Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 7 & 8 (Juli-August 1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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52 V JL Der Sabbath » | Munde, wenn er Worte der Belehrung, der Gottesfurcht zu ihnen sprach; alle ehrten seine Weisheit, seine Frömmigkeit, und wenn ihnen nun bekannt sein würde, dass er bereits ein Christ, ein Abgefallener vom Glauben seiner Väter — er mochte sich diesen j Gedanken nicht weiter ausmalen. 1 Es war ponst Sitte in diesem Kreise, dass der Vater den I Seinen das Wört des Herrn aus der Schrift vorjas. Auch heute ■I erinnerte ihn die Frau^ daran. Ephraim schauderte, denn er hielt sich nicht mehr für würdig, das heilige Buch zu berühren. Er * fasste sich aber und sprach: *Ei, was sollte ich ein schlichter und ungelehrter Mann mir anmassen zu lesen das göttliche Wort, da hier einer sitzt, zu dem man Rabbi sagt. Lies Du, Emanuel.“ "trotz dem badgheidenen Weigern des jungen Mannes, wurde ihm das ehrwürdiB‘ Buch gebracht und mit voller männlicher Stimme’ begann er*zu lesen Lauschend horchte die ganzerersammhl^jg seinen Worten, als er zur Stelle kam: Und es wird geschehen/so du beobachtest die Gebote des Ewigen deines Gottes : und wandelst in seinen Wegen, werden die Völker der Erde von j Deinem Ruhme, von deiner Grösse reden, gesegnet wird sein deine! Leibesfrucht, die Frucht deines Erdbodens und die Frucht deines j Viehes, ,gesegnet dein Korb und dein Backtrog, all’ dein Händewerk. I — So־־du aber brechen wirst meinen Bund, und dich wenden zu den Göttern der Fremden des Landes, dahin du mitten unter sie kommst, wird mein Zorn über dich erglühen und ich werde dich verlassen, Viele. Leiden und Mot werden dich treffen, der Himmel, der über deinem Haupte, wird Erz sein, und der Boden, der unter j dir, Eisep; ich werde dich schlagen mit Pest und Aussatz, dass du nicht wirst können geheilt werden, mit Wahnsinn und Blindheit j und werde dich geben in die Hand deiner Feinde, du wirst unter- ן drückt und beraubt sein und Niemand hilft; Söhne und Töchter j wirst du zeugen, aber dein werden sie nicht bleiben und du wirst; zum Gleichnis und .zur Stachelrede s$in unter all’ den Völkern, dahin dich der Ewige treiben wird. — Und es werden über dich kommen all’ diese Flüche, weil du verlassen־ den Bund des Ewigen, des Goftes deiner Väter, den er mit ihnen geschlossen, da er sie herausgeführt aus dem Lande Mizrajim; und weil du gegangen und gedienet fremden Göttern und dich gebückt vor ihnen, Götter, die du n/cht gekannt,, und er dir nicht zu geteilt. — ‘ Hier hielt Emanuel plötzlich im Lesen inne; denn Ephraim ן war totenblass geworden und drohte vom Stuhle zu sinken; be- ן stürzt versammelte sich die ganze Familiengruppe um den Hausvater, der erschöpft sich zurücklehnte. .Was ist dir, Ephrgßn,“ jammerte die Frau, und die bestürzten Kinder stimmten mit ein^w ■ .Nichts,“ sagte Ephraim, ״eine Kleinigkeit, ’s ist schon vorüber,v wäre mir auch nicht angenehm, wenn es anhalten würde, denn ich muss heute noch nach Wien zurückkehren.“ . .Wie?“ fragten alle in höchster Verwunderung, ״amSabbath!“ ®.»Mein Geschäft ist so wichtig,‘ fuhr der Jude fort, ״dass es nteitni Anwesenheit in Wien nochheute erfordert. Ich bin nur trMftusgekommen, um den Sabbath mit Euch zu feiern und sagte *rechts von meiner Rückkehr, weil ich Euch das Fest nicht Verderben wrt^te. Aber jetzt ist es Zeit; geht Kinder und bringt mir memen־ Pelz,׳ ich muss fort, ehe es zu spät wird.“ i '״Aber allein und in der Nacht,“ zitterte die Hausfrau■! ^£s ist keine Gefahr und Gott wird mich schützen.“ 1 *Emanuel soll mit dir gehen.“ I ,’Nein,“ antwortete Ephraim nachdrücklich, ״das kann ich! nicht dulden; er würde mir bei meinem Vorbaben nur hinderlich j sein; er soll bei Euch bleiben und Euch sebützen, vielleicht bei dürft Ihr seines Schutzes mehr als ich.