Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 4 (4.1907)
- Date
- 1907-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Der Sabbath. Mitglieder der Genossenschaft können nur Jaden sein. Ende 1905 waren 297 Mitglieder vorhanden, die Kr. 34584.— Einzahlungen geleistet hatten. Mit diesem relativ kleinen Kapital wurden im Berichtsjahre Wechsel-Kredite von über Kr. 220000.— gewährt, ohne dass auchnur in einem einzigen Kalle ein' Verlust eintrat! Als Jahresergebnis verbleibt ehr Gewinn von Kr. 535.—, der dem Reservefonds äberwiesen wird. Es zeigt sich also auch hier, dass bei vernünftiger Auswahl und steter Controlle eine Kreditgewährung, die in diesem Falle ja ohne jede Sicherheitsleistung erfolgte, sich sehr wohl durchführen lässt. » x: •V O Woran 8s liegt. 5 Sehr gefrier Herr Kedakttur: *Es war stets eine Hauptaufgabe unseres Verbands-Organ» kleine und grössere Mängel auf dem Gebiete der Sabbatheiligung zur Sprache zu .bringen. Sie werden daher einem kleinen Beitrage zu diesem Kapitel und einigen sich daran knüpfende Betrachtungen gerne seine Spalten öffnen, ln einem hiesigen am Sabbath geschlossenen Geschäfte ist es Gepflogenheit Freitag Abend besonders im Winter erst ca. s/4 Stunden nach Schulengehen ati schliessen. Der Chef begiebt sich nun zur Synagoge, Aufgabe eines jüdischen Angestellten dagegen ist es, jetzt noch Geschäftschlüssel, Cassette und dergl. nach dessen Wohnung zu bringen. Bis dieser junge Mann nach Hause kommt, und in Jen Genuss des Sabbath eintritt •— von Scbulengehen kann natürlich für ihn keine Rede sein — ist es vollkommen Nacht geworden, ■ das Machtgebot seines Chefs hat ihn also zu einem Chilful Schahljos gebracht. Man könnte vielleicht einwenden, die Sache wird sich nicht ^änz so verhalten, der Angestellte hat die Geschichte zur Beschönigung seines späten Heimkommens ersonnen. Dass dem nicht so ist, kann kh Sie versichern, geehrter Herr Redakteur. Die Situation wird noch dadurch verschärft, dass gerade der am längsten anwesende Teilhaber der Firma den Ruf eines guten Jehudi geniesst. und dass es sich andererseits, wie meist in solchen Fällen, um ein Lehrling handelt, der den Verhältnissen hilflos gegenüber steht. Dieser junge Mensch hat׳ in seinem Elternhause, auf einem kleinem Platze. ein streng jüdisches Leben vor sich gesehen, ist ihm auch hier treu geblieben und — sind seine jüdischen Kenntnisse auch schwache. so ist er bestrebt, sich diese hier anzueignen. Er kam nach Frankfurt a. M. im Glauben in einem streng jüdischen Geschälte ohne jeden Kampf um das kostbare Sabbathgut seine Lehre bestehen zu können, und er findet sich solchen Verhältnissen gegenüber. Br soll, in einem Alter in dem meist von einer festen C'haraktdrprägtlng noch keine Rede sein kann, unterscheiden können, ob reSp. ,dass seine geschäftfliehen Obliegenheiten mit seinen Pflichten gegen 'Gott kolüdieryn.