Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 5 & 6 (Mai-Juni 1907)
- Date
- 1907-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 5 öse Ueberzeugung er hege. Er denke, dass die Resolution dem Parlamente übermittelt werden solle. Die Resolution verlange nichts, als dass die Juden der Segnung ihres eigenen Sabbath teilhaftig werden könnten. Das sei gewiss nicht zu viel verlangt. Die Erfüllung dieses Verlaugens könne niemandem schadon. Warum sollten die Juden denn am Sabbath arbeiten? Muss, weil sie eine Minorität sind, nicht auf sie Rücksicht genommen werden? Er hoffe, die Juden würden fest bleiben und ihre Differenzen begraben; man׳ solle die Resolution einmütig annehmen. Als der Redner geendigt, wollte ein Sozialist eine Ansprache im jüdischen Jargon an die Versammlung halten. Es gelang ihm jedoch nicht, seine Absicht auszufübren. Darüber erhob sich wiederum grosser Lärm, der auch während der Ausführungen des folgenden Redners, des Herrn W. Thompson anhielt, der für die Resolution eintrat. Nur mit Mühe gelang es, die Ruhe wieder herzustellen. Die Resolution wurde angenommen. Herr Ben Davis beantragte eine zweite Resolution folgenden Inhalts: .,Die Versammlung begrüsst sympathisch den von Goddard Clarke im Parlament eingebrachten Gesetzentwurf betr. die Sonntagsruhe und spricht die sichere Hoffnung aus, dass die Klausel, wonach es den sich am Sabbath der Arbeit enthaltenden Juden erlaubt sein soll, am Sonntag zu arbeiten, die einmütige Zustimmung des Pariaments finden werde. Jedem Mitglied des Unterhauses soll eine Abschrilt dieser Resolution zugestellt werden.“ Der Antragsteller wendete sich gegen diejenigen, die den Sozialisten vorwerfen, sie wollten keinen Sabbathtag. Diese Behauptung sei falsch; ob Sozialisten oder Anarchisten, alle verlangen einen wöchentlichen Ruhetag. Es wäre sehr unklug, wenn sie von dem Recht keinen Gebrauch machten. Herr Rosen unterstützte die Resolution, die dann von der Versammlung angenommen wurde. Zur Erklärung des teilweise turbulenten Verlaufs der Versammlung bat — das muss noch bemerkt werden — zweifellos der Umstand beigetragen, dass die Mehrzahl der 3000 Teilnehmer, kein Englisch, sondernnur Jargon verstanden. Hinzu kommt, dass die Gewerkschaftsfrage die Gemüter gerade gegenwärtig sehr stark beherrscht; man wird daher hoffen dürfen, dass in einer künftigen Versammlung bei geeigneten Vorkehrungen vereinzelte Ruhestörer nicht auf ihre Rechnung kommen werden. ®סד ’-jf •י Unsere Zukunftsaufgaben! Von Max Neuberger, Berlin. Wer in einer Grossstadt lebt, die gleichzeitig für ihre Umgebung ein jüdisches Centrum bildet und mit offenem Auge die Geschehnisse im jüdischen Kreise beobachtet, wird stets finden, dass die Gelegenheiten zur ׳ Vertiefung in die jüdische Gedankenwelt, bestehe sie nun in Schiurim, freien Lebrvorträgen oder Einzelvorträgen auf jüdischem Gebiete, in prozentual weit höherem Masse von solchen jungen Leuten wabrgenommen wird, die von kleineren Plätzen nach der Stadt gekommen sind, als von den Stadteingeborenen selbst. Dieser Umstand ist schon häufig und wie es scheint nicht immer in der richtigen Weise zu deuten versucht worden. Der eigentliche Grund für das lebhaftere Interesse der vom Lande oder von kleinen Plätzen kommenden Jugend für die jüdische Ausbildung dürfte wohl hauptsächlich darin zu suchen sein, dass die jüdische Eigenart sich an dem kleineren Orten mit viel grösserer Frische zu erhalten vermag, weil hier die gesellschaftlichen Verpflichtungen, der Verkehr mit Andersdenkenden längst nicht in dem Masse wie in der Grossstadt, die