Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- 1 & 2 (Jan.-Febr. 1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Der Sabbath. schneiden, in bi üderiicheni Zusammenwirken!Schulter an Schulter, in steter, bewusster Arbeitsteilung ohne Eifersfichteleien nebeneinander, ja sogar für einander tätig seien, so dass man ihr Verhältnis zu, einander als das einer guten Ehe bezeichnen dürfe. Er hofft und wünscht, dass das Zusammenwirken beider Körperschaften auch in der Folge, von gutem Einvernehmen getragen,- zu günstigen Resultaten führen möge. Der Vorsitzende j ‘bittet hieran anschliessend, die Versammlung, der ״Freien , Vereinigung“ zu ihrem morgigen Vereinstag namens des i ״Verbandes der Sabbathfreunde“ Worte der Begrüssung widmen zu dürfen, womit sich die Versammlung unter allgemeinem Beifall einverstanden erklärt. — An der Geschäftsberichtsdebatte beteiligen sich die Herren: Munk- Cöln, Jacobsen-Hamburg, Rzeszewski-Posen, Loeb-Frankfurt, Kober-Breslau, Feist-Frankfurt, Plessner-Posen, Karger-Berlin. Munk-Cöln regt an, die Zeitschrift ,,der Sabbath‘• in irgend einer Weise in Verbindung mit dem ״Israelit“ herauszugeben, um Kosten für die Herstellung und Yer- Sendung zu ersparen. M. A. L 0 e b - Frankfurt hält eine solche Verbindung für unzweckmässig und glaubt, dass demgegenüber die Verbilligung nicht ins Gewicht fallen könne. Louis Feist - Frankfurt findet den Betrag von 98,85 — für Spenden sehr minimal und regt an, durch geeignete Agitation, höhere Spendenbeträge zu erwirken. Der Vorsitzende führt aus, dass den Zuwendungen von Spenden sicherlich nichts im Wege stünde, man sich jedoch bisher darauf beschränkt babe, keinen allzu grossen Nachdruck auf die materiellen Leistungen der Mitglieder zu legen, um spendenbedürftige Institutionen der Wohltätigkeit nicht zu schädigen. Zu Punkt 2 der Tagesordnung beantragt der Vorsitzende, den Bericht der Statutenkommission vorerst zurück zu stellen, da sich unter den Anträgen eine Anzahl auf die Statuten bezügliche finden und bei deren Behandlung dann eine oftmalige Wiederholung notwendig werden würde. — Für die Kommission zur Schaffung eines Führers für die Berufswahl referiert L a z a r u s - Berlin. Die Vorarbeiten seien soweit gediehen, dass in kürzester Zeit eine Enquete zur Feststellung der statistischen ן Daten erfolgen könne. Zu Punkt 3 der Tagesordnung ״Errichtung eines Ciedit-Institutes“ referieit Herr M. A. L 0 e b - Frankfurt wie folgt: ״Ich glaube, dass die Errichtung eines Credit- Institutes wohl ein Projekt ist, wie es in gleicher Ausdehnung und Bedeutung dem Verband noch nicht Vorgelegen bat. Wir sind aber leider, der Natur der Sache nach, nicht in der Lage, jn diesem Kreis in eine so umfangreiche Diskussion einzutreten, wie es nützlich wäre. Die Satzungen befinden sich in Ihrer Hand. Wenn wir darüber debattieren wollten, würden wir damit heute nicht zu Ende kommen. Der Gang unserer Tätigkeit war folgender: Der vorige Delegiertentag hat für diesen Gegenstand eine fünfgliederige Kommission ernannt, bestehend aus den Herren : Bankdirector George Marx-Königsberg, Bankier M. Josepb-Halbejstadt, Bankier Moritz Merzbach-Berlin, Aron Kober-Breslau und M. A. Loeb-Frankfurt a. M. Wir haben uns intensiv nit dem Gegenstand Beschäftigt und sind schliesslich zu dem Statutenentwurf gekommen, den wir Ihren heute überreicht haben. Wir haben den Entwurf den drei bedeutendsten Kennern des Genossen- , schaftsrechtes voTgelegt, und deren Gutachten liegen hier vor. Es sind dies die Herren Dr. C r ü g e r - Charlottenbürg Verbandsanwalt, Direktor Thorwart-Fiank-! furt a. M, Direktor T r a u n e r - Frankfurt a. M. Sämtliche Gutachten lauten zustimmend, und so können wir überzeugt sein, dass unser Vorhaben nach der Erfahrung solcher