Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 1 & 2 (Jan.-Febr. 1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Sabbath _ 5 heiligung“ referiert l)r. Arthur Kahn-Berlin. Die von der Ortsgruppe Berlin ins Leben gerufene jüdische Brocken- Sammlung ״Peab* bat in den l*/2 Jahren ihres Bestehens bewiesen, dass der ihr zu Grunde liegende Gedanke in die Praxis umsetzbar ist. Obwohl die Institution der Brocken- Sammlungen schon seit 22 Jahre existiert, ist die Peah der erste Versuch von jüdischer Seite, eine derartige Einrichtung zu schaffen, die gleichzeitig ihre Tätigkeit viel weiter erstreckt, als dies in den Brockensammlungen sonst der Fall ist. Während man bisher diese Institute stets nur als Sammelstellen für Hausrat und ähnliches betrieben hat, gilt es gleichzeitig in der Peah, bei dieser Sammeltätigkeit und bei den damit verknüpften Arbeiten innerhalb der Sammelstelle wie Sortieren, Reparieren, Registriren, jüdische sabbatbbaltende Leute zu beschäftigen, die entweder vorübergehend ohne Besebäftigung sind, ndpr denen es, da sie einer regelrechten gewerblichen Tätigkeit nicht gewohnt sind, unmöglich ist. Arbeit zu finden, Besihäftigung gegen Entgeld zu schäften. Lurch die Peah wird nun ein doppeltes erreicht. Die Bedürftigen werden von Bettel oder noch Schlimmerem ferngehalten, und es wird ihnen die Möglichkeit geboten, ihren Lebensunterhalt zu fristen und den Sabbath zu halten, bis sie ständige Arbeit finden. Die Aibeitslübne, die im Durchschnitt täglich M. 3,00 betragen, werden aus dem Erlös der eingesammelten Materialien und Gegenstände bestritten, soweit die letzteren wie Kleider, Schuh werk etc. nicht direct in natura als Entgelt an die Arbeitskräfte verabfolgt werden. Während nun noch vor einem Jahr der Ausgang an monatlichen Arbeitslöhnen durchschnittlich kaum mehr als 100 Mk. betrug, hat er heute schon die Durchscbnittsziffer von Mk. 000 erreicht, was einem Etat von Mk. 10,000 gleichkommt. Es besteht jedoch die Hoftnung, dass dieser Etat sich im kommenden Jahre mindestens verdoppeln wird und dann statt der momentan durchschnittlich beschäftigten 10—12 Arbeitsleute eine weit grössere, Anzahl jüdischer Leute Arbeit finden kann. Die Erfolge der Peah zu Berlin haben die Ortsgruppe Breslau veranlasst vor einigen Wochen ein gleiches Institut dort zu begründen und die vorliegenden Berichte zeugen von der guten Aufnahme, die diese Schöpfung in den Breslauer jüdischen Kreisen gefunden hat. Es steht daher zu hoffen, dass dieses Beispiel auch in anderen Ortsgruppen Nachahmung finde, denn grade! diese Idee arbeitslosen jüdischen Brüdern, Arbeit statt : pekuniärer Unterstützung angedeihen zu lassen, dürfte f überall in jüdischen Kreisen gute Aufnahme finden. — j Nach einigen Anfragen und Anregungen zu diesem Punkte; seitens der Herren Levi-Berlin, Sealtiel-Berlin, Kahn-! Frankfurt a. M., Ebrman n-München und W e r t h e i m- 1 Fulda, wird nun zur Behandlung von Punkt 5 der Tages-; Ordnung geschritten: ,Anträge der Ortsgruppen“. Es wird beschlossen, sämtliche Anträge, die sich auf Statu- ' tenänderungen beziehen, der vom vergangenen Delegirten-! tag hierfür ernannten Kommission zu überweisen. Ausgeschlossen hiervon bleibt der Antrag Frankfurt a. M. der : eine Erhöhung des Jahresbeitrags von Mk. 1 auf Mk. 2.— ' vorsieht, die jedbeh insofern mit Uebergangsbestimmungen : durch geführt werden soll, als den seitherigen Zeichnern! des Minimal betrag von Mk. 1.