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Der Sabbath · 1908-01-01 · 1 & 2 (Jan.-Febr. 1908) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
8 (1908)
Issue
1 & 2 (Jan.-Febr. 1908)
Date
1908-01-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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Der Sabbath. 11 Verbands-Nachrichten. Cöln, im Dezember 07. Die hiesige Ortsgruppe des Verbandes der Sabbathfreunde hatte am '20. November (Bussu. Bct.tag) ihre Mitglieder und Freunde zur lten Jahresversammlung eiugeladen, die ausserordentlich zahlreich besucht war. Der Vorsitzende Herr M. L Munk eröffnete dieselbe und berichtete über die Tätigkeit des Vorstandes. Hiernach hat sich die Mitgliederzahl der Ortsgruppe welche am 22. Mai 06 mit 53 Mitgliedern begründet wurde, au( 76 erhöht. Es gelsag dem Vorstande, in uinigcn Fallen junge Kauflente die sich dieserhalb an ihn wandten in שבת geschlossenen Geschäften unterzubringen, was umso erfreulicher ist, als die Anzahl derartiger Geschäfte in Cölu leider sehr gering ist. Der Wunsch des Vorsitzenden, dass hierin bald eine Aenderung zum Guten eintrete, möge sich erfüllen. Auf dem Delegiertentag des Verbandes wurde die Ortsgruppe Cöln durch das Vorstandsmitglied Herrn Benjamin vertreten; über die Verhandlungen hat s. Z. das Organ des Verbandes ,Der Sabbath“ berichtet. Eine ausserordentlich emsige Tätigkeit entfaltete der Vorrtand in diesem Sommer bei Gelegenheit der Beratung des neuen Ortsstatuts über die Sonntagsruhe im Handelsgcwerbe im Stadtverordnetencollcgium. Es galt, ähnlich wie in München und später in Posen, in das Ortsstatut die Bestimmung hiueinzubringen, dass es den jüdischen Inhabern von Eagros- und Agentur-Geschäften welche nachweislich Samstag ihre Läger und Bureaus geschlossen haben, gestattet werde, einige Stunden am Sonntag ihr jüdisches Personal, welches auch am Sabbath feiert, arbeiten zu lassen. Auf Veranlassung des Vorstandes der Ortsgruppe wurde von den in Frage kommenden'Geschäften eine Petition in diesem Sinne an das Stadtverordneten-Collegium eingercicht. — Ausser einigen Herren vom Vorstande, hat es insbesondere Herr Rabbiner Dr. Rosenthal nicht an Mühe fehlen lassen, um an den erforderlichen Stellen günstig für die Petition zu wirken. Leider waren aber alle Bemühungen umsonst. Obwohl von Mitgliedern beider Fractionen Wohlwollen zugesagt und auch bei der Verhandlung in Plenum die Wünsche der Petenten als berechtigt anerkannt und unterstützt wurden, hielt die Verwaltung die fragliche Bestimmung mit dem Reichsgesetze unvereinbar, zu welcher Ansicht auch die juristische Commission gelangte, welcher die Petition zur Beratung übergeben wurde. Es ist wohl als sicher anzunehmen, dass der Bezirksausschuss selbst einen vom Stadtverordeten-Collegium zu Gunsten der Petition gefassten Beschluss auch abgelehnt hätte, denn cs wurde von ihm sogar die allseitig beschlossene allgemeine Bestimmung der sechs freien Sonntage im Jahr als ungesetzlich abgelehnt. Das Augenmerk des Verbandes wird nunmehr darauf gerichtet sein müssen, bei der Neuregelung des Reicbsgesetzes über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe in Gemein- Schaft mit anderen Corporationen, durch Petitionen eine Bestimmung in gewünschtem Sinne herbeizuführen. Der Vorsitzende gab dann noch einen Ueberblick über die allgemeinen Ziele des Verbandes seine Tätigkeit und Erfolge und schloss seinen mit vielem Beifall aufgenommenen Bericht mit dem Wunsche, dass der Verband sich immer weiter gedeihlich entwickeln und immer mehr -Freunde gewinnen möge. Nachdem seitens des Schriftführers und Rendanten, Herrn Benjamin, die Rechnungsablage erfolgt war, erteilte der Vorsitzende das Wort zum Vortrage Herrn Rabbiner Dr. Rosen thal der sich in dankenswerter Weise der Ortsgruppe für diesen Abend nur Verfügung gestellt hatte. Es sei gleich hier bemerkt, da?s dieser Vortrag ,Das Sabbathgebot in seiner religiösen, ethische n «ni socialen Bedeutung“ durch die ebenso geistreichen Ausführungen 'wie glänzende Rhetorik des Referenten die gespannte Aufmerksamkeit der zahlreichen Zuhörer bis zum Schluss in Anspruch ■ahm. Es ist im engen Rahmen eines Berichtes nicht möglich, alle die vielen Gesichtspunkte hervorzukehren, von denen aus der Redner das Thema behandelte und es 8011 daher nur versucht werden, dieselben in kurzen Umrissen wiederzugeben. Das Sabbathgebot ist begründet in der Schöpfung der Welt und der Schöpfung Israels d. i. seiner Befreiung aus Egypten. Nach der einen Seite tritt mehr die rein religiöse, nach der anderen mehr die soziale Bedeutung hervor. Letztere geht