im deutschen Genossenschaftswesen durchaus versierten Sachverständigen auf gesunder Basis beruht. Der unserer Creditanstalt zu Grunde liegendö Gedarke ist folgender: Wir machen die Erfahrung, dass,alle Stellenvermittelung und Versicherung gegen Stellenlosigkeit nur den zurzeit vorhandenen Gehilfen eine gewisse Sicherheit bieten kann. Von den bestehenden am Schabbos geschlossen haltenden Geschäfte gehen aber immer einige ab, uhfie dass der Zuwachs an gleichen Geschäften ein entsprechender ist. Nun sind mehr als 600 ״ aller erwerbstätigen deutschen Juden in Handel und Gewerbe tätig, der Prozentsatz der gesetzestreuen Juden in diesem Berufe ijst nun naturgemäss ein noch weit höherer, und die Zukunft des gesetzestreuen Judentums in Deutschland wird dah^L stets an das Handelsgewerbe geknüpft sein. Hier soll, nun das Credit-Institut nutzbringend wirken. Es soll jungen Leuten, die den Schabbos halten, und die Gewähr bieten können, dass ihre Selbsländigmachung von Erfojg sein wird, oder die ein gut prosperierendes Geschäft übernehmen wollen, das ganze oder ein Teil des benötigten Kapitals zur Verfügung gestellt werden. Um ein Risiko zu vermeiden, muss freilich eine entsprechende Bürgschaft geleistet werden können. , Wir gingen hierbei von der Erfahrung aus, dass selbst' gegen gute Bürgschaft von Seiten der Erwerbsinstitute Kapitalien für solche Zwecke häufig nicht zu erlangen sind. Sie fragen 1u(n, wird es möglich sein, das notwendige Kapital zu beschaffe^״ Wir haben zur Aufbringung des Kapitals nach längerer Erwägung eine ״Genossenschaft mit beschränkter Haftung“ als geeignete Form vorzuschlagen uns entschlossen. Es sollen Geschäftsanteile ä M. 500.— ausgjegeben werden, für die eine Haftung in gleicher Höhe einzutreten hat. Die Gewähr, dass das Institut in unserem Sinne geleitet wird, und insbesondere dass Credite niir an solche Geschäfte gegeben werden, die am Schabbos geschlossen halten, ist in § 25 Abs. 3 gegeben. Zur Ejrleichterung: des Erwerbs von Anteilen besagt § 47, da&s der Anteil innerhalb 5 Jahren ratenweise eingezahlt werden kann. Der $ 66 besagt, dass Ueberschüsse über 5<|/0 Dividende in einen besonderen Fond fliessen, der zu Studien betreffend Verbesserung der Lage der am Sabbath gteschlossen haltenden Geschäfte und ähnlichen Zwecken verwendet werden soll. Wir haben nämlich die Absicht, das Creditinstitut auch zu einer Art Studiengesellschaft auszubilden,ץ die neue Wege ausfindig -machen soll, zür Erleichterung der Schmirass Schabbos. Ein Blick auf die Branchen, in denen sich die jüdischen Geschäftsleute bewegen, lehrt, dass dieselben an den durch den Aufschwung des Handels geschaffenen neuartigen Geschäftszweigen nur ganz minimal beteiligt sind, so insbesondere beim Exporthandel. Grade hier aber ist die Möglichkeit am besten gegeben, das Geschäft am Schabbos geschlossen zu halten, wie Beispiele im Auslande (Holland) zur Genüge lehren. Um derartige Branchen unseren sabbathtreuen jüdischen Kaufleuten zu ersebtiessen, müssen junge Leute ins Ausland geschickt werden können, um sich die notwendigen Kenntnisse zur Führung derartiger Geschäfte anzueignen. So werden wir durch unser Creditinstitut im Laufe der Zeit in die Lage kommen, neue Geschäfte zu begründen, alte Geschälte zu erhalten und im Geschäftsleben neue Bahnen einzuschlagen, auf denen die Heilighaltung des Sabbaths sich gut ermöglichen lässt. Ich habe Ihnen nun den Vorschlag Namens der Prüfungskon mission zu machen, das Projekt ohne Statutende־batte en bloc anzunebmen. Zur Erledigung soll es der Ortsgruppe Frankfurt a. M. übergeben werden, die alle weiteren Massnahmen treffen wird. Der Bitz des Aufsichtsrates muss sich an einem Orte befinden, für den wir Ihnen ebenfalls Frankfurt a. M. vorschlagen. Es können ja