Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 7 & 8 (Juli-August 1907)
- Date
- 1907-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 45 יקראו ואני אענה ehe noch die Gedanken richtig entwickelt waren, haben sich Teile von ihnen verwirklicht. Unsere rührige Münchener Ortsgruppe hat sich mit dem dortigen neugegründeten Mekor- Chajim* Verein zur Pflege des Thorastudiums vereinigt und kann eine rege Beteiligung melden. Da wird ferner der Wunsch ausgesprochen, die jüdischen ״Lernvereine“ möchten sich zusammenschliessen und auch dieser Idee liegt die Absicht zu Grunde, in diesen Vereinen durch gegenseitige Aufklärung eine Für* derung des Thorastudiums herbeizuluhren. Nun höre ich schon den geehrten Leser fragen: Was hat denn das alles mit unserem Verband der Sabbathfreunde zu tun? Sehr, sehr viel! In dem vorigen Artikel war das Fazit gezogen worden, dass es eine hauptsächliche Aufgabe unserer Ortsgruppen sein müsse, der Pflege des Thorastudiums, 'der Festigung der Ueberzeugung überall dort, wo sich in der Sabbatheiligung ein ausdauerndes Festhalten an unserem göttlichen Gesetze dokumentirt, wieder einen ertragreichen Nährboden unter allen Umständen zu schaffen. In verschiedenen Zuschriften wird nun der Gedanke sehr freudig begrüsst, aber angenommen, dass seine Verwirklichung eine sehr schwierige, ja unter manchen örtlichen Verhältnissen eine unmögliche sei. Die einen sagen : Wir haben das schon längst probiert, haben uns die Ein- ״ richtung von Lehrvorträgen sogar Geld kosten lassen, es ging aber nur eine kurze Zeit, dann war es aus.: Die anderen meinen, man dürfe doch den bestehenden Lernvereinen keine Konkurrenz machen. Sie befürchten wegen unlauteren Wettbewerbs mit dem Strafgesetzbuch oder wenigstens mit dem ungeschriebenen Gesetzbuch der Verträglichkeit in Conflikt zu geraten. In beiden Fällen ist die Zurückhaltung eine durchaus unbegründete. Was einmal nicht gut gegangen ist, kann unter veränderten Verhältnissen umso besser gehen. Und die Verhältnisse sind heute andere, sind bessere als ehedem. Wir haben heute unsern ״Verband der Sabbathfreunde“ und durch ihn eine Bestrebung, die uns auf die Gefahren hinweist, welche mit dem Verlust unseres tatenfrohen altjüdiscben Bemühens verbunden sind. Nur dort, wo fortdauernd das Thorastudium gepflegt wird, werden sich Männer mit dem echten Empfinden für die Kämpfe unserer Zeit finden, nur dort wird die Sabbathbut für Geschlechter wohl geborgen sein. Dieses Bewusstsein ist ein stärkendes und mit diesem wird sich mehr erreichen lassen, als in einer früheren von ihm nicht genug erfüllten Zeit. Und dann, was ist bisher versucht worden? Man hat von privater Seite, bat von seiten der Gemeinde oder im Anschluss an die Schule Lernkurse eingerichtet. Da hat dem einen der Veranstalter nicht zugesagt, der andere wollte sich, froh der Schule entlaufen zu sein, nicht wieder auf die Schulbank setzen und ein dritter gar glaubte, in der Gemeinde eine Zurücksetzung erhalten zu haben und mied deshalb die von ihr veranstalteten Lebrvorträge. Man wird nicht sagen können, dass dies gerade edle Motive sind, welche hier wahllos als solche zur Meidung der Gelegenheit zum Thoralernen herausgegriffen sind, man wird aber zugesteben müssen, dass solche Beweggründe leider manchen vom ״Lernen* zurückhalten. Das bat sich jetzt aber geändert. Wer ruft Euch zum ״Lernen“ f Es ist Euer aller und Euer bester Freund, der שבת. Da giebt es keine persönliche und keine anders geartete Einwendung. Ihr wollt den Sabbath heiligen, heiliget ihn: