Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 10 (10.1907)
- Date
- 1907-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der Sabbath. 63 die betreffende Nummer wenigstens leihweise znkommen lassen. Zwei Monate nach Publication dieses Entwurfes wird die Discussion für abgeschlossen erklärt und ein Flugblatt, sämmtliche Abänderungs- Vorschläge enthaltend, den bis dahin gewonnenen Mitgliedern zugesendet und. nach Massgabe der von denselben eingegangenen Ant- Worten (wobei Stillschweigen als Zustimmung zum Entwürfe genommen wird) nach einfacher Majorität die Statutenordnung endgiltig formulirt, und allen Mitgliedern, so wie jedem neuen Zukommenden zugestellt‘. Es folgt dann eine Correspondenz ,Eisenstadt, den 10. Nisan‘, welche über die ״Fortschritte des Vereins ־< שכת*»“ Erfreuliches berichtet und eine Mitgliederliste aus Sassin (Ungara). Daran schliesst *ich folgender Artikel vou E. R. Rosen baum V׳w - Würzburg, der als dopument humain Interesse verdient: Geehrter Herr Redakteur! In Nr. 8 dieser geschätzten Blätter veröffentlichten Sie einen ausgezeichneten Artikel von dem Herrn H. tirünebaum ״Sabbathverein für die Israeliten Deutschlands‘ betreffend una in Nr. 0 geben Sie Ihre Vorschläge darin, unter oben angeführtem Artikel bekannt. In kurzer Zeit hat diese hochwichtige Aufgabe schon die gehörige Würdigung gefunden, und es ist einem sehr wohl, zu sehen, wie schon jetzt allenthalben Geldzeichnungen erfolgen. ־ Wein nun gleichwohl Geld zu allen deraitigen Unternehmungen dringend erforderlich ist, so glaube ich doch, dass bei diesem Unternehmen ein richtiger Plan zur Ausführbarkeit der Sache vorerst das Wichtigste sein dürfte, denn ist einmal ein bestimmter guter Plan entworfen und festgestellt, dann, aber auch nur dann, ist die Ausführung als gesichert zu betrachten. Deshalb will ich es versuchen, die öffentliche Diskussion über das Wie zu eröffnen, hoffend, dass durch allgemeine öffentliche Besprechung die Sache sich kläre und durch etwaiges Zu- und Abgeben von diesem Projekte, das richtige Resultat sich ergeben dürfte. Vor allem haben wir viererlei Principäle zu unterscheiden und zwar: a. Solche, die öffentlich ihre Geschäfte am Sabbath betreiben. b. Solche, bei denen zwar das Gescbäftslokal am Sabbath geschlossen ist, dessenungeachtet hinter geschlossenen Türen gearbeitet wird. c. Solche, die zwar auch im Hause an Sabbath- und Festtagen nicht arbeiten, es aber nicht ungern sehen, wenn ihre Reisenden auch an solchen Tagen Bestellungen entgegennebmen, wenn sie es gleichwohl nicht ausdrücklich verlangen. d. Endlich, solche, die es nicht dulden weder zu Hause, noch auf Reisen, dass für ihre Rechnung an Sabbath- und Festtagen Geschäfte gemacht werden. Mit a. und b. können wir uns Natürlich nicht befassen; mit c. nur teilweise, wenn nämlich kein Reiseposten damit verbunden ist, dagegen muss unsere Hauptätigkeit sich mit d. beschäftigen. Vor! Allem dürfte darauf zu sehen sein, dass die Prinzipäle d. gehörig ׳ geschätzt werden, d. b. dass sie nur rechtrcligiüse juuge Leute ins ' Geschäft bekommen, denen es auch recht ist, religiös zu leben. Wie aber dieses einzurichten, dass man nicht hintergangen wird? Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass ein stcllesuchender Commis eine Zeit > lang sich entschliesst, eine fromme Maske anzulegen. 