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Der Sabbath · 1907-05-01 · 5 & 6 (Mai-Juni 1907) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
7 (1907)
Issue
5 & 6 (Mai-Juni 1907)
Date
1907-05-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Der Säbbath. Hamb•■’!, 19. März. (Eig. Mitt.) Der beim Infan terie-Regimeat ־ Graf Bose .(1. thüringischen! No. 31 in Altona dienende Musketie!*'! Mägge wait wie wir berichteten, vor einigen Monaten kriegsgericht- 1 lieb za drei Wochen strengen Arrests and dann za sechs Wochen Gefängnis verurteilt worden, weil er sich als Adventist gewei- ■ gert hatt^, vo!4 Freitag Abend bis Sonnabend Abend Dienst za tan. ־: Er bal *die •Strafe ,fühig verbäsat. Dieses Vorkommnis gab der Gei meinsihaft Ai^ventisten vom 7. Tage in Bremen Veranlassung, an ded Keilet das Gesuch za richten, den Unsketier Mügge von | dem auf Preitag von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang am I Sonnabend fallenden Dienst zu befreien. Das Gesuch wurde dem j Generalkommando des II. Armeekorps zur Prüfung überwiesen.! DieagrjjuMden Auftrag ausgeführt und der Gemeinschaft der Ad- : ventMatQueilen lassen, dass das Generalkommando nach Lage der GesetggeVpif nicht in der Lage sei, dem Gesuche stattzugeben. Das^Gcsuch ist dtm preussischen Kriegsministerinm zur Kennttisi nahmfe übersandt worden. Hamburg, 30. April. (Eig. MitteiL) Zum dritten Male hatte sich der Musketier Mügge von der 2־. Kompagnie des in Altona stehenden Infanterieregiments Graf Bose 11. tbüring.) No. 31 vordem Kriegsgericht der 18. Division in Artona wegen Ungehorsams zu verantworten. Mügg^j^ebürt der religiösen Sekte der Adventisten v o.m siebente h Tage an und ist schon einmal zu 14 Tagen strengen Arrest und das zweite Mal zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Kriegsgericht erkannte diesmal auf drei Monate einen Tag Gefängnis. Paris. iKriegsministerium nndjüdische Feiertag e). Das Kriegsministerium hat dem Präsidenten des Zentralkonsistoriums in Paris auf eine diesbezügliche Anfrage den Bescheid erteilt, dass es 'in Zukunft Sache der französischen Militärpersonen sai, um Befreiung vom Dienste wegen jüdischer Feiertage bei den Behörden einzukommen. Bis jetzt war eine derartige Massregel nicht nötig gewesen, da ein Zirkular vom 10. Dezember 1888 die Befreiung vom Dienste vorschrieb. Petersburg, 1. Mai. In Sachen der Sonntagsruhe in ßussland wird' folgendes mitgeteilt: Am 13. März fand in Wilna eine Versammlnng der Handelsangestellten statt, nm über die Frage des Normalrnhetags und eine darauf bezügliche Resolution zu beraten. Es wurde die folgende Resolution angenommen: ,,In der Frage über den normalen Ruhetag bat die gemischte Kommission zu bestimmen, dass die jüdischen Angestellten vom 1. September bis zum 1. April ihre Arbeit Frei£|g nm 3.30 Uhr nachmittags und vom 1. April bis zürn l.-Septemb{J^^• Freitag um 7.30 Uhr abends endigen. Die Arbeit fängt füriifbden am Sonntag um 9 Uhr morgens an. Auf diese Weise ergibt sieb, dass sowohl Juden wie ancb Christen über 40 frfeie Stunden wöchentlich verlügen. In Geschäften, wo Christen und Juden zusammen arbeiten, werden zwei Tage, — Sonnabend und Sonptag, — von allen Angestellten gefeiert“. —*Die Stadtduma von Zytijnrir beschloss, den Juden und Christen zu erlauben, ihre Gepchifte während der christlichen Feiertage offen zu halten, doch sind die letzteren verpflichtet, den Handel ohbe Teilnahme des Personals selbst zn verrichten. — .Die gemischte Kommission in Slonira hat nach langen Debatten beschlossen, die folgende Resolution über die Sonntagsruhe anzunebmen : ״Da der ganze Stadtbandel durchweg in jüdischen Bänden konzentriert ist, so sollen die Geschäfte am Sonnabend geschlossen- und am Sonntag geöffnet werden“. — In Hornel sprach sich die gemischte Kommission dagegen aus, dass die .jüdischen ^Genchäftc am Sonntag geschlossen bleiben sollen, weil der ganze Hanael sich in jüdischen Händen konzentriert. Antwerpen, den 7. Mai 07. Ich habe Ihnen, so schreibt man von hier dem Israelit, kürzlich mancherlei von der Gemeinde ״Machsike Hadass* erzählt; heute will ich von anderen Dingen plaudern, die Sie hoffentlich auch interessieren werden. Wie Sie wohl wissen, ist heute^Antwerpc handel sowohl, wie hat in dieser