hervor aus der Fassung des Sabbathgebotes in nr< 4 Kap. 20) und prnn (Kap. 5) w• die Pflicht der Nächstenliebe, der Achtung Vier Mitmenschenwürde auch gegenüber dem Knecht, der Magd, sowie das Mit- und Barraherzigkeitsgefuhl. für das Tier zum kategorischen Imperativ erhoben wird. Es wird uns hier zum Bewusstscin gebracht, dass aus dem Segen, welchen der Sabbath über die Menschheit bringt, auch die Selbstbeiligiing des Einzelmenschen fliesst, wie alle Gesetze der Ethik die Beobachtung des Sabbath zur Grundlage haben. So wird der Sabbat zum Grundpriucip des religiösen Lcbegs überhaupt, sowohl für die Gesamtheit als für den Einzelnen Während in אסר hei jedem der für Israel bestimmten Feste, dessen Eigenart und Bedeutung erwähnt wird, (heim Pessachfest dip Erinnerung an Egypten, Schewuaus die Gesetzgebung, Sukkauth, das Huttenwohnen usw.) steht das Sabbathgebot in dieser .סדור an der Spitze aller Feste als שבר. שבתו; םק-א קיש. Während es sich so an die Gesamtheit. Israels wendet, spricht es in תשא •: zu jedem Einzelnen indem es ihm zum Schluss in dem וינסש auf die .נשסד. יתידד, den Zuwachs der Seele hinweist, der aus der Beobachtung des Sabbatgebotes ersteht. Dieser teoretiseben Begründung steht an anderen Stellen die Betonung der praktischen Seite gegenüber, dass keinerlei Lebensanforderung, nicht Beruf und Lebensstellung, •nicht höherer Wille von Eltern und Vorgesetzten das Sabbathgebot aufheben können (Kap. :14 nnd 3.'תשא(י בתריש ובקצח־ תשבות etc. (Kap. *26) בועקתי Es wird uns weiterhin boi dem Manna vor Augen geführt, wie cs möglich ist, den Sabbat zü halten, dass, wenn wir in den sechs Wochentagen die Hände fleissig regen und cinsammeln, wir auf Gott vertrauen können, dass er uns auch für den-siebten Tag Speise und Trank gewähren wird. Und de Erzählung von dem Holzsaminelu am שבת lässt uns. sogleich die Strafe erkennen für das Uebertrcten des Sabbath. — Somit bedeutet der Sabbath nach der religiösen Seite Gotteserkenntnis, nach der ethischen Seite Selbstheiligung, nach der sozialen Seite Nächstenliebe. — Leider, so betonte der Redner, könnten wir heute nur mit Schmerz darüber sprechen, wie der Sabbath so vielfach entweiht würde und sehnlicht wünsche er die Zeit herbei, wo def Sabbathgedanke in immer weitere Kreise dringe, auf dass man vom שבת sagen könne, וקראת עיגג es ist ein Auneg, von ihm zu sprechen. — Stürmischer Beifall belohnte den Redner für seine gehaltvollen Ausführungen, für die der Vorsitzende den Dank aller zum Ausdruck brachte. — Aa den dritten Punkt der Tagesordnung: Entgegennahme von Anträgen für den Delegiertentag und Wahl der Delegierten schloss sich eine lebhafte Aassprache an, womn sich u. A. die Herren Äbr. Aue'rba'c'h, Dr. Aron, Hermann Kahn und Emanuel Wolf beteiligten; zt Delegierten für den Verbandstag wurden die Herren M. L. Munk und Isidor Dülken einstimmig gewählt. Als ein erfreulicher Erfolg des Abends ist der Beitritt von 25 neuen Mitgliedern zur Ortsgruppe zu bezeichnen. — Mit dem Wunsch^ dass der Verband der Sabbathfreunde sich weiterhin erfreulich entwickele, schloss der Vorsitzende die schön verlaufene Versammlung. Paten, 20. December. Am 16. ds. Mts. Abends 9 Uhr veranstaltete die hiesige Ortsgruppe ihre diesjährige 2. Monatssitzung. Nach Eröffnung der Versammlung, zü der etwa 75 Personen erschiene■ waren, durch den Vorsitzenden, Herrn Is. Gabriel, ergriff zunächst Herr P. Plessner das Wort, um in Kürze auf die bisherige erfolgreiche Tätigkeit der Ortsgruppe hinzuweisen. Alsdann sprach Herr Rabbiner Dr. L e w i n - Wreschen in einem '/(stündigen Referate über das Tema: ,Der Sabbath in seiner sozialen und ethischen Bedeutung.“ Reicher Beifall wurde den -vortrefflichen Ausführungen gezollt. Die dem Delegiertentage zu unterbreitenden Anträge wurde■ von Herrn E. Rzeszewski begründet und nach kurzer Debatte einstimmig angenommen. Bei der Erledigung der übrigen Tagesordnung entspann sich . eine weitverzweigte Debatte. Herr S. Freund־ regte die Gründung einer eigenen Krankenkasse für Angestellte, ev. Angliedernng aa eine schon bestehende an. Herr R, Neufeld ersucht die Delegierten darauf hinzuwirken, dass die Sabbaihidee und die Sabbathbestimmungen, in populärer Weise dargestellt, allen Mitgliedern Verbandes zugänglich gemacht werden. Er hält es" ferner fnr dringend notwendig,'dass alle Ortsgruppen regelmässig die Stundenplänc der Schulen, beim Erscheinen derselben, einer Durchsicht unterziehen, um rechtzeitig zu verhüten, dass Stunden wie: Zeichnen. Schönschreiben etc. mit dem Sabbath kollidieren. Auf Antrag des

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