Mannheim
Compact Memory

Der Sabbath · 1907-11-01 · 11 & 12 (Nov-Dez. 1907) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
7 (1907)
Issue
11 & 12 (Nov-Dez. 1907)
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4874912-5428448-5428539--276-4875157
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Sabbath. 73 Vorkämpfer, unsere Rabbiner und Lehrer sei er mit besonderöm Nachdruck gerichtet, fordert doch unsere Zeit mehr als irgend eine frühere deren unerschrockenes Eintreten für unsere heilige Sache. Gewiss freuen sich geräde diese Kreise des willkommenen Mitstreiters, der ihnen im ״Verband der Sabbatfreunde״ an die Seite getreten ist und der Verband wieder dankt ihnen eine nachhaltige Unterstützung und Förderung seiner Arbeit. Nur der umfassende Gesichtspunkt, der in den! Verbandswirken seinen Ausdruck finden soll, er müsste noch viel ergiebiger und tatkräftiger in den Kreisen unserer Rabbiner und Lehrer wirksam werden. Es wurde von der Erziehungsarbeit, von der Lehrtätigkeit gesprochen, die der auch schwächer Vorgebildete bei ernstem Streben zu leisten imstande sei, und die an Orten, wo sich keine autoritative Persönlichkeiten finden, unter allen Umständen ein Erfordernis ist. So leicht es nun auch ist, den Mut zu solcher Betätigung zu predigen, so schwer ist es die gerne Gewillten mit. den nicht zu entbehrenden Hilfsmitteln auszustatten. .,Während für Schulkinder auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes ein Zuviel an Lehr- und Hilfsmitteln die Wahl für den Lehrer erschwert, ist für den Selbstunterricht des Erwachsenen, für die Fortbildung des Vorgeschrittenen nur sehr wenig in den letzten Jahrzehnten geschehen. Die Berliner Mischnajothübersetzung und Erklärung und der ״M’sillath Jeschorim“ in der Uebersetzung von Dr. Wohlgemuth — beides treffliche Werke — sind fast die einzigen empfehlenswerten Bearbeitungen von hierher gehörigen Schriften. Die erste leidet freilich unter dem Mangel des zu langsamen Entstehens und die zweite führt auf ein Gebiet, welches nicht so leicht von Jedermann betreten werden kann. Hier hätten unsere Rabbiner und Lehrer ein Feld, sich als genaue Kenner des Zeitempfindens zu zeigen, wenn sie es in engem Zusammenwirken versuchten, ähnlieh wie das für alle Fachwissenschaften geschehen ist, Präparationsbücher zu unseren ״Lerns f 0 r i m“ zu schaffen. Unter einer 'sichtenden Redakfion müsste mit der Bearbeitung von Kizzur Schulchan Oruch, Chaje Odom und ähnlichen Werken begonnen werden, damit die Kenntnis unserer heiligen Vorschriften und die Wahrung jüdischen Wissens verbreitet und verstärkt werde. Diese Hilfsbücber müssten sich an bestehende Sforim anschliessen, nicht etwa sollen neue Lehrbücher entstehen. Nein! Wir wollen die Schätze der Vergangenheit erschliessen, wollen die Mühe des Lernenden und Lehrenden lohnend aber nicht überflüssig werden lassen. Wie aus dem Sitzungsberichte des Verbandes traditionell gesetzestreuer Rabbiner hervorgeht, plant man innerhalb dieses Verbandes eine Aktion zur Verbreitung der Kenntnis jüdischer Pflichten. Sollte diese Verbreitung nicht eine viel wirksamere sein können, wenn alle Vereinigungen mit ähnlichen Tendenzen — und in allen obsiegt das Gefühl unserer Schwäche und der Besserungsbedürftigkeit auf diesem Wege — ein gleiches Programm aufstellen und zur Durchf&hrung brächten? Der Nutzen wäre ein vielfacher! Die Arbeit würde beschleunigt, die Mitarbeiter würden sich leichter finden, der Bezugspreis würde sich verbilligen und vor allem, man könnte bei diesem Zusammengehen ein Werk schaffen, wie es von den einzelnen Korporationen oder gar von Privaten niemals in gleicher Vorzüglichkeit geschaffen werden kann. Derartige praktische Arbeit würde unseren Führern zur höchsten Ehre gereichen. Jedes einzelue richtig er- | fasste und ausgeübte Pflichtgebot, jede neu geschöpfte Erkenntnis würde die Urheber rühmen und ihnen