indem Ihr Euch mit der Tborah in der Hand selbst heiligt! Da ist aber noch die bange Furcht, man könne gegen die Lernvereine verstossen. Doch die ist leicht zu bannen. Macht’s wie es die Münchener in richtiger Erkenntnis eines gedeihlichen V irkens gemacht haben• Schliesst Euch mit diesen Vereinen zusammen und auf diese Weise werden wir den Zusammenschluss aller Lernvereine gar bald verwirklicht seh^n, ohne auch nur einen Finger zu krümmen. Werden keinen neuen Vorstand, keine neuen Statuten gebrauchen, sondern auf dem natürliebsten Weg zum Ziele gelangen. Was muss also unsere Parole sein? sie muss lauten: Wo es möglich ist, auf dem Bestehenden aufbauen, wo es aber nicht geht, frischen Mutes an die Neugestaltung der Dinge herargehen! Nicht zu wenig Rücksichten nehmen, aber auch nicht durch zuviel ungebotene Rücksicht den Erfolg m Frage stellen. \ ם ־ - Nun giebt es freilicl\Pessimisten. die warnend entgegnen: die Rechnung stimmt nicht! Die Welt, auch die jüdische und auch die der kleinen Orte (was für uns Grossstädter ein Compliment sein soll) ist gar schlecht. Da liegt ja ein langes Sündenregister auf dem Schreibtisch, das von hier auf ihn geflogen ist, und da wird auslührlicb erzählt, es Hesse sich mit der heutigen Jugend nichts mehr anfangen, sie sei total verderbt, wolle von jüdischer Belehrung nichts wissen und dagegen gäbe es keine Hülfe. 0, doch! Die Hülfe liegt nahe, man verbanne diese Schwarzseher, die, wo sie sich auch, befinden, unserem besten Wollen schaden, und die unsere Jugend darum in so schlechtem Lichte sehen, w^il sie sich nie bemüht haben, sie zu bessern und ihr dm richtige geistige Kost zu reichen. Viele unserer Besten gehen an diesem Mangel gesunder Luft, die auch zum jüdischen Leben gehört, zu Grunde. -Wenn wir es nicht verstehen werden, unsere Jugend zur Freude am Sabbath, zur Erquickung am Borne unserer heiligen Thora zu erziehen, dann freilich müssten wir die Waffen strecken vor diesen Pessimisten und ihnen zugestehen: Ihr habt recht, gehabt! Doch nein, wir wollen’s nicht, wir wollen gesunde Verhältnisse in unserem jüdischen Kreise schaffen, wollen auf uns und unsere Kraft vertrauen und der Allgütige wird uns beisteben denn: הנא לטה־ מסייעין אותו. Willst du vor Gott in Reinheit dich ergehen, Vertrau: Er wird an deiner Seite stehn! Ein neuer Erfolg in Sachen der Sonntagsruhe. Nachdem es vor einigen Monaten gelungen ist, in München in das Gesetz über die Sonntagsruhe die erste Bresche zu legen, können wir heute zu unserer grossen Freude von einem neuen Erfolge berichten der diesmal im Norden des Reiches, in Posen, erzielt wurde. Dort hatten die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am 3. Juli den Beschluss gefasst die bisher freigegebenen Stunden erheblich zu kürzen. Darauf wendete sich unsre dortige Ortsgruppe mit folgender Eingabe an den Magistrat: Eingabe der Ortsgruppe des Verbandes der Sabbathfreunde, an den Magistrat der Stadt Pcsen betr. der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe In der Stadtverordneten-Sitzung vom 3. Juli d. J. wurde der Beschluss gefasst, die bisherige fünfstündige Geschäftszeit am Sonntag um l1(! Stunden für Detail-Geschäfte und um 3’/? Stunden für Engros-Geschäfte zu kürzen. Diese Verschärfung der Sonntagsruhe, die schwere Besorgnisse bezüglich der sabbathhaltenden Geschäftsinhaber erweckt, veranlasst den ergebenst Unterzeichneten Vorstand der Ortsgruppe des Verbandes der (■abl athfreumie den verehrlichen Magistrat um Berücksiebtung der Interessen dieser Geschäfte za bitten. \