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Der Sabbath · 1907-11-01 · 11 & 12 (Nov-Dez. 1907) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
7 (1907)
Issue
11 & 12 (Nov-Dez. 1907)
Date
1907-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Der Sabbath. Aber so scharf in der äusseren Erscheinung der Sab• bath eine Grenze zieht zwischen Arbeit und Bube, so eng sind andererseits die Beziehungen, in die er uns zur Arbeit der Woche und des Lebens setzt, so eindringlich auch predigt er die Pflicht zur Arbeit an den Tagen der Arbeit, so deutlich zeigt er den Schritt, den, wenn der Ausdruck gestattet ist, der Mensch seiner Vorsehung entgegengehen soll. Denn das Gebot der Tätigkeit an den Tagen des Schaffens steht neben dem Verbot des Werkes am Sabbath, in den zehn Geboten. Erst die Buhe am Sabbath und die darin ausgesprochene Anerkennung des Schöpfers, gibt uns das Becht, die Schöpfung nach Maassgabe unserer Kräfte zu meistern. Aus diesem Gedanken ergeben sich die Grundlinien des Werkverbots am Sabbath, soweit wir sie zu erkennen vermögen. Ein scheinbar rein formales Princip ist die Klassificierung der verbotenen Tätigkeiten in 39 Klassen und die Anlehnung dieser Einteilung an die Errichtung des ersten Heiligtums in der Wüste. Der Satz lautet nämlich: Diejenigen Tätigkeiten, welche bei Erbauung der Stiftshütte vorkamen, bilden die 39 Hauptklassen, unter welche dann in logischer Anreihung alle Arten menschlicher Arbeit je nach ihrem weiteren oder engeren Verwandtschaftsgrade subsumiert werden. Hauptklassen — אבות, Unterklassen — ׳ .תולדות Tatsächlich jedoch besagt uns diese Einteilung viel mehr. Zunächst ist es ein eclatanter Beweis für die Existenz des einen Grundpfeilers unseres Glaubens, der mündlichen Lehre, gleichzeitig auch ein klarer Einblick in die prägnante Art und Weise, mit der die Thora selbst uns den Weg zur mündlichen Lehre zeigt. Denn das allgemein gehaltene Verbot der מלאבה würde in dieser umfassenden Form entweder zu viel oder zu wenig besagen, würde auch dem subjectiven Ermessen einen allzu grossen, die Einheitlichkeit der Sabbathfeier zerstörenden Spielraum überlassen. Nun sind aber in der Thora selbst drei praktische Fälle des מלאכה Verbotes erörtert, der eine bei dem Holzaufleser (IV. B. M. Cap. XV, 32—36), der andere bei dem Verbot des Entzüudens von Feuer, der dritte dadurch, dass bei Gelegenheit des Befehles für vorbereitende und zusammenstellende Tätigkeit zur Errichtung der Stiftshütte ausdrücklich gesagt wird, am Sabbath müsse all’ diese Tätigkeit unterbleiben. Damit ist also, in der Thora selbst, der Begriff ,סלאנר specialisiert, und die scheinbar so ausführliche Abhandlung der mündlichen Lehre über das Tätigkeitsverbot am Sabbath ist nichts anderes, als eine Umschreibung des in der heiligen Schrift selbst Gegebenen. Nun aber ist dieser scheinbar äusserliche Zusammenhang des Tätigkeitsverbotes am Sabbath mit der Erricht- . ung des ersten Heiligtums viel mehr, es ist dem gläubigen Menschen allsabbathljch der Bau eines Tempels. Die Anknüpfung zaubert die Erinnerung an die freudige Opfer- Willigkeit unserer Ahnen hervor, zeigt uns, wie das vergängliche irdische Gut unter dem Lichte freudiger Hingabe an den göttlichen Willen verklärt und zur Stufe unmittelbarer Werkzeuge der Annäbrung der Menschen an ihren Schöpfer erhoben werden kann, tröstet uns auch, so wir ob des zerstörten Tempels weinen, indem jeder richtig beobachtete Sabbath uns dasselbe gibt, was im Tempel Gott den Seinen zu geben verbeissen hatte, das beglückende Bewusstsein, fest 'in der Erde wurzeln zu dürlen und trotzdem mit einer Ahnung des Himmels begabt zu sein, sich umwehen lassen zu