“ , Aber der Schnee.“ ״Gegen den Schnee schützt mich m^jn guter Pelz. Es darf Euch nicht bange um mich sein.“ Regina hatte dem Vater Pelz und Bärenmütze gebracht, und als der Jude sich schon zum Fortgehen anschicken wollte, sagte Emanuel: ״’s ist Sabbath heute, Vater, und Ihr habt Eure Kinder noch nicht gesegnet“ ״Darf , ich das,“ fragte Ephraim, während ein leichter Schauer seinen Körper durchrieselte ״Warum sollt Ihr nicht?“ gegenfragte Emanuel verwundert, ״habt Ihr’s doch immer getan.“ / ״Ich meine,“ sagte Ephraim, brach aber, ohne den Satz zu beenden, ab. ״Nun, noch ist’s ja nicht zu spät“ Der Jude liess zuerst die_ jüngeren Kinder kommen und segnete sie schweigend in wehmütiger Rührung; dann neigte sich Regina und ihr Bräutigam vor dem Vater, er legte stink zitternden Hände auf ihr Haupt und sprach mit tiefbewegter Stimme: ״Ich segne Euch meine Kinder, dass der Hcfr Euch geben möge, Alles, was Euph frommt; Heil und Glück, dass Ihr Freude erlebet an Euren Kindern; der Fittig des Ewigen kühle Eure Wangen, wenn sie brennen von der Glut der Tränen und der Balsam des Gebetes stärke Eure Herzen in den Tagen der Not; sei du, Emanuel, ihr ein treuer Gatte, eine starke Stütze im Leben, sei du, Regina ihm eine treue, liebende Hausfrau, bis der Tod Euch scheidet Und so meine Kinder empfehle ich Euch dem Schutze des Ewigen.‘ Ephraims Augen füllten sich mit Tränen, auch die Frau weinte leise und sagte mit tief ergriffenem Gemüte: ״Ei, Ephraim, du segnest ja deine Kinder, als ob du sterben gingest." ״Wer weiss!“ sagte der Jude mit schmerzlicher Rührung leise. (Schluss folgt). ל כ ה ד ו ד י. Geliebter, komm der Braut entgegen, Dass freundlich wir empfangen mögen Den Sabbath, diese Himmelsbraut! ״ ־Gib Obacht auf die Sabbathruh!“ .,Des Sabbaths stets gedenke du!“ Zu gleicher Zeit liess hören dies Der Gott, der einzig sich erwies. Allein regiert er weit und breit ln Ehr’ und Ruhm und Herrlichkeit. Dem Sabbath kommt entgegen schnell! Denn er ist ja des Segens Quell. Zum Herrscher war er schon geweiht Seit Anbeginn, seit früher Zeit. Wenn eingerichtet auch zuletzt, War er schon anfangs festgesetzt. O Königsstadt, du heil’ger Ort, Auf, geh aus der Verwüstung fort! Genug ist deiner Leiden Qual Im öden Maulbeer-Trauertal. Voll Mitleid kommt dein Hort heran Und nimmt sich dein mit Liebe an. Mein Volk! Entled’ge dich des Schutt’s' In dem du lagst betrübten Mut’s 1 Zieh an die Kleider deiner Pracht; Denn durch Isais Sohnes Macht. In Bethlehem geboren, naht Erlösung sicher, wenn auch spat! Ermuntre dich! Auf, zögre nicht! Denn sieh, schon strahlt dein Geisteslicht. Wach auf, wach auf, du Licht, und fang Zu singen an den Lobgesang! Es wird des Herren Glanz und Pracht An dir nun offenbar gemacht Ach, werde doch nicht rot vor Schand! Was beugst du dich voll Unverstand? Was jammerst du und grämst dich so? -י- Einst wird doch wieder bei dir froh Der arme Mann, der Sorgen hat Und aufgebauet wird die Stadt Der Gott der Rache duldet nicht, Dass man dir speit ins Angesicht! Dein Plünderer wird schwer bestraft, Der dich zerstört, wird hingerafft. Gott jubelt über dich so laut, Wie sich der Bräut’gam freut der Braut. Ausdehnen wird sich deine Macht Nach rechts und links in grosser Pracht Als furchtbar anerkennen wiist Du auch den Herrn, der Völker Fürst. — Welch’ Freude werden wir empf^h’n, Wenn wir sehn den Erlöser nah’n f O, zieh in Frieden bei uns ein, Du, deines Gatten gö)dner Schein 1 Zieh ein mit Jubel und mit Braus Bei uns, auf die im Gotteshaus Der güt'ge Vater niedersetuut! Zieh ein, o Braut! Zieh ein, o ßraut! Geliebter, komm der Braut entgegen, Dass freundlich wir empfangen mögen Den Sabbath, diese Himmelsbrautl Walter Asch-Posen.