Macht besitzen, den Blick für das Unjüdische zu trüben. Kommen dann junge Leu Le mit noch unberührtem Empfinden für das Echtjüdiscl e zur grösseren Stadt und werden sie nicht, wie das leid tr häufig geschieht, von schlechten Gefährten ins Schleppt* u genommen, so suchen sie ihre freie Zeit da zuzubringen, wo man dem positiven Eingehen 'auf jüdische Dinge huldigt, und freuen sich, in Vereinen und bei Unterricl t in jüdischen Dingen Gelegenheit zu haben, sich fortbilden zu können. Was folgt aber hieraus? Nur das Eine, dass es unendlich leichter ist, an kleineren Plätzen die Jugeni jüdisch zu festigen und ihr über den Schulunterricht hinaus eine gediegene Anhänglichkeit an das Ueberlieferta zu wahren, als in der grösseren Stadt. Die Ausbildung*- möglichkeit ist freilich vielfach an diesen Plätzen keine sehr grosse, es wird aber das einmal Erfasste viel gründlicher aufgenommen und mit viel mehr Wärme ver■ innerlicht werden können, da sich der Sinn des Lernenden ohne jede Ablenkung auf den Gegenstand konzentrieren kann. Aus dieser von den Verhältnissen gebotenen Me• thode ergibt sich daher eine reiche positive Stärkung des jüdischen Bewusstseins, die sich dann bei richtigen! •Verkehre in der grösseren Stadt mit grosser Nachhaltig keit äussert. Aus der so (entwickelten vorzüglichen Eigenschaft des ländlichen jüdischen Erzieh ungssystemes Hesse sich für unsere so vielfach an kleinen Plätzen errichtete! Ortgruppen ein überaus lohnendes Feld der Betätigung finden. Schon häufig ist die Frage aufgeworfen worden Was sollen die Ortsgruppen eigentlich dauerndes leisten!1 Ihre beste und für die Verfechtung des Sabbathgedanken:; wertvollste Arbeit dürfte in der Ausnützung •der gege benen. Verhältnisse liegen, indem sie sich bestreben solltet in die Jugend ein reiches jüdisches Wissen zu traget und jüdische Standhaftigkeit in den Gemütern der Jugend auf diese Weise zu befestigen. Man wird fragen, wo stehen uns denn dafür Mitte] zur Verfügung? Ja in der Grossstadt, da finden siel die Lehrkräfte, wir in unseren kleinen Verhältnisse! müssen froh sein, einen Lehrer zu haben, der unsere! Kindern das minimal Notwendigste beibringt, wie soll es uns möglich sein noch Grösseres zu leisten? Es Hesse sich aber die Frage umkehren: Warum habt ihr einen Lehrer der nur soviel und nicht mehr leistet? Die Antwort würde lauten müssen: Weil wir keine grösseren Anforderungen an ihn stellen! Schafft nur einmal erst den jüdischen Lehrkräften ein Betätigungsfeld, gewöhnt sie daran, der Jugend ihr Bestes zu geben, zeigt ihnen, dass ihre Bildung mit dem Verlassen des Seminares längst nicht abgeschlossen ist, ja dass die Ausbildung im Jüdischen überhaupt niemals ein Ende finden kannv dann werdet ihr auch die Männer in euren Gemeinden euch selbst heraDziehen, die ihr für eine wahrhaft-jüdische Ausbildung eurer Kinder gebraucht. Nun ist es wahr, die Jugend kann die Schule nur bis zu einem gewissen Alter besuchen — was dann? Gerade diese Frage soll der Gegenstand vorliegender Erörterung sein. Welches Bildungselement lässt sich an kleinen Plätzen für die schulentlassne Jugend schaffen? Die Verhältnisse an den einzelnen Orten sind sehr verschieden, es lässt sich kein gleichmässiges Rezept für alle aufstellen, aber es wird sich für alle, wo ein Wille ist, auch ein Weg zur Durchführung einer Weiterbildung finden lassen. Hier einige Vorschläge: Die Ortsgruppe des Verbandes der Sabbathfreunde bestimmt eine oder mehrere Stunden in der Woche zur Vereinszusammenkunft, entweder iu dem Gemeindezimmer (Schulzimmer etc.) oder bei einem der Mitglieder. Für