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Der Sabbath · 1907-11-01 · 11 & 12 (Nov-Dez. 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
7 (1907)
Issue
11 & 12 (Nov-Dez. 1907)
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Der Sabbath. 7i ich will anderswo hinaus. An Wunden will ich rühren, 011gleich es alle jene schmerzen wird, die daran kranken. Ich frage, ob in Sabbathgeschäften der Gedanke des sozialen Fortschritts in der Behandlung der Angestellten auch während der Woche genügend Berücksichtigung findet, frage, ob die gegenwärtigen Zustände in so maucb cm Geschäft geeignet sind. 1i1m Sabbath Freunde zu erhalten, zu erwerben. Die Antwort mag sieb jeder selbst geben, .nachdem er an Hand dieser Fragen geprüft hat. Ich aber will nur bemerken, dass man nicht sagen soll, der junge Mann hat ja Sabbath, was braucht er zeitig Schluss u. dgl. Nun erweitere ich meine Kragen. Wenn einen! jungen Mann, der Ehrgefühl besitzt, die l!ehandlung von seiten seines Chefs nicht passt, so überlegt er doch, wie er sich des Drucke.', den er empfindet, entledigen könne. Aber wie:״: Wo eine geeignete Stellung hernehmen, in der man Sabbath halten kann:׳ Zu dem empfundenen Drucke geseilt sich dann, wenn keine geeignete Stelle erreichbar ist. das Gefühl der Kessel, der Bitterkeit. L'ml da mag so mancher es ver- Sachen, sich mit d e r Weltanschauung zu versöhnen, die dem Suibbath nicht die ihm zukommeude Stelle einräumt. Toinu, titonu Und ein anderer junger .Mann, vielleicht gar derselbe, sieht, dass andere junge Leute derselben Branche, die Sehabbos arbeiten, so und so viel mehr Gehalt haben, weniger ״gefesselt“ sind, und womöglich täglich so uml so viel früher mit ihrer Arbeit aufhöreu. Sie können sich vielleicht Abends erholen, oder ihre Kenntnisse erweitern, während es ihm infolge längerer Arbeit schwerer ist. (Nachwort der Redaktion: Wir haben den vorstehen״ : den Ausführungen Aufnahme gewährt; müssen aber bej- : tonen, dass wir uns keineswegs mit ihicm Inhalt identr*- fiziren. Es ist leichter gesagt als getan, ״es sollt« kein Chef rechnen, mein Personal hat den ganzen Tag frei gehabt, da kann es nach Sehabbos ruhig bis 10 Uht arbeiten“. Warum denn nicht? Warum soll ei/1 Ange4 j stellter, der 25 Stunden geruht hat, nicht ein Paar stunl den am Abond arbeiten, um das Versäumte so gut wie |6i , angeht, nachzuholen? Etwa deshalb, weil sein FreuntL! der den Tag über arbeitete, dann frei ist und Theater, 1 Cafe’s besuchen oder englische Conversation treiben kann!? Denn Chefs, die bloss um ihrem Personal den Abend! zu verekeln, dasselbe am Schabbos-Abend im Geschäfte festhalten, sind doch wohl so exorbitante Ausnahmen*, dass maii mit ihnen nicht zu rechnen braucht. Die Erfahrung lehrt übrigens erfreulicherweise — wie die lieberem- Stimmung v611 Chefs und Angestellten in Fragen d«r Sonntagsruhe, beweist —, dass die sabbathtreuen Angestellten für die Schwere der Opfer, die den Chefs zug|e־ mutet wird, volles Verständniss besitzen. Auf ,diesem Wege fortzuschreiten, d. h. das gegenseitige Verständniss zu fördern, — darin stimmen wir dem Herrn Einsender zu — das־ ist eine Aufgabe, der sich jeder mit Eifer, und Hingabe widmen sollte, dem es mit der Sache des Sabbajth ehist ist.) Soll ich noch mehr derartiger Fälle coii'truieron? .1:1.-ich ״construiere“ und wollte doch fragen. Blicken Sie in die \\ irklu hkeit und dann gelben Sie sieh seihst Bescheid. In סי manchem l alle werden Sie mir für die Krage dankbar sein. L ud denken nie in diesen Fällen nicht an solche an Sabbath offene Geschalte, in!lenen es in mancher Beziehung vielleicht noch schlimmer ist: das wäre kein würdiger Massstab un!l die jungen Leute in solchen Geschäften können leichter ihre Stellung ändern.-— — Das Geschmeide. Eine Parabel von Paul M. Aron-Stuttgart. ן Vor grauen •fahren lebte ein Mann, der ein Geschmeide von uii.