Hinsi«fh Auf viele ■Millionen t l anptplatz der Welt für den Diamantens für die Diamantverarbeitung, und es längst Amsterdam den Rang abgelaufen• h> sich die Summen, die hier in dieser Branche jährlich umgesetzt werden. Sie werden mich fragen, warum ich Ihnen das erzähle. Nun, Sie wissen vielleicht nicht, dass dieser enorme Handel und die ausgedehnte Verarbeitung vollständig ia Händen der Juden sind. Wenn man mittags hier durchdie Peli-׳ kaanstraat geht, so kann man sie zu Hunderten vor der Diamantbörse und dem Diamantklub stehen sehen. Reichsdeutsche sind sehr wenige darunter, fast alle sind einst als arme junge Leute von Russland, Galizien und Ungarn hierher gepilgert und fast allen ist es gelungen, sich eine gesicherte Position zu schaffen. Und wenn es ihnen dann gut ging, liessen sie ihre Verwandten und ihre Freunde nachkommen. Leider aber, und das ist sehr zu bedauern, haben die meisten gar bald dem orthodoxen Judentum Valet gesagt, und nur wenige sind es noch, die fest und treu zu unserer heiligen Thora halten. Einen zählen sie unter sich, dessen Namen an dieser Stelle zh nennen, ich mir nicht versagen kann. Es ist dies ״der alte Ratzersdorfer“, wie man ihn hier nennt, Herr J. H. Ratzersdorfer. Die grösste Synagoge der Gemeinde Macbsike Hadass ist ausschliesslieh sein Werk, das er bereits geschaffen batte, als noch kein Mensch an die Gemeinde dachte. Nicht nur Antwerpen bat ihm unendlich Viel zu verdanken, sondern hauptsächlich Palästina ist es, wo er in segensreichster Weise wirkte, und das er, von heisser Liebe zur jüdischen Heimat durchglüht, so oft besucht hat. An ihm könnten sie sich alle ein Vorbild echten Judentums nehmen. Wenn die Diamanthändler und Fabrikanten fast alle Juden sind, sind es die Diamantarbeiter anr zum kleineren Teil. Unter Diamantarbeitern muss man sich aber Leute vorstellcn, die finanziell besser gestellt sind, als viele, vielleicht die meisten Prokuristen, Disponenten u. s. w. in hiesigen kaufmännischen Betrieben und auch besser als maache Kaufleute in Deutschland. Vorzugsweise gilt das von den sogen. Cleaver, die die schwierigste Kunst betreiben, den Diamant kunstgerecht zu zeiteilen, und die in der Mehrzahl Juden sind. Fast alle diese Arbeiter gehören zu dem grossen ״Bund“, einer unabhängig von. politischen Parteien gebildeten Vereinigung mit lediglich wirtschaftlichen Zwecken- Eine solche ■Vereinigung, natürlich in kleinerem Massstabe, täte auch den hiesigen kaufmännischen Angestellten in den am Schabbos geschlossenen Geschäften sehr not. Man spricht in diesen Kreisen lebhaft von den Bestrebungen des ״Verbandes der Sabbathfreunde*, von dem man in letzter Zeit viel Rühmenswertes gehört. Man hat auch dem Gedanken, eine Ortsgruppe des Verbandes der Sabbathfreunde zn gründen, feste Form za geben versucht. Hoffentlich ■verwirklicht sich dieser Gedanke in nächster Zeit. Dieser Tage hatte ich Gelegenheit, am Hafen einige jüdische Arbeiter zn sprechen, die mir erzählten, dass ungefähr einige zwanzig von ihnen am Sabbath nicht arbeiten. Sie sind vor langen Jahren hier heransgev.ändert und haben, da sie schliesslich nichts Besseres fanden, als Dockarbeiter Stellung gefunden. Die Leute arbeiten schwer, aber, wie sie mir sagen, sind sie trotzdem zufrieden mit ihrem Berufe, stehen mit ihren christlichen Kollegen in bestem Einvernehmen und vor allem, sie haben es durchgesetzt, dass sie ihren Sabbath halten können. An ihnen dürften sich die׳ Diamanthändler und Arbeiter ein Beispiel nehmen. Ephraim Reubl. Novelle von Anton Langer. (Fortsetzung)״ Dieser tat es und bestätigte, dass Diether Schlagnitweit erst am verwichenen Festtag den Juden kennen gelernt habe, bei Gelegenheit eines Scherzes, den sie sich in übermütiger Weinlaune erlaubt hätten; seines Wissens sei Diether nie zuvor mit dem Juden In einer Verbindung gestanden, auch habe es dem Studiosen nie an Geld gefehlt■ Diether warf bei diesen Worten seinem •Freunde einen grimmigen Blick zu, aber dankbar ruhten die Augen Ephraims auf dem jungen Manne, der so offen und ehrlich die Wahrheit sagte. ״Seid Ihr noch immer entschlossen, Eure Aussage mit Euren Ehrenworte zu bekräftigen,“ fragte der Stadtrichter. ״Ich bin’s“ versetzte Diether.

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