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Der Sabbath · 1907-09-01 · 9 (9.1907) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
7 (1907)
Issue
9 (9.1907)
Date
1907-09-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Der Sabbath. 57 Genuss weiht Jede Errungenschaft der Werktage zu einer wahren Gottesspende. Das sind die Kerngedanken des Kiddusch■ Aktes.- Doch der schöne Tag nimmt ein Ende! Sollte er klang■ und sanglos scheiden? Einem lieben Gast bereitet man eine hübsche Abschiedsfeier! Ihr Grundton wird die Wehmut sein. Doch auch die Hoffnung soll zu ihrem Rechte kommen. Es wäre Verkennung der Menschennatur, wollte man beide Seiten des Seelenlebens nicht berücksichtigen. Und so wurde die Institution der Hawdoloh geschaffen, mit der man offiziell und feierlich den Ruhetag verabschiedet. Selbst ein kleines Mahl soll nicht fehlen Es heisst das ״melaweh malkoh" sein, der Sabbathkönigin das Geleite geben Man sieht die Weisen wussten zu personifizieren und menschlich schön zum Herzen des Volkes zu reden Wiederum ergreifende Symbole! Ein Becher Wein, eine kleine Fackel und Gewürze Mit dem Ausgang des Schabbos ׳ beginnt der Sonntag; ihn deutet die Fackel an Der jüdische Tag wird aus Nacht geboren, er ist in aufsteigender Linie gedacht Und Sonntag ist der Geburtstag des Lichts, der ersten und schönsten Hiinmelsgabe. Tiefe Wehmut erfasst das jüdische Herz beim Sabbathaus■ gang. Die Sabbathseele entschwindet, wir fühlen mensch- . liehe Schwäche. Und als wollten wir uns kräftigen, als wollten wir den Duft, der sich über die ganze Tagesfeier breitete, bannen, um ihn mit hinüberzunehmen in die frische Woche, so atmen wir die würzigen Gerüche aus der zierlichen ״Besominbüchse‘• ein. Bildet der Schabbos doch die goldene Achse, um die sich die ■׳ sechs Arbeitstag drehen Sie alle empfangen inre Weihe von ihm. j Und so lehrt es der Hausvater seine Lieben durch Hawdoloh, i dass Gott eine Scheidelinie zog zwischen Heiligem und Gemeinem, zwischen Licht und Finsternis, zwischen Israel und der Weltenvölker, zwischen Sabbath und 1 Werktag. Die Kerze erlicht, der Ruhetag ist dahin! Hawdoloh ist mehr, als der schlichte Wortsinn dem ober■ flächlichen Leser und Hörer verrät. Es ist ein Programm für j die kommende Woche, ja fürs ganze Leben! Es giebt I einen Unterschied zwischen Israel und der übrigen Welt, es exis- I tiert unleugbar eine Scheidelinie wie zwischen Licht und Finsternis. O, man wollte in den Zeiten der Milde und Freiheit ganz und gar diese Wahrheit ignorieren. Der Ruf ״Freiheit und Gleichheit‘־ erklärte man auch in unserm Kreise als ohne jegliche Einschränkung giltig. Die Nivellierungssucht arbeitete mit Hochdruck. Doch siehe, die Ernüchteruug kam! Seit mehr als 25 Jahren erinnert man uns wieder an die Hawdoloh Dem treugebliebenen Sabbathjuden ist dies zwar nichts Neues. Ihn , lehrte schon der Vater den Unterschied ״ben jisroel loamim". 1 Wenn man den Knaben auf der Schulbank hänselte, wenn man den Erwachsenen wegen seines Judentums zurücksetzte oder missachtete, so lautet die stereotype, aber vielsagende Antwort: ״Dafür sind wir im Golus!