^ ,ist es auszumalen, welche unheilvolle Kon- Sequenzen sich hierauesRür das weitere jüdische Pflichtenleben des jungen. Mannes ergeblSr können, den.u ist das Vermögen ״ben kaudesch lechaul* zu unterscheiden einmal geschwächt,- so ist der Weg bis zu׳ dessen völligen Verlust nicht mehr allzuweit, und ich glaube mit Repht fragen zu dürfen, ist der betreffende Chef gewmt die Verantwortung dafür auf sich zu nehmen? Nicht umsonst sagen unsere Weisen, wer die Sabbathgrenzen nicht einhälf- ״enau raue' szimon brocho* der sieht keinen dauernden Erfolg seineh. geschäftigen Mähens. Möchte man sich doch grade in unserer Zeit diesen Ausspruch vor die Seele führen, und möchte man sich fragen, woher es rührt, dass vielen im Geschäftsleben stehenden Brüdern, die -den Sabbath heiligen, selbst solchen, deren Unternehmungen von Erfolg gekrönt sind, die innere, die seelische Rnhe fehlt dasajäei äusserer Sabbathruhe der Sabhathfrieden nicht in ihre Brust eifiaiehen will. Sollte angesichts dieser Tat- Sachen noch jemand behaupten wollen, dass das, was er auf Kosten d«s Sabbath bei dessen Eingang und Ausgang erhastet, wirklich noch ein Gewinn für ihn bedeute, der das ideelle Defizit übersteige. Und dabei erscheint es doch noch sehr fragewürdig, ob denn die peinliche Einhaltung der Sabbathgrenzen nun tatsächlich einen materiellen Entgang für ihnJredentet hätte — zahlenmässig za beweisen ist es ■atürlicn nach£JJmer Seite hin' — und dennoch, wenn wir rückwärts blicken auf did^pChichte unserer Vergangenheit, so redetsie Zahlen; den Vätern iq'jfiyL Wüste wurde wochentags doppelter Segen zu teil im Hinbligpßf den Sabbath und auch der Ghetto-Jude, wenn er am Freitag Ipttag zu seinen Lieben heimkehrte, hatte aasgesorgt für den SabbfctM Für nnsjfee Zeit der ausgedehnten Betriebe kommt noch als weiterer Faktordfe Rücksicht anf die Angestellten hinzu und zwar in praktischer Hinsicht, sowohl auch in ideeller. Praktisch, dadurch, dass der junge Mann durch eine Unsitte wie die geschilderte tatsächlich zu einer Uebertretung kommt, ideell, da ihm sein Chef als das Muster eines guten Jehudi gilt und er annehmen muss, dass eine kleine Verletzung der Sabbathgrenze nichts auf sich habe. Wird er sich deren aber bewusst, so ist es aber mit der Mustergültigkeit seines Chefs für ihn, für den ein Beispiel häufig alles bedeutet, bald vorbei, freundliche Genossen, die bemüht sind ihn von seinem jüdisehen Pflichtleben abzubringen, werden ihm ins Ohr flüstern, ,siehst Du Freundchen, so sind die Frommen“, die heucheln ja nur, wir dagegen tun alles offen und ehrlich, sind bessere Menschen und machen uns das Leben nicht so schwer; und es wäre zu verwundern, wenn sie nicht bald gewonnenes Spiel hätten. ln solchen scheinbar kleinen Anlässen dürfte häufig des Rätsels Lösung stecken, wenn wir nicht verstehen, dass jemand, den wir als 'einen frommen Jungen kannten, uns als ein anderer wieder begegnet. Der Sabbat ist nicht der einzige Stein des Anstosses; auf dem mit Dornen und Disteln bestreuten Wege des Geschäftslebens liegen mannigfaltige Gefahren für die sittliche Vollkommenheit des selbständigen Kaufmanns sowohl als auch seiner Angestellten. Deshalb sollte jeder wahrhaft fromme Geschäftsmann eifrig darüber wachen, dass sein Geschäftsbetrieb und sein Geschäftsgebahre■ für niemanden ein Stein .des Anstosses werde, sollte sich bewusst sein, dass abgesehen von הקב״ה seine Nebenmenschen, dass vor allen seine Angestellten, die iha ja ständig beobachten können, grade ihn mit doppelt scharfem Massstabe messen und sollte dadurch der ganzen Grösse seiner Verantwortung inne werden. Wie grade Kinder die schärfsten Beobachter für die Schwächen der Eltern nnd Erzieher sind, so sind es Angestellte für die Schwächen ihrer Prinzipalität, der ja auch, besonders gegenüber jüngeren Angestellten gewisse Erzieherpflichten obliegen. Die Auforderungen, die die Thora an den Juden stellt, lassen nun einmal nicht zu, dass das rein geschäftliche ausgeschieden wird, die darauf bezüglichen Pflichtgebote reihen sich den höchsten Sittlichkeit?