Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 9 (9.1907)
- Date
- 1907-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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56 t i Der Sabbaih. eigne״ Kielern beschämt sehen musste, weil die Kinder den Elterlii mit der ungesprochenen Frage entgegentraten: Warum hhht Ihr nicht die Gelegenheit, die sich Euch geboten, *|wahrgenommen und Euch die Geistesschätze unsere wplkes zu eigen gemacht :׳־ Warum wisset Ihr Euch nicht zu beiten, wenn das Leben eijinnl nicht alltägliche‘Aufgaben an Euch stellt u. s. w., Fragen die irestellt werden müssen, wenn und sobald die rüngere Generation einen Begriff von den jüdischen Aufgaben der Gegenwart erhält. Welch ein gigantisches Kettongebilde zeigt dagegen unsere dahingesciivvundenc Vergangenheit? Wie reichte d,u der Vater dem Sahn •las übern >.nme11e Gotteswort zur Weitervererbung? Mit welcher Treue bis in die engsten Fasern wurde das ganze Gewebe der Gesetzeskun■le da gehii'et, und gewahrt von' Geschlecht zu Geschlecht! Wieviele Fäden sind inzwischen gerissen, wieviele Maschen .•lu'gelbst und unwiderbringlich entschwunden':׳ Aber die Technik des Webens im heiligen Geiste des Gottesgesetzes sie ist uiis .geblieben und solange wir diese besitzen brauchen wir noch nicht zu verzagen Nur a n 2 r e i f e n, z u g r e i f e 11 m ii s s e 11 w i r! Alle, alle müssen wir die Zaghaftigkeit und Nervosität, überwinden, müssen uns zusammentinden in den . Lernstubett‘, damit von dort wieder ein neuer alter Geist ins Land hinausdringe. Es ist der gleiche Schofarton der die Schuldbewussten ־aufscltreekt• und der sie einer zielsicheren Zukunft entgegenführt. .Möge sich diese Kraft des Scho ars auch überall im Lande an unseren Freunden des Sabbaths bewähren! Möge sein Ton uns aufrütteln zu entschlossenem Tan, damit wir dann selbst wieder frohgemut das gesebwungene Horn an die Lippen setzen können 'und alle Schwankende sich za uns finden zur Heiligung des Sabbajthtages. ־־t־:־ urrn "נ־ דצא־;־:*ד. U n d f i 11 d-e 11 dann durch ihn h i n i e d e u Der.^eeleRu 11', den Gottesfrieden! Kiddusch und HawdoJoh.*)- V,m A. Mannheimer in Duitulbauh. Wer die jüdische Volksseele in ihren tiefsten und edelsten Regungen kennen lernen möchte, dem kann man den Rat erteilen־ Cirunal glgy luden zu belauschen bei seiner Sabbathfeier. Freili^rftfäfcste es ein echter und rechter )ude sein, altmodisch und flBSterglauben treu bis zur äussersten Gewissenhaftigkeit, nicht SfrigjKrankSfc vom .Geiste der Neuzeit" und Halbheit. Nur tfaon'*c>*ut er Echtes und Wahres, nur dann ist er sicher nicht .Sein (rfi Schein zu verwechseln. Einen solchen Juden müsste er schaupn/ wenn die Sabbathbraut einzieht in seine Häuslichkeit, ,wenn er [sie empfängt und begrüsst, wenn er sie bewirtet und Abschied von ihr nimmt, mit andern Worten, -wenn er ״Kiddusch und Hawtfoloh macht“. Kiddusch und Hawdoloh sind die beiden Role dqs wöchentlichen Ruhetages, in ihnen konzentriert sich gewissermassen die erhabene Fülle aller Gedanken, die uns am Schabbos beseeJen. Es sind Höhepunkte, die einen freien «Au$blick gewähren, rückwärts und vorwärts• Es sind helle Spiegel, «us denen sonnenklar die jüdische Volksseele wiederstrahlt und soänen gleich. Man muss es Israels Altmeistern lassen, sie waren Organjsatoren ohne gleichen! Der Himmelsperle Sabbath gaben sie eine Fassung in Kiddusch und Hawdoloh, die dem Wert des Kleinods wirklich gerecht wird. Wohl hat man die jüdische Perle anderweitig nachgeahmt. Allein es blieb nur eine Imitation■ Ihr Glanz ist: kein echter, ihr Licht nur ein geborgtes, und darum auch ihre Fassung ganz anders- Kiddusch und Hawdoloh kennt nur der Jude. Bild und Rahmen stellen ein harmonisches Garize dar. — I ns Hatrs führen uns Kiddusch und Hawdoloh, in die Veste jüdischer Glaubenstreue, in die Sphäre geweihten Fami- ,’ienlebens, wie der Sänger es im Psalm 128 geschaut. ״Die Mühe deiner Hände wenn du geniessest, Heil dir und wohl dir. Dein - . 