“ Es ist politisch klug für den Juden, sich Reserve aufzuerlegen, selbst irh Streben nach Recht und Freiheit. Das ist durchaus nicht feiger Ser vil isni us, es ist Realpolitik! Gerade diejenigen, die am meisten die Hawdoloh verleugnen, rufen jetzt am lautesten danach. Die Hawdoloh ist ein Schlachtruf, eine Parole geworden. Dabei eliminiert man jedoch das ״beTn kaudesch lechaul“. Der Hawdolohjude ist kein durch Zurückstossung von aussen zu einem ״Trutzjuden“ Gewordener. Er macht auch Kidduch; Ohne Kiddusch kein Hawdoloh. Ueber Nacht wird man kein ״begeisterter Jude׳‘. Welcher Mut", welch felsenfestes Gottvertrauen sprach aus dem ״Kiddusch“ in den finsteren Zeitgängen unserer Geschichte! Und welch hohe politische Weisheit lag in dem zähen Festhalten an dem Hawdoloh- Gedanken, als man Licht und Freiheit ausschenkte. Gerade heute, wo die Welt in so manchen Massnahmen — es sei nur an die Lösung sozialer Fragen, an die Sonntagsruhe und die Friedenskonferenz erinnert — zeigt, dass sie nach jüdischen Idealen sich sehnt, gerade heute dürfen wir die Weisheit anstaunen, welche Kiddusch und Hawdoloh uns lehren. Was hier in sinnvollen Worten und Handl ungen sich kund gibt, bedeutet nichts mehr und nichts weniger als das Lebensziel Israel« und die Heileszukunft der Gesamtmenschheit. Vermischte Nachrichten. Berlin, 4. September. Von dem Vorstande des Israelitischen Portbildungsverein , Monte tiore“ geht uns folgender Aufruf mit der . Bitte um VeröflentUchuDg zu : .Nur durch den Zusammenschluss aller an der Erreichung ׳ ׳eines Zieles interessierten Kräfte ist es möglich praktische greifbare Erfolge zu erzielen. Zu unserem Bedauern mu-scii wir immer wieder feststellen, dass noch eine grosse Anzahl von jüdischen .I11ngling.11, die auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen, sieh 1111 -, nicht anschliessen. Wir unternehmen es daher, in dem vorliegenden Aufrufe nochmals die Ziele und Zwecke uu-eres VVreius kfcir darzulegen, und einen jeden jüdischen jungen Mann zur Mitarbeit aufzufordern. Den Endzweck unserer Bestreitungen liildet d׳ r Zusammen- Schluss der geset n-j treuen Jugend uni vor allem der Jugend die im praktischen Erwerbsleben steht Alljährlich kommen zahlreiche jüdische Jünglinge nach Berlin, um sieb im liaslendep!״■triebe der Grossssadt einen Platz zu erkiimpft'n Ratlos sind viele den Gefall reu, die hier auf sie lauern, altsgeliefert. ■Diesen Uebeln zu .steuern hat der MontetioTe-Verein sich zur Aufgabe gemacht, und in seinen, dank der■ L'utersutzung des V e r Im 1111 e s d e r S a b b a t hfreunde.׳ nunmehr bedeutend veigrosserie.'i Verein-raumen bietet er einem jeden jungen Mann einen Mittelpunkt und ein gemütliches Heim. Des Abends. r:c und Sonntags stellen einem Jeden die Vorcinsräuuie zur Verfügung und ist Gelegenheit geboten, durch Lecture von guten Büchern und Zeitungen die Zeit zweckmässig und angenehm zu verbringen. Durch den Anschluss'au gleichgesinnte Altersgenossen wird ferner einem Jeden die Möglichkeit geboten, passen .len Verkehr zu pflegen. Die au verschiedenen Abenden unter Leitung Von hervorragenden jüdischen Gelehrten veranstalteten Lei.rkurse dienen der Fortb i 1 d u n g i 111 j u d i s c h e 11 S c h r i f t t 11 in. Ein jeder, der lernen will, hat hier Gelegenheit, alte Kenntnisse aufzufrisclien und neue sich anzueigucn. Aber mich dem geselligen' Leben wird lieclinung getragen und zwar werden im So m in e r r e g e 1 111 ä s s i g e A u sfluge