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Der Sabbath · 1907-07-01 · 7 & 8 (Juli-August 1907) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
7 (1907)
Issue
7 & 8 (Juli-August 1907)
Date
1907-07-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Der Sabbath 51 ,Es ist zu meiner Kenntnis gekommen, dass die Israeliten, die als Juristen fungiren, bei dem Präsidenten der Civilgerichtshöfe um Dispensierung vom Dienste während des Sabbaths nachgesucht haben. Gestutzt auf die Prinzipien ihrer Religion, nach denen es ihnen verboten ist, an diesem Tage irgend eine Handarbeit zu verrichten, nach denen das Schreiben, selbst eine Eidesleistung ihnen untersagt ist, ersuchten sie den Präsidenten um Berücksichtigung, was ihnen derselbe jedoch nicht eigenmächtig bewilligen konnte■ Indessen scheint es mir für unangemessen, dass die Israeliten als Richter sich durch ihr Amt in Widerspruch mit ihren religiösen Ueberzeugungen befinden sollen. Es ist daher am Platze, wenn die Weigerung der Israeliten, am Sabbath zu discutieren und zu richten, als begründet angenommen und also auch vom Gesetze autorisiert wird. Dieses ist der Wille der König). Regierung*. Gnst&v Hildesheimer-Berlin. Spendet für den ״Verband der Sabbathfreunde“! Durch Herrn S. Wedelt ging uns eine Spende des Herrn Bukofzer gr. Frankfurterstrasse 39 mit Mk. 10.— zu. Wir ergreifen diese Gelegenheit, um unsere Leser zu bitten bei freudigen oder sonstigen Anlässen, wo sie dazu in der Lage sind, sich des ״Yerbanrfes“ zu erinnern und durch Spenden, Sammlungen, Ablösung von Telegrammen u. s. w. demselben die Geldmittel zuzuführen, deren er dringend bedarf. Die Anforderungen an unsere Casse wachsen mit jedem Tage und bei dem minimalen Mitgliedsbeitrag, der von uns gefordert wird, halten die Einnahmen damit nicht gleichen Schritt. Darum: Gedenket des ״Verbandes der Sabbathfreunde“! Der geschäftsführende Ausschuss Dr. E. Biberfeld Vorsitzender.. » ■w •י Ephraim Reubl. Novelle von Anton Langer. (Fortsetzung) ״Wenn ich nur wüsste, was es denn eigentlich ist, warum man ihn in Wien zurückhält,“ fuhr die Mutter fort. ,Ach welch’ tödlichen Schreck habe ich ausgestanden, als die Männer des Gerichts in unser Haus eindrangen, alle Schränke erbrachen, um jenes Gold, von dem ich nichts wusste, sammt dem Vater mit fortzunehmen; ach, wenn ich nur wüsste, welche Bewandtnis es mit jenem Gelde habe, ich würde viel ruhiger sein.“ ״Würdet ihr das?“ fragte Emanuel. ״Ganz gewiss,“ sagte die Mutter. ״Nun, so hört,“ fuhr der junge Mann fort. ״Das Geld ist aus Polen, und wurde von meinem Vater gesammelt mit vielen braven Juden, und ich sollte es dem Ephraim Reubl überbringen, dass er damit eine Synagoge zu gründen suche. Dieses Auftrages habe ich mich getreulich entledigt und dem Vater das Geld übergeben. An jenem Abende, als die beiden wüsten Gesellen hier einbrachen, die der Vater durch sein entschlossenes Benehmen entfernte, legten wir das Geld hier in den Schrank; in demselben Augenblicke gewahrte ich das Gesicht eines Mannes, der durchs Fenster hereinspähte. Da ich rasch auf ihn losspringe, huschte er wie ein Schatten davon. Ich vermute nun, dass jener Spion der Obrigkeit dies angezeigt, und da sie vermutlich etwas Böses dahinter suchte, hat sie sich des Geldes und Ephraims Person bemächtigt. Es kann ihm aber durchaus nicht schwer werden, seine Unschuld zu erweisen; ja vielleicht ist dies eben ein glücklicner Umstand, um die Gründung der Synagoge bewilligt zu erhalten.“ ״Nun, so wäre ich wohl ruhiger,“ meinte die Mutter, ״aber dennoch kann ich. mich aller Besorgnisse nicht entschlagen.“ ״Das werdet Ihr nie,“ scherzte Emanuel, ״und daran ist wohl ■Eure Krankheit schuld * ״Eine Synagoge in Wien?!“ fragte Regina. ' ״Ja, mein süsses Lieb!“ versetzte Emanuel, ״wenn es auch im gegenwärtigen Augenblicke geheim bleiben muss, und aller Wahrscheinlichkeit nach würde ich Rabbiner werden; denn ich kann es ohne Anmassung sagen, nicht Viele haben so gut gelernt, ־wie ich, da von Jugend an mein weiser Vater mich darin belehrt, und mancher alte Mann hat sich verwundert über das, was ich geleistet im Studium des Talmud und der Thora.