Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 11 & 12 (Nov-Dez. 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 72 nicht «benehmen, dass auch sie jeneu Fremdlingen ihr Haus nicht gasHieli öfi:1en, sondern, von vereinzelten rühmlichen Aüsnahipen abgesehen, in starrer Exclusivität ihnen gegenüber ydrharren, bis sie erst anderwärts jenen »gesell- 8chaftlioben Schliff1־ sich angeeienet haben, der als Vorbedingunt* der Aufnahmefähigkeit in den besseren Häusern gi,lt: dabaj vergisst man, dass dieser gesellschaftliche Vorzug rijA; allzuoft auf Kosten nicht nur der Religiosität und Rbanmigkeit erworben wird, sondern allzuoft auch auf Kosten der sittlichen, geistigen uud leiblichen Gesundheit der unerfahrenen, jungen Menschen, die gerade in dem Momente, wo sie am dringensten des Rats und des Zuspruchs bedürften, sich von allen guten Geistern verlassen sehen und geru und nur allzubegierig sich d e n Kindüssen gefangen geben, welche ihre verderblichen, Zerstörenden Ziele unter der Maske uneigennütziger Freund- •sdiaft und liebevoller Zuneigung geschickt zu verbergen wissen. Wenn dann, nach Jahr und Tag der Grosstädter gewordene, ehedem über die Achsel angesehene Provinziale durch sein patentes Auftreten den Freibrief für den Eintritt in die .besseren'‘ Kreise gewonnen hat, dann ist er nur allzuoft bis in den innersten Ker 1 verdorben und vergiftet: aber keine sorgliche Mutter, kein bedachtsamer Vater trägt nunmehr Bedenken den guten Tänzer und eleaftnten Causeur in die Nähe ihrer Töchter und Söhne zu bringen, die man nicht ängstlich genug vor dem .Landsjungen“ mit den ungeschickten Manieren, der Fische mit dem Messer (!) tranchierte, hüten zu sollen meinte. Die Wochenabschnitte der letzten Wochen, die uns in die Häuser der Patriarchen — sozusagen!loch auch ״bessere“ Häuser — einführten, sie lehren eine ganz andere Auffassung, als wir sie hier kennen lernen mussten. .Immer und immer wieder heben sie die Gastfreundlichkeit, die unbegrenzte, eigenes Interesse nicht achtende הכנסת א־־ה־ם als diejenige Eigenschaft hervor, welche Allen, die zum .Samen Abrahams* gehören, gemeinsam ist. Das moäerne IHtelwesen einerseits, die Schwierigkeit, namentlich in Grossstädten mit ihren teuren Mietspreisen für Woh-!hingen, Fremde in das Heim aufzunehmen, haben auf der anderen־ Seite dazu geführt, dass diese Erbtugend Israels, diese so sehr gerühmte, mit so hoher Lohnverheisung bedachte צ;־: heute, nicht mehr in der ehemals allgemeingiltigen Weise erfüllt werden mag. Aber es ist doch sonst nicht so und nicht Art unserer י־א־ם•, dass sie leichtherzig damit zufrieden sind, wenn sie ein Gottesgebot zu erfüllen nicht mehr verpflichtet, nicht mehr in der Lage sind: suchen wir nicht vielmehr sonst immer uns zu retten, was'zu erhalten ist? Ist es nicht unser I inniges Sehnen, wenn die Zeitverhältnisse uns den ק״ס j die Betätigung einer Pflicht zu rauben drohen, uns! einen Ersatz zu schaffen und, wenn die eine Form zerj brach, eine neue, haltbarere zu giessen? Und hier bietet sich da£ ungewohnte Beispiel, dass man zwar die alte Methode der :הכנסת א״־׳ mehr oder weniger gezwungen preisgegeben hat, ohne bedacht zu sein, den alten Wein in neue Schläuche zu füllen und die Gastlichkeit, die man dem durchreisenden, kurzen Aufenthalt pflegenden Fremden nicht zu bieten vermag, denjenigen zu bieten, die zwar ־.