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Der Sabbath · 1907-01-01 · 1 & 2 (Jan.-Febr. 1907) · p. [Seite]

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Journal
Der Sabbath
Volume
7 (1907)
Issue
1 & 2 (Jan.-Febr. 1907)
Date
1907-01-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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10 Der Sabbath. Was die Beschränk wagen anlangt, die die Sabbath rwhe dem Jaden auferlegt, so ist Montagn der Ansicht, dass die Zahl der Berufe, die nickt ergriffen werden kannten, überschätzt werde. 1 So ist z. 1L, bemerkt Montagn, ein jüdischer Anwalt keinesw^gs gezwungen, am Sabbath zn plädieren. Es ist immer möglich ein Arrangement za treffen, durch welches dies vermieden wird. Ichf habe in mdmem Leben zwei oder drei Prozesse gehabt, und jph habe immerJoie Verlegung der Verhandlung von Samstag auf einen anderen^Tag erlangt. Mein Anwalt teilte dem Richter mit, sein Klient sei Jude und könne infolgedessen am Samstag nicht vor Gericht? erscheinen, und das hatte stets den gewünschten ךErfolg. WJ ein Wille ist, da ist auch ein Weg und ‘ immer kommt es nur auf den Einzelnen selbst an, ob er den aKwath beobachten will oder nicht. Wenn er der Versuchung nacngicbt, so bat er dies nur sich selbst zuznschreiben. Der Entschluss ist die .Hauptsache und wer von vornherein mit dem Vorsatz ans•» Weit geht, der Versuchung zu widerstehen, der sieht die Schwierigkeiten sich ständig vermindern. Ich denke, es ist besser, dass ein junger Mann sich von Wasser und Brot ernähre, als dass er die babbatbgebote verletze, hie wollen sagen, ,es u^eicht iür' Sie, Sir Saauel, so zu sprechen. Sie hatten es 'niemafsilJvtig.' sich mit Wasser und Brod zu begnügen“. ,O nein, alsuKaji mit dem sei. Dr. Ascher im Osten reiste, fest entsphlossen, Sft Speisegesetze nicht zu übertreten, da kam es vor, dass wir nichts haben konnten als trockenes Brod, und wir haben "üps nichts daraus gemacht. Wenn ich höre, wie mitunter Leute sggen, sie würden verhungern, wenn sie. nicht am Sabbath arbeiten, denke ich immer an einen Hausierer im Londoner East End, dtp sich auch mit diesem Vorwand za entschuldigen suchte und de* v.n einem Bekannten die Antwort erhielt, ״sehr schön, aber Sie brauchen doch während des Hausierens nicht Zigaretten zu reichen“. . j 'Sir Samuel beantwortete auch die Frage, was er von dem deutschen ,Verband der Sahbathfreunde* halte und ob eine ähnliche Organisation in England Aussicht auf Erfolg haben würde. Er erinnere sich, wie er vor einigen Jahren mit dem Chief Käfffci und einigen anderen Herren eine Anzahl Unternehmer be-- ’ -habe. Letztere zeigten sich mehrfach bereit, ihre jüdischen Ar(jeit^j*,1n der^Beobachtung des Sabbath zu unterstützen. Ein oder zwei ijrfiuen versicherten jedotb, sie hätten ihren jüdischen Leuten deaVDispcns am Sabbath angeboten, diese hätten jedoch abgvfchnt. Jch glaube das, denn als der König seinen Empfangsübend auf einen andern Abend zu verlegen, zogen die Juden es meist-vor, von dieser \ ergünstigung keinen Gebrauch zu machen. Ais ich vor sechs Jahren in Leeds war — wo der Sabbath besser gehalten wird als in London — sagte mir der Kleiderfabrikant. - Sir John Barran, er beschäftige eine Anzahl Juden, denen er am Samstag freigebe. Er deutete dann auf eine grosse Fabrik hin, dessen Inhaber — einst bei ihm in Diensten gewesen sei. ,Dieper Mann*^ sagte er, ״hat nie am Samstag gearbeitet und sehen t er es gebracht bat.“ Ich meine auch,..fuhr Sir Sajlß jüdische Schneider gemeinschaftlich die Kleideraternehmen könnten, nm so leichter der Sabbatharbeit ‘können. .Natürlich ist GeJd und vor allem Rührigviative zur Begründung eines solchen Geschäftes notwendig. Flene Vereinigung der Sahbathfreunde würde u. a. eine Liste derjenigen Arbeitgeber, die ihren Arbeitern gestatten, am Sabbath zu ruhen, zu veröffentlichen haben. Montags erhofft von einer autonomen jüdischen Ansiedlnng Leiem Vorteil für die Sache der Sabbathruhe. Die Kolonie werde wenn sie׳ .einen Wert habe, von Christen nicht minder wie von Jaden besiedelt *werden. Und wenn die Christen die Mehrheit oder eine grosse Minderheit l^ldeten, so würden sie sich die gesetzliche Festlegang der ^wöchentlichen Rnhe auf den Samstag nicht gefallen lasstu. Sir Samuel sprach dann noch von den Schwierigkeiten, dtaen