1* ״ Mit (tcaehmigung des-Herrn Verfassers aus No. :15 des .Israelit־' erftlehnt. Weib, wie ein fruchttragender Weinstock im Innern deines Hauses, deine Kinder gleich Oelbaumsprösslingen tings um deinen Tisch“. Das ist die Szenerie, in der der Akt des Kiddusch und der Hawdoloh spielt• Unsere Kraft in der Verg ngenheit, unsere Hoffnung für die Zukunft, unsere Aufgabe für die Gegenwart wurzelt in Israels reinem Familienleben. Nur dort, wo Vater, Mutter und Kinder in gleichem Leben und Streben sich einigen, hat Kiddusch und Hawdoloh Sinn und Bedeutung. Zu einem Herold der hehrsten Gedanken machen Kiddusch und Hawdoloh den jüdischen Mann im eigensten Kreise. Zeitweise hat man dem luden seine Bethäuser zerstört, seine Lehrhäuser verbrannt, seine Ruhestätte verwüstet. So lange noch in Israels Häusern Eltern und Kinder zu samen st e h e n, um den Lehren von Kiddusch und Hawdoloh zu lauschen, so lange braucht uns nicht bange zu sein um die Zukunft. Es sind Fanfarentöne die uns ermutigend rufen zum Kampfe gegen Aberglaube und Fanatismus, gegen Verführung und Unwahrheit, gegen alles Gemeine und Niedrige. —- Wie ein Stück Poesie inmitten der rauhen Wirklichkeit dieser Welt mutet uns der Kidduschakt am Freitagabend an. Sorgfältig sind alle Vorbereitungen gfetroffen, wie es sich einem geliebten Gaste gegenüber wohl gezürnt In seinem Dienste mühten sich Aller Hände. Selbst die grössten Meister Israels rechneten sichs zur Ehre, die gewöhnlichsten Arbeiten zu verrichten zur Vorbereitung auf den Sabbath. wer: .אורד, Licht und Freude wird der Sabbath bringen In dieser frohen Erwartung regen sich schon am Freitag die Hände, scheuern die Wohnung, bereiten das Mahl, sorgen für gedeckte Tafel und festliche Kleidung. Betrübnis und Traurigkeit sollen schwinden im Frieden des Sabbathlichtes. Bereits im Gotteshause hat man die Himmelsbraut gegrüsst mit der ■־:״ הי-Hymne. Nun sind die Bewohner dea Hauses im hellerleuchteten Raume versammelt. Der Hausvater liest das Hohelied vom ״wackren Weibe“ — Sv. אשת, so ganz dem Geist der Stunde entsprechend. Ein Zuschuss seelischer Kratt, die .־.•רד• wie sich der jüdische Volksmund ausdrückt, scheint sich bei allen eingestellt zu haben, man merkt’s an den leuchtenden Blicken. Segnend breiten die El ern ihre Hände auf der Kinder Haupt; Wüpsche der innigen Liebe steigen zum Himmel empor. Das sind die Vorbereitungen zum eigentlichen Kiddusch Und nun tritt man zusammen zur festlichen Tafelrunde. Bedeutunsrsvolle Symbole einigen sie — Zwei Brote zunächst, zwischen Decken verhüllt, erinnern an die Manna spende in der Wüste, vom Himmelstau befeuchtet. O, die Wundergüte, Gottes liess auch in der ״Völkerwüste“ das Manna nicht fehlen, es fällt noch heute für alle Hütten Israels! Verzage nicht im schweren Kampf der Werktagsarbeit, lerne auf Gott vertrauen und Du findest am Freitag — doppeltes Brot! Und noch ein anderes Die jüdische Frau soll ״Challo“ nehmen am ע־ב ז״! An dem Tage wurde ja Chawa aus Adams Fleisch und Bein geschaffen, die ״Challo der Welt“. Giebt es wohl eine sinnigere Wertschätzung als diesen Vergleich der Frau mit einer heiligen Hebe? Kann man da ernstlich noch von einer untergeordneten Stellung des jüdischen Weibes — nach orientalischer Anschauung — faseln? — Doch auch Lichter zündet die jüdische Frau an, wenn der Sabbath naht Da* gehört mit zu ihren heiligsten ureigensten Pflichten. Nur im Verhinderungsfälle trttt der Mann für sie ein Einst — so bemerken die Weisen — hat die Frau das Licht der Welt ausgelöscht durch die erste Sünde im Paradies Drum zünde sie beim Sabbatheingang Lichter an- Treffliches Wort! Was wäre unser Volk im Laufe der |ahrtausende geworden ohne die Lichtträger im Innern des Hauses? Der frommen Frauen halber erlöste man unsere Voreltern aus Egypten; so meint der Talmud. So lange Sarah lebte, war Segen im Teige, Licht im Zelte, und eine göttliche Schutzwolke darüber. Das sind kernjüdische Gedanken beim Anblick der Sabbathlichter; ihnen verleiht die jüdische Mutter in er׳ greifenden Worten Ausdruck in der ־,דינה״ beim Lichtentzünden", die ihren Höhepunkt erreicht in dem Herzenswunsch, Kinder zu besitzen, die Leuchten der Thora werden in Israel! Lichtsaat — im lichten Zelte. Da erhebt der Hausvater den Pokal voll Weines, um laut zu künden, wass jeder Anwesende still empfindet. Erinnerung an’s Schöpfung s werk ist der Sabbath זנר לםעשת בראשית, eine Hu Idigung dem. Herrn des All: החלה ס׳ cr> י הוא:. Allen jüdischen Fest- und Feiertagen stellt ihn die Thora voran. Hört ihr’s, ihr Leichtfertigen, die ihr am •דיי und ייב mit eurem ״Synagogenbesuch“ gut zu machen glaubt den wöchentlichen Frevel am wöchentlichen Ruhetag!? Hört ihr's, wer den שבת nicht hält, rüttelt an den Grundvesten unseres Glaubens! Da hilft kein Deuteln und kein Beschwichtigen. Mit seinem ״Kiddusch" legt der Jude jeden Freitag Abend den schärfsten Protest ein gegen jede Trübung und Fälschung unseres heiligen Erbes: er lässt sich nicht beirren. Erst der Sabbat verklärt jede Freude. Erst sein Licht bringt Glück und Frieden. Erst sein