1 Deshalb dürfte vor Allem geraten erscheinen, einen Commis- und Lehrlings-Schomer-Schabbos-Verein zu gründen nnd hierbei solche ■ Statuten zu entwerfen, dass sich nur wahrhaft fromme Jünglinge voraussichtlich dabei beteiligen. Zu diesem Zwecke müsste sich in einer grossen Handelsstadt Deutschlands ein Central-Comite bilden, welches in jeder bedeutenden Stadt Deutschlands Zweigvereine bestelle. Jeder Commis oder Lehrling hätte, wenn er einem solchen Vereine beitreten will, Folgendes zu übernehmen und zu leisten: a. Einen zu bestimmenden monatlichen oder vierteljährlichen Beitrag. b. Abgabe des mündlichen und schriftlichen Ehrenwortes, dass sie unter keinem Umstande Schabbos und Festtage entweihen und ebenfalls auch nicht mt-a essen. Sie werden lächeln und sagen, wenn man auf den sinaischen Schwur nicht achtet, zu was soll dann ein Ehrenwort dienen? Allein hierauf erwidere ich Ihnen die bekannte Talmudstelle, wo ein sterbender Rabbi seinen Schülern zurief: .Es möchte ihre Gottesfurcht so gross sein, wie die Furcht vor djen Menschen‘ und als die Schüler fragten: ״Rabbi! Und nicht mehr?* erwiderte derselbe: ״Seht meine Kinder, wenn der Mensch sündigt, ist er immer darauf bedacht, dass er nicht von Menschen gesehen werde.*. In unserer Zeit besonders ist man viel leichter gewissenlos, als ehrlos; deshalb scheut man sich nicht, das 4. Gebot, Du sollst den Sabbath heiligen, öffentlich zu übertreten, während mancher das 8. Gebot, Du sollst nicht stehlen, nur insgeheim zu übertreten wagt. Aus diesem Grunde ist diese Ebrenwortabgabe jedenfalls von Belang. c. Dahin zu wirken, dass anf jedem Platze, wo sich solche Uomites gebildet haben, ein Lokal gemietet werde, in welchem an Sabbath- und Feiertagen diese jungen Leute sich sammeln, und dafür zu sorgen, dass passende religiöse Vorträge dortsclbst abgehalten werden. Wenn es später Mittel und Umstände er- . lauben, wäre es auch gut, eine desfallsige Zeitschrift für t'ommi: und Lehrlinge nach jüdischem Geiste verfasst, ins Leben zi. rufen. d. Wer sein gegebenes Ehrenwort bricht, soll von dem Vereine ausgeschlossen und dieser Ausschluss öffentlich bekannt gegeben werden. e. Endlich soll von jedem Comite-Vorstand ein Aufführungs-Regisle ■ eingeführt werden, welches jährlich dem Haupt-C'umite mitzu■ teilen wäre. — Sind diese Vereine ins Leben gerufen, dann sinu Vereine der Prinzipäle zu errichten, die sich ebenfalls verpflichten: a. Einen monatlichen oder vierteljährlichen Geldbeitrag zu leisten. b. Nür solche Commis oder Lebtlinge zu engagieren, die den! obengemeldeten Vereine angehören. Ich glaube, dass durch diese doppelten Vereine eine ziemlich!: Klarheit bei dieser wichtigen Sache erzielt wird, denn einerseit!; werden nur wahrhaft fromme, junge Leute sich entschliessen, di!! Verbir.dhchkeiten zu übernehmen, die der Eintritt in diese .Vereine bedingt, und andererseits die Principäle sich verpflichten, nur tu 1 diesen Vereinen ihre Commis zu engagieren. Wenn gleichwohl anfänglich die Zahl der Beteiligung der jungen Leute keine gross!! sein dürfte, so reichen sie doch jedenfalls' aus, um die Principäle c. und d. vollständig befriedigen zu können und hoffen wir, dass nach | und nach beide Vereine sich recht erweitern. ' Dies sind die Vorschläge, die ich der öffentlichen Prüfung ' unterstelle und hoffe, dass diese Anregung recht Viele veranlasset möge, auch ihre Vorschläge kundzugeben, damit man das Beste zu sammen und feststellcn kann‘. Den weiteren Inhalt der, wie wir sehen, überaus reichhaltige! Nummer bilden dann noch die folgenden C’orrespondenzen : ״Bamberg, IS. April. Die