Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 1 & 2 (Jan.-Febr. 1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 Der Sabbath. Herrn £. Rzeszewski wurde eine Kommission zur Agitation [für die Stellenversicherung bestehend ans den Herren: S. Ephraim, 8. Grabowski, 8- Neu mark und S. Freund gewählt. Herr L e s s e r befürwortete die Gründung eines jüdischen Handlungsgehilfen-Verbanded, Mehrere Redner wandten sich dagegen. Nach Synagoge in St. Ludwig gjebaut haben, haben sich, wie damals contractlich verpflichtet, an Sabbathen nnd Feiertagen nicht arbeiten zn lassen. Die Kosten znm Ban, die ca. 22 000 'Mark betragen, sind znm grössten Teil durch freiwillige (jährliche nnd einmalige) Beiträge aufgebracht worden. einer lebü^nen*Debatte über die Behandlung der Angestellten seitens der Chefs und' gekehrt wurde die ausserordentlich interessante Versammlung l^TLhr*Abends geschlossen Mehrere Herren traten alsdanh der Ortsgruppe als Mitglieder bei. HeldenPl|tfen, 27. Januar. Gestern wurde hier auf Anregung und untrr Mttlrtikung Sr. Ehrwürden des Herrn Dr. Hirschfeld Provinzial• Rabbiner in Giessen, eine Ortsgruppe des Verbandes der Sabbathfrcunde mit der Centrale Heldcnbcrgcn, gegründet. Alle umliegende Gemeinden waren geladen, weswegen die Beteiligung eine stajhi• war. Uebef Ziel und Erfolge des Verbandes sprach Herr Louis K'a h n ans Frankfurt a. M. unter grossem Beifall der zahlreichen Hörer und Hörerinnen. Die Gruppe hat sich durch Wahl eines Vorstandes aus Vertretern aller beteiligten Gemeinden constituiert. Wir wünschen demselben eine recht starke Nachfolge und bestes Gedeihen. Wiesbaden. Die hiesige Ortsgruppe hielt am •_5׳. Januar eine Versammlung,|J>,^fe ausserordentlich gut besucht war. Das Referat erstattete Herr Moritz A. Loeb Frankfurt a. M. An der Discussion. beiejl^ui sich u. A. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer- Berlin. Die'J^efsammlung, die unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiner IlrwTahn tagte, brachte uns einen Zuwachs von .‘Kl Mitgliedern. Neue Ortsgruppen wurden in den letzten Wochen gegründet : in A lzen ajf und Ilijßs t e i n (Bayern), ferner in Friedberg und §ensh*im (Hessen). JZ&lL Vermischte Nachrichten. Pressburg, 20. Dez. Es ist eine erfreuliche Tatsache, dass der Tor einigen Monaten gegründete Verein ׳ שבתx-t schon rüstig an den ihm obliegenden Aufgaben arbeitet. Es war ja kein Wunder, dass gerade Press bürg, die führende Gemeinde in der gesetzestreuen Judenbeit Ungarns, sich auch in der so überaus wichtigen Angelegenbeit des Sabbaths an die Spitze gestellt hat. Dass gerade in Pressburg ein solcher Verein gegründet wurde, ist auch um deswillen von besonderer Bedeutung, weil die Bewegung von hier aus auch leicht nach Oesterreich übergeleitet und dort verbreitet werden kann. Es wird sich zweifellos empfehlen, wenn nicht nur in Ungarn eine einheitliche Organisation der Sabbathfreunde ähnlich dem deutschen Verband geschaffen wird, sondern auch die in Oesterreich zu gründenden Vereine in diese Organisation einbezogen werden. Jede Kräfte- Zersplitterung muss vermieden bleiben; darum wiid es sich auch für den Tifereth-Bachurimverein in Budapest, der — wohl unter dem Einfluss der Pressburger Gründung — die Stellenvermittlung wieder aufgenommen hat, sehr empfehlen, dass er mit dem Verein in Pressburg sich zu gemeinsamer Arbeit in Verbindung setzt;׳ das gleiche gilt von dem jüngst in Oedenburg gegründeten Verein הדת •pnre, der Mitglieder aus einigen Comitaten umfasst und ebenfalls die Förderung der Sabbakhheiligung als eines seiuer Hauptziele auf sein Programm gesetzt hat. Der Pressburger Verein lässt gegen- ■wärtig einen Aufruf ergehen, in dem er als seine nächstliegenden Aufgaben die Stellenvermittlung, die Schaffung einer Versicherung egen Stellenlosigkeit und die Kartellierung der einzelnen Geschäftsngzweige behufs Erleichterung der Konkurrenz als seine Hauptaufgabe bezeichnet. Weiter wird geplant die Gründung vou Hilfs- und Vorschusskassen und die Einführung von Hausindustrien Der Verein wendet sich an die Rabbiner und Lehrer mit der Mahnung, seine Bestrebungen in Schule1 und Synagoge nach Kräften zu fördern. Nachdem er jetzt in Preäsburg einige Hundert Mitglieder gewonnen hat,' will er auch an die Gründung von Vereinen in anderen Gemeinden geben; die Konstituierung eines Verbandes der .שבר •■«:»-Vereine wird dann einer Landesversammlung vorzubehalten sein. Der Aufruf der Pressburger שדפי• שבת schliesst mit einem Appell an die Freunde seiner Sache zum Beitritt und zur Werbung weiterer Mitglieder. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 4 Kronen jährlich. Anmeldungen sind an den Präses, Herrn Moritz Frijy, Pressburg, Vödritz 25, zu richten. Nürnberg,!