Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 11 & 12 (Nov-Dez. 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath 78 זי. Dfr Sohn zog hinaus in die Welt, besuchte viele Länder und Städte, und liess sich efadlich in einer grossen Stadt nieder, wo er, *־ wie man ihm sagte, Gelegenheit habe, sich in allen Disciplinen der Künste and Wissenschaften auszabilden. Er mietete ein Stübchen in {inem entlegenen Teile der Stadt. Cie ihm vom Vater aasgesetzte { Somme reichte gerade aas, am seine Lebensbedürfnisse za bestreiten, j Extravaganzen konnte and sollte er sich nicht leisten, so hatte es { der Vates. in weiser Vorsicht bestimmt. Cer Sohn lebte also in den besessensten Verhältnissen und seinem Studium, nur mit wenigen freunden verkehrend, and seine einzige und grössten Ereade war es, ׳ wie gewohnt, allwöchentlich einmal sein Geschmeide arzalegen, und sich an seinem Wunderglanze zu erfreaen. In solchen Stunden fühlte : er sich wirklich glücklicher und reicher als alle seine Nebenmensclien. Seine ,Bekannten lachten manchmal hämisch, ja verspotteten ihn, dass err.'der Sohn eines so reichen Hannes, der selbst in Besitz eines so kostbaren Geschmeides war, in fast ärmlichen Verhältnissen lebte, und sich gar keine Vergnügungen gönnte, aber er liess sich . nicht beirren und lebte ruhig in der gewohnten Weise weiter. — bi geschah etwas, das in seinen Folgen einen grossen Wandel in demJceben, und auch im Schicksal des Jünglings bervorbraebte. — Ein Juwelier hatte Kunde von dem kostbaren Geschmeide <k4׳ Jüitglings erhalten, und lud denselben ein, ihn einmal zu besueben, er habe etwas Wichtiges mit ihm zu besprechen. Er habe nämlich gehört, dass der Jüngling im Besitze eines so kostbaren Geschmeides sei, und da er für Derartiges ein grosses Interesse habe, so bitte er ihn, ihm das] Geschmeide einmal zur Ansicht raitzu- bringen. — Cer Jüngling liess sich entschuldigen, sein Studium erlaube ihm nicht Besuche zu machen, übrigens sei ihm sein Geschmeide -nicht feil und so sei sein Besuch wohl zwecklos. Diese Absage 1 machte den Juwelier nur umso neugieriger. Er wiederholte seine; Einladung einmal, zweimal, dreimal, bis der Jüngling endlich, wenn : auclr ungern derselben Folge leistete. — Der Juwelier empfing ihn aufs Herzlichste; da er .gerade bei Tisch sass, hiess er ihn Platz nehmen and an der Tafel teilnehmen, bewirtete ihn mit den kostlichstea Speisen und besten Weinen, sodass der Jüngling sich bald heimisch fühlte. Nachdem die Tafel beendet war, bat der Hausherr den Jüngling ihm das Medaillon zu zeigen, damit er arteilen könne, ob dasselbe wirklich so kostbar sei, wie man ihm geschildert habe. Dejj ungewohnte Genuss der guten Speisen und Getränke war nicht einf$s־qlos auf den jungen Mann geblieben, er war schon viel zagänglieber als zuvor, und öffnete das Kästchen, in welchem er das Medaillon verwahrt hielt. — Der Juwelier war geradezu geblendet von dem herrlichen Glanz der Steine and der wunderbaren Form der Fassung ■and gab seinem Entzücken lauten Ausdruck. Es sei doch schade, dass eine solche Herrlichkeit so wenig benutzt werde. Er habe einen FrCund, der sich glücklich schätzen würde einen solchen Schmuck zu besitzen, und der jeden gewünschten Preis dafür zahlen werde. Der Jüngling möge ihm das Medaillon doch für eine noch j so hohe Summe überlassen, er lebe doch in so ärmlichen Verhältnissen ' und könne sich dann sein Leben doch viel behaglicher und bequemer j gestalten Der Jüngling setzte diesen Versuchungen zuerst den; härtesten Widerstand entgegen. Erinnerte er sich doch des Vaters : Anordnung'den Schatz unter gar keinen Umständen za veräusseru. — ' Aber der schlaue Händler liess nicht locker, und es gelang ihm 1 schliesslich den Sohn dazu zu bewegen, ihm gegen hohes Entgelt einige Steine aus dem Medaillon za überlassen. Der Juwelier fersprach "die Fassung so zu verändern, dass man das Fehlen der ' Steine garnicht bemerken könne. Er zahlte ihm gleich die sehr hohe j Summe Geldes aus, und der Jüngling, der sich jetzt in dem ungc- 1 wohnten Besitz so vielen Geldes sab, überlegte bei sich, ob er sich 1 nicht wirklich bequemer als bisher einrichten solle. — Er fasste schliesslich den Entschluss sich eine schönere; Wohnung zu mieten und machte diesen Entschloss auch bald zur Tat. Dadurch kam er in andere Umgebung, liess sich auch dazu bewegfen —׳jwas er früher nie getan — an einigen Vergnügungen .und Lustbdäcniten teilzunehmen, er hatte ja jetzt die nötigen Mittel dazu _ —_und war bald ein ganz anderer Mensch. — Als er aber in der nächsten Woche, wie gewohnt, sein Geschmeide wie- »Ur änlegte —- merkwürdig, da war der alte Glanz davon gewichen, es strahlte längst nicht mehr wie zuerst, und auch die innere Befriedigung and Glückseligkeit wollte sich nicht mehr einstellen. Und es fehlten doch nur wenige Steine, deren Mangel man durch das neue Arrangement nicht einmal bemerkte. — Am diesen Ausfall an Glückseligkeit auszugleichen, gab er sich noch mehr den weltlichen Vergnügungen hin, und ward bald von deren Strudel so mitgerissen, dass er des Geschmeides gänzlich vergass, und es nur hervorholte, wenn er Geld für immer neue Lustbarkeiten brauchte. Dann brach er immer einen Stein nach dem anderen heraus, und verkaufte ihn. Der Warnung des Vaters gedachte er schon lange nicht mehr, und schliesslich war das ganze Medaillon veräussert, ohne dass ihm jemals die Beue über seine Tun gekommen wäre. Aber auch das für den Schmuck erlöste Geld war bald im Strudel der Vergnügungen zu Ende gegangen, er musste wieder in seine ärmlichen Verhältnisse von ehedem zurückkehren, und dort erst erwachte in ihm die Beue über das Getane, denn auch die einzige Freude, die ihm sonst seine ärmliche Hütte znm schönsten und herrlichsten Palaste umwandelt hatte — sein Geschmeide — war dabin, und Glückes and Freude leer musste er von nun an sein Leben kümmerlich fristen. — — — — Der geneigte Leser hat sicherlich den Sinn unserer Er- Zählung bereits erraten. — Der Vater ist niemand anders als unser Allvater in Himmel droben, und sein ihm in treuer Liehe ergebener Sohn ist das Volk Israel, sind wir Juden, ■wie es in unserer heiligen Thaaroh heisst ,בני בכורי ישראל mein erstgeborener Sohn ist Israel“. Und das herrliche Geschmeide mit den wunderbaren Edelsteinen, das uns der Allmächtige in seiner Liebe zur treuen Hut geschenkt und anvertraut, ist der liebe Scbabbos mit seinen 3!) Werkeinstellungsgeboten, wie es wiederum in der herrlichen Thaaroh heisst ,'ראו כ• ה נת: יבם השבת Sehet, dass Gott Euch den Sabbath geschenkt hat.“ — Welch hohe Glückseligkeit erfüllt uns wahrlich, wenn wir das Geschmeide allwöchentlich anlegen, wenn wir den Sabbath in rechtjüdischer Weise im Kreise unserer Lieben feiern. — Selbst im Golus, im Exil, in das uns Gott hinausgesandt, — um wie in unserer Erzählung der Vater seinen Sohn, — um uns zu erproben, ob wir auch dort unserer Bestimmung getreu seine Gebpte erfüllen und sie mit aller Sorgfalt hüten, war es der Sabbath, der uns stets über die Küm. mernisse und Mühsale unseres so schmerzensreichen ':Lebensganges durch die Jahrhunderte binweghob. — Wahrlich, wenn der Jude am Freitig Abend von seinem weiten Wandergang von Dorf zu Dorf znrückkam, von dem Gange, den er gezwungen war zu gehen, um nur Weib und Kind kümmerlich zu ernähren, von dem Gange, der ihn so viel Bitterps immer nur und immer wieder erfahren liess; der ihn erfahren liess, dass man ihn wie den Auswurf der Menschheit behandelte, ihn trat und anspie wie einen Hund, und sich von ihm fernhielt wie von einem Aussätzigen, ja ihn nur leben liess, weil er es verstand Geld zu verdieneu, und man seines Geldes bedürfte, — — wenn er allwöchentlich von diesem schmerzensvollen Gange in seine Hütte zarückkehrte, und den schweren Packen vom Bücken warf, und seine Werktagskleider auszog, und seine Sabbathkltider anlegte, dann zog er gleichsam einen anderen neuen Menschen an, und ging als neuer Mensch, frohen Mutes und gehobenen Gemütes 'dem Sabbath entgegen : לבה חד• לקראת פלה פני שבת נקבלה Geh’ GeUebter entgegen der Braut, Empfange den Sabbath lieb und traut. So klang's jubelnd von seinen Lippen, während die fromme׳ Hausfrau geschäftig hin und her eilte, um die Tafel zu decken und die Sabbathlichter za entzünden. Wer vermöchte das innige Hochgefühl zn schildern, das ihn beseeligte, wenn er dann, umgeben von! seinen festlich gekleideten Kindern, von weissgedeckter Tafel den Segensbecher, bis zum Band gefüllt mit funkelndem Wein, erhob, und es laut verkündete; ״Gebenedeiet seist Da in Liebe and Becht wal. ,tender Gott, Herr der Welt, der Da uns geheiligt hast dazeh deine ״Gebote nnd uns deines besondern Wohlgefallens gewürdigt hast,, ,indem Da uns deinen heiligen Buhetag beschieden, als Andenken an ״des Schöpfungswerk. Denn dieser Tag ist der erste unter den Festen, ,ein Andenken an den Ausgang aus Egypten, da Du uns aaserwähhlt, ,und ans geheiligt hast mehr als alle Völker und uns deinen heilige»