— die Erhöhung nahegelegt. ׳| jedoch nicht aufgezwungen werden soll. Nobel-Filebne,; Meyer-Gelnhausen, T a c h auer-G unzenhausen, wenden sich gegen die Eihöhung in der Ueberzeugung, dass durch dieselbe manche Kreise dem Anschlüsse an den Verband verloren gingen. Jedoch soll von den Vorsitzenden der Ortsgruppen versucht werden, die Mitglieder, weitmögliehst zu einer Erhöhung zu veranlassen. Bamberger- Hanau modifiziert den Antrag Frankfurt in der Weise, dass sich die Erhöhung auf Mk. 2.— nur auf neu eintre- I tende Mitglieder erstrecken soll. L״oe_b-Frankfu1׳t a. M. weist nach, •lass der Anteil eines jeden Mitgliedes an den I Heistellungskosten und der Versendung der Zeitschrift I ״Sabbath“ schon 1 Mk. betrage. Bei den wachsenden 1 Aufgaben des Verbandes müssen aber unbedii g't genügende i Geldmittel zur Bestreitung der notwendigsten Ausgaben zur Verfügung stehen. Auch habe er bei der Begründung der Ortsgruppen die Erfahrung gemacht, dass der Beitrag von Mk. 2.— nirgends auf Widerstand stosse. Nach Unterstützung durch Simon-Heidelberg und Königshüfer- Breslau gelargt der Antrag Frankfurt zur Annahme. Die übrigen Anträge besonders die zur Stellenvermittelung werden dem geschäftsfübrenden Ausschuss mit der Be- Stimmung übergeben, für die Durchberatung Kommissonen zu ernennen, speciell für die letztgenannten Anträge eine Kommission, in der die in Betracht kommenden Stellenvermittelurgsinstitute sämtlich vertreten sind, und das Ergebniss dem nächsten Delegirtentag wieder vorzuiegen. Ein verspätet eingegangener Antiag Stuttgart bezüglich Abhaltung des Delegirtentages wird von der Versammlung zurückgewiesen. Es erfol״t nunmehr die Neuwahl des geschältsführenden Ausschusses, nachdem die VetSammlung den Bericht der Revisoren W 0 r m s e r-Karlsruhe und K 0 b e r-Breslau genehmigt hatte und Decharge erteilt war. Es werden per Acclamation auf Antrag von Barnberger-Hanau die seitherigen Mitglieder, die Herren Dr. Biber f e 1 d, Plachta, Lazarus, Neu herger und Gradenwitz wieder gewählt. B1 och-Freibürg beantragt, die Abhaltung des nächsten 3 Delegirtentag in Süddeutschland. Die Versammlung beschliesst, als nächsten Tagungsort des Delegirtentages Frankfurt a. M. in Aussicht zu nehmen. Der Vorsitzende ruft den Teilnehmern zum Schlüsse das Wort der Sidra zu : הם אומרים ני־בה ו:עם•־. Wir wollen sehen, ob die freudige und begeisterte Stimmung, von der unsere heutige Tagung getragen war, für .die Be- Strebungen uuseies Verbandes dauernd sein wird und wir mit neuer Kraft für die Sache des Verbandes, des Schabbos und des Judentums draussen in unseren Ortsgruppen wirken. Unter diesem Ausblick schllesst er den 2. Delegiertentag nach sechsstündiger kaum unterbrochener arbeitsreicher Session. Er erbittet zuni Schlüsse die Genehmigung der Versammlung, dem Vorstande der hiesigen jüdischen Gemeinde für die munificente Ueberlassung des herrlichen Sitzungssaales und der Nebenräume den Dank des Verbandes aussprechen zu dürfen; was durch Zuruf genehmigt wird. ־ Nach Dankesworten des Hprrn Distrikts! abbiners Dr. K 0 h n-Ansbach für die Geschäftsführung des Vorsitzenden und des Vorsitzenden an das Bureau versammein sich die Anwesenden zum gemeinsamen Maariwgebet. Anregung für die Tätigkeit der Ortsgruppen. Die Tätigkeit der Ortsgruppen soll bestehen: A. In lokaler Wirksamkeit: 1. Belehrung über die religiösen Pfiichten mit hesonderer Berücksichtigung des Sabbathgesetzes. a) Einrichtüng von Lehrvorträgen besonders am Freitag Abend und Sonnabend, damit die freie Zeit am Sabbath gut verwertet wird, b) Einrichtung von Leseräumen und Bibliotheken, die auch am Sabbath zur Benutzung freistehen. (Hierzu dürfte sich in kleinen Orten das Geroeinde- oder Scbullol.al gut eignen), c) Eltern darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Kinder nicht gezwungen werden können, am Sabbath in der Schule zu schreiben,