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Der Sabbath · 1907-10-01 · 10 (10.1907) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
7 (1907)
Issue
10 (10.1907)
Date
1907-10-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Sabbath. 65 gegen die Gewährung jeglicher Ausnahme au wenden. Das Arbeiten am 30nntag dürfe nicht gestattet werden, weil jene Kaufleute durch die MOgliehkeit dor früheren Erledigung der [Eingänge einen Vorsprang von vierundzwanzig Stunden gegen ihre christliche Konkurrenten hätteu! Nach Schluss der drei -Referate nahm Herr Rabbiner Dr. Horovitz das Wort, um etwa Folgendes auszufübren: Nicht eine Partei im Judentum habe die betreffenden Eingaben an die Regierungen und die Handelskammern gerichtet, sondern die Vertreter aller Richtungen im Judentum. So hätten in Bayern sämtliche Rabi biner ohne Unterschied des religiösen Standpunkts jene Eingabe an! die Regierung überreicht, die, gewiss nach reiflicher Ueberlegung, den : Stadtverwaltungen eine wohlwollende Berücksichtigung dieser Wünsche , empfahl. Im übrigen Deutschland habe der ,Verband der Deutschen : Juden", der ebenfalls alle Parteiricbtungcn in seiner Mitte habe, sich ן in dieser Angelegenheit an die Regierung gewendet.׳ Die angebliche! Gefahr, die den nichtjüdischen Geschäften von der Erfüllung ihrer : Wünsche drohe, kennzeichnete Redner durch die Bemerkung, er sei | zwar kein Kaufmann, doch erscheine ihm das Rechenexempel unver. j stündlich, dass, wer -24 Stunden sein Geschäft am Samstag geschlossen 1 halte und dann am Sonntag für nur zwei Stunden — denn darum handle es sich — durch jüdische junge Leute das Dringendste erledigen lasse, eine gefährliche Konkurrenz werden könne. Herr Dr. Horovitz fuhr sodann tort:; ,Wir Juden, die wir durch Jahrtausende die absolute Sab-! bathruhe gehalten haben, wissen den Wert eines absoluten Ruhe- 1 tages zu schätzen und zu würdigen. Wir wissen, was wir dieser absoluten Sabbathruhe in unserer wechselvollen Vergangenheit zu ' verdanken haben. Wir verdanken ihr unsere boste Kraft. Was : bedeutet der materielle Verlust, den wir gleich unseren Vorfahren 1 durch eine absolute vierundzwanzigstündige Sabbathruhe erleiden, : was bedeutet all’ dieser Verlust gegen den Gewinn, den uns die | Sabbath-Heiligung für unser Innenleben, für unseren Familiensinn 1 und für alle [höheren Auffassungen des Lebens gebracht hat ״ Darum können wir es nur freudig begrüsseu. dass dieser Gedanke des absoluten Ruhetags in seiner ganzen Bedeutung für das ganze . sittliche Volksleben erkannt wird Aber dass man gerade den- ׳ jenigen, die diesen Sabbathgedanken seit! der biblischen Zeit so : treu gehütet und ihn für unsere Zeit erhalten haben,[ in solcher; Weise entgegentritt, wird doch Keiner für richtig halten. Wir haben unseren Sabbath gehalten mitten in einer arbeitenden Bej völkerung. 'Dass der Charakter des christlichen Ruhetags und; speziell der religiöse Charakter darunter leiden könnte, wenn 1 Juden in geschlossenen Räumen einige Stunden :arbeiten, wird keiner behaupten können. Suchen wir uns gegenseitig zu unterstützen, dann werden wir mehr erreichen! Es ist, wie;ich an einigen Beispielen zu meiner Freude erfahren habe, erreicht worden, dass in Post- und Telegraphenämtern jüdische Angestellte bei ihren Vorgesetzten eingekommen ,sind, dass sie ihren Ruhet 1g am Samstag haben möchten, dafür aber am Sonntag im Dienst bleiben wollten, damit ihre christlicheh Kollegen den Sonntag frei bekommen, sodass für jeden am Sonntag arbeitenden Juden ein Christ frei hat. Suchen wir uns auf allen Gebieten gegenseitig zu unterstützen! Sehen Sie, meine Damen und Herren, ich habe Ihre Arbeiten an den vergangenen jüdischen Feiertagen in meiner Predigt begrüsst und habe die jüdischen Männer und die jüdischen Frauen dringend gebeten, das Bibelwort zu erfüllen: ,Freue Dich an Deinem Feste, Du und Dein Sohn und Deine Tochter, Dein Knecht und Deine Magd." Auch die letzte Magd, die uns dient, hat dasselbe Recht, wie unser nächstes Kind, das Recht auf ein Fest, auf eine Erholung, auf eine innere Erhebung. Und wenn diese Magd andereirGlaubens ist, so musst Du ihr die Freude an ihrem Feste ermöglichen, denn sie hat dasselbe Recht wie Du auf einen freien Ruhetag. Wenn wir nicht herheiführen können die Erfüllung der prophetischen Weissagung, dass dereinst der Name Gottes einzig und sein Name einzig sein wird, dass wir alle eines Glaubens sein werden, so wollen wir doch einander helfen, jenes Ideal herbeizuführen, das auch ein Prophet uns verkündet hat: ,Denn