-i bätzbarem Wert besass. Hs war ein Medaillon, welches mit B9 Ich will nicht constatieren. ob und welche materielle 1 *p'fer! man überhaupt von seinem Personal verlangen sollte tur den mate-! riellen Vorteil, dass er ausser dem Sukbnth auch einen Teil des Sonntags frei hat. Es sollte kein l'luf rechnen: -Mein lVr-onal hat Sehabbos den ganzen Tag frei gehabt, na. da kann es ja nach Sehabbos ruhig bis 10 Uhr oder später arbeiten, uml ähnliche Erwägungen machen;. wenn durchaus notwendig, sollte mau Lxtrastunden cinfuhren. Ich meine, wie der Scbabboschef .-eite l uticurronz schwerer emptindet, so drückt es den jungen Marni. materielle Be- Schränkungen und Nachteile zu ertragen. \\ ohl muss auch der i junge Manu Opfer gern bringen, aber der Chef sollte sich bemühen, j die Opfer auf das Minimum zu beschränken uml darauf achten, dass! diese Opfer nicht mit dem Wesen des Sabbatbs in \\ iderspruch j stehen. Und die jungen Leute werden oft l'kefs uml diesen künftigen ‘ Chefs die Gelegenheit rauhen, ihren künftigen Angestellten gegenüber zu denken: ״Mir ging's auch so“, ist eiue schöne Pflicht. ן ־Wenn man ernst daran denkt, dem Sabbath Kreunde zu erhal- : ten und zu erwerben, dann sollte inan sich an diese ״wunden Stel-! len“ erinnern und möglichst'Abhilfe schatten. Der Chef kann viel ' dazu bringen, dass der junge Mann den Sabbath als Lust, nicht als | Last empfindet. j Und der junge Manu soll gern bereit sein, notwendige Opfer; zu bringen. Auch in Sehabbos offenen Geschäften wird oft, wenn ן nötig, leider ja auch oft, wenn nicht nötig, etwas übers Mass gearbeitet. Auf jeder Seite der beste Wille, das ist der beste Weg, .— in dieser nnd in jeder Frage. Wo aber die Verhältnisse viel zu wünschen übrig lassen, möge der leidende Teil genügend Opferwilligkeil und Religiosität besitzen, ן anszuharren, bis sich die Verhältnisse bessern, oder^bis man eine; idisang findet, wie man dieselben ohne Sabbathschändang ändern kann. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. M a r f r i e d. der kostbarsten Edelsteine besetzt war, die in einem geradezu' feonhaf-;ein Keucr schillerten und eines jeden Auge berückten. Auch besann es die Wunderkraft, seinen Trägerüber die Sorten und Muhen des Alltagslebeu für gewisse Zeit hinweg zu setzen; es wird daher nicht Wunder nehmen, da-s der Mann das Medaillon, hoch in Ehren hielt, uml es auch nicht für den höchsten ihm gebotenen Preis bergab. Vielmehr versprach er es d t in von seinen Söhnen zum Geschenk, der ihm in Liebe und Gehorsam am meisten zugetan sei. — Sein Erstgeborener, ein herrlicher .!üngliug, mit allen Gäben des Geistes und Gemütes au-gestattet, war natürlich vor allen Anderen bestrebt,!!es Vaters Gunst und Liebe zu erlangen, und durch seinen unentwegten Gehorsam gelang es ihm schliesslich, von seinem Vater das Medaillon als Geschenk zu erhalten. Der Vater empfahl es in der eindringliebsten Weise seiner besonderen Hut, warnte ihn davor, es jemals zu verschenken oder gar es■ zu veräusscru, ja nicht einmal anders fassen solle er es lassen, oder Steine daraus hcrausnehmen, kurzum, er solle es stets in seiner ursprünglichen Vollkommenheit bewahren und in Ehren halten, da es, sonst seine Wunderkraft einlmssea werde. Die Vt^räusserung, oder auch nur die kleinste Veränderung des Schmuckes könne die seklimmston Folgen für ihn nach sich ziehen^-- Nach einer Reihe von Jahren, — der Sohn hatte das Kleinod ■bewahrt und geehrt, hatte es allwöchentlich einmal angelegt nnd diesen Tug als einen besonderen Festtag begangen —, sandte der Vater den Sohn hinaus in die Fremde, damit er lerne auf eigenen Küssen za stehen, und um ihn zu erproben, oh er auch draassen, ohne die unmittelbare Aufsicht als Vaters, dessen Gebote treulich erfülle. Nochmals band er ihm die stete Obhut des Geschmeide» auf die Seele. In welche Lage er je kommen möge, sei es der grösste Ueberttuss, sei es die ärgste Not, niemals solle er der väterlichen Anordnung bezüglich des Medaillons zuwiderhundelnr Allen Versuchungen, die ihm gewiss nicht erspart bleiben werden, solle er standhaft und mutig widerstehen. Die Zauberkraft des Wündcrgeschmeides werde ihm dann sicherlich zur Seite stehn. —

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