ושכיב', zu längerem Verweilen gekommen sind, und dennoch נ־ים bleiben, weil keine Tür sich vor ihnen auftat, kein Eingeborener sie willkommen heisst, keine Freundlichkeit sie empfängt! Indessen, auch hier gilt, was oben gesagt, dass es scjijecht getan wäre, mit der Klage über einen offensichtlitjatn Uebelstand sich lange aufzuhalten und darüber der Abhilfe zu vergessen. Da ist es erfreulich, dass die Selbsthilfj!, auch hierbei sich als segensreiche Kraft erwiesen hjggjprelcbe das von anderer Seite nicht Gewährte so gut als möglich aus Eigenem zu ersetzen sich bemüht. Schon shid hier und da Jagendvereine (Montefiorevereine ü. a.) emporgeblüht, welche die Fortbildung ihrer Mitglieder durch Schiurim und Vorträge erstreben, und da-! neben durch Veranstaltung von geselligen Zusammenkänften, Ausflüge u. s. w. ihren Mitgliedern Gelegenheit zum Anschlüsse an einander und an Freunde und Gönner solcher Bestrebungen zu geben suchen. Und es darf dem ,Verband der Sabbathfreunde“ zum Verdienste angerechnet werden, dass er nicht nur, wo seine Unterstützung für diese Zwecke in Anspruch genommen wurden, sie nicht verweigert hat, sondern darüber hinaus anregend die Initiative ergriffen hat, seine Ortsgruppen zu veranlassen, die Pflege der Geselligkeit nicht als letzten Punkt ihres Programmes zu betrachten, sondern gerade ihr und ihr besonders im Interes-e des Zusammenschlusses der ortsfremden jungen Leute ihre Hauptaufraerksankeit zuzuwenden Aus dieser Tendenz heraus hat.der ,Verband“ dem ,Montefiore-Verein“ zu Berlin eine ansehnliehe Jahressubvention gewährt, die ihn in den Stand setzt, ein neues Lokal zu mieten, welches, gemütlich und wohnlich hergerichtet, an allen Wochentagsabenden, besonders aber auch während des ganzen Sabbathtages den Mitgliedern und Gästen offen steht und ihnen Lese- und Schreibgelegenheit u. dgl. bietet. Das Gleiche gilt von Fulda, wo der dortigen Ortsgruppe zur Einrichtung und Erhaltung eines Jünglingheims ebenfalls eine Beihilfe seitens des Verbandes gewährt wird. An anderen Orten wieder sind den Ortsgruppen geeignete Bücher zur Verfiigung gestellt worden, damit sie ihre jüngeren Mitglieder für ihre freien Stunden mit guter Lektüre versorgen können. Kurz der ,Verband“ hat sich bemüht, allen berechtigten Wünschen auf diesem Gebiete, soweit es in seinen Kräften steh!, zu genügen und das Bewusstsein der Fürsorgepflicht für die fremden, jungen Leute in ihien dienst- und arbeitsfreien Stunden in weitere Kreise zu tragen. Nicht um den Ruhm und die Verdienste des ״Verbandes* zu künden, soll dies hier ausgesprochen sein. Sondern um der altjüdischen הכנסת אורחים, die in Vergessenheit zu geraten droht, zu neuem Gedenken zu verhelfen, um die Familienväter und Mütter, die, umgeben von ihren Söhnen und Töchtern, in der wohligen Glückseligkeit eines Freitagsabends, eines echtjüdischen Sabbathtages die Aussenwelt vergessen, daran zu mahnen, dass da draussen Menschenkinder in grosser Zahl vorhanden sind, denen dieser Abend, dieser Tag nicht zur Freude und Lust, sondern zu trübseliger Verlassenheit verhilft. Gewiss vermag die Selbsthilfe der Jünglingsvereine hier manches Gute zu schaffen, und die schwersten Missstände abzustellen — die echtjüdische הכנסת אורחים aber vermag dieses Surrogat nicht zu ersetzen, die bleibt nach wie vor dem jüdischen Hause Vorbehalten! Das mögen die ,jüdischen Häuser“ bcherzigen! T Unsere Zukunftsaufgaben! Von Max Neuberger, Berlin. In den an dieser Stelle bisher gegebenen Anregungen, wurde das Schwergewicht auf die tätige intensive Mitarbeit aller im Dienste unserer heiligen Sabbatidee stehenden Glaubensbrüder gelegt. Der Appell zur Aufmunterung und Fürsorge für die Erhaltung unseres heiligsten Gutes würde aber nur ein schwacher sein, wenn er sich auf di• sogenannten ,Laien* beschränkte. An unsere Führer und