vou Ihnen in Verbindung mil anderen gleichgesinnten wackern Männern angeregte Idee, die Bildung eines שום־י שבת Vereits betreffend, tindet allenthalben den freudigsten Anklang, und Alle, die unserer heil. Lehre anhungen. werden sich mit mir in dem Wunsche vereinigen, dass Ihre edlen Bestrebungen . von dem segensreichsten Erfolge gekrönt sein mögen. Ein solcher! Verein bietet allen Treugesinnten eine Stütze, und wird es ihren : Sühnen leicht machen, sich auszubilden, ohne mit unserer heil. Lehre in Kampf treten zu müssen, oder in diesem Kampfe, wie es leider so viele Beispiele zeigen, gar zu unterliegen. Ich habe über die praktische Ausführung vielfach nachgedacht nnd bin zu der Ansicht . gelangt, dass der geeignetste Weg darin zu linden wäre, wenn von Seiten des löblichen Comites ein Aufruf in der Form eines gedruckten , Cirkulars an die Rabbiner, Lehrer, Cultusvorstände aller grösseren | Gemeinden Deutschlands erlassen würde, in welchem die Zwecke : ausgesprochen und zum Beitritte aufgefordert würde, vorläufig in der | Art, dass sich alle Gemeindemitglieder eibzeichnen, deren Geschäfte oder Gewerbe שבת קידש ים־עד ruhen, und bei welchen junge Leute von Zeit zu Zeit untergebracht werden können. Das Uomite hätte einen besoldeten Schriftführer zu bestellen welcher die Vermittelung zwischen den.ein Unterkommen Suchenden und denjenigen, die ein solches zu bieten im Stande sind, zu übernehmen und überhaupt alle erforderlichen Correspondenzen zu führen hätte. Die Aussendung von Sendboten nach den verschiedenen Gauen! Deutschlands halte ich, abgesehen von dem Kostenpunkt als viel zu‘ weitläufig, auch gar nicht geeignet, den Vorgesetzten Zweck, der sich von selbst empfiehlt, zu fördern. Indem ich Ihnen in gedrängter Kürze meine Ansichten niederzulegen mir erlaube, versichere ich Sie, dass es mir zur währen Herzensfreudigkeit gereichen würde, auch mit meinen schwachen Kräften, zum Entstehen und zur gedeihlichen Fortentwickelung dieses Vereines, den unsere Zeit so notwendig erheischt, beitragen zu können, und mit dem Wunsche שבתת י׳ט verbleibe ich in vollster Hochachtung Samuel Wassermann. Köln, 6 April. Nachdem der in Ihrer geschätzten Zeitschrift angeregte Plan der Gründung eines>Sabbath-Vereine& und die verschiedensten Seiten, denen derselbe seine Wirksamkeit zuwtnden könnte, in mehreren der jüngsten Nummern vielfach von kundigsten und Autorität geniessenden Personen ventilirt und examinirt worden, bitte ieh Sie, es nicht als Anmassung betrachten zu wollen, wenn auch der Laie, der sich nur darauf berufen kann, sich eine grössere Reihe von Jahren in den Geschäften bewegt zu haben, seiue unrnassgeblicbe Meinung abzugeben sich gestattet, und die würde sich hinsichtlich Ihres Projektes in folgender Weise formulieren: Nr 14 Ihres Organs berichtet aus London, dass Herr Dr. Adler, Ehrw. Ihrem Impulse folgend, eineu Sabbatk-Verein für England begründen wolle, der sich der religiösen und (wohl so weit als tunlieh) der pecuniären Stützung jüdischer Handlungsbefiissencn widmen solle. Mit dieser Beschränkung des Vereinszweckes scheint mir der pr4ktische Engländer das Richtige getroffen, das Erreichbare vom Wünsehenswerten getrennt zu haben. *ד *'*־ Die Vorzüglichkeit der kund gegebenen weitergehenden Wünsche eikenne ich sehr wohl, an, furchte aber; dass denselben zu viel deutschen Charakters :!!!klebt; ich meine, dass solche, — reale Verhältuisse unberücksichtigt lassend — einen zu idealen Standpunkt