das Wort unserer Alten כוצ־ו־י דצרה *rtr buchstäblich bewahr- | heiten. Es soll hier in keiner Weise den verdienstlichen Arbeiten zahlreicher ehrwürdiger Führer auf wissen- | schaftlichem, literarischem und halachiscllem Gebiete die ן zwingende Notwendigkeit und Wichtigkeit gerade in den; Kämpfen unserer Tage abgesprochen werden. Im Gegenteil, die Rührigkeit, die sich auf diesem Boden entfaltet hat, verheisst erst recht den Anregungen, wie sie in diesen Zeilen gegeben werden, den rechten Erfolg, denn sie berechtigt zu der Hoffnung, dass diese Arbeitsfreudigkeit, , die die Mühseligkeiten wissenschaftlicher Kleinarbeit nicht ' scheut, auch auf die eingehende Durchdringung und Be-! arbeitung unserer Welt der Pflichtgebote übertragen werde. , Möge der kommende Delegier teil ta er unseres Verbandes i schon endgiltige Zusicherungen in dieser Hinsicht ent-; gegennehmen dürfen! Sonntagsruhe in Jtalien. ~ Wie jüngst (vgl. Nr. 9) berichtet, hat Herr Uberrabbiner Dr. Margu lies-Florenz .angesichts der durch die Sonntagsruhebewegung den sabbathtreuen Gewerbetreibenden in Italien drohenden Gefahr dje sämtlichen jüdischen Gemeinden zur Einreichung einer von ihm verfassten Denkschrift an den Minister für Landwirtschaft, i Handel und Industrie veranlasst,, in welcher der Standpunkt der jüdischen Gemeinden und ihre Wünsche in diesem Punkte niedersrclegt sind. Durch die Güte des Herrn Dr. Margulies sind wir in die Lage versetzt, diese Petition im Folgenden wiederzugeben. Sie lautet in deutscher Uebertragung: ״An Sr. Exellenz Minister für Landwirtschaft, Industrie und Handel Jt o m; IJas israelitische Volk war das einzige, .welches seit den ältesten Zeiten der absoluten Ruhe einen Wochentag gewidmet hat und seine Gesetze fordern, dass diese Wohltat nicht allein den Besitzenden, sondern auch den Dienenden und Vichtisraelitischen Sklaven, ja sogar den Arbeitstieren zu gute komme. Die Israeliten können daher mit Befriedigung auf ein Gesetz blicken, das die wöchentliche Rnhe . — wem es auch sei — auferlegt; während es einem hohen, sozialen ( und hygienischen Zweck entspricht, bildet es zugleich eines der wichtigsten Prinzipien, die das Judentum von den Anfängen seiner Existenz an verkündet. Dagegen schadet ein Gesetz,• das die Forderung aufstellt, die wöchentliche Ruhe müsse normaler Weise auf den Sonntag fallen, deD Interessen besagter Jaden ernstlich, die, treu ihren religiösen Gesetzen, fortfahren wollen, die Sabbathruhe zu beobachten, da durch den fortgesetzten Ausschluss der Arbeit an zwei Wochentagen, einer vom Staat, der andere von der Religion auferlegt, jegliches Unternehmen notwendiger Weise nicht allein dem Xi ■dergang, sondern unvermeidlich dem Ruin preisgegebeu würde. Wenn die Verpflichtung zur sonntäglichen Rahe also für die Juden nicht ein direkter Zwang ist, Sonnabend zu arbeiten, so ist er es doch indirekt, und es geht daraus hervor, das» dieser Zwang, obschon indirekt, die Ge-. Wissensfreiheit verletzt, die doch eines der grossen unverbrüchlich festgesetzten Prinzipien des Grundgesetzes der italienischen Regierung ist. Diese und andere Gründe wurden in einer Petition der Oberrabbiner von verschiedenen israelitischen, italienischen Gemeinden auseinander gesetzt, kls im Jahie 1903 ein erster Gesetzesentwurf für die Fcsttagsruhe ־dem Parlamente vorgelegt wurde. Und wenn diese Petition im vergangenen Juni nicht vorgelegt •wurde, als der- Gesetzesentwurf von neuem ira Parlament zur Sprache kam, so geschah dies, sei es am die Billigung einer von der öffentlichen Meinung so sehr erwünschten Vorkehrung in keiner Weise zu verwirren noch zu verzögern, sei es, weil man darauf vertraute und noch vertraut, dass man bei der Zusammenstellung eines Heglements die gerechten Wünsche der Israeliten — dafür hält sie auch das englische und belgische Gesetz — berücksichtigen wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.