Industrie sowie desjenigen für das mittlere und Kleingewerbe und der Ständigen Fach-Deputationen beschlossen sie, in dem vom hiesigen Polizeipräsidenten geforderten Gutachten einer Regelung zu widersprechen, wonach in erster Linie auch im Handelsgewerbe vollständige Sonntagsruhe eingefüfcrt werden und nur durch Verordnung einer Gemeinde oder eines Kommunal verbandes Ausnahmen für einige Stunden zulässig sein sollen. Die Aeltesten sind der Ansicht* dass das Bedürfnis für eine geschäftliehe Tätigkeit im Handelsgewerbe wesentlich anders liege als in der Industrie. Die Möglichkeit einer solchen Arbeit müsse auch in Zukunft prinzipiell durch Gesetz gegeben sein und dürfe nicht von Anordnungen, die zudem jederzeit widerruflich sein sollen, abhäugig sein; eine Reihe von Branchen, namentlich aus dem Nahrungs- und Genussmittelgewerbe werden im Berliner Wirtschaftsgebiet auch in Zukunft an Sonntagen auf eine vier- bis fünfstündige Arbeitszeit nicht verzichten können, während andere Branchen mit einer dreistündigen auskommen würden.. Die Aeltesten werden daher dem der Neuregelung zu Grunde gelegten Prinzip widersprechen. Verbands-Nachrichten. Freiburg, im December. Auf Einladung des Vorstandes der hiesigen Ortsgruppe' des Verbandes der Sabbatbfreunde hielt Herr M. A. L o e b aus Frankfurt a. H. am Sonntag den 1. ds. Mts. im grossen Saale des ,Hotel Blum“ hier einen Vortrag Über das Thema: ,Ziele nnd Erfolge des Verbandes des Sabbathfrennde“. Die Mitglieder d,er hiesigen, sowie benachbarten Ortsgruppen des Verbandes nnd Freunde der guten;Sache, waren mit Familienj sehr zahlreich erschienen. Der Vorsitzende Herr Epstein begrässte die Anwesenden nnd dankte ihnen für das Interesse, welches sie der gemeinsamen gnten Sache entgegenbringen. Herr Loeb behandelte in l'/4ständiger Kede, das oben erwäjinte Thema. Der Beferent erwähnte, dass 8. Zt. die Erkenntnis, dass jlie Heiligkeit des Sabbaths, in Folge der immer schwieriger werdendten Existenzverhältnisse, sowie der gesetzt Einführung der Sonntagsruhe leider immer weniger beobachtet werdo, einige Herren zar Gründung des Verbandes veranlasst habe. Anf der Tatsache fassend, dass 19/20. unserer Glaubensgenossen dem Handelsgewerbe angeboren, habe man schon im Jahre 1885 in Breslau, dann in Hamburg und Frankfurt a. M. ein israelitisches Stellenvermittlungsbnreaa eingerichtet, nm den jungen Leuten, denen es noch Ernst mit der Heiligbaitang des rar war, Stellen za verschaffen. Dem Frankfurter Stellenvermittlnngshareau bat man eine Ver- Sicherung gegen Stellenlosigkeit angegliedert and damit segensreiche Erfolge erzielt, wie die sich anf mehr als M. 13000 belaufenden Entschädigungen für Stellenlose aasweisen. Herr Loeb nahm auch Veranlassung die Legende von den bösen Prinzipalen, die Hungerlöhne zahlen, dnreh statistische Angaben za zerstören and führte bei dieser Gelegenheit an, dass anf der nächsten Delegierten- Versammlung des Verbandes, die Errichtung eines Creditinstitnts zur Be rat ס Dg stände. Der Zweck dieses Instituts solle sein, jüngeres Leuten, welche den rar halten, dnreh Gewährung von Mitteln, zu einer Existenz zu verhelfen. Die Deberzengnng, dass mit der Anff, , f ,. . .1. ,״O. . . ... ... _ wirken können, wenü sie selbst energisch daran festhalten, habe die Gründung unseres Verbandes veranlasst. Welch grossen Anklang die Ideen des Verbandes gefunden, gehe daraus hervor, dass bereits an 90 Ortsgruppen,! über ganz Deutschland verzweigt, gegründet.