Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 11 & 12 (Nov-Dez. 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 70 Bücher! ' Immer, zahlreicher gelangt von unseren Ortsgruppen an uns die Bitte, durch Zuwendung geeigneter Bücher sie in, den Stand zu setzen, dem durch die Wirksamkeit upseren *propagandistischen Tätigkeit erwachten Streben ngch Fortbildung pnd Eindringen in den Geist des wahren, »eesetzestreken Judentums zu genügen. So freudig \wr diesen Erfolg begrüssen und so sehr wir bestrebt siad, diese Wünsche zu befriedigen, so reichen die urw^ür diesen Zweck zur Verfügung stehenden Mittel ö^Fweitem nicht dafür, aus. Wir richten daher an* unsere Mitglieder und die Freunde unserer Sache die er^febene Bitte, durch Zuwendung von Büchern aller Art uni 'Zeitschriften uns in den Stand zu setzen, dem sicherlich fördernswer'ten Ziel, Kenntnis und Erkenntnis Unserer/ Religion zu verbreiten, näher zu kommen. Berlin im December 1907. Der geschäftsführende Ausschuss, Dr. E. B I B E R F E L D Vorsitzender. *;־ Die Sabbathgesetze י Wenn irgend eine Zeit, so predigt die unsere eindringlich die Wahrheit des alten Satzes שבה שקילה בגגד כל הבצ!׳ה שבחזרה (Jer. Berachoth 10). Nicht etwa als ob damit ein Abwägen der einzelnen göttlichen Gebote gegoneinander ausgesprochen sein sollte, sondern es wird auch in der Schöpfung das Bekenntnis der Ohnmacht des Menschen im einzelnen, im Auszug aus Aegypten die Hilflosigkeit der Gesamtmenschheit ohne die Führung des Allmächtigen. So führt uns die Vermählung dieser beiden Erinnerungen mit zwingender Notwendigkeit auf den Grundgedanken unseres Glaubensschatzes, der allein unser i Dasein erträglich gestaltet, auf die השגחה פרטית, auf die j Vorsehung, die dem einzelnen und der Gesamtheit in! gleicher Liebe gilt. Und in der Tat, die Beobachtung des Sabbatgebotes, vor allen Dingen die des Erwerbs Verbotes an diesem Tage, ist einzig und allein eine Frage des Gottvertrauens. Glaubst du, dass ein höherer Wille für deine Existenz bedacht ist, dass ohne diesen höheren Willen all’ deine Mähe und Sorge erfolglos bleiben muss, dann darfst du die Quelle deiner Nahrung auch nur auf den Wegen suchen, die dein Gott dir weist. Die Hoffnung, auf diesem Pfade deinen irdischen Bedürfnissen Befriedigung zu finden, enthebt dich drückender Sorge und leiht deiner Arbeitskraft Schwingen und Gelingen. Es wiederholt sich hier im Wochensabbat derselbe Gedanke, den die heil. Schrift bei dem Jahressabbat (3. B. M., Kap. XXV 20/22) ausdrücklich darlegt. Wenn man an der zitierten Stelle statt ,Jahr“ — ״Tag“ setzt, dann haben wir ganz genau den Einwand, den die Sabbatentweiher von jeher als Entschuldigung für ihren Frevel bringen, haben aber auch die Antwort, die der Allmächtige solchen kleinmütigen und kleingläubigen Seelen gibt, haben auch die Verheissung, die sich noch allezeit bewährt bat. Freilich ist der Sabbat so auch eine sehr eindringliehe Mahnung zur Genügsamkeit und zu der Erkenntnis, dass sich unser Dasein in Erwerb und Genuss (Produktion und Konsum irdischer Güter) nicht erschöpfen soll. Dies ist der farbensatte Hintergrund, von dem sich die positive Seite des Sabbatgebotes abhebt. Altjüdische Ueberlieferung kennzeichnet diese in dem so tiefsinnigen erschöpfenden Begriff: נשמה יתרה, dem deutlichen Hervortreten des im Kampfe des Alltagslebens sonst so unbillig unterdrückten geheimnisvollen Webens in Seele und Gemüt, dem Siege wahrhaft poetischen und deshalb unvergänglieh erhebenden Höffens über die Prosa der Vergänglichkeit. Deshalb hat sich auch der Sabbat stets als ein Hort einer anderen Erscheinung bewährt, die gleichfalls im Wechsel der Generationen ein irdisches Abbild der Unsterblichkeit bildet, des Familienlebens. Wahrhaft jüdische Ehegatten feiern am Sabbat allwöchentlich aufs Neue, das Fest bräutlicher Wonne und lernen die K&nst, des Alters zu spotten, wahrhaft jüdische Eltern lauschen an jedem Sabbat hoffnungsfroh der Offenbarung, die ihnen aus Kindermund und KiiTdesauge entgegentritt. Das ist der Sabbatengel, die ins Bewusstsein des Sterblichen dringende Nähe Gottes, die das feiernde Haus weihet und segnet. Und darum allein schon ist es ein Verbrechen, wenn man dem Sabbat lediglich sozialen Charakter zuspriebt und in konsequenter Ausbeutung dieses Irrtums ihn durch jeden anderen beliebigen Ruhetag ersetzen zu können glaubt. Wohl mag der Körper auch sonst Erholung und Ersatz seiner Kräfte finden, aber einen Sabbat der Seele, einen Abglanz ewiger Seligkeit vermag nur unser Sabbat zu geben, so man ihn als den von Gott erwählten Tag feiert. So etwa wie ihn einer unserer Dichter bezeichnet: יום זה משובח מכל ימים (dieser Tag ist gepriesen vor allen Tagen) und damit wohl ungesucht eine Parallele aufstellt zum heiligen Lande. (Vgl. 5. B. M., Kap. XI, V. 12), also geleitet uns der Sabbat auch zu der Stätte unserer heiligsten Hoffnungen, an den Strand des Jordans und zu den Höhen Zions.