in der l'mgegenJ Berlin's vermfstaltet, im Winter öffentliche Vorträge and gesellige V e r a n s t a 1tun gen, die mit Darbietungen wissenschaftlicher und ünt’erhaltender Art ausgefullt werden, lur!1 i e Pfleg e jüdische r_ Geselligkeit sorgen. Die aus über in׳»' Händen bestellende Bibliothek macht es durch das Ausleihen von Büchern den jungen Leuten möglich, sich auch zu Hause mit passim 1er Lecture zu versorgen. Dies ist in grossen Zitzen das Hauptarheitsfeld ijes Montehöre-Vereins. l'nd so glauben wir denn■ der Unterstützung, derer wir zum weiteren Ausbau unseres Vereins dringend bedürfen, eines Jeden sicher zu sein, dem die Zukunft des gesetzestreuen Judentums am Herzen liegt. Jeder jüdische junge Mann sollte sieh uns anschliessen. Zu uusereu Vereinsabenden Gipsstrasse l-a heissen wir erneu jeden Gast auch ohne besondere Einführung hcrzlichst willkommen. Der Vorstand Kdinund Letty, Vorsitzender. Berlin, '211. August. Herr Kautmanu A. Ascher in Halberstadt erhielt, wie d׳r ״Jftd. Presse“ von dort geschrieben wird, Seitens des Amtsgerichts seines Wohnorts die Vorladung, in einem Beweisaufnahme-Verfahren am Jom-Kippur als Zeuge zu erscheinen. Aut sein Gesuch um Verlegnug des Termins erhielt er den Bescheid, dass das jüdische Versohmmgsfest kein allgemeiner Festlag sei, und dass deshalb der bereits anbeianmte Termin nicht verlegt werden könne. Entscheidungen dieser Art sind nicht vereinzelt, wiederholen sich vielmehr fast'alljährlich. Es erseheipt deshalb geboten, darauf zu verweisen, dass seit nahezu dreissig Jahren eine Verlautbarung des Reichskanzlers vorliegt, auf Grund deren ein Dispens vom Erscheinen vor Gericht am Jom-Kippur zwar nicht gefordert, aber nach den geltenden Gesetzes-Bestimmungen gewährt werden darf. Auf ein i. J. 1873 Seiteus des Deutscli-Israelitisclien Genicindebundos an den Reichskanzler gerichtetes Gesuch um Anerkennung des Jom- Kippur als gesetzlicher Feiertag ist demselben folgender Entscheid zugegangen: ״Das von Ihnen gewünschte Gesetz soLL in erster Linie fest- Stellen, dass der jüdische Versülmungstag (Jom-Kippur) als allgemeiner Feiertag im Sinne der Art. H2t» 13AU! des deutschen Handels- .Gesetzbuches und des Art. 82 der deutschen Wechselordnung zu gelten habe. Diese Reichsgesetze stellen als ״allgemeine Feiertage“ den Sonntagen diejenigen Tage zur Seite, welche in den einzelnen deutschen Staaten in allen die Sonntagsfeier berührenden Beziehnngen als Feiertage anerkannt, sint. Es fällt ־sonaCh zur Zeit nicht in die Zuständigkeit der Reieksgesetzgebung zu bestimmen, welche Tage in «len einzelnen Bundesstaaten als Feiertage angesehen werden sollen. Ihfen Wünschen könnte also nur dadurch genügt werde», dass reich *gesetzt ich der jüdische Versühnungstag neben den Sonntagen und allgemeinen Feiertagen als■ geeignet bezeichnet würde, den Vertag von handelsrechtlichen Ansprüchen und Wecbselfordertmgen hiuanszuschiebeu. Dies allgemein — auch für Verbindlichkeiten, an denen Juden nicht beteiligt sind — ausznsprechen, würde sich nicht rechtfertigen lassen: den Verfalltag aber je nach dem Glaubensbekenntnis des Verpflichteten abweichend festzustellen, wäre 1m hohen Ma&sse unzweckmässig, zumal wenn man die Möglichkeit der Mitbeteiligung

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