Mannheim
Compact Memory

Der Sabbath · 1907-04-01 · 4 (4.1907) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Sabbath
Volume
7 (1907)
Issue
4 (4.1907)
Date
1907-04-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/4874912-5428448-5428524--207-4875093
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Sabbath. 2q 41er Lehrliugo gleichgültig wäre. Herr Arthur E. Franklin erinnerte an die Opfer, die die aas dem Ausland stammenden Schutzbefohlenen des Board für ihre Religion bringen, es wäre eine Feigheit, wenn man die Heilighaltung des Sabbath als eine unwichtige Sache betrachtete. Uehrigens werde man für keinen Lehrling mehr eine Stelle mit Sabbathdispens bekommen, wenn man Herrn Stettauers Vorschlag folge. Auch der Vorsitzende, Leonhard L. Cohen, trat Stettauer mit scharfen Worten entgegen. Er erklärte, dass man lange werde warten m issen, bis der Board seine Hand dazu j gebe, Lehrlinge in Stellen unterzubringen, in denen sie am Sabbath arbeiten müssen Herr Stettauer trat j schliesslich eine Art Rückzug an und sagte, er habe der! Entweihung des Sabbath keinen Vorschub leisten wollen; { er wünsche nur, dass der Board sich nicht nur mit jungen; Leuten, die den Sabbath beobachten, befasse. Darauf I wurde der Antrag Stettauer nebst einem Amendement, j •das dazu eingebracht worden war, ab ge lehnt. (Israelit.) Das Sabbathproblem in Oesterreich-Ungarn*) Von Ri'ibiner 1!. Winter in Charostkow (Galizien). - ” י Mau int uns Juden mit Reiht die c׳.vi!;!n Optimisten;111111׳»׳. Das ist sicherlich keine L:ntu״e111, denn der malern, mit so grossem Behagen gepdegte und so laut verkündete absolute Pessimismus ist gar zu oft eine blosse philosophische Verbrimang für den krassen Materialismus, für die unersättliche Genusssucht. Jeder wahre Idealist, jeder der nach Vollkommenheit und Hjsserimg auf sittlich geistigem Gebiete strebt, ist ein Optimist, denn nur ein optimistischer, begeisterter Idealist k.tnu sich zu der Tugend der Selbstvergessenheit, der Aufopferung aufschwingen. Allein manche Juden in unseren eigenen!leihen kranken leider an einem übertriebenen Optimismus, Jer zum unseligen ladiffcrcutisinus uns führt! Ja, dieser übertriebene Optimismus, dieser Mangel an Verständnis für die Sprache der Zeit führt mit strenger Konsequenz zur Kurzsichtigkeit, zu Gedanken- und Tulcntlosigkcit. 111 letzter Zeit habe ich die betrübende Erscheinung unserer Tage, die Überhandnehmcode dabbathentweihung zum Gegenstand der Besprechung genommen. In einem in diesen Blättern — Nu. :!•> — erschienenen Aufsatz habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass die Schaffung einer Organisation m׳t der Aufgabe, jiilisehen jungen Leuten, die den Sabbath und die jiilisdicn Festtage heilig halten wollen, Stellen zu verschaffen, in denen ihnen diesbezüglich keine Hindernisse entgegentreteu, wie dies in den Grossgemeinden Deutschlands seitens der Gesetzestreueu vor einigen Jahren emgerichtet wurde, ebenso in Oesterreich-Ungarn am Platze wäre, ja diese Maassregel passt leider nur zu gut auf die in Oesterrcich-Uugara herrsehenden Zustände. Meine Erwartung aber, dass dieses dazu führen werde, dass die berufenen Kreise Oesterreichs-Ungarns nicht länger dem hereinbrechenden Verderben massig zaschauen,.sondern sich zu Abwehrmassregelu aufraffeu werden, hat sich leider, wenigstens bis nun. uicht erfüllt. Wohl sind mir verschiedene Zuschriften zagegangen, in denen diese Anregung mit Freuden begrusst wurde. Auch haben tatkräftige Persönlichkeiten der jüdischen Geschäftswelt mit Organisationstalent sich der guten Sache zur Verfügung gestellt. Die Beteiligung ist aber vorläufig leider zu gering, als dass diese Idee greifbare Gestalt annehmen könnte. Denn ein vereinzeltes Vorgehen, das nur ein grosses Material an Stellensuchenden, aber wenig zu besetzende Posten bat-, wäre verfehlt. Wir dürfen aber immerhin in unserem Streben nicht entmutigt werden, vielmehr dürfte darin derzeit die Gefahr, die dem Sabbath droht, erblickt werden, die umso grosser ist, als dieselbe als eine solche von vielen, ja sogar streng frommen Kreiseu nicht betrachtet wird, und um>0111ehr auspornt zu energischem Vorgehen, ja, der Gegenstand sollte nicht von der Tagesordnung abgesetzt wferden, bis er seine befriedigende Erleliguug gefunlen hat. Wahrlich, es bedarf nicht vieler Worte, um die Notwendigkeit I der Schaffung einer solchen Organisation für Oesterreich-Ungarn ins richtige Licht.zu setzen. Han