Der Sabbath
- Journal
- Der Sabbath
- Volume
- 7 (1907)
- Issue
- 3 (3.1907)
- Date
- 1907-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Sabbath. 2 3 wandten, die nach jüdischem Ritus lebten, gedeckt war, für welche die Schwiegertochter des Jubelpaares, Frau Louise Meyer, die koscheren Speisen bereitet hatte. Zu diesem Feste ward dem Jubilar auch die grosse Ehre zuteil vom König Christian wegen seiner mannigfachen Verdienste um die Wohlfahrt des Landes mit einem Orden bedacht zu werden, für welche Gnade der Jubilar dem Monarchen persönlich seinen Dank in Copenhagen abstatten wollte. In der Hauptstadt angelangt, ward ihm auch bald eine Audienz gewährt; leider hatte das Geschick es aber anders beschlossen, denn am Morgen der bestimmten Audienz fand man den Greis entseelt auf seinem Lager, ein Schlag hatte ihn plötzlich in der Nacht den Seinigen entrissen. Viele Menschen betrauerten den Heimgang des allgemein hochgeachteten unb begabten Mannes und noch nach hundert Jahren ward sein Dichtertalent anlässlich eines Geburtstages des Königs Friedrich rühmend in der Presse hervorgehoben. — Nach dieser Abschweifung wieder übergehend zu der Biographie der Frau Louise Meyer, sei noch erwähnt, dass sie nach kurzem Aufenthalt in Dänemark bald eine ebenso gute Patriotin wie ihr Mann und ihre übrigen Verwandten wurde; der Patriotismus der ihr früher durch die Unterdrückung der Juden in Hamburg unbekannt geblieben war, nahm sehr bald in ihrem Herzen Platz, weil ihr die vollständige Gleichstellung der Juden, selbst in den besten christlichen Kreisen imponierte und dahin führte, dass sie bis an ihr Lebensende eine treue Anhängerin des Dänentums blieb. Als Solche hatte sie auch viele Lieder und Gedichte in der Landessprache verfasst, der sie schon, nebenbei bemerkt, innerhalb eines, halben Jahres nach ihrer Uebersiedelung vollständig mächtig war, ein Umstand, der sehr viel zu ihrer Beliebtheit beitrug. Die ihr innewohnende Begabung in Poesie zu schreiben, ward noch durch die Betrachtung der wundervoll schönen Gegend in und um Svendborg gefördert, einer Stadt die allgemein als die dänische Schweiz gepriesen wurde. Leider musste sie aber auch in ihrem Heim die Schattenseiten des irdischen Lebens kennen lernen, nachdem ihr Schwiegervater gestorben war, den sie unendlich geliebt hatte, und ihr Mann ungefähr um dieselbe Zeit das kostbarste Gut des Menschen, sein Augenlicht einbüssen musste. Dank ihrer Frömmigkeit konnte sie diese harten Scbicksalsschläge ertragen, indem sie mit der ganzen Hingabe eines treuen Weibes ihre Aufgabe, den erblindeten Mann aufzurichten und ihm eine Stütze in seinem schweren Leid zu sein, mit. seltener Opferfreudigkeit und Liebe ausfüllte. In dieser trüben Verfassung verliessen sie, dem Rate der deutschen Familie folgend-, Svendborg, wo sie 18 Jahre domicilirt waren, teils um im Zusammensein mit den Ihrigen in Hamburg Tröstung und Ruhe zu linden, teils auch wegen der musikalischen Genüsse, welche die Gross- Stadt ihrem blinden Mann bieten konnte, der ein Musik- Schwärmer war. Er ging ihr in die Ewigkeit voran. Ihr frommer Sinn, ihre Herzensgüte und ihre Lust, junge strebsame Kräfte von ihrem Wissen profitieren zu lassen, hielten sie bis zu ihrem Tode aufrecht. — Kurz vor ihrem 80jährigen Geburtstag hauchte sie ihre reine Seele aus, betrauert und beweint von ihren Kindern und von Allen, die das Glück hatten im Laufe der Jahre in irgend einer Beziehung zu ihr zu stehen. Eine Ischo chaschuwo, im wahren Sinne des Wortes, war der Erde entschwunden! * * Jugenderinnerungen, die während einer Krankheit meinem innern Blick vorühergegangen, hatten mich