alle Völker werden wandeln, jedes nach seinem Gotte, und wir wollen wandeln im Namen des Ewigen, unseres Gottes I" Den gehalt- und eindrucksvollen Ausführungen des Herrn Dr. Horovitz, welche durch die stark begrenzte Redezeit (Höchstdauer sieben Minuten!) leider nicht ausführlicher sein konnten, folgte lebhafter Beifall, und verschiedene hervorragende christliche Geistliche sprachen dem Herrn Rabbiner noch besonders ihre volle Uebereinstimmung mit seinen Darlegungen aus. Alsdann ergriff Namens der von ihm vertretenen Körperschaften Herr Moritz A. L 0 e b das Wort: Der ,Verband der Sabbathfreqnde" strebe Aehnliches an, wie der Internationale Verband für die Allgemeinheit, allerdings für Juden. Der Verband umfasse nach zweijähriger Tätigkeit heute schon mehr als SO Ortsgruppen mit über 4000 Mitgliedern. Er verfolge das einzige Ziel, die Beobachtung des jüdischen Ruhetages dort, wo sie verloren gegangen sei, wieder einzuführen und, wo sie noch bestehe, zu ihrer Festigung beizutragen. Bei dieser Arbeit müsse die gesetzestreue Judenheit und insbesondere der ,Verband der Sabbath-Freunde“ einer Körperschaft, die den Christliehen Mitbürgern ihren vollen Ruhetag sichern wolle, die grösste Sympathie entgegenbringen. Um so bedauerlicher sei es, wenn aus diesem Kreise Angriffe erfolgten, wie es soeben seitens ׳ des Herrn Hiller geschehen sei. Herr Hiller sei dazu umsoweniger berechtigt, als er die Materie nicht einmal genügend beherrsche. So gibt er den Juden den Rat, ihre Geschäfte am Samstag-Abend za erledigen. Er weiss also nicht einmal, dass der jüdische Ruhetag erst nach dem Eintritt der Nacht beendigt ist, wodurch ein Beginn der Arbeiten am ,Samstag-Abend* im Hochsommer z. B. erst nach 10 Uhr Abends möglich wäre! Wenn Herr Hiller behauptet, eine den jüdischen Kaudeuten gewährte Erlaubnis, am Sonntag 2—3 Stunden ־zu arbeiten, notabene bei verschlossenen Türen, führe zu einer Schädigung ihrer christlichen Konkurrenz, so bedürfe es da keiner ernstlichen Widerlegung. Dass ein Kaufmann, der eben nach 25stündigem Schlüsse sein Bureau zu kurzer Tätigkeit öffnet, nicht imstande־ ist, seinen Konkurrenten, der inzwischen tätig war, auch nur einzuholen, ge-j schweige denn gar zu überholen, liege für jeden Fachmann doch j auf der Hand. Es sei denn auch in den Städten, in denen Aus- I nahmen für die gesetzestreuen jüdischen Kauüeute bereits zugelassen sind, wie München und Posen, Niemandem eingefallen, hierin eine Schädigung za erblicken, und die dortigen Kanfleute -müssten doch ihre eigenen Interressen ־mindestens ebenso gut kennen, wie Herr Hiller aus Leipzig. Vom Vorsitzenden an den Ablauf der j Redezeit gemahnt, schloss Herr Loeb mit einem Appel an die Versammlung, nicht Bestrebungen die Unterstützung zu versagen, die so ganz im Geiste ihrer eigenen Aufgabe liegen. Auch diesen Ausführungen folgte lebhafter Beifall. 'In seinem ' Schlusswort versuchte Herr Hiller sich gegen die Angriffe der j Herren Rabbiner Dr. Horovitz und Loeb zu verteidigen, doch blieb i seine lendenlahme Erwiderung sichtlich ohne Eindruck. Ein Beschluss wurde nicht gefasst, da kein positiver Antrag vorlag. Auf dem Kongresse waren nicht nur Vertreter der Staatsregierung, wie z. B. des Prcussischen Handels-Ministeriums, sondern auch Vertreter der ober- , sten kirchlichen Behörden, wie des Preussischen Oberkonsistoriums, des Bischofs von Würzbarg etc anwesend. So haben die Verhand- 1 langen, wenn sie auch die .Gesetzgebung nicht unmittelbar beeinflussen,' doch immerhin eine gewisse Bedeutung. Um so wichtiger ist es, dass wir durch den Mund berufener Vertreter die Forderungen, die wir gesetzestreuen Juden in Sachen der Sonntagsruhe mit ruhigem Gewissen erheben können, in ausreichendem Masse zu Gehör bringen konnten. Ueber kurz oder lang muss ohnedies eine Regelung der Sonntagsruhe eintreten; es steht zu hoffen, dass bis dahin diese Anregungen entsprechende Früchte zeitigen. Von Interesse dürfte noch sein, dass verschiedene Redner auf die jüdische Sabbathfeier hinwiesen, und dass einer derselben direkt die Behauptung [aufstellte, dass es keine eigentliche Sonntagsfeier geben wird, so lange die Christen nicht einen dem jüdischen Freitag-Abend ähnlichen Abend für die Familie besitzen. Interessire■ dürfte es ferner, dass am darauffolgenden Sonntag ein Geistlicher in seiner Predigt auf 'den Kongress hinwies und dabei besonders der Ausführungen des Herrn Rabbiners Dr. Horovitz gedachte. Er schilderte seinen Zuhörern, welchen Ein-

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