braucht nur einen Augenblick daran za denken, wie eine immer grösser werdende Anzahl von jüdischen jungen Söhnen streug religiöser Eltern, die infolge ökonomischer Hot hinaus in die Fremde wunderten, trotz ihrer gewissenhaften ד Aus So. SS der ,Oester. Wochenschrift“. jüdischen Erziehung, infolge der grossen Schwierigkeiten, mit denea sie zn kämpfen haben, ohne dass ihnen von frommer Seite mit Bat und Tat an die Hand gegangm wird, endlich, nachdem sie eine längere Zeit in Qual und Acrgcr zugebracht, den Eindrücken erliegen, die sie da von einer irreligiösen Umgebung empfangen haben und nach und nach das religiöse Pflichtbewusstsein einbüssen, um von der dringenden Notwendigkeit überzeugt zu sein, dass hier anverzüglich an die Arbeit gegangen werden muss, na;•דקדוק• עגיות מעביר דאדם עיר וער דעת קונו die wirtschaftliche Not in ihrer krassesten Form führt den Menschen hinaus über das, was er selbstwill und was die Ileligipn von ihm will. Dass sich bei gutem Willen und ernster Mühe viel erreichen lässt, lehrt׳ Deutschland, wo die Bewegung zu Gunsten des Sabbaths grossen Umfang angenommen und überaus herrliche Erfolge zu verzeichnen hat. Tatsächlich gibt es noch eine grosse Anzahl Geschäfte, darunter Weltlirmen, die am Sabbath und an jüdischen Festtagen geschlossen halten. Wenn es trotzdem für einen jungen Mann, der seinen religiösen Grundsätzen treu blcibea und den Sabbath halten will, ausserordentlich schwer ist, eine solche Stelle zti erlangen, so liegt es offenbar an dem Fehler! einer informations-und <irganisatioasstelle, die es in erster Linie dahin bringen könnte, dass die Chefs der .ain Sabbath geschlossenen Geschäfte die Posten nur mit solchen jungen Leuten besetzen, denen es mit der Hcilighaltang des Sabbaths auch ernst ist. Solche, denen es gemäss ihrer Erziehung oder Anschauung einerlei ist, ob sic am Sahbath arbeiten müssen oder nicht, linden, wenn sie etwas Tüchtiges leisten, immer verhältnismässig leicht in nicht oithodoxcn Häusern eine Stelle, während sie den freien Tag im günstigen Fall zu einem Nebenerwerb benutzen uni den orthodoxen Kollegen nur unnötig Konkurrent machen. Lastet nicht in Anbetracht dessen.eine schwere Verantwortung auf den Kreisen, die hier einzugreifen berufen wären und cs gleich wollt unterlassen, den schwachen Söhnen unserer Zeit die stützende Hand zu bieten 'i Warum sollen die Gesetzestreuen Uesterreichs-Ungarns in dieser lieziehuQg so weit zurück sein? Wem *die Interessen des Judentums am Herzen liegen, dem wird es bei allerseitiger Erwägong zur Gewissheit werden, dass wenn diese Anregung greifbare Gestalt anniinint, der Nutzen für כלי •עראי ein eklitauter wird, und dass nur so der Zukunft des Judentums, die ja identisch ist mit dem Bestehen der gesetzestreueu Rchtuog, auf die Fasse geholfen werde. ־, Möge jeder jüdische Geschäftsinhaber,!1er seinen Stolz darin erblickt, zu den gelichteten Ueihcn der Gesetzestreuen zu zählen, sich unserer Bewegung anschliessen! Möge diese meine Anregung I! •herziguag linden! So verdienstlich ein solcher Ansschluss, so verantwortungsvoll ist die Abweisung einer solchen Anregung, dereu. Nutzen und heilsame Folgen sich gar nicht ermessen lassen. Wiener Spar- und Kredit-Gesellschaft Genossenschaft m. b. H. , 5. Jahresbericht. , Dar uns jetzt erst zusehends Jahresb3richt p-0 1905, (der ■Bericht für 1906 ist noch nicht erschienen) hat für uns angesichts des von unserem Verbände geplanten Kreditinstitutes ein dopp31tes Interesse. DTe (Jenossenschaft, die vor 6 Jahren ins Leb9n gerufen wurde, gibt in ihren Statuten als ״Zweck* Folgendes an: 1 Die Genossenschaft hat zum Zwecke, die Wirtschaftliehe Lage des kleineren jüdischen Mittelstandes zu bessern, und strebt die Erreichung dieses Zieles an: a) durch Gewährung von Krediten an!Mitglieder gegen' Wechsel, Schuldschein oder andere vom Vorstande zu bestimmende Sicherheiten; b) durch Diskontierung oder Belehnung von Wechsel-, Buch- und anderen Forderungen an Mitglieder; , c) durch Besorgung von Inkassi und Bevorschussung von Inkassoworten für Mitglieder; d) durch Annahme von Geldern in laufender Rechnung gegen sofortige Verfügbarkeit oder gegenKün ligung; e) durch Anschaffung von technischen Behelfen für Mitglieder gegen Abzahlung; f) durch Anregung und Förderung von Massnahmen, welche eine kaufmännische und buchhalterisch geregelte Geschäftsführung der kleineren Betriebe bezwecken.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.