er selbst bei seiner strikten Beobachtung des Sabbaths begegnet •eL Aber, so schliesst er, ,es ist eine hohe Genugtuung, wenn einer io meine J^ihre gekommen ist, zurückzuschauen und za sehen, dass er •o viel Jfcr««־suthuugen zur Uebertretung der jüdischen Gesetze siegreich Wlfanden bat. Ich kann nur wiederholen: wo ein Wille ist, ibR.ist auch ein Weg*. Sic, niuel fabrtkj entg trijäi keit und lnl* i* artx•#־* Nochmals: Woran es liegt! Nachdem unter dieser Rubrik in einer der letzten Nummern, des ,Sabbath* vom Standpunkte der Chefs aus die Frage angeschnitten worden ist, welches dBr Grund der vielfach herrschenden Missstimmung zwisclen Chefs and Angestellten sei, möge es gestattet sein, aa 5h einmal vom Standpunkt des Angestellten aas dazu Stdlang zu nehmen. Denn nur vollste Klarheit über diesen Punkt kann zur Klarheit führen. Nicht fehl za gehen glaube ich mit der Annahme, dass die meisten bestehenden Uebelstände, eine Ursache gemein haben. Diei; ist die verhältnismässig schlechte Entlohnung einer grossen Anzahl janger Leute, die in» an שבת geschlossenen Geschäften tätig sind. Dieser Grund dürfte vor allem dem Vorwurf entgegenzuhalten sein, dass v^ele junge Leute ihre Chefs nicht durch ein genügendes Geschäftsinteresse unterstützen. Der geehrte Herr Einsender fordert von den jungen Leuten, dass sie mit Rücksicht danuf, dass der Prinzipal es nur unter schweren Opfern möglich macht, den שבת zu beobachten, bei geringeren Gehalt grösseres Geschäftsinteresse zeigen sollen. Dem kann wol mit Fug und Recht entge|gengebalten werden, das Opfer, das heute ein junger Mann bringt, wenn er gute Stellen, in denen ihm nicht hur ein hohes Gehalt, sondern, auch glänzende Aussichten für sein späteres Fortkommen geboten werden, ausschlägt, um den שבת beobachten zu können, und der dafür eine Stellung annimmt, in der bei einem kleinen Gehalt ihm für sein späteres Fortkommen nur geringe oder vielfach ״ar kein» Garantie geboten wird, ist doch wohl nicht geringer za bewerten, wie das der Chefs, die auch nur des שבת willen auf einen grösseren Verdienst verzichten. Mir sind eine ganze Reihe junger Leute bekannt, die Stellen, ia denen sie monatlich 200 Mark und mehr verdienen konnten, ausgeschlagen und sogar aufgegeben haben und sich heute mit Stellen begnügen, in denen sie nur zweidrittel• verdienen und bei weitem mehr Arbeit haben. Keineswegs will ich damit, behaupten, dass dies von Seiten der jungen Leute ein Verdienst wäre, denn es ist js nur ihre Pflicht und Schuldigkeit, aber Rücksichtnahme kann nur verlangt werden, wenn sie von beiden Seiten geübt wird. Ein Chef, der seine Angestellten ihren Fähigkeiten entsprechend behandelt und bezahlt, wird auch stets eia arbeitsfreudiges Personal zur Seite haben. Wenn der geehrte Herr Einsender dann ferner behauptet, dass di& jungen Leute in an שבח geschlossenen Geschäften nur 5• statt 6 Tage in der Woche arbeiten, trifft dies wohl wörtlich genommen zu, bei näherer!Betrachtung aber ist diese Behauptung keineswegs berechtigt. Es ist wohl eine allgemein bekannte Tatsache, dass die d irch den שבת verloren gehende Arbeitszeit in der Woche durch ein längeres Arbeiten reichlich nachgeholt werde. Auch der Vorwurf, dass die Angestellten sich weigern, am Sonntag in den gesetzlich zulässigen Stunden zu arbeiten, trifft keineswegs zu Eine einzelne böse Erfahiung mag hier zu unrecht verallgemeinert worden sein. Mir sind eine ganze Anzahl junger Leute bekannt, die am Sonntag sogar ausser dieser gesetzlich zulässigen Zeit für das Geschäft tätig sind. Auf die leider bestehende Missstimmung mag ferner auch folgender psychologischer Grund nicht ganz ohne Einfluss sein. JEine alte Erfahrung lehrt, dass was Selbständigkeit und Beweglichkeit jm geschäftlichen Leben anlangt, die jüdischen jungen Ldute ihren ch: ,istlichen Kollegen um eiu Bedeutendes voraub sind. Nicht umsonst pflegt man von einem besonders geschäftstüchtig) n Christliehen jungen Mann zu sagen, dass er ein ״Goi nit einem jüdischen Kopfe“ sei. Gerade dieser Umstand tnd dies» Beweglichkeit ist es, die früher den Trieb zur Selbständigkeit oder zu einer selbständigen Stellung erwachen lässt. Aber dieser Trieb ist es auch, der dem Chef Misstrauen gegen den jungen Mann, der sich möglichst

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