- gesetzen an. Genaa wie im Eltejpffhaus, wie überall sonst im Leben treten uns auch in der Angdstelltenwelt vier Charakter-Repräsentanten entgegen, und kein Cflef kann ihnen ausweichen. Schon deshalb aber mass er für jede seiner Handlungen Rede und Antwort stehen können; makellos muss sein ganzes Geschäftsgebahren sein, sollen nicht die schlimmsten Folgen daraus erwachsen. Nicht grade für den bewussten jüdischen Angestellten oder den vollendeten Roschoh, anf die bleibt auch das Gegenteil ohne direkten Einfluss, sie werden es höchstens mit verschiedenen Gefühlen wahrnehmen. Weh’ aber für den ,Tarn“ and den ,Scheenau jaudea lisch ,aal“, wenn ihnen der Roschoh antwortet, oder ihnen gar den Mund öffnet. Er wird ihnen den Glauben an ihren Chef bald geraubt haben, er wird ihnen viel leichter noch manches andere rauben können, bis sie schliesslich ganz in . sein Netz gehen. Es sind keine Theorien, die ich hier aufstelle, geehrter Herr Redakteur, mein Warnruf beruht auf Tatsachen und sind glücklicherweise die Folgen nicht immer die schlimmsten, so ist dies meist anderen Umständen als gerade der Mustergültigkeit vieler Chefs zu verdanken. Gerade den kleinen Unredlichkeiten, Ausreden, Beschönigangen begegnet man in der Praxis, nicht zuletzt beim Metier des Reisenden, nur zu häufig, ja sie sind leider zu eingebürgert, dass man sich meist ihrer gar nicht bewusst wird; möge deshalb jeder wahrhaft jüdische Kaufmann, der sich sonst seiner Verantwortung bewusst ist, in seinem und seiner Angestellten Interesse eifrig darüber wachen, dass sie in seiner Geschäftspraxis keinen Platz finden. Es giebt wohl Leute die behaupten ohne solche kleine Tricks könne der Kaufmann nicht zorechtkommen; den Mut es einmal ohne sie zu probieren, hatte wohl noch keiner von diesen. Natürlich lässt sich in Zahlen ebensowenig wie bei der Sabbatheiligang Dachweisen, dass es auch ohne sie geht; aber selbst ein materieller Entgang würde reichlich' aufgewogen, durch die volle innere Befriedigung, die aa Stelle eines meist nur künstlich beruhigten Gewissens träte. Wir wissen wohl, wie schwer das Geschäfsleben heute ist; es muss aber auch früher nicht leicht gewesen sein, würden unsere Weisen z. B. sonst sagen: Parnoso ist schwieriger als Krias jam suL Jedoch auch hier hatte keiner den Mut voranzuschreiten nnd ent ein Nachschaan ben Aminodow musste die Führerrolle Überpehmen, um ein ganzes Volk den gleichen Pfad einschlagen zu lassen. Warum sollten es nnsere Grössen im jüdischen Geschäftsleben nicht können und zum mindesten ihre Zöglinge, die Angestellten, die in ihrem Geiste aufgewaebsen sind, werden in ihren Bahnen fortwandeln. Sicheren Fusses würden sie ihren Geschäftspfad dahinziehen, die dräuenden Wogen, die sich zu seinen Seiten anftürmen, würden ihnen nichts anhaben können, und rechtzeitig würden sie ihn verlassen, um dem Sabbath in die Arme zu eilen, der am anderen Ufer ihrer wartet. Ein inniges Band der Verehrung und der Anhänglichkeit würde ׳ dann die Angestellten mit der Prinzipalität verbinden, 80 manche Gegensätze würden schwinden; es wäre der Weg geebnet, auf dem es nar rüstig fortschreiten hiesse, um noch so manches