Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 4 (4.1907)
- Date
- 1907-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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ל . 28 Oer Sabbath. f iuern schon vnr *Jahren über diese Frwje erstatteten Gutachten mt ' Recht hervot^elwbon, dass der Staal aas wirtschaftlichen aud elbischen Momenten nur, 'da« Recht hat, seinen Bürgern einen Rahetag pro Woche rprfäbcljreibeD, dass es aber ein Dnding sei, dort, wo diese Massnitjn^ntiUden vom Staate anf den verschiedensten Gebieten berücksichtigtWnelinOsen Vorschriften kollidiere, den Staatsbürger za einer allwöchentlich wiederkehrenden, zwei Tage andauernden ’ Arbeitspanse za »*ringen. In Anerkennung dieses Prinzips hat nach das kgl. b!yerGphe Ministerium auf einer Eingabe des Rabbinerverbandes in gleicher Angelegenheit mit Ministerialentschliessnng vom 14. Dezember vorigen dahres erklärt, dass'es ,nicht abgeneigt sei, ' j inen Gemeindebehörde!^, welche durch statutarische Bestimmung die; Beschäftigung von Angestellten an Sonntagen 'binschränken oder v gänzlich untersagen, zd empfehlen, anf die in der Eingabe der Rah-! 1 biner geschilderten Verhältnisse tunlichst Rücksicht zu nehmen“, und lt wenn jetzt die Überwiegende Majorität des magistratischen Kollegiums jj ■ti8*־e übrigens in zablrei :iiun anderen Staaten iu weit erheblicherem I; 1'infange gewährte Erleichterung den an den traditionellen Satzungen [' ihrer Religion festhaltenlcu israelitischen Firmen zabilligte, so darf k mit R ■cht der Erwafntng Ausdruck gegeben werden, dass auch das 1 < ■emeindekoll^gium dieser von den Prinzipien d-T -Toleranz and des Riberalismus in GcWjssensfragen diktierten Stellungnahme seine Zustiihmnug nicht versagen wird.“ i In seiner'Sitznng vom 2־r>. April hatte-sich, da sein nbereinstimmender Beschluss in den beiden Körperschaften zustande gekoinmen war, wieder daä'G e m e i n d e k & 11 c g i u :n mit der Sache zu beschäftigen. Das Resultat der Beratung war <1 ie wiederholte An- 1 nähme des ursprünglichen Beschlusses des Gemein lekoltegin ns, wonach nuu in gemeinsamer Sitzung mit dem Magistrat die definitive Ents׳ heid11ng herheigrfiihrt jverden ma<s. Ein Antrag des Anti-e niten Wagner auf Kiclit ׳ewä&mg der Ausnahme für jüdische Firmen wurde mit grosser MehrSeit ahgclehnt. ן Die S^bathbewegung in England. Der Vorsitzende der jüdischen Gewerkschaften in England, Abraham Rjsenthal, veröffentlicht in der Jewish; Chronicle. feinen Artikel, der ein interessantes Bild von den Bestrebungen zur Förderung der Sabbit.hruhe gibt, wo sie seit einiger Zeit bei unseren Glaubensgenossen in Englani im Gange sind. Rosenthal beschwert sich über b die Tetlnahmlosigkeit, die der Jewish Board, of Depa-! ties, die von'den Englischen Juden gewählte Vertretnngskörperschaft, gegenüber dieser Bewegung bisher ah den Tag gelegt hat. ’Der Board hat zwar bei der pariamenl tarischen *Enquetekommission für die Sonntagsrahe die Annahme einer'die teilweise Arbeit von Jaden am-Sonntag zulaäsende Klausel erwirkt; ein Erfolg, der übrigens, ' wie Rosenthal ausführt, zu® grossen Teil der Mitarbeit jülischer gewerkschaftlicher Kreise za verdanken ist. An der Konsolidirunir der zur Vertei ligung des Sabbathgel dankens zu schaffenden Organisation weigert der Board sich jedoch beharrlich irgendwie teilzunehmen. Auch für ' eine von .■den Verfechtern derselben beabsichtigte Massen-; Versammlung in Lmdon, in der zu der Gefahr einer Erl Weiterung der Sonntagsruhe Stellung genommen und die grossen Massen für die Sache des Sabbaths interessiert werden ,sollen, verweigert er seine Mitwirkung. Die ' Leiter des Board halten das nach den beruhigenden Er- Klärungen, die jüngst von den Regierungsvertretern im '■ Oberhaus gegeben wurden, für unnötig und inopportun ־ und berufen sich darauf, dass der Board sich nicht mit E religiösen Angelegenheiten zu befassen habe. Dass der! Board eine Massenversammlung, durch die ein Druck auf i die gesetzgebenden Körperschaften ausgeübt werden soll,!; zumal jetzt^ nachdem von der parlamentarischen Kommission - ein bedeutendes Zugeständnis erlangt worden ist, für inopportun hält, wird man wohl billigen müssen. Im übrigen ist jedoch das Abseitsstehen des Board in der so wichtigen Sache der Schaffung einer starken Organit s.uion recht bedauerlich. Es wird aber hoffentlich die i• heutige Sabbathbewegung nicht in ihrer Entwicklung aufhalten, und die Leiter der Bewegung werden sich Jadurch nicht in ihrer Arbeit beirren lassen. Die Organisationsarbeit begann im November v. Js.; mit der Gründung eines Vereins, der zunächst im Stillen arbeitete und auch so schon manche Erfolge hatte. Gleichzeitig begann es sieb auch uuter den Meistern und den Arbeitern im Londoner Ostend zu regen, eine Depotation derselben suchte eine Verbindung mit dem anderen Verein herzustellen, was aber infolge des Eingreifens des Board nf Deputies misslang. Dann berief die Schneidergewerkschaft im vorigen 1 Monat eine gemeinsame Konfercuz aller jüdischen Gewerkschaften ein, die die Bildung einer gewerkschaftlichen Sabbath Observance Society zum Ergebnis hatte. Das beabsichtigte Massenmeeting wird trotz, der Absage des Board of Dephties abgehalten werden und die Besucher werden, wie Rosenthal verspricht, überrascht sein von den mannigfachen Erfdgon, die dort der Oeffentlichkeit vorgeführt werden sollen. In der Presse wurde bereits eine der Institutionen besprochen, die die Vereinigung geschaffen hat, das Büro für Arbeits- Vermittlung im Schneidergewerbe. Die gleiche Institution wird nun auch für die anderen Gewerbe ins Leben gerufen werden. Wenn die englische Judenheit, so schliesst Rosenthal, will, dass es ihr mit der Sonntagsruhe nicht, ebenso ergeht, wie der Alien Bill, so muss sie handeln bevor das Gesetz angenommen ist, und uiqht erst nachher. Sie *muss sich darauf besinnen, dass keine Zeit zu verlieren ist, wenn der religiöse Niedergang nicht wait9r fortschreiten soll. — Eine höchst interessante Debatte brachte die jüngst abgehaltene General-Versammlung des Jewish Board of Gu3rdians. Bekanntlich befasst sich diese Hilfsinstitution auch mit der Vermittlung von Lehrlingsstellen an jüdische junge Leute. Dabei schreibt das Statut als Bedingung vor, dass die Bewerber nur in solchen Stellen untergebracht werden düffen, in denen sie von der Arbeit am Sabbath befreit sind. Iu der General-Versammlung wandte sich nun eid Mitglied, Herr C. Stettauer, gegen diese Bestimmung und tadelte es, dass der Board nur solche junge Leutp, die am Sabbath nicht arbeiten, berücksichtige. Er ^prach die Ansicht aus, dass die erwähnte Bedingung beseitigt werden müsse und stellte schliesslich den AntragJ dass die Lehrlingsfürsorge mit Berücksichtigung des Sajbbath, der sich das. Industrial Comitee des Vereins bisher gewidmet hatte, einer anderen neu zu gründenden Gesellschaft überlassen werde, während der Board die einschränkende Sabbathklausel fallen lassen ״ solle. Um den Anjtrag Stettauer entspann sich eine lebhafte Diskussion. Nur einer der Re iner jedoch. Herr J. M. Myers, unterstützte den Antrag; die übrigen traten ihm mit aller Schärfe entgegen. Herr J. M. L i s s a c k bemerkte, dass, wenn der Antrag auf der Tagesordnung gestanden hätte, viele der nicht anwesenden Mitglieder erschienen wären, um dagegen zu protestieren. Herr Hermann Landau wies darauf hin, dass der Board als eine jüdische Institution seine Existenzberechtigung verliere, wenn er seinen Schutzbefohlenen die Einweihung des Sabbath erlaube. Auch Herr S. lvarct widersprach dem Antrag. H8rr N. S. Joseph empfahl Herrn Stettauer, denselben zarückzaziehen. Er (Joseph) habe zwar im vorigen Jahre die Arbeitsmethode des Industrial Comitee für Verbesserung»- bedürftig erklärt und eine Reorganisation der Lehrlingsfiirsorge verlangt. Wenn er aber damals gewusst hätte, dass die Sabbathklausei dabei in Frage gestellt werden könne, so hätte er lieber geschwiegen. Denn der Sabbath ist eine Sache, bei der ökonomische Rücksichten ganz ausser Betracht zu bleiben haben. Herr‘ A. E. Sydney erklärte es für ein Unrecht und einen Widersinn, wenn der Board gegenüber der Beobachtung des Sabbath seitens