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Der Sabbath · 1907-03-01 · 3 (3.1907) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
7 (1907)
Issue
3 (3.1907)
Date
1907-03-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Der Sabbath. . 19 Und in Nr. 15 heisst es: .Von den vielen Zuschriften, die wir in Bezug auf obigen Gegenstand erhalten, lassen wir wiederum heute eine folgen : Geehrtester Herr Kedakteur! Ein ausgesprochenes Wort? eine Idee, iir die Welt hinausgeschickt, gleicht den Samenkörnern, die un•' bedeckt hingeworfen werden, sodass sie jedem Windzuge ausgesetzt sind. Viele von ihnen werden auf felsigen Boden verschlagen, viele ins Wasser geschleudert und nur einzelne Körner erreichen fruchtbares Erdreich, keimen hier und treiben Frucht. So scheint es "mir auch mit Ihrem in seiuer Tragweite und Bedeutung alles andere übertreffenden Aufruf zum Sabbathvereine. Wohl gibt es unter der Henge einzelne empfängliche Gemüter, שר נגע ד.שם כיגכם«, aber die Mehrheit des Volkes wird nur dann für eine fruchtbringende Idee gewonnen und zu tätiger Teilnahme hingezogen, wenn die Kabbinen, Lehrer und sonst dafür begeisterte Männer es sich zur Lebensaufgabe machen, als נושא סשך רזרע einzutreten und das Samenkörnchen dahin zu tragen, wo es wachsen und gedeihen kann. Mit dieser Ansicht sende ich Ihnen, von einem Ungenannten 2 U. unter dem Wunsche: ייכפר פרשת rfryth *ימוד. הנשארה שדש?1סמר, •יעשה פר. liochacktungsvollst J. Sichel Lehrer in Treuchtiingen. Endlich begegnen wir noch in Nr. 22 einer als l’rivatmitteilung bezeichneten Korrespondenz zu unserem Thema aus Münahen: (Privatmitteilung.) Wenn noch irgend Jemand an der Wichtigkeit und Dringlichkeit des ־• שכתicai-Vereins zweifeln sollte, so möge ihn folgendes Factum überzeugen. Ein junger Manu von ]8 Jahren, mit dem ich kürzlich bekannt wurde, erzählte mir von seinen Erlebnissen. Da ich merkte, dass in ihm noch nicht alles Jüdische erstorben war, obwohl er im Verlauf des Gesprächs, das wir über religiöse Dinge führten, mir oft wiederholte, dass Das nicht mehr ״zeitgeinäss“, Jenes überhaupt niemals wichtig gewesen sei etc, so bat ich ihu, da er, wie er mir sagte, von frommen Eltern herstamme, mir zu erzählen, auf welche Weise er zu solchen Ansichten gekommen sei. Er wollte nicht recht mit der Sprache heraus, gab endlich aber meinen dringenden Bitten nach und sprach: ״Ich will Ihnen von meinem ersten Sabbath in der Fremde erzählen, obwohl ich nur ungerne mich daran erinnere. Doch, vielleicht entschuldigt mich das in ihren Augen, in denen ich lese, dass Sie mich für einen grossen פשע halten. Mein Vater starb, als ich noch nicht völlig 12 Jahre alt war. Ich bekam nun einen Vormund, der mich gleich nach meiner ב- כצזת hierher in das Geschäft des Herrn S . . . brachte. Diese Steile baue mir mein Vormund verschafft, ohne dass meine Mutter, die schon lange leidend ist, etwas davon wusste. Aber sie war damit einver-. standen und dankte demselben herzlich für die Freundlichkeit und Mühe, die er sich um die Versorgung ihres Sohnes gegeben. Als die Stunde der Trennung schlug, umarmte mich meine Mutter und gab mir gute Kutschläge über mein Verhaften und legte mir besonders ans Herz, brav und fromm zu bleiben und mich nicht verführen zu lassen Als ich hier ankam, wurde ich sofort sehr in Anspruch genommen durch die ungewohnte Arbeit, so dass ich kaum Zeit fand, mich dem Schmerz der Trennung von der geliebten Mutter allzusehr hinzugeben. Nach weuiiten Tagen hatte ich mich an meine neue Lage gewöhnt. Da kam der Freitag - Abend heran. Als es, nach meiner Berechnung, Zeit zum ״Schuleugehen“ war, warf ich ängstliche Blicke auf meinen Prinzipal, der gar keine Anstalten traf, seine Arbeiten einzustellen und den Luden zu schliessen.' Ich fasste endlich Mut und fragte ihn, ob ich nicht in ״Schul* gehen dürfte. 