>. Dez. Im Anschluss an die öffentliche Sitzung der HäbdeJs- und Gewerbekammer vom 5. ds hat eine Sitzung des Hundelsvorstands Nürnberg stattgefunden. In dieser Sitzung bcrichtete der Syndikus Herr Dr. Heyn Uber eine dem Stadtmagistrat eingereichte Eingabe von 23 hiesigen Firmen, welche dahin geht, den lnhabern-dieser Firmen, die dem orthodoxen Judentum angehören, mit Rücksicht auf die von ihnen streng eingebaltene Sabbathfeier zu gestatten, ihre jüdischen Angestellten, die während des Sabbaths! dienstfrei sind, an den Sonntagen in der Zeit von 9—12-Uhr'mit kaufmännischen usw. Arbeiten zu beschäftigen. Begründet ist dieser Antrag damit, dass die Antragsteller im andere» Fall durch die ans religiösen Gründen beobachtete SabbathruhApd durch die gesetzlich bezw. ortsstatutarisch vorgeschriebene SotSn'ägsruhe ztPei volle Tage für den Betrieb ihres Geschäfts verlicreny.'würden. In München ist unter Berücksichtigung diesis Ums tan dies eine Arbeitserlaubnis für 2 Stunden erteilt worden. Auf Empfehlung des Berichterstatters wurde beschlossen, den Antrag unter Beschränkung der Zeitdauer der Beschäftigung auf zwei Stundtn <10 —12 Uhr vormittags) wie in München zu begutachten. München. 1. Januar. Die vor kurzem für alle Strafanstalten! des Könjgsreichs Bayern in Kraft getretene neue Hausordnung enthält u. a. i^ustizministerialblatt S. 326 und 327) folgende Vorschriften: Keinem!,Gefangenen soll der Znsprnch eines Geistlichen seines Bcj kcnntnisjffctfersagt werden. Den israelitischen Gefangenen ist 'di£ffj*ier des Sabbaths und der 43 hohen Festtage ferner;«« Feier des Fasttags ״Zerstörung Jerusalems gesLatteW Sie sollen an diesen Tagen in einem besonderen Raume, womöglichJunter einem Rabbiner oder Religionslebrer zum Gebet ▼ersammelJU werden. Sie dürfen auch die Schaufäden und Denkriernen inreten. Für ihren Religionsunterricht wird nach Maassgabe• der örtlichen Verhältnisse gesorgt. Äeim, 15. Dcceinber. Die .Genehmigung zu den Neu- .;sarbeiten auf dem alten ehrwürdigen Friedhofe in Hegenheim ist vor kurzer Zeit eingetroffen. Die Arbeiten werden im März aufgcLotLiutn werden, im August soll alles fertiggestellt sein. Es handelt sich um die Fertigstellung einer Fried hofskapelle, in der sich ein Raum für die Tahareh und eine Aufseherwohnung befinden wird und um die Ausbesserung resp. Erweiterung der L’mfassungsm.iucr.!Dü!. Unternehmer, Gebr. Simon, die s. Zt. auch d'e London, im Januar; In England sind gegenwärtig in der Frage der So nntagsruhe zwei Strömungen zu unterscheiden. Auf der einen Seite steht mit Lord Avebury an der spitze die Partei, die vom Staate einen erweiterten 1 Schutz des christlichen Feiertags fordert, während die andere, die National Hygienic League, unter Führung des Deputierten Goddarrf Clarke mit ihrer Weekly Rest Doy Bill nur dafür sorgen will, dgss jedermann allwöchentlich einen Ruhetag | zu beobachten habe, ohnp dass cs ihr aber darauf ankommt, ob der- I selbe gerade mit dem christlichen Feiertag zusammenfällt. Dement- ' sprechend hat die National Hygienic League eine in Verhandlungen mit dem jüdischen Koarfl of Deputies entsprechend formulierte Be- Stimmung in ihren Gesetzes Vorschlag aufgenommen, dass Personen, ’ die am Sabbath ihr Geschäft geschlossen halten, von der Sonntagsruhe j dispensiert seien. Bekanntlich hat ja Lord Crewe im Oberhaus namens der Regierupg erklärt, es werde in absehbarer Zeit keine Acuderung der Sonntagsruhe-Gesetzgebung vorgenommen werden. Das ist bei dem gegenwärtigen Stand dieser Gesetzgebung in England für die Juden das wünschenswerteste. Immerhin ist es gut, dass sie darcli die Vereinbarungen mit der National Hygienic League für alle Fälle gerüstet sind. Der Board of Deputies hat sich durch die in dieser Beziehung geleistete Arbeit ein gro ses Verdienst erworben. Paris. 15. December. Dur Seinc-Präfect hat zu Gunsten des Vereins ״Atelier* eine Ausnahme von dem Sonntagsruhe-Gesetz statuirt. Dieser Verein, dessen Vorsitzender Baron James Armand von Rothschild ist, versorgt junge Leute, besondeis Russen und Rumänier^ die ohne Aussicht auf Beschäftigung nach Paris kommen, in einem eigenen Hause mit Arbeit Drei Monate lang werden die Leute hier beschäftigt und sie haben während dieser! Zeit Gelegenheit sich mit Paris und der französischen' Spräche etwas | vertraut zu machen und sich anderswo Arbeit zu suchen. Damit ■ die armen Insassen des B Atelier* nun unter dem neuen Sonntagsruhe- gesetz nicht zwei Tage in der Woche feiern müssen, hat der Vori stand den Präfecten von dem philanthropischen Char&cter des Vereins unterrichtet und ihn gebeten, seine Schützlinge von dem Zwang, nur fünf Tage in der Woche arbeiten zu können, zu befreien. Der Präfect hat die Berechtigung dieses Verlangens anerkannt und das ״Atelier* ermächtigt, seine Arbeiter am Sonntag zu beschäftigen.