Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 1 & 2 (Jan.-Febr. 1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Der Sabbath. dannüberall jm Lande weitere Zahlstellen in Verbindung mit den Ortsgruppen gebildet werden. Neben dem Aufsichtsrat wird eiikbBehörde von 15 Mitgliedern geschaffen, die an verschi^enea Plätzen wohnhaft, bei Gewährung von Darlehen mvtzuwpken hat. Eis könnt« vielleicht befremdlich erscheinen; <Jass wir eine Debatte über Einzelheiten vermieden sehed riiöchten. Aber ich darf Ihnen die Ver- Sicherung geben, dass wir uns ^ufs innigste mit der Sache befasst haben und von der Durchführbarkeit des Projektes in der Gestalt wie wir es vorgeschlagen, durchdrungen sind. Wir wissen, dass Bedenken vorhanden sind, aber man kann doch nicht eine Sache deshalb verurteilen wollen, weil ihr Nutzeh nicht jedermann ohne weiteres klar vor Augen liegt. Auch vor 3 Jalren bei Begründung des ,Verbandes der Sabbathfreunde“ hat es Kleinmütige gegeben, die an dern Erfolge zweifelten lund dennoch ist es uns in einer kürzeren Frist als vorauszusehen war, gelungen, 90 Ortsgruppen zu gründen, unserer Bestrebung eine weite Ausdehnung zu geben und deih ihr zu Grunde liegenden Gedanken Achtung und Anerkennung zu verschaffen. Und so bitte ich Sifr Alle, jedes gedenken beiseite zu setzen und unseren Antrag anzunehihen in der Ueberzeugung, dgss wir damit einen kräftigen Hebel, ein mächtiges Werkzeug für unsere sremeinsame Sajche schaffen werden.‘* An der Debatte beteiligen sich durch Anfragen Gorski- Nürnberg, Dr. Tachauer - Gunzenhausen, Königsh ü f e r Breslau, M. Posen Berlin, Wagner- Berlin, Dr. C 0 111} - Ichenhausen, B l;o c 11 - Freiburg, Meyer- Gelnhausen. Pinczower-Katibor als Gast tritt in warmen Worten für die Annahme des Antrages ein. Er befürwortet die Gründung vbn Geschäften an solchen Plätzen, an denen bisher am Sabbath geschlossene Geschäfte nicht existieren. Auch hierfür hält er die Mithilfe der Credit airf&It für segenbrihgend. Bankier Loewyllawitsch bayfetigt, dass vom fachtechnischen Standpunkte aus die Basis' der zu gründenden Anstalt eine gesunde genannt werden müsse und dass der Entwurf von einem gründlichen Studium des Genossenschaftsrechtes zeuge. Leuis K a h n - Frankfurt wünscht, dass in § 55 noch aufgekommen werde ,Credite kannten auch für landwirtschaftliehe Betriebe gegeben werden.“ Ueber die Existenzmüglichkeit am Sabbath geschjossener landwirtschaftlicher Betriebe entspinnt sich eine Diskussion, an der sich p 1 e ss n e r-Posen, G 0 r s k i-Nürnberg, Pinczower- ׳ Katibor, Natanson - Berlin, Dr. Kahn- Berlin, T e p - l itz-Zürich beteiligen. In seinem Schlussworte führt der Referent aus, dass eine Ausdehnung der Creditausialt auch auf landwirtschaftliche Betriebe das Projekt illusorisch* machen würde, da der Schwerpunkt des ganzen Planes auf ein Gebiet verlegt würde, auf dem erst tastende Versuche gemacht werden, ohne dass auch nur mit einiger Sicherheit Erfolge zu versprechen seien. Er schlägt vor, etwaige den Kern der Sache nicht berührende Anregungen seitens dpr Ortsgruppen innerhalb 4 Wochen noch zu erwarien, im übrigen aber folgende Resolution anzunebmen: : ,Der Del egirtentag begrüsst freudig die Errichiung eines Creditinstitutes zur Förderung I der Heiligung des Sabbaths und fordert die Ortsgrup 1$ n, wie auch die einzelnen Mitglieder auf, für (Pfen Ausbau dieser Organisation auf I .das kräftigste einzutreten.