dürfen von den Schauern beseligender Unsterblichkeit. Daher spricht auch Jesaja in demselben Atemzuge, mit dem er die Sehnsucht nach der Nähe Gottes so beredt verkündet, im Zusammenhang mit dem Stthnetag ewiger Jugend von der Erfüllung dieser Sehnsucht durch die Wahrung des Sabbath (Jesaja Cap. 66). Dieses Citat aus Jesaja gibt wiederum Gelegenheit unter Erschliessung eines zweiten Princips des Arbeit צ verbotes einen Berührungspunkt zwischen der negativen und positiven Seite der Sabbathfeier zu finden. Unsere alt-, jüdische Weisheit lehrt uns nämlich, dass Jesaja mit seiner Mahnung auf all’ jene Verbote hindeutet, die man gemeiniglich als עיכדא דחול bezeichnet. Hier scheidet sich scharf der so oft missverständlich als .Arbeit“ i. e. Kraftaufwand angesprochene Arbeits-Begriff von dem, was wirklich am Sabbath verboten ist. Der ganze Character des Tages soll sich vom Werktag abheben; gar nichts, was an diesen erinnert, soll durch deine Gedanken ziehen, dein Wort prägen, geschweige denn zur Tat sich gestallen an deinem Sabbath. In der Detailausführung wird Gelegenheit geboten sein, an einzelnen Punkten auf dieses Moment hinzuweisen. Eine Fülle solcher Fragen, weiche die hochentwickelte moderne Technik in Beziehung auf das Sabbathgebot aufgeworfen hat, findet auf der Grundläge dieses Princips ihre erschöpfende Antwort. Hier Bur soviel, dass diese Gedankenreise uns wieder zur SchÖpfung der Welt zurückführt, indem der Sabbath -den Adel der Menschheit bekundet, welche sich nicht auf Entwicklung ihrer physischen Kräfte beschränken darf, sondern im Gegenteil durch freiwilligen Verzicht auf die Betätigung derselben ihrem Seelenleben liebevolle Pflege angedeihen lassen soll. Es י ist deshalb auch gar keine Frage — und jeder Bibelkundige wird es wissen — dass der Sabbat ursprünglich der ganzen Menschheit gegeben war, und erst nach der Entsittlichung derselben durch den Götzendienst in Vergessenheit geraten war. Daher die verzerrten kaum erkennbaren Spuren einer verzerrten Sabbatfeier bei allen Völkern. Israel gegenüber wurde das Sabbatgesetz erneueit, und zwar schon vor "der- Offenbarung am Sinai, unmittelbar nach der Befreiung aus Aegypten, als es bei den bitteren Quellen von Mara einen Bückfall in Gottentfremdung gezeigt hatte. Da wurde ihm Familientreue und Sabbatfeier als bester Schutz gegen solche Abwege übergeben, und so um das Haupt jedes einzelnen das Diadem des Weltenpriesters gewunden. Es ist nun aber keine Frage, dass ein solches Diadem eines ganz besonderen Schutzes, einer ganz selten liebevollen Hut bedarf. Von allem, was nur irgendwie einen trübenden Hauch auf diesen Schmuck werfen könnte, soll man sich fernhalten, alles meiden, was den Charakter des Sabbath trüben könnte. Daher finden sich gerade im Complex der Sabbathgebote eine Fülle solcher Vorschriften, die sich als liebevolle Sorge für die Bewahrung des sittlichen Sabbathgutes als sogenannte סיגים darstellen. Selbst — um ein Beispiel anzuführen — das gar nicht benutzte. Portemonnaie in der Tasche raubt etwas dem Sabbathglanz, stellt sich trennend zwischen uns und die Priesterwürde des Sabbath. Eine sociale Aufgabe• £. B.y Berlin, im November. In unserem vormonatlichen Leitartikel wiesen wir! darauf hin, dass bedauerlicherweise die Erkenntnis der ן grossen, sittlichen Gefahren, welche den aus dem Elternhause in die Grossstädte verschlagenen jungen Leuten, gleichviel welchen Standes und Berufes dort droben, noch immer nicht tief genug eingedrungen ist. um weitere Kreise auf Abhilfe denken zu lassen. Und wir konnten auch unsere Glaubensbrüder, selbst die ידאים von dem Vorwurfe

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