'Meinetwegen, sagte er, heute will ich’s Dir erlauben, da 1)11 wahrscheinlieh ' noch nie eine so schöne Synagoge gesehen haben wirst, auch werdet Ihr in Eurem Dorfe sicherlich keinen Uhorgesang haben, wie wir. Habe ich recht? — Ich gab keine Antwort, sondern eilte schnell in mein Zimmer, wechselte die Kleidung und begab mich in die Syuagoge. Nachdem ich mit dem Mincha-Gebct fertig war und der Chor unterdessen den דכה חדי sang, betrachtete ich die Synagoge und suchte endlich nach meinem Prinzipal. Doch ich gewahrte weder ihn, noch irgend Jemanden von unseren jungen Leuten. Jetzt erst fielen mir zentnerschwer die Worte meines Prinzipals eia, dass er mir heute eiumal erlauben wolle die Synagoge zu besuchen. Ich wagte nicht, weiter zu denken, jedoch eine wahre Augst hatte sich meiner bemächtigt. Die Synagoge war aus und langsamen Schrittes kehrte ich heim. Was. ich zu denken nicht gewagt hatte, das sah ich jetzt. Unser Laden war hell erleuchtet und Alles war darin noch beschältigt, wie ich bemerkte. Unter heftigem Herzklopfen stieg ich leise׳ die Treppe hinauf und kam unbemerkt in mein Zimmer. Hier fragte ich mich, ob wohl meine Matter gewusst hat, dass ich in ein solches Haus kommen sollte? Uder sollte mir erlaubt werden, am Sabbath vom Geschäft fern zu bleiben? Doch, da fielen mir wieder die Worte meines Prinzipals ein, und eine namenlose Augst überfiel mich. Das aber nahm ich mir fest voi, am Sabbath vom Geschäft fern zu bleiben. Ich hatte die Lehren meines seligen Vaters noch nicht vergessen, und das Andenken an ihn gab mir Mut, ich suchte im Geiste nach Worten, mit denen ich vor meinen Prinzipal treten wollte. Ich weiss nicht, wie lange ich mich meinen Gedanken überlassen hatte, als ich durch die Stimme meines Prinzipals, der die Treppe heraufkam, aufgcschrcckt wurde. Es war Essenszeit; doch_ich wagi e kann! in’s Wohnzimmer zu gehen; mit klopfendem Herzen entschloss , ich mi׳ h endlich dazu. Ich wollte schon, wie ich es gewohnt war, ״gut Schabiios* sagen, doch das, was ich hier sah, lies1 ״uich~fait verstummen, und nur mit Muhe brachte ich einen ״guten Abenc “ heraus, Herr S. . . fragte mich, indem er eine Dampfwolke von sich blies, wie es mir in der Synagoge gefall™ habe. Als ich ihm stotternd Antwort gegeben halte, wendete er sieb zu seiuer Frau, d e eifrig mit einer Stickerei beseuüftigt war, und sagte: .Du verdirb d Dir ja die .Augen mit dieser Arbeit; heute wird sie doch nicht fertig sein müssen:* Madame 8 . . ., ohne von ihrer Arbeit aufzuschaue 1, agle: ״Du scheinst vergessen zu haben, dass morgen der Geburt 1tag von . . . ist, und da muss ich doch heute Abend noch mit dieser lar sie bestimmten Stickerei lertig sein.“ ״Ach, sagte Herr S . . ., wie aufmerksam Du bist, ich habe in der Tut nicht daran gedacht. Aber lass jetzt Deine Arbeit. Du kannst sie uach Tisch beendigen * ich wusste nicht, ob ich wachte oder träumte, und mein Appot t war nicht sehr stark. Sobald ich konnte, entfernte ich mich, ln welchem Zustande ich mich befand, als ich mein Zimiudr erreichte, kann ich Ihnen kaum beschreiben. Ich war ganz verwirrt; denn von meinen Eltern ,fromm erzogen, musste dieser Anblick der Entweihun? des Sabbaths einen niederschmetternden Eindruck auf mich machet. Was sollte aus mir