“ Mit Freude und Stolz sahen Mutter und Tochter auf den schönen jungen Mann. Wohl mochte die Mutter des Kindes Glück, die Tochter'die digne freudige Zukunft sich ausmalen im Geiste; aber des Menschen Hoffnung ist wie die Blüte, wer weiss ob eirj Sturmwind Sie in den Staub verwehen wird, oder ob sie erstarkeri mag zur lieblichen Frucht; des Menschen Glück ist wie der Rauch des Schornsteins, der himmelan steigen, aber auch sich zerstreuen kann auf der dunklen Erde. Es wurde an die Tür gepocht. Emanuel eilte zu öffnen und ein Schrei des Entzückens hob sich von den Lippen der Frauen, als Ephraim eintrat. Regina flog an den Hals ihres Vaters und selbst die schwache, kranke Mutter suchte sich aufzurichten. Eph-1 raim reichte ihr die Hand, die sie freudig drückte; plötzlich rief sie: ״Hilf Himmel, was bist Du blass Ephraim!“ Auch die Verlobten bemerkten jetzt erst die tiefe Blässe, die über des Vaters *Antlitz ausgegossen war. Ephraim aber sagte, indem er die jubelnden kleineren Kinder am Arme nahm: ״Seid nicht töricht, was wird’s sein! Ich habe viel gearbeitet in der Stadt, denn es war ein gar wichtiges Geschäft, das ich verrichtet, und Euch zu liebe habe ich gar vieles getan, was mir viel Mühe gekostet.“ Emanuel warf den Frauen einen bedeutungsvollen Blick zu. Diese verstanden ihn und forschten nicht weiter- ״Es freut mich,“ sagte die Mutter, ״dass Du heute zur Sabbathfeier zurückgekehrt bist, Gott segne Deinen Eingang.“ ״ja ’s ist bald Sabbath,“ antwortete Ephraim wehmütig ernst. ’ ״Warum sprichst Du das so traurig,“ fragte das Weib. ״Ei, habe ichs traurig gesagt?“ fragte Ephraim, sich zwingendheiter zu scheinen, ״nun, dann habe ich’s wahrhaftig nicht so ge״— meint, denn ich bin von ganzer Seele erfreut, dass ich Euch wieder * sehe. Wir wollen den Sabbath fröhlich feiern.“ ״ja,“ sagte Emanuel, ״Entgegen mein Freund der Braut mit Verlangen, Lasst uns den heiligen Sabbath empfangen.“ Alle stimmten mit ein, doch als er zur letzten Strophe kam: ״D’rum zieh’ ein in Frieden;* unterbrach ihn Ephraim. ״Friede!]‘ fragte er schmerzlich, ״wo ist der Mensch auf Erden, der den Friede'n hätte. Für die Christen ist heute eine Nacht, wo die Freude und der Friede eingekehrt in die Hütten der Menschheit, denn heute feiern sie das Andenken jener Nacht, wo ihr Messias auf die Erde niederstieg;“ aber ״Du bist so ernst, Ephraim,“ sagte die Frau besorgt. ״Ernst ziemt dem Manne,* sagte der Jude ausweichend, und legte die schneefeuchten Kleider ab; Regina brachte ihm das weite Ueberkleid, in welches er sich hüllte, und einen ernsten, forschenden Blick auf..seine Frau werfend, fragte er: ״Habt Ihr'keine Nachricht über mich vernommen* seit mich die Stadtknechte aus Etlrer Mitte wegholten?“ ״Keine,“ versetzte die Frau, ״denn Emanuel wollte nach Deinem Gebot uns nicht allein lassen, auch belehrte uns kein Brief; von den Nachbarn aber kam keiner gegen Wien, dass erj— uns hätte Kunde bringen können.“ ״Nun so ist’s gut,“ versetzte Ephraim tief Atem holend, ״es wäre auch der Mühe unwert gewesen, einen Boten zu schicken; betraf doch die ganze Sache nicht mehr und nicht weniger, als eine Pfandschaft, wo man aus Missverständnis mir zumutete, das Geld zweimal genommen zu haben, was sich jedoch bald genug aufklätte.“ Und Ephraim trat zum Schranke und -setzte den leinenen Säckel hinein, dann begab er sich wieder zu den Seinigen und sagte: ״Nun Kinder, ich denke, es wäre Zeit; der Sabbath geht an.“ Sorgfältig schloss man nun die Türe' und die Fenster, dass kein verratender Lichtschimmer der Sabbathlampe hinausgleite über die Schneefläche; in der hintersten Stube, die gleichsam dem Heiligtume des Tempels nachgebildct, und mit so mancher seltenen Kostbarkeit geschmückt war, sammelten sich des Hauses Genossen; selbst der Kne'cht und die Magd fehlten nicht Und während draussen die dunkle Nacht über die vom Winter starrende Land- Schaft ihren Mantel breitete und der scharf-pfeifende Nordwind den Schnee von den Gebirgen herabjagte, dass er in den stäuben״' den Wolken dahinwirbelte und in Vertiefungen und Schluchten sich thrmhoch anhäufte, dass die heulenden Wölfe sorgsam dem״ selben auswichen, wenn sie mit keuchender Brust vorüberjagten, entfaltete sich drinnen in der Hütte ein strahlendes Licht, eine wohltuende Wärme goss sich über Körper und Seelen denn in trauter Heimlichkeit webte darinnen die poetisch-duftige Feier des Sabbaths. Die festlichen Speisen standen auf dem Tische in den blanken Gefässen, die Lampe mit duftigem Oele gefüllt, goss ihr mildes Licht über die glückliche Familie aus. Ich sage glücklich, denn Ephraim stellt^ sich heiter, um den Seinigen nicht die Siabbathfeie! zu verderben; früh genug, dachte er, würden sie das!Grässliche erfahren. Mit schweigender Aufmerksamkeit hingen alle' an seinem

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