* Die Annahme dieser Resolution erfolgt fast eini stimmig. Das Amendement Kahn-Frankfurt zu § 55, 6 j als Zusatz einzufügen: ,Bei Uebemahme von Landwirt-! schaft, Viehhandel und Handwerk“ wird angenommen.! Der Vorsitzende weist aber darauf hin, dass diesem Be- Schluss nur die Bedeutung einer Ueberweisung als Material an das Comitd innewohnen könne, da für die Statutenfestsetzung nicht die heutige Versammlung, sondern nur die ,Genossen“ im Sinne des Genossenschaftsgesetzes zuständig sind. Hierauf tritt eine halbstündige Minchahgebetpaus« ein, in der die Versammlung vom geschäftsfübrenden Ausschuss mit Kaffee und Kuchen bewirtet wird. In die Einzeichnungslisten für das Creditinstitut finden zahlreiche Eintragungen statt. Nach Wiederaufnahme der Verhandlungen berichtet der Vorsitzende über die durch den soeben herausgegebenen Erlass des Reichsamts des Innern bezüglich einer reichsgesetzlichen Regelung der Sonntagsruhegesetzgebung geschaffenen Situation. Zu diesem Punkte liegen Anträge der Ortsgruppen Hamburg, Breslau und Stuttgart vor. Während es bisher bei den Bestrebungen des Verbandes darum handeln musste, von Fall zu Fall bei den Gemeindebehörden, sobald eine Erweiterung der Sonntagsruhe in Aussicht stand, dafür zu wirken, dass den am Sabbath nachweisbar geschlossen haltenden Geschäften für den Sonntag die Vergünstigung einer mehrstündigen Arbeitserlaubnis zur Erledigung der dringendsten Geschäftsvorfälle gewährt werde, muss sich diese Tätigkeit bei Inkrafttreten des neuen Gesetzes in ganz anderen Bahnen bewegen. Nach der geplanten Gesetzesnovelle ist die vollständige Sonntagsruhe die Norm, und es soll nur den Gemeindebehörden überlassen bleiben, mit Genehmigung der ihnen Vorgesetzten Behörde, eine Arbeitszeit von höchstens 3 Stunden zu gestatten. Es müsse nun vor allem die Aufgabe des Verbandes sein, die beteiligten Kreise zur Stellungnahme gegenüber diesem Gesetzentwurf aufzurufen, um auf diese Weise auf die Regierungsorgane im Interesse der sabbathhaltenden Geschäftsleute aufklärend zu wirken. Ueber die hier einzuschlagende Taktik äussert sich in längerem Referat Frankel -München, der von einer Stellungnahme gegen den Gedanken der absoluten Sonntagsruhe abrät und die ganzen Bemühungen auf reichsgesetzliche Ausnahmen für die sabbathhaltenden Geschäftsinhaber concentriert wissen will. An der Debatte beteiligen sich noch Jacobsen-Hamburg, der über z. Z. dort bein Senat liegenden Abänderungsvorschläge berichtet, und Kober -Breslau, der die Gelegenheit zu einer Agitation für den Anschluss an den Verband benutzt sehen möchte. L 0 e b-Frankfurt a. M. bringt nachfolgende Resolution ein : ,Der Delegirtentag fordert den Geschäftsführenden Ausschuss auf, sich in Anbetracht der Wichtigkeit der Angelegenheit der Neuregelung der Sonntagsruhe sofort mit allen in Frage kommenden Verbänden und Vereinigungen in Verbindung zu setzen, um unter Führung des ,Verbandes der Sabbathfreunde“ ein gemeinsames Vorgehen in dieser Angelegenheit zu bewirken“. Kaufmann -Stuttgart berichtet, über das Entgegenkommen, welches eine Deputation des württembergischen Landesverbandes in Sachen der Sonntagsruhe bei den württembergischen Ministerien gefunden, besonders habe der Kirchenrat zu Stuttgart sich in dieser Hinsicht durch sein Eintreten für die sabbathhaltenden Geschäftsleute bei den Behörden Verdienste erworben. Nach kurzen Bemerkungen der Herren: G 01 d s c h m i d t-Halberstadt, Dr. M u n k-Berlin, J a c 0 b s e n-Hamburg, Dr. C 0 h n-Ichenhausen, Wer th eim-Fulda, Dr. Tachauer-Gunzenhausen und E'renk el-München wird die Resolution Loeb einstimmig angenommen. Als Zusatzantrag findet noch folgendes Amendement Dr. Tachauer-Gunzenhausen, Annahme. ,In der Frage der Sonntagsruhegesetzgebung soll von keiner Seite irgend etwas unternommen werden, ohne dass vom geschäftsführenden Ausschuss Directive eingeholt wird.“ — Zu Punkt 4 der Tagesordnung ,Brocken- Sammlung und ihre Verwertung im Interesse der Sabbath-