vor längerer Zeit veranlasst, Folgendes niederzuschreiben; da es aber mit hebräischen Lettern geschrieben war, welche seit jener Zeit aus Mode und Brauch gekommen, haben Mehrere, die Interesse an jene Rückblicke nahmen, mich ersucht, sie in gebräucl - lieber Schrift wieder zu geben. Indem ich nun diesem Folge geleistet, wünsche icl, dass es ihnen keine unangenehme Lektüre beim Durchlese: 1 werden möge! Geschrieben im September 1849. (gez.): Louise Meyer. * ' » *■ * Acht Entzückungen eines wahrhaft frommen Juden. Geschrieben im September )849. —י *V Was de gresste S’chie is for en guten |id im Leben, Is def Schabbes Kaudesch, den unser Herrgott hott gegeben. Sobald mit Lecho Daudi der liebe Schabbes kummt in ).and, Heng ich mit de Wochenklader aach alle Sorgen an de Wand, Denk nit an Masmatten, nit an Golus, den mer hebben, Un tausch nit mit de Meie, wenn se mer noch so viel gebben. Ganz andre Gedanken kummen doch mit de Neschomme Jesseire, Es fallt Änem gor nit in en Titelche vun en Eweire. (Sich umsehend) Au, wie en scheene Schabbes-Stub, die Blumen [wie lauter Bezomim Schlofrock un Mitsch liegt zurecht un auf den Tisch Diwre /omim Ich pfleg immer gern en Bis’che zu lernen vor־ Tisch, Mach denn Kiddusch un Mauzeh un ess vors Erste de Fisch. (Vor Freude errötend) Unbeschrien! welche Barches! Ich ,hob ni: [gemogt Mafsik sein, Vun vier Pfund sau graus, und das,Mehl dabei sau fein! Wenn Alles, was zu Auneg Schabbes gehört, gelingt un werd gut, Is Anem so waul un sau innerlich Besimche zu Mut, Das ordentlich en Taam drin liegt, den mer nit kenn beschreiben, En guter Jid zu sein un zu bleiben. Das hasst sich geblosen! Das wor en Ball Tekeie! In de ganze liebe Schul hebben Alle nuor aan Deie,> Dass uns Gott mög die Schie bescheeren, Sauwaul ihn, wie das neie Chasanche in’s Bes Hamikdoschzu־heren. ,Das wor en Nachps, sau en Koll un sau en Dibber! Was kenn mer sich besser wünschen as sau en Schliach Zibbur f l Die paulische Negunim hebben aach en ganz andern Klang, Auswennig schenner wie ihr Orgel mit. ihr Tifle Gesang. Wie kenn Anem do gor de Zeit lang wohren? Wenn mer will Bekwone Piutim sogen un denn noch mit den [Chasan oren. Alles geht altmaudisch zu, wie es gehn muss Kaner red Deworim Beteilim oder denkt gor an Schtuss. Sau dass ich’ gern wer bis heit Obend do geblieben Un mer freit, dass mer widder Schulen geht vor Klokk sibben. יייד י־י:יי־ ♦ ~ | I Gut Woch un gut |ohr! Jorrt‘Kippur bleibt doch immer der schenste von alle Jom Tauwim, Wo man ohne andre Gedanken Haschern ]isborech kenn lauben, Es woren man Balbatim alle unsre Chasonim, Obber geiaubt sei Gott! lauter feine Lamdonim. Doher hot aach aner den andern nit gejogt, Un Wort vor Wort hot en jeder mitgesogt; Es wor nit zu kalt, es wor nit zu haass. Ausser bei de Awaude hob ich gefühlt en bis’che Schwaass. Das Kaurimfallen ward sauer, wenn tner ward en bis'che complent; Aach gut, sunscht hett ich gor kan Teschuwoh heut' gekennt. Ich hob agentlich gehot gor zu viel Hanoe, Gott lass es mer sogen in en glückliche Schoo! De Lewone hot aach gestanden klor und fein, Mer hebben se gleich gekennt mit Minjan Mekadisch seig. Seht, wie das Hawdolelicht flackert! lauter gude Semonim, Unser Herrgott ward uns geben noch viel glückliche Schonim’ סבוה. - En Szikkelche hob ich mir gemacht, Mekable Hano kann mer .sein; Es zieht nit, es holt nit, dabei doch koscher un fein. Ihr word Euch verwundern über das scheene S’chach', Mer mahnt nit anders, mer ־Wer unter en schteinern Tach. Die Kinder hebben Appel un Eier mit Goldschaum bewebt Un en Mögen Dowid über de Tür angeklebt. Ich kenn drin sitzen mit mein ganze Mischpoche