werden! Ich fasste den Entschluss diesets Haus gleich nach שבת zu verlassen. Ich war aber noch ein Kind. Ic 1 legte mich tudüeli zu Bette uud wurde die ganze Nacht hindurc 1 von wilden Träumen gepeinigt. Als ich am Morgen etwas spät zum Frühstücken ging, traf ich weder meinen\l'rin/.ipal noch einen der jungen Leute im Zimmer au. Ich beendigte das Frühstück so rasch als möglich und schlic t die Treppe hinunter, um unbemerkt das Haus zu verlassen. "1 ־c 1 hatte keinen bestimmten Plan, nur das wusste ich, dass ich meinen etwas strengen Prinzipal, kein Wort des Widerspruches zu leisten wagte, ich wollte also fort aus diesem Hause, dessen Daeil über mir eiu/.usturzeu schien, ich war an der Haustür angelaugt, d 1 hörte ich zu meinem Entsetzen rufen: ״Wohin gehst Du?“ Ich waj, wie Sie sich denken könucu, luder grössten Verwnrung uud stottert: endlich,, ich wollte in ״.*ebui־ gellen. 80״, Du meinst gewiss, das gellt so fort? Da wird nichts daraus. Gleich geh’ auf die Post uiiilj hol’ die Briefe, die Du schon abgeholt haben könntest.־ Nae 1 diesen Worten stieg er die Treppe hinauf, ich war plötzlich s 1 lurijutsam und feige geworden, dass ich meinen gefassten Entschluss ganl! vergass uud ohne Widerrede die Briefe au der Post-abholti. Ulniehin dachte ich mir, dass es nichts so sehr ■Schlimmes wäre. Als icti j zuruckkehrte, faud ich meinen Prinzipal wiederum im Laden, Ich] übergab ihm die Briete, worauf er׳ mir einige Adressen angali, die ich auf schon fertige Briefe schreiben sollte.* Entsetzt starrte ich ahn an,.ohne mich vom!Tatze zu bewegen. ״Was starrst Dt mich denn so au?“ fragte er, ״hast Du mich nicht verstanden?“ ״Ich kann nicht schreiben,“ erwiderte ich, und der Angstschwei: s trat auf meine Stirne. ״Du kannst nicht schreiben?* Warum nicht:* Mit furchtbarer Austreugun(׳ brachte ich die Worte'hieraus: ״Weil sanlstag ist.־ Herr 8 . . . und das übrige Personal brachen in ein lautes Gelachter aus. ״Du bist aber noch ein recht einfältiger Lau! 1junge; meinst Du, ich lasse Dich spazieren 4gehen, während wir die Hände voll zu tun haben? Marsch, an die Arbeit! Du wirst ball gelernt haben, am Samstag zu schreiben, so gut wie an anderen Tagen. Das käme mir gelegen, mich mit solchen Dummheiten nbzogeben.“ Wie ein armer Sünder-ging ich mit niedergeschlagenen Blick auf meinen gewöhnlichen Platz. Jetzt weiss ich nicht anders und glaube am Ende selbst, dass es nichts Unrechtes ist." 80 weit die Erzählung des jungen Mannes! Ich könnte fuglic 1 .-ckliesseu, da dieses Factum keinen Kommentar braucht. Doch wi 1 ich noch bemerken, dass Hunderte und Tausende junger Leute,—s 3 zum חדור שכת gezwungen werden. Sollen wir nicht helfen, wenn 111 unserer Macht steht? Auf, ihr Männer, rettet Eure Kinder, rettet ilic Zukunft Israels! H. 8. msän Sabbathfeier und Sonntagsruhe. Der Ka bbin ervertiAnd in Deut ts c hland hi, sieh, wie von uns berichtet, in seiner Versammlung ant'ang: dieses Monats in Berlin mit der Frage der Sjabbatli heiUgung beschäftigt, welche als eine religiöse! m *) Wir entnehmen vorstehenden' .Artikel der! Nr. i des Haiim. Fam. Blattes. Sein Inhalt deckt sich fast würtliqh mit dem, all ■r ■Gegnerschaft zum Trotz, von dem geschäftsführenden Ausschuss de; \ erbaudes der >abbulhfrcundu von jeher, festgehaltenen Standpüni t 111 der Sonntagsruhe!rage und beweist, dass dieser Standpunkt nach uud nach auch in Kreisen, die gegen den Verdacht extremer Schrot׳׳ heit besser als wir geschützt